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Informationen zum Thema:
Forum:
ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
10
Erster Beitrag:
vor 16 Jahren
Letzter Beitrag:
vor 16 Jahren
Beteiligte Autoren:
Yvonne König, Sibylle, Ricki, Hylke, Dagmar, liss, Susi

Eure Beiträge

Startbeitrag von Yvonne König am 29.06.2001 06:45

Hallo

ich versuche so oft wie möglich im Forum zu lesen, was mir immer wieder total hilft und mir Mut macht.
Nun habe ich eben wieder drin gelesen und habe folgende Frage: Mein Sohn ist als "eher schwerer ADS+H Fall" eingestuft, mit baldiger Ritalintherapie.
Trotzdem ist es so, das ich zu 99% bei ihm das erreiche, was er nun machen soll. Sei es Zimmer aufräumen, anziehen, essen, hören, oder sonstiges.
Wenn ich dann lese, das viele von Euch oft die Kinder nicht zu irgendwas bringen können, oder nur nach langem Kampf, frage ich mich, wie das möglich ist?
Versteht mich nicht falsch, ich will keinem einen Vorwurf machen, im Gegenteil. Aber mein Sohn z.B. ist überall stark auffällig, macht die größten Probleme bei Großeltern, Vater, Geschwistern, Erziehern usw. Nur bei mir klappt es so gut wie immer.
Bloß zerrt diese ständige Erziehung, ständiges zur Stelle sein, an meinen Nerven. Denn wenn ich nicht da bin, macht er viel mehr "Blödsinn" als wenn ich da bin.
Er wird ja jetzt 7 Jahre und so langsam kann ich auch mit ihm reden. Ich bin nun auch soweit, das ich mich so gut wie nie mehr aus der Ruhe bringen lasse. Denn ich habe gemerkt, wenn ich ihm keine Vorwürfe mache, sondern ruhig mit ihm über seine Missetat spreche, das er dann total einsichtig ist oft sogar weint oder sich schämt. Und er entschuldigt sich dann auch bei jeweiligem "Opfer". :-)

Wie gesagt, ich hoffe, ich habe es so verständlich geschrieben, das keiner mich jetzt für Bescheuert hält. Es fällt mir nur auf und ich verstehe es nicht.
Entweder mache ich was in der Erziehung total anders oder mein Sohn ist kein so schwerer ADS´ler, wie diagnositziert?

Bin gespannt auf Eure Antworten, liebe Grüße Yvonne

Antworten:

Hallo Yvonne,
auch wir behaupten, dass es zu Hause eigentlich klappt. Allerdings haben wir halt akzeptiert, dass Simeon "stur und exzentrisch" ist. Da er das 3. Kind ist, geht man mit einer gewissen Ruhe und vielleicht auch herruntergeschraubten Wünschen an ihn heran.
Da wir alle unsere Kinder versuchen so zu nehmen wie sie sind, haben wir unser Leben darauf eingestellt. Jetzt stellt sich heraus, Simeon ist nicht wie oben beschrieben, sondern ADS/H! Bei den Grossen wird ähnliches vermutet.
Mein Simeon ist auch in der Regel ansprechbar, zärtlich, anhänglich und lieb. Es hapert in der Gruppe. Und das ist ja auch die Familie.
Jetzt habe ich die Hoffnung, dass auch unsere Familie eine homogene Gruppe werden könnte. Zum Beispiel ein gemeinsamer Urlaub wäre einfach toll. Oder das wir unsere Kinder (immerhin 18,16,12) auch mal abends 1,2 Stunden alleine lassen können, ohne Angst danach ohne Zuhause zu sein, oder Einen im Krankenhaus wiederzufinden.
Bei aller Liebe zu den Kindern und vermeintlichem "Es klappt zu Hause" freue ich mich auf die Hoffnung, wieder mhr mit Allen und vor allem mit meinem Mann GEMEINSAM leben zu können.

Liebe Grüsse und viel Kraft
Elisabeth

von liss - am 29.06.2001 07:31
Hallo Yvonne,

ich denke, dass es doch sehr auf Kind ankommt und an die Umstände.

Bei unserer Großen (7) klappt es zu Hause eigentlich auch super (ADS ohneH) nur zerrt es an meinen Nerven, wenn sie halt 'ne Stunde braucht, bis sie sich mal angezogen hat. Sie macht es, aber verträumt sich immer dabei.

Beim Kleinen (5) ist das schon anders (wahrscheinlich ADS+H). Manchmal läufts super (seitdem wir mit Punkteplan arbeiten), manchmal ist iuhm alles sch...egal. Dann hilft auch nichts mehr, kein reden, kein schimpfen, kein strafen,...

Allerdings hab ich hier teilweise auch noch 3 Tageskinder 2, 3, 3)- die Ablenkung ist also viel größer und ich habe selber ADS- d.h. ich habe oft die selben Probleme mich zu organisieren und ihnen beizubringen wie man z.B. aufräumt (ist für'n ADSler ab ner bestimmten unordung fast unmöglich).

Wahrscheinlich hat er bei dir alles was er braucht! Das ist leider bei uns oft nicht so!

Aber freu dich daran! Sei froh dass es so ist!!!

Viele Grüße
Susi

von Susi - am 29.06.2001 08:03

Re: Unterschiedliche Ausprägung von ADS

Hallo Yvonne,

wenn dein Sohn als schwerer Fall gilt, dann kommt es darauf an in welchen Bereichen. Er kann massiv hyperaktiv und konzentrationsgestört sein und dennoch sehr lieb. Schwierig sind vor allem die Kinder mit hoher Impulsivität. Je stärker die ausgeprägt ist, desto trotziger, uneinschätzbarer, bestimmender und oppositioneller wird ein Kind.

Außerdem haben einige Kinder zusätzlich zu ADS noch eine Störung des Sozialverhaltens. Das sind meist Kinder, die schon als Babys mit schwierigem Temperament zu Welt gekommen sind.

Deshalb finde ich es ganz wichtig, dass man nicht von den Verhaltensschwierigkeiten eines ADS-Kindes auf die Erziehungsfähigkeit der Eltern rückschließt. (Du hast das nicht getan, ich habe es manchmal in der realen SHG erlebt). Die Ausprägung des ADS ist prinzipiell angeboren. Nun gibt es bei jedem Kind einen Korridor, in dem man mit Erziehung etwas bewegen kann. Aber es gibt Kinder, die sind so massiv betroffen und entwickeln dazu Sekundärstörungen, da können die Eltern all ihre Kraft einsetzen und zudem in hervorragender Betreuung sein und es ist trotzdem ein Kampf Tag für Tag.

Ich denke, das ist wichtig, das zu wissen, weil man auch so verstehen kann, dass wenn zwei Mütter mit ihren ADS-Kindern das gleiche tun, es bei der einen Mutter hervorragend klappen kann und bei der anderen Mutter gar nicht. Wichtig zu wissen vor allem für die Mütter, wo es so schwierig ist, dass sie nicht doch noch anfangen, sich vor Schuldvorwürfen zu zermartern.

Viele Grüße
Dagmar
Elterngruppe Frankfurt


von Dagmar - am 29.06.2001 08:31

Re: Unterschiedliche Ausprägung von ADS

Hallo Yvonne,

unser Junior (7) ist ADS + H diagnostiziert.

Er ist eigentlich nicht Agressiv und besitzt auch keinen unwahrscheinlich hohen Bewegungsdrang ( ist halt etwas rastlos ).

In seinem Fall steht das H für seine imense Impulivität.

Kein Hinweis, kein Vorschlag, keine Anweisung, ja sogar kein Lob wird einfach hingenommen oder akzeptiert.

Alles wird in Frage gestellt, diskutiert oder negiert. Er lehnt von vornherein alles generell ab.

Ich glaube Du kannst Dir vorstellen was passiert wenn er sich anziehen oder sein Zimmer aufräumen soll: Endlose Diskussionen, die meistens in Geschrei ausarten.

Er ist so geschickt im Reden, er dreht einem einfach das Wort im Mund um wenn man nicht aufpaßt. ( Könnt ihr euch vorstellen euch mit eurem, damals war er 5 Jahre, Kind ums Kindergeld zu streiten? Ich schon *g*).

Wie gesagt, wir kommen mit ihm zurecht, wir kennen und lieben ihn, nur wie schon oben gesagt "wehe wenn er losgelassen" und alleine irgendwo ist, dann geht´s rund, er nimmt kein Blatt vor den Mund, peinlich, peinlich *g*.

Freu dich einfach, daß es bei Dir so gut klappt und Du an dein Kind "rankommst".

Gruß Sibylle

von Sibylle - am 29.06.2001 09:04

Re: Unterschiedliche Ausprägung von ADS

Hallo

danke für die vielen Antworten. Ich bin froh, nicht mißverstanden worden zu sein! :-)

Mein Sohn ist ja eben sehr impulsiv, hat ein ganz schlechtes Sozialverhalten in der Gruppe, freut sich, wann immer jemand andere Schmerzen hat oder geschimpft wird oder solche Dinge.
Man kann ihn nirgens aus den Augen lassen, er macht nur Schwierigkeiten. Der Kinderpsychologe sagte wörtlich:" Dorian hat ein sehr dominantes Wesen, er braucht eine ganz harte, konsequente Erziehung. Wenn es draußen kalt ist, darf er sich die Farbe der Mütze aussuchen, nicht aber, ob er eine Mütze anzieht oder nicht!" so drückte er es aus. Also auf keine Diskussionen einlassen. Ihm zwar die Wahl lassen, aber das Gewählte selber zur Wahl stellen (die Mutter jetzt). Niemals er selber.
Auch ich hatte jahrelang große Kämpfe mit ihm aus zu stehen. Er stand bis Nachts 1000mal auf, stand wie ein Geist nachts an unserem Bett und klopfte im Takt ans Holz usw.
Ich weiß nicht, wie ich es sagen oder erklären soll. Er ist enorm schwierig. Kostet mich alles Kraft die ich habe. ABER, wenn ich mit ihm zu tun habe, klappt letztendlich alles. Wenn es auch natürlich viel mehr Aufwand kostet, als bei seinen GEschwistern.
ABER, wenn ein anderer was von ihm verlangt, klappt gar nichts. Dann ist die Hölle noch schön, gegen das Theater, was dann hier los ist. Ihr kennt das alle!!

Das ist es halt, was ich nicht verstehe???
Warum kann er sich nur an meine Regeln halten oder nur an das, was ich unterstreiche?
Es muß doch daran liegen, das ich ihn von Geburt an (er kam schon überaus aktiv, unruhig, schreiend usw. zur Welt) 99,9% ig konsequent erziehe, oder nicht? anders kann ich mir das jedenfalls nicht erklären.

War ich nur einmal nicht konsequent, hat es mich mitunter Wochen gekostet, wieder einen relativ normalen Level hier zuhause her zu stellen.
Das wollte ich erklären, ich hoffe, einigermaßen verständlich??
Yvonne

von Yvonne König - am 29.06.2001 11:26

Re: Unterschiedliche Ausprägung von ADS


Hallo Yvonne,

sind die anderen auch so konsequent wie Du?

z.B. Ich will nicht daß er vor der Schule Fernseh guckt. Wenn nun ich morgens daheim bin gibts Frühstück, Radio und Gespräch.

Wenn dagegen mein Mann ihn in die Schule schickt gibts, na was wohl? Genauuuu: - Fernsehen - .

Und so ist es einfach mit verschiedenen Dingen und Situationen.

Wenn er was möchte, wovon er weiß, daß er es von mir nicht bekommt oder ich es ihm nicht erlaube, dann geht er zuerst zum Papa.

Doch wenn der Papa sich erlaubt nein zu sagen ist das Drama größer und die Akzeptanz der Endscheidung gegenüber, geringer als wenn ich ihm was verbiete.
Genauso verhält es sich gegenüber anderen Personen.

Ich glaube schon, nein ich bin überzeugt, daß Deine Konsequenz der "Schlüssel zu Deinem Erfolg" ist.

Und ich würde Dich bitten mir ein paar Kisten (Konsequenz) zu schicken *gg*,
denn manchmal hab ich einfach zu wenig davon und dann geht´s mir so wie du es oben beschrieben hast:
- Es dauert ewig bis der "normal Zustand" wieder hergestellt ist.

viele Grüße

Sibylle

von Sibylle - am 29.06.2001 12:22

Re: Unterschiedliche Ausprägung von ADS

Hallo Sybille

vielleicht ist es das, meine Konsequenz. Denn genau wie bei Dir sind alle um uns rum lange nicht so konsequent! :-(


Yvonne

von Yvonne König - am 29.06.2001 17:20

Re: Unterschiedliche Ausprägung von ADS

Hallo Sybille,
auch wenn es makaber klingt:Endlich mal jemand der auch so ein ADS Kind hat wie wir.
Jan redet uns auch in Grund und Boden, nichts fruchtet bei ihm, wenn er nicht will. Momentan ist es mal wieder das Umziehen, daß mich schon etliche Tränen und Machtkämpfe gekostet hat. Bei der Familientherapie lief es dann mal zwei Wochen (in Hamburg im Werner-Otto-Institut) und dann war der Reizt des Neuen weg und die Situation wieder die gleiche. Keine Strafen, keine Belohnung, nichts aber auch nichts greift und das bringt mich zur Verzweiflung!! Und er ist jetzt erst 6 Jahre alt und kommt im August zur Schule.Wenn ich nur daran denke, bekomme ich schon Bauchschmerzen.
Magst du mir deine E-Mail-Adresse geben, damit wir uns mal unterhalten können?
Meine ist Hylke@gmx.de

von Hylke - am 29.06.2001 17:45

Re: Unterschiedliche Ausprägung von ADS

Hallo!

Auch bei uns läuft es erst besser bis gut,seit ich einfach Forderungen aufstelle,
und wenn mein Pascal dann anfängt es auszudiskutieren zu wollen einfach sage,daß ich eben nichts mehr dazu sage.
Er murrt dann zwar auch weiter vor sich hin,erledigt aber was ihm aufgetragen wurde.

Er kam auch schon schreiend zur Welt und schrie die ganze Babyzeit,bis er
sprechen konnte.Ab da ging die Verweigerung verbal los.

Die Bücher zur ADS-Thematik haben mir innerhalb eines 3/4 Jahres besser
geholfen als alle Besuche bei Erziehungsberaterin und Kinderarzt.
Vorher ging bei uns nämlich auch nichts und es stand dadurch sogar meine Ehe
auf der Kippe.

Also haltet alle die Ohren steif,es wird schon mit dem richtigen Verhalten unserer-
seits besser werden.

Liebe Grüße
Ricki

von Ricki - am 30.06.2001 08:44
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