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ADHS ADS Selbsthilfe
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Erster Beitrag:
vor 16 Jahren
Letzter Beitrag:
vor 16 Jahren
Beteiligte Autoren:
Kiki, Petra, Dagmar, H. Salzmann, Hilde, Martyn Costin, Petra F., Barbara, Friedo

unglaubliches vernichtendes Zeugnis !!!!!

Startbeitrag von Kiki am 29.06.2001 10:54

Hallo zusammen,

ich habe soeben das Zeugnis für meinen Sohn Stefan (7 Jahre) erhalten.

Wie ich bereits in einem anderen Beitrag geschrieben hatte, ist er laut seinem Kinderarzt und seinem Ergotherapeuten ein ADS + H-Kind. Die Diagnose steht noch aus.

Bei der Gelegenheit ... kennt jemand einen guten Diagnose-Arzt im Raum Mönchengladbach/Düsseldorf, dessen Wartezeit weniger als 6 Monate beträgt?

Zurück zum Zeugnis:

Ich hatte ja schon so meine Befürchtungen. Aber der Inhalt übertrifft wirklich alles:

Stefan fand schnell Kontakt zu seinen Mitschülern. Im Unterricht arbeitete er nur gelegentlich mit. Er muß noch lernen, auch bei schwierigen Aufgaben sich anzustrengen und seinen Äußerungsdrang zu steuern. Bei schriftlichen Arbeiten braucht er des öfteren die persönliche Zuwendung und Unterstützung des Lehrers und er erledigte sie häufig noch fehlerhaft und unvollständig. Seine Hausaufgaben erledigte er nicht immer regelmäßig.
Stefan kennt noch nicht alle Buchstaben und kann einfache Wörter erlesen.
Einfache geübte Texte schreibt er nach Diktat noch mit vielen Fehlern. Er schreibt in Druckschrift lesbar. Er verfügt über einen umfangreichen Wortschatz und erzählt sicher und anschaulich.
Stefan kann Additions- und Subtraktionsaufgaben im Zahlenraum bis 10 lösen. Bei Aufgaben über den Zehner hinaus benötigt er viele Hilfen.
Stefan arbeitete im Religionsunterricht nur gelegentlich mit. Meist ließ er sich von Nebensächlichkeiten ablenken. Seinen Religionshefter führte er nur mit wenig Sorgfalt.
Im Sportunterricht beteiligte er sich lebhaft, aber mit wenig Ausdauer.

Nicht nur an Dagmar:
Mich würde interessieren, was Ihr zu dem Inhalt sagt/meint.


Den Klassenlehrer und die Schulleitung hatte ich bereits darüber informiert, daß davon auszugehen ist, daß Stefan ein ADS-H-Kind ist. Auch hatte ich Fotokopien über ADS beigelegt. Nach dem Gespräch vorhin bin ich der Meinung, daß dieser schriftliche Brief noch nicht einmal gelesen wurde.

Im Augenblick bin ich mal wieder mächtig sauer.

Kiki

Antworten:

Hallo Kiki,

du schreibst, du hättest die Schule über ADS bei deinem Sohn informiert. Anscheinend hast du erwartet, dass sich das dann im Zeugnis widerspiegelt?

Ehrlich gesagt erwarte ich von einem Zeugnis, dass es mir eine Information darüber liefert, wie sich mein Kind in der Schule zurechtfindet, wie es den Unterrichtsstoff verarbeitet und wo es noch dran arbeiten sollte. Also eine objektive Beschreibung meines Kindes im Umfeld Schule.

Wenn ich jetzt aber sage, mein Kind hat ADS, dann sollen doch die Passagen:

> Er muß noch lernen, auch bei schwierigen Aufgaben sich anzustrengen und seinen Äußerungsdrang zu steuern.

und

> Meist ließ er sich von Nebensächlichkeiten ablenken. Seinen Religionshefter führte er nur mit wenig Sorgfalt.

nicht aus der Beurteilung verschwinden. ADS ist doch keine Entschuldigung für das Verhalten und die Schwierigkeiten, sondern eine Erklärung. Diese Passagen können und dürfen meiner Meinung nach nur verschwinden, wenn durch Medikation bzw. Therapien eine Verhaltensänderung bewirkt wird, das Kind sich also in der Schule besser zurechtfindet und in die Klassengemeinschaft einordnen kann.

Barbara

von Barbara - am 29.06.2001 11:43
Hallo Barbara,

ich habe nicht erwartet, daß ADS eine Entschuldigung bei Erstellung des Zeugnisses sein soll. Ich rege mich nur wieder über die Ignoranz dieser Schule auf.

Bei der Zeugnisübergabe heute morgen hatte ich ein Gespräch mit dem Klassenlehrer. Der wußte noch nicht einmal, mit welchen Verhaltensmustern bei ADS zu rechnen ist. Dies ist doch ein sicherer Hinweis, daß er meinen Brief und den Bericht über ADS überhaupt nicht gelesen hat. Wofür dann die ganze Arbeit?

Darüber rege ich mich auf.

Gruß
Kiki

von Kiki - am 29.06.2001 11:54
Hallo Kiki,

das Zeugnis ist schon sehr aussagekräftig, aber ist es wirklich vernichtend?

>>Stefan fand schnell Kontakt zu seinen Mitschülern>>
>>Er schreibt in Druckschrift lesbar.>>
>>Er verfügt über einen umfangreichen Wortschatz und erzählt sicher und anschaulich>>
>>Im Sportunterricht beteiligte er sich lebhaft>>

Das sind doch alles recht positive Beschreibungen.

>>Bei schriftlichen Arbeiten braucht er des öfteren die persönliche Zuwendung und Unterstützung des Lehrers>>

Und das heißt, dass der Lehrer sich um ihn kümmert.

Dass sein Verhalten und seine Leistungen als nicht ausreichend beschrieben werden, dafür kann der Lehrer nichts. Er beschreibt nur, was das Kind macht. Mir fällt positiv auf, dass im Gegensatz zu manch anderem Zeugnis, das hier zu lesen war, eine sachliche Beschreibung des Verhaltens und der Leistungen stattfindet, abwertende Bemerkungen und Pauschlisierungen kann ich nicht entdecken.

Aber natürlich verstehe ich dich. Ein Zeugnis ist die erste schriftliche Beurteilung, die man für sein Kind bekommt. Und als Mutter möchte ich, dass es mein Kind einfach hat, dass es nicht negativ auffällt und in der Schule gut mitkommt.
Wenn es im Kindergarten auch Klagen gab, so kamen die verstreut und man konnte sie als Mutter ganz gut wegstecken. Und nun so eine geballte Ladung. Das ist nicht nur für das Kind, sondern auch für die Mutter kränkend.

Nur musst du aufpassen, dass du deine Wut jetzt nicht auf den Lehrer projezierst. Er kann nichts dafür, dass dein Kind Schwierigkeiten hat. Er ist den Schwierigkeiten deines Kindes genauso ausgeliefert, wie wir Mütter. Er hat nicht nur dein Kind, er hat 2 bis 3 ADS-Kinder in der Klasse (das ist der Durchschnitt) und er hat noch 25 andere Kinder drumherumsitzen, denen er jetzt allen auch noch was beibringen muss.

Mach mal den Versuch und lade dir mal 20 Kinder nach Hause ein und beschäftige diese mal 4 bis 6 Stunden. Dann bekommst du so ungefähr ein Bild davon.

Dass der Lehrer die Infos nicht gelesen hat ist logisch, auch wenn du es gerne anders hättest. Am Ende eines Schuljahres brummt allen Lehrern der Kopf. Es sind mehrer Konferenzen pro Woche, das Schuljahr ist abzuschließen, die Kinder sind ohnehin alle durch den Wind, Problemfälle müssen beraten werden um gute Lösungen zu finden, Zeugnisse geschrieben etc.

Nun kommst du in dieser Zeit mit Infos, die dein Kind noch gar nicht betreffen, denn ihr habt noch keine Diagnose. der Lehrer denkt sich, wer weiß mit was sie morgen kommt und evtl. übermorgen hat sie was neues gefunden. Der Lehrer wird sich erst dann mit ADS beschäftigen, wenn dein Kind diagnostiziert ist und es dir gelingt mit ihm ein Gespräch ohne Schuldzuweisungen zu führen.

Wenn der Kinderarzt der Meinung ist, dass dein Kind ADS haben könnte, dann kann er das auch diagnostizieren und entsprechende Behandlungen einleiten. Du brauchst hierfür keinen anderen Arzt. Zeige ihm mal das Zeugnis.

Viele Grüße
Dagmar
Elterngruppe Frankfurt


von Dagmar - am 29.06.2001 12:53
Kiki

erst einmal eine sicher lohnende Anlaufstelle im Raum Mönchengladbach: GBMARTYN@aol.com


Dann schriebst Du:

> Ich rege mich nur wieder
> über die Ignoranz dieser Schule auf.

Mag sein, daß Du in Zukunft mit dem Vorwurf recht behalten wirst. Nur im Moment bist Du zu früh damit dran. Du schriebst, Dein Kind sei noch nicht diagnostiziert. Gerade in Richtung einer ordentlichen Diagnose ist dieses Zeugnis aber recht hilfreich.


> Der wußte noch nicht einmal, mit welchen
> Verhaltensmustern bei ADS zu rechnen ist. Dies ist doch ein
> sicherer Hinweis, daß er meinen Brief und den Bericht über ADS
> überhaupt nicht gelesen hat. Wofür dann die ganze Arbeit?
>
> Darüber rege ich mich auf.

gut so

Du wirst Dich aber noch an so manches gewöhnen müssen, und versuchen Deine Aufregung in langen Atem statt kurzem Aufbäumen umzusetzen.

Der Lehrer hat mehr als nur Dein Kind. Und er ist kein Therapeut. Sein Erziehungsauftrag betrifft alle Kinder in der Klasse gleich. Dazu stehen Lehrer oft zwischen zwei Stühlen. Hier durchaus der Wunsch jedem Kind zu helfen - und dort die Eltern, die Druck machen, jeder für sein Kind. Als meiner in der 3.Klasse immer noch nicht lesen konnte und alles mögliche anstellte, mußte ich desöfteren um 11 Uhr vormittags in die Sprechstunde (obwohl ich zu jener Zeit Alleinerzeiher und voll arbeitend war). Da kamen mir dann diese Ein-Kind-Glucken entgegen, in Tränen aufgelöst, weil ihr Sprößling mal ne 3 statt lauter 1-en geschrieben hatte. Auch solche Leute stehen dem Lehrer auf der Matte, und die möchten unsere Kinder am liebsten aus den Klassen ihrer Kinder verschwinden sehen, denn die halten ja nur auf. Und in der Tat brauchen unsere Kinder auch in der Schule, ganz wie zu hause, ein vielfaches an Aufmerksamkeit, Anleitung und Führung.

Nun traut der durchschnittliche Lehrer, der in seiner Ausbildung nichts über ADS gehört hat, aber Leuten wie Schmidtchen-Schleicher mit ihrem Titel und jahrelanger Berufspraxis eher als uns ebenfalls als "unkooperativ" erscheinenden Eltern mit 'nem Stapel "skuriler" Fachliteratur, die ja nur "von den eigenen Erziehungsversäumnissen" ablenken soll.

So kommen wir nicht weiter. So werden uns viele Lehrer erst dann zuhören, wenn sie selbst mit ihrem Latein am Ende sind, und wir ihnen klarmachen können, daß das Hinzulernen in Sachen ADS ihnen nicht mehr Arbeit macht, sondern ein geschickterer Umgang mit unseren Kindern (und mit uns!) ihre Arbeit erheblich erleichtern wird. Und das spricht sich dann rum. Vor 10 Jahren war ich doch hier ein "armer Irrer", heute bin ich regelmäßiger Referent in Lehrerfortbildungen. Ich dränge mich denen nicht auf. Im Gegenteil - sie laufen hinter mir her. Natürlich geht das auch heute nur in Veranstaltung, die zur Arbeitszeit des Lehrers gehören.

Also, halte durch, und halte mit allen Mitteln die Moral Deines Kindes aufrecht. Das ist das entscheidende, und nicht irgendwelche Worte in einem Zeugnis.

Grüße
Friedo
Hunter Homepage


von Friedo - am 29.06.2001 13:31

heyheyhey...

Hallo Friedo,

ein prima Text :-)

aber den Begriff der "Ein-Kind-Glucke" könnte ich Dir jetzt etwas übelnehmen ;-)

davon abgesehen: daß Du mit dem, was Du schreibst, ganz recht hast, ist zumindest in einem Punkt ziemlich frustrierend. Nämlich in dem, daß es etwa zehn Jahre dauert, bis sich was verändert...

Leicht entmutigt
Petra F.

von Petra F. - am 29.06.2001 14:03

an Dagmar und Friedo

Erstmal danke Ihr beiden, daß Ihr mir den "Kopf gewaschen" habt. Auch Kritik muß sein und ich geb ja zu, daß ich meist erstmal zu meinen Kindern halte, statt mir die Argumente anderer zuvor in Ruhe durch den Kopf gehen zu lassen (wohl typisches Mutter-Syndrom).

Dagmar, Dir möchte ich noch antworten, daß unser Kinderarzt die Diagnose nicht durchführen will. Er möchte dem Kinderpsychologen nicht vorgreifen und meinte, er wäre mehr nur für die körperlichen Beschwerden zuständig (er ist ein sehr junger Arzt und hat die Praxis erst vor 3 Jahren übernommen).

Friedo, wie hast Du es geschafft, Dich vom "armen Irren" zur Anlaufstelle für Lehrer empor zu arbeiten? Das find ich bewundernswert. Auch ich würde gern mehr tun. Wie hast Du damals begonnen?

Lieber Gruß
Kiki

von Kiki - am 29.06.2001 14:44

Re: an Dagmar und Friedo

Hallo Kiki,

>>daß ich meist erstmal zu meinen Kindern halte>>

das sollst du doch auch als Mutter. Wen haben unsere Kinder denn sonst?

>>statt mir die Argumente anderer zuvor in Ruhe durch den Kopf gehen zu lassen >>

Was hälst du davon, das "statt" durch "im zweiten Schritt" zu ersetzen? Natürlich erst zu deinem Kind halten und dann anschließend die Sache und die Argumente noch mal in Ruhe durch den Kopf gehen lassen.

Viele Grüße
Dagmar
Elterngruppe Frankfurt


von Dagmar - am 29.06.2001 15:17
Hi, du liegst ja richtig mit dem was Du schreibst, aber nicht immer sind die Lehrer bereit sich auf Infos einzulassen....bzw. sie reagieren hm.seltsam? Unsere Klassenlehrerin schmilzt vor Mitleid mit meinem armen total überforderten Kind und denkt das er um die Sonderschulprüfung vielleicht herumkommt und sie würd ihn ja so gern weniger fordern als die anderen...wenn sie nur wüßte wie ....
.....die vorige ( Grundschule) meinte 3 Jahre es ist alles in Ordnung und das Zeugniss 3. Klasse war recht gut! Und dann als ich komm mit "Legasthenie" ist er laut Direktorin plötzlich - psychisch krank und unfähig am Unterricht telzunehmen... mit allen Noten 3 und besser!

Lehrer sind unterschiedlich genau wie alle Menschen, aber sie sind Menschen und so verhalten sie sich auch!
Kinder die anders sind werden nicht immer gefördert sondern auch ausgesondert:-(

Petra

von Petra - am 29.06.2001 15:36
Hallo Kiki,

dein Kinderarzt ist schon auf dem richtigen Weg, er hat einfach auch nicht die Ausbildung, um psychologische Tests durchzuführen. Oder würdest du, wenn dein Kind die Masern hat, zu einem Psychologen gehen? ;-))

Was Du machen kannst ist immer für dein Kind da zu sein, damit es auch die Schulzeit psychisch gesund übersteht. Hört sich vielleicht jetzt für dich recht krass an, aber es gibt auch Lehrer, die "unbequeme" Kinder mobben!!

Ein Zeugnis ist NUR ein Blatt Papier, auf dem das Verhalten eines Kindes notiert ist. Sonst nichts.

Bei uns ist regelmäßig am Zeugnistag ein Artikel in der Zeitung: ein großes Herz zum Ausschneiden mit dem Text: Wir lieben dich, nicht dein Zeugnis. Ist schon schwer bei fünf Fünfen in der 5. Klasse, aber es geht.

Kopf hoch
Hilde

von Hilde - am 29.06.2001 21:07
:-) und ich denk immer an Reinhard Mey "Zeugnisstag"

dann ist die Welt in Ordnung...wobei Andrés Zeugniss recht ok ist...er hat nur in Bio die 5 :-) ud je eine haben seine GEschwister auch:-)

Gruß Petra

von Petra - am 30.06.2001 13:14
Hi Kiki

www.ads-erkelenz.de (GBMARTYN) 02431 73460 ist online für dich
aber für Addressen richtung MG und Düsseldorf ist Frau Uli Vlk am
Besten, sie hat eine gute Liste mit Arztaddressen von diesem Gebiet.
Sie ist auf www.lichtblicke.de.

Best regards

Martyn
ADS-ERKELENZ


von Martyn Costin - am 30.06.2001 21:19
Die Grundschule ist nicht alles,
zum Glück wird Dein Sohn noch andere LehrerInnen kennenlernen und mit Deiner Hilfe einen guten Weg machen.

Vielleicht war ich selbst ein ADHS-Kind, auf jeden Fall bin ich jetzt angehende Lehrerin für die Grundschule.
Mein Tipp gehe alternative Wege (neben dem Medikament):
Knete die Worte und die Rechenaufgaben die dein Kind nicht beherscht. (Schulknete oder Salzteig) (Kein Witz dazu ist mir das Thema zu ernst!)

von H. Salzmann - am 01.07.2001 18:53
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