Hausaufgabenstreit

Startbeitrag von Lea am 02.07.2001 18:08

Vorgestern Abend haben meine Tochter und ich noch zusammen in ihrem Bett gekuschelt und wieder eines unserer Problem-auf-den-Grund-geh Gespräche geführt. Das klappt kurz vorm Schlafengehen immer am besten. Während ich sie kraule, ist sie in der richtigen Stimmung um mir ihre Sorgen und Probleme anzuvertrauen. In diesem Fall ging es um ihre Schwierigkeiten, Anforderungen die andere an sie stellen, nachzukommen. Wir haben ein wirklich liebevolles Verhältnis und ich kann mich aus eigener Betroffenheit heraus, gut in sie hineinversetzen, aber trotzdem müssen wir eine Lösung finden.

Bei unserem Kuschelgespräch ging es darum, dass sie fast jede fremdgestellte Aufforderung torpediert. In der Schule traut sie sich nicht das offen herauszulassen und fügt sich widerwillig und mit innerlicher Aufruhr, aber bei mir ist sie der Meinung sich ganz so geben zu können wie es ihr in den Kram passt. Jetzt übers Wochenende ging es hauptsächlich um die wieder herzustellende Begehbarkeit ihres Zimmers und die Erledigung der Hausaufgaben. Ich möchte das sie ihre Schulaufgaben macht, also will sie sie nicht machen. Sie meint, immer gegen das was ich sage gegen angehen zu müssen. Wenn ich dann aber irgendwann sage, dass es mir reicht und sie meinetwegen ohne die Hausaufgaben zur Schule gehen soll, geht es genau andersherum. Ich würde mich nicht dafür interessieren, ob sie Ärger von der Lehrerin bekommt u.s.w.. Immer nur provozieren. Sie genießt diese Auseinandersetzungen aber nicht. Wenn sie gegen unsinnige Aufforderungen gegenangeht kann ich das ja noch nachvollziehen, aber diese Sachen müssen doch sein.

Ich weiß nicht mehr was ich im Fall der Hausaufgaben machen soll. Weder positive noch negative Konsequenzen wirken. Wenn sie nicht will, dann will sie nicht. Was würdet ihr machen, würdet ihr sie immer wieder ohne Aufgaben zur Schule gehen lassen oder habt ihr noch einen Tip für mich wie ich das Problem lösen kann?

Liebe Gruesse

Lea

Antworten:

Hallo Lea,

hast du deiner Tochter in einer ruhigen Minute mal gesagt, wie sehr sie dich damit verletzt, wenn sie absolut immer nur contra geben muss?

Meine 11jährige hatte dieselbe Tour drauf. Eines Tages war ich nervlich so fertig, dass ich nur wie ein heulendes Häufchen Elend in der Küche gesessen habe. Sie war sehr erschrocken. Am Abend hab ich ihr dann erklärt, wie sehr sie mir jedesmal zusetzt. Dass sie entweder jetzt in der Schule hart arbeiten muss oder später im Beruf für den Rest ihres Lebens (mit Beispielen aus der Familie bebildert!!)

Reibungslos klappt das immer noch nicht, aber "immer öfter" ;-))

Gruß Hilde

von Hilde - am 02.07.2001 18:14
Hallo Lea,

du schreibst leider nicht, wie alt deine Tochter ist. Hausaufgaben waren/sind bei uns auch immer ein leidiges Thema. Meine älteste Tocher (jetzt studiert sie) hat viel Kreativität darein gesteckt, die Hausaufgaben zu vermeiden, ohne dass es auffiel (kommt nach ihrer Mutter *g*)

In der Grundschule würde ich schlichtweg bestehen auf dem Grundsatz: "erst die Arbeit, dann das Vergnügen". Und wirklich KEINE Ausnahmen machen, notfalls erscheinen wir erst gegen Abend auf Omas Geburtstag. Dann merken die Kinder schon, dass es einem wichtig ist.

Mit zunehmendem Alter kann man die Hausaufgaben in die Verantwortung der Kinder legen. Ich habe einen Vertrag angeboten, der hieß: "solange keine Klagen aus der Schule kommen und die Zensuren stimmen, kümmere ich mich nicht um deine Hausaufgaben." Und das funktionierte auch recht gut, bis auf einen Sohn, der dann doch alle Jahre mal wieder mehr Aufsicht brauchte.

Mit meinem 7jährigen habe ich auch bereits eine Vereinbarung getroffen: er braucht seine Hausaufgaben nicht im Oktavheft zu notieren, wenn er sich alles merkt. Ich war sehr skeptisch, dass das klappt, aber seit einem halben Jahr haben wir keine Rückmeldung mehr bekommen, dass was fehlte.

Liebe Grüße,
Sabine
Sabines ADler-Seiten


von Sabine - am 02.07.2001 23:42
Hallo Hilde und Sabine,

danke für Eure Antworten. Meine Tochter wird jetzt 11 Jahre alt und geht nach den Sommerferien auf das Gymnasium. Die Noten sind auch dementsprechend aber ihre Einstellung stimmt nicht. Sie brauchte bisher nie lernen und jetzt wo es langsam schwieriger wird verweigert sie sich.

Sie weiß ganz genau, wie weh sie mir mit ihrem Verhalten tut. Sie meint sie will das ja auch gar nicht, aber in der Situation sind alle guten Vorsätze vergessen. Wahrscheinlich ist wirklich absolute Konsequenz das Zauberwort und ich muss zugeben, dass ich damit so meine Probleme habe. Wenn ich ihr dann mal den kleinen Finger reiche, nimmt sie gleich die ganze Hand.
Ich bin zwar auch an diesem Wochenende konsequent geblieben, aber vielleicht hatte sie wirklich noch im Hinterkopf, dass sie ja schon einmal damit durchgekommen ist. Es ist bloß so unendlich anstrengend jeden Tag das selbe mitzumachen.
Mich würde vor allen Dingen interessieren, warum sie sich immer mir gegenüber verweigert. Wir haben wirklich ein tolles Verhältnis und trotzdem bin immer ich ihr Mülleimer.

Lea

von Lea - am 03.07.2001 05:50
Hallo Lea,

mit dem Beginnen der Hausaufgaben war es vor der Rita-Behandlung so ähnlich, da hat er meisten eine Stunde erst einmal gestöhnt und gejammert.
Heute fängt er sofort nach dem Essen an, denn das Wichtigste was es für ihn gibt sind die Nachmittagsverabredungen.

Mit der Vermeidungshaltung haben wir (besser gesagt meistens ich) auch noch gut zu tun.

Der Schulpsychologe sagte mir mal, dass immer wenn ich eine neue Methode habe und Arne die nach kurzer Zeit durchschaut hat er die wieder sehr geschickt umgeht.

Hausaufgabenheft klappt nicht, wenn es zur Pause klingelt, dann ist für ihn die Sache erledigt und die Lehrer sind nicht bereit die Aufgaben schon etwas früher an die Tafel zu schreiben.

Jetzt läuft es seit etlichen Wochen so ( neue Methode, die er sogar sehr gut findet):
Ich frage jeden Tag nach dem Mittag alle Fächer von dem Tag ab und schreibe auf was da gemacht wurde, dann muß er sich schon mal erinnern und dann die passenden Hausaufgaben dazu.

Seitdem läuft es ganz gut ( muß ich geniessen), habe lange keinen Brief bekommen (nach 3 x nicht gemachten Hausaufgaben kommt per Post ein Brief, der allerdings auch schon mal verschwand).
Dabei bemerke ich gerade, dass er auch schon länger mittags nicht mehr hektisch an den Briefkasten geht.

Drücke dir die Daumen, vielleicht hast du ja bald auch eínen erfolgreichen Tipp.

Lieben Gruß Inge

von Ingeborg - am 03.07.2001 06:30
Hallo Lea,

jetzt sehe ich klarer, deine Tochter scheint so wie meine zu sein - klug, lieb, faul und aufsässig. Ich sag immer, die Kinder kommen schon ziemlich "fertig" zur Welt, wir können ihnen zwar noch gutes Benehmen beibringen, aber ihre Persönllchkeit können wir nicht umbiegen.

Die Geschichte mit den Hausaufgaben würde ich nicht auf mich persönlich beziehen (gekränkt sein). Deine Tochter ist sicherlich auch unglücklich darüber, dass es ihr nicht gelingt, genügend Disziplin aufzubringen. Wenn du Euer gutes persönliches Verhältnis noch mit in die Waagschale wirfst, riskierst du, dass es daran kaputtgeht. Und das, finde ich, sind die Hausaufgaben nicht wert.

Meine "Madam" hat sich durchgemogelt, manchmal habe ich sie sogar ein wenig für ihre Kreativität bewundert. Da hatte sie einmal für Englisch keine Sätze gemacht und sollte in der Stunde welche vorlesen. Sie nimmt also irgendein Schulheft und bildet aus dem Stehgreif einen Satz. Die Lehrerein sagt "gut, noch einen" und mein Kind kommt in Stottern. Dadurch flog die Sache auf. Als ich davon erfuhr, hab ich erstmal herzlich gelacht, sehr zum Mißvergnügen der Lehrerein, aber dann meinem Kind erklärt, dass man sowas nur machen darf, wenn man garantiert nicht auffliegt. Und die Vorbereitung einer solchen Nummer ist meisten aufwendiger, als eben schnell die paar Sätze hinzuschreiben. Die Lehrerin war SEHR verärgert über mich - egal! Wie gesagt, jetzt studiert sie, auch ohne ideales Arbeitsverhalten.

Bei einer 11jährigen ist leider mit Konsequenz wie bei jüngeren Kindern nicht mehr viel zu machen. AD-lerkinder sind sowieso immer aufsässig, wenn man die Autorität spielen lässt. Und mit einsetzender Pubertät nimmt das noch drastisch zu. Wie sieht es denn mit deiner eigenen Arbeitsmoral aus. Hast du immer alles auf dem Laufenden? Diese Frage sollst du nicht mir beantworten, sondern dir selbst. Denn, die Kinder nehmen sich ja ein Beispiel an uns, und das, was wir vorleben, tun sie uns nach.

Du könntest mit deiner Tochter eine Vereinbarung schließen, wie ich schon in der vorigen Mail vorgeschlagen hatte: solange keine Klagen kommen, hältst du dich aus den Hausaufgaben raus. Der anstehende Schulwechsel wäre eine gute Gelegenheit für einen solchen Vertrag. Oder eine andere Variante: so, wie sie ihren Pflichten nicht nachkommt, lässt du auch deine Pflichten schleifen, z.B. indem du "vergisst", ihre Lieblingsklamotten zu waschen oder was anderes, was für sie ärgerlich wäre. Das wäre aber erst die 2. Stufe, wenn 1 nicht klappt. Funktioniert auf jeden Fall besser, als immer "predigen".

Übrigens, mein nächster "Hausaufgabenverweigerer" ist gerade in die Oberstufe gekommen. Ich bin überzeugt davon, dass er das Abitur schaffen wird, aber sein Notendurchschnitt wird etwa 1,5 Noten unter dem liegen, was er eigentlich "drauf" hat. Da er aber schon ziemlich genau weiß, dass seine berufliche Zukunft in den Naturwissenschaften liegen wird, ist das nicht so schlimm, er bekommt auf jeden Fall einen Studienplatz. Vielleicht kriegt er ja auch noch im letzten halben Jahr den Dreh. Seinerzeit habe ich nämlich einen Endspurt gemacht kurz vor dem Abi, ganz von mir aus ist mein Ehrgeiz plötzlich erwacht.

Genug geschwafelt, Ihr kriegt das schon hin!

Liebe Grüße,
Sabine
Sabines ADler-Seiten


von Sabine - am 03.07.2001 07:58
Hallo Lea,
ich kann Dich und Deine Situation gut verstehen. Mein Sohn ist 8 und es ist offt sehr schwer, ihn zum lösen gestellter Aufgaben zu bewegen (nicht nur Hausaufgaben). Mit unter hilft es uns, wenn ich eine kleine Pause mache. Meißtens überlegt er sich in dieser Zeit sein Verhalten und meine Argumente und macht dann freiwillig weiter.
Inis

von inis - am 04.07.2001 06:00
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