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ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
11
Erster Beitrag:
vor 16 Jahren, 2 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 16 Jahren, 2 Monaten
Beteiligte Autoren:
Susi, Dagmar, heidi, Angelika, Jutta, Bernhard

Bericht Vortrag C. Neuhaus

Startbeitrag von Susi am 30.06.2001 20:20

Hallo alle miteinander,

ich war auf dem Seminar von C. Neuhaus und kann nur sagen einfach spitze die Frau.

Sie schafft es wirklich in einem atemberaubenden Tempo viele Infos so rüberzubringen, dass man sie auch versteht.

"Gewürzt" mit vielen Folien und Karikaturen, mit kleinen Geschichten von "ihren" Kids und "Rollenspielen", wo sie selbst sehr glaubhaft "das Kind" oder "den Erwachsenen" "spielte" war es einfach den ganzen Tag zuzuhören.

Ich werde mal versuchen eine Zusammenfassung (Stichpunkte) zu machen. Allerdings ohne Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit (muss erst mal schauen ob ich meine Notizen noch entziffern kann *g*)

Das ganze war Überrings ein Seminar für SonderschullehrerInnen und ErzieherInnen

Zuerst kam eine Erklärung was ADS ist- die 3 "Grundtypen"- Hypie, Hypo, Mischtyp
- das ADSler nur 1/3 einer Aufforderung aufnehmen
- Hypersensibilität (z.B. entscheiden sie in der 1. Sekunde, ob sie jemanden mögen oder nicht)
- "komische" Esser (fand ich interessant, weil meine auch sehr merkwürdige Esser sind)
- können Nähe nur ertragen, wenn sie darauf eingestellt sind


einige Beispiele, woran man ADSler von "überreizten" Kindern unterscheiden kann:
überreizte Kinder haben nicht
- Probleme direkt nach einem Erlebnis zu erzählen
- keine graphmotorischen (ist das das richtige Wort???- wenn Kids zu feste mit Bleistift aufdrücken, z.B.) Probleme
- keine fehlende Selbsteinschätzung
-... (mist, mehr kann ich leider nicht mehr entziffern, sorry *g*)

Helfen kann man mit:
- Leistungsinseln
- Verstehen der Symptomatik
- nicht gegen sie kämpfen, sondern lernen damit zu leben
- coaching
- warme Empathie (habs zwar aufgeschrieben, hab aber vergessen was das heißt *g*)
- ressourcenorientierte Interventionen
- Einstellungsänderungen

Was brauchen ADS Kinder unabdingbar:
- kein vielleicht (wenn's nachher nicht regnet gehen wir VIELLEICHT schwimmen)
- feste Regeln / Zeitregeln (Schule- Essen. Hausaufgaben)
- Strukturen
- kein Zeitdruck
- vermeiden von Hektik
- Kontrolle !!!!! (hast du ... gemacht- dann schau ich mir das jetzt an)
- Regelpläne (Punkteplan mit Belohnungen TÄGLICH "abrechnen")
- kein frühes Einfordern von Selbstständigkeit
- kein "auflaufen" lassen
- keine Schulinquisition beim Mittagstisch (Gespräche über die Schule nur angesichts der Hausaufgaben)
- konsequent, konsistent und dies kontinuierlich
- niemals mit anderen vergleichen

Verhaltensmanagement:
- Verhaltenserwartung im festen, ruhigen, freundlichen Ton
- Ankündigen was an Tätigkeiten zu erledigen ist
- auf Motzen und Verweigern nicht eingehen ~ "mitbrummeln" , gegebenenfalls Missbefindlichkeit mit thematisieren "ich weiß es nervt dich, aber...
- nur im hier und jetzt bleiben (nicht "letzte Woche hast du auch...)
- nicht an Kleinigkeiten rummeckern
sofortige Konsequenz
häufige Rückmeldung
ausreichend wirksame Rückmeldung
Verstärkung der Anstrengungsbereitschaft
Lob in "homöopathischen Dosierungen"
- bei Erregungssteigerung- Blickkontakt weg- Stimme senken
- viel nonverbales und sehr verkürztes korrigieren
- wenn laut werden nötig ist- dabei keinerlei Etikettierung wie "du bist ja wie..."
- Extrembezeichnungen vermeiden (ständig, immer, nie)
- kein petzen zulassen
- im Eklat: rasches, direktes Eingreifen (trennen, Auszeit)
- nach Eklat und Erregungssenkung: kein unmittelbares verbales "Aufarbeiten" sondern er weiter im Tagesablauf dann zeitversetzt, deutlich später, thematisieren
- im Gespräch immer erst Positives vor Negativem benennen
- gegebenenfalls schriftlich kommunizieren
- Verhalten der Kinder nicht persönlich nehmen- tolerant, souverän, fest
- wenn die Kinder was mitkriegen sollen, es ihnen nicht direkt erzählen, sondern eher mit jemanden anderen reden, wenn das Kind dabei ist

Ablauf eines Elterntrainings:
- Vorstellungsrunde
- Meckerrunde
Probleme der Kinder
Probleme der Erwachsenen
- Positivrunde
- Erklärung der Hintergründe
- Einstellungsänderung
- was hilft nicht
- Rollenspiele
- Verhaltensmanagement
- Hilfe für den selbst betroffenen Elternteil
- Alterspezifische Interventionen zu Hause je nach Problemlage

Was Ritalin nicht ist:
- keine Motivationspille
- keine Liebmachpille
- kein IQSteigerungspille
- keine Zensurheberpille

Ritalin würde schon 1951 in Deutschland verschrieben

Laut einer Studie in Berlin ist bei behandelten ADSlern das Suchtrisiko um 85% geringer

Wichtig ist jedoch eine gleichmäßige Medikamention (also keine Wochenende und Ferien Pause, Vormittags genauso wie Nachmittags)

Kinder die mit Ritalin Tics bekommen haben überdurchschnittlich oft Zink, bzw. Magnesiummangel. Meistens könnten die Tics mit entsprechenden Medikamenten behandelt werden.

Weinen, bzw. DepriPhase nach dem anfangen mit Ritalin ist oft normal, da die Kids plötzlich sehen, was sie vorher alles "angestellt" haben und sich schlecht fühlen können.


Es gibt da wohl auch 'ne Studie (Amerika, glaub ich- war so interessant, dass ich's leider nicht mitgeschrieben habe )

Da wurden 14 Monate ADSlern behandelt
- 1 Gruppe nur mit "normalen" Therapien
- 1 Gruppe nur mit Medikamenten (hauptsächlich Ritalin)
- 1 Gruppe mit Therapien und Elternschulungen und Lehrerschulungen, etc.
- 1 Gruppe mit Therapie und Medikamention

die Gruppe mit den "normalen" Therapien schnitt am schlechtesten ab
die Gruppe mit Medikamention und Therapien am besten.

Ich hoffe, ich habs einigermaßen richtig wiedergegeben. Wenn man schon Bücher von C. Neuhaus gelesen hat, ist eigentlich gar nicht so viel neues dabei. Ich hoffe jedoch das ich wenigstens einigen von euch noch was neues erzählt habe *g*.

Da das nur Stichpunkte sind, könnt ihr auch gerne Nachfragen (falls ich mich zu kurz gefasst habe und es nicht verständlich ist).

So, nu erstmal Schluss

Susi

Link von Auszüge (oder waren es Besschreibungen? (ist schon zu spät für mich und der Kopf voll Chaos- sah auf jeden Fall interessant aus) der Studien von Zametkin und Lou [www.adhd-hks.de]

Antworten:

Hallo Susi,

ich finde die Frau Neuhaus auch faszinierend. Als ich meinen ersten Vortrag von ihr hörte, flossen mir die Tränen. Ich fühlte mich so verzweifelt und am Ende. Dann kommt solch eine Powerfrau und erzählt mit solch einem warmen und annehmenden Tonfall über unsere ADS'ler. Ich habe aus ihrem Vortrag so viel Kraft mitgenommen und das geht mir noch heute so. Ich nehme aus ihren Vorträgen sehr viel Kraft mit, neues Wissen sowieso :-)))

Wenn du noch etwas über den Vortrag schreiben willst, darf ich es hier auf der Seite veröffentlichen?

Viele Grüße
Dagmar
Elterngruppe Frankfurt


von Dagmar - am 30.06.2001 21:01
Hallo Susi,

ich will sie auch hören!!!!!

Mann, da mach ich ja doch noch jede Menge Fehler, z.B. nicht zu früh Verantwortung einfordern. Ich denke schon oft, das muss ein 9-jähriger doch können. Ist ja dann wohl falsch.

Na ja, mit andern vergleichen...eigentlich tu ich es nicht...aber, klar wenn ich sage, andere können das doch...vergleiche ich ja doch.


Hmmmmm....das bedarf eines längeren Gesprächs mit Dir.

Darf ich??

Liebe Grüsse und ganz herzlichen Dank

Jutta

von Jutta - am 30.06.2001 21:35
Guten Morge Susi,

ich bin richtig neidisch, schade dass ich nicht da sein konnte, dafür hatten wir ein verregntes Adoptivelternfest ...


Danke für die vielen Notizen, sie helfen sehr.

ganz kurz:

- "warme Empathie" meint, sich in den anderen einzufühlen und ihm auch deutlich zu machen, dass man weiss, wie es dem anderen geht, etwa "ich weiss, dass Du gerade überhaupt keine Lust hast Hausaufgaben zu machen, bei dem schönen Wetter" (, trotzdem möchte ich, dass Du sie jetzt machst)

- die Studie ist die MTA-Studie von 1999, eine sehr teure grosse Untersuchung mit interessanten Ergebnissen

Bernhard
Was ist HKS-ADS?


von Bernhard - am 01.07.2001 07:44

an Jutta

Hallo Jutta,

klar darfst du !!!!!!!!!!!!!!!!!!

bin heute allerdings mal wieder nicht zu Hause :-(

Wenn ichs schaffe mail ich dir heute abend

Susi

von Susi - am 01.07.2001 07:58
Hallo Susi,
Super!! Wie hast Du nur so schnell mitschreiben können? Ich habe nur ein Bruchteil von dem notiert, was Du hast.

Was ich noch ergänzend hinzufügen möchte, ist zu den
> Kinder die mit Ritalin Tics bekommen haben überdurchschnittlich oft Zink, bzw. Magnesiummangel. Meistens könnten die Tics mit entsprechenden Medikamenten behandelt werden.<
Dies kann man beim Arzt durch Untersuchung der Elektrolyte feststellen lassen.

Liebe Grüße und noch einen schönen Sonntag für alle
Angelika

von Angelika - am 01.07.2001 11:40
hallo Susi,
ist ja toll, was Du so alles notiert hast. Ich bin auch schon sehr gespannt auf Frau Neuhaus. Ich fahre im Oktober nach Stuttgart, habe sogar schon Karten.
Liebe Grüsse
Heidi

von heidi - am 01.07.2001 15:27
Hallo Dagmar,

wenn du magst, kann ich gerne meinen "Bericht" vervollständigen. Könnte allerdings ein paar Tage dauern.

Klar kannst du ihn dann veröffentlichen *g* (ist es hier aber doch sowie so schon, oder?)

Viele Grüße
Susi

von Susi - am 01.07.2001 19:36
Hallo Bernhard,

Danke für die Erklärung!

Jetzt wo ichs lese fällt es mir auch wieder ein *g*

Susi

von Susi - am 01.07.2001 19:38
Hallo Angelika,

Danke fürs "kontrollieren"

Um mal Anne 05 Worte zu gebrauchen :

"Wir sind doch alle Genies" *gfg*

Viele Grüße
Susi

von Susi - am 01.07.2001 19:40
Hallo Susi,

danke :-)))

Und lasse dir Zeit. Ich schaffe auch immer viel weniger, als ich eigentlich will ;-))

Viele Grüße
Dagmar
Elterngruppe Frankfurt


von Dagmar - am 01.07.2001 20:34
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