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ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
9
Erster Beitrag:
vor 16 Jahren, 3 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 16 Jahren, 3 Monaten
Beteiligte Autoren:
Yvonne König, Petra, jutta w., Hilde, Dagmar, Mimi, Jutta

Stocksauer!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Startbeitrag von Mimi am 02.07.2001 19:06

Hallo,

ich bin stocksauer! Heute wollte ich Max von einem Spielkameraden abholen, und was erlebe ich: er wird gehänselt, weil er ADS hat! Der Balg kennt auch noch sämtliche Symptome zum unter die Nase reiben.

Max hat immer großen Wert darauf gelegt, dass nicht jeder weiß, dass er ADS hat. Er war schon stocksauer, weil ich seiner Lehrerin und seiner damaligen Kinderpsychologin Bescheid gesagt habe. Mit der Mutter dieses Jungen habe ich aber tatsächlich geredet. Der Kleine war in einer Parallelklasse von Christian, hatte Schulprobleme, die Lehrerin machte Druck, er habe ADS und müsse zum Psychiater. Stattdessen wechselte er die Schule. Die Frau war völlig verzweifelt und ich Vollidiot erzähle von unseren guten Erfahrungen und dass das Ganze gar nicht so schlimm sei. Und jetzt kommt das dabei heraus! Der Zirkus geht schon ein paar Monate, so einige Problemchen im Umgang mit ADS und Ritalin erklären sich damit zumindest.

Aber was jetzt???? Ich kann Max nicht so einfach den Umgang verbieten, weil noch andere Nachbarskinder mitspielen, die ihm wichtig sind. Ich kann auch nicht mit der Mutter des Jungen reden, weil die Familie verständlicherweise heilfroh ist, dass sich der Verdacht bei ihrem Kind nicht bestätigt hat. Das behauptet jedenfalls die Mutter, andererseits ist mit dem Kind die gesamte Palette an Unfug im Zusammenhang mit ADS angestellt worden, von Radikaldiäten über Darmpilz Behandlungen und Algen bis zur Kinesiologie. Ich will nicht, dass er die Störung einfach abstreitet. Max sagte, er habe nun mal ADS und J müsse ja nicht mit ihm spielen. Das klingt ganz gut, aber ich glaube, dass ihn das Gehänsel schon stört. Sonst wäre dem Jungen das Theater aller Wahrscheinlichkeit nach auch längst langweilig geworden.

Max ist verständlicherweise stocksauer auf mich. Natürlich war mein Geschwätz ein schwerer Fehler und jetzt weiß ich gar nicht, wie ich das wieder gut machen soll.

Vielen Dank fürs’s Lesen.

Antworten:

oh mann, da wär ich aber auch sauer geworden. Gerade weil du doch dem anderen Jungen helfen wolltest, dass er nicht auch diese ganzen Probleme erstmal durchmachen muss.

Vielleicht eine Möglichkeit es Max auch so zu erklären? Dass du nicht nur ein Egoist sein wolltest "hauptsache uns geht's gut" sondern den anderen helfen wolltest? Es ist/war doch sein Freund!

Zu den anderen Eltern weiß ich nichts anderes zu sagen als: gegen Dummheit ist kein Kraut gewachsen. Statt dass sie froh sind über Hilfe ... noch nicht mal der großen Schwester (16) haben wir alle Einzelheiten über ADS verraten.

Vielleicht beruhigt sich das ja noch, wenn es nicht mehr neu ist und keine Reaktion kommt. Sollte vielleicht nur Provokation sein ...

Gruß Hilde

von Hilde - am 02.07.2001 19:19
Hy Mimi,

schon ein grosses Problem.

hmmm...also bei uns läuft es anders. Wir gehen nicht damit hausieren, das Richard ADS hat, aber wenn wir angesprochen werden, sagen wirs.

Richard war allerdings schon 8, als wir Diagnose bekamen.

Erklärt habe ich es ihm, wenn Du Husten hast, nimmts Du einen Hustensaft, Du bist hibbelig und kannst Dich schlecht konzentrien, also nehmen wir dagegen auch eine Medizin, die Dir hilft.

So hat Richard das auch akzeptiert. Er redet nicht unaufgefordert drüber, aber wenn er angesprochen wird, sagt er es.

Vielleicht ist es bei uns nur besser gelaufen.

Kopf Hoch, es wird schon wieder

Jutta

von Jutta - am 02.07.2001 19:38
Hi, hier möchte ich mich anschließen! Bei André wissen es viele Leute ( nur nicht die Lehrer *ggg* -noch). Ich habe nie ein Geheimniss daraus gemacht...ging mir schon mit der Legasthenie so....Klar auch er muss solche Dinge erleben wie " Du bist ja blöd, Du hast LRS" und mit den neuen 3 Buchstaben werden die selben Kinder den gleichen Unfug verzapfen....aber andererseits, muss er sich auch anhören " Du gehst ja nur in C-Kurs" - "Mit Hauptschülern spielt eh keiner"... Also muss er sowieso lernen das es so ne und solche gibt....Sein Freundeskreis ist dadurch wechselhaft und nicht gerade mit dem was Eltern unter "echten" Freunden verstehen reich gepflastert...aber er kommt inziwschen einigermaßen damit klar....
ADS ist für ihn wie LRS ...3 Buchstaben die ihn ärgern und mit denen er gern nix zu tun hätte...aber als "richtige" Krankheit sieht er es nicht mal.
Ich habe ihm erklärt das er nun Tabletten bekommt die ihm helfen die Schubladen im Gehirn aufzuräumen, damit er auch mal andere Dinge aufgeräumt und gemacht bekommt.
Damit ist er eigentlich ganz zufrieden...." nur jetzt sind Ferien und da braucht er kein aufgeräumtes Gehirn" ;-))

Viele Grüße
Petra

von Petra - am 02.07.2001 20:05
Hallo Mimi,

dass du sauer bist, kann ich verstehen. Was ein Ärger :-(((
Aber dir ist ja auch schon positiv aufgefallen, dass dein Sohn jetzt nicht irgendwie verstört oder verheult reagiert hat. Das ist wirklich toll :-)))
Ich finde Hildes Idee prima, ihm zu sagen, dass du dem anderen Kind helfen wolltest, dass es dir aber Leid tut, dass dieses Kind jetzt so böse Sachen über ihn sagt.
Vielleicht könnt ihr dann noch verabreden, wie ihr verfahrt, falls du wieder mal jemandem erzählen willst/musst, dass er ADS hat.

Kopf hoch, es wird nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird :-)))

Viele Grüße
Dagmar
Elterngruppe Frankfurt


von Dagmar - am 02.07.2001 20:09
Hallo

eine schlimme Geschichte.
Mit dem sagen oder nicht sagen, das unser Kind ADS hat, ist es immer wieder schwierig. Denn, wenn ich z.B. angesprochen werde von einer Mutter oder wem auch immer, das mein Kind wieder wer weiß was gemacht hat !!:-( , dann sage ich, das er nichts dafür kann, bzw. das er eine falsche Reaktion an den Tag legt, wenn er mit Reizen überschüttet wird. Ich benenne und erkläre -bei Bedarf, ist ja nicht immer so- ADS und hoffe auf Verständnis. Natürlich lasse ich meinem Sohn dieses Verhalten nicht durch gehen. Ist aber ein anderes Thema.
Was ich sagen will:
Wenn ich es sage, wenn was passiert ist, spricht es sich doch sowieso rum. Dann wissen es alle, ob ich damit nun "hausieren" gehe oder nicht. Ihr wißt, Tratsch stirbt nie aus!
wenn ich also nichts sage, reimen sich viele einfach was zusammen, was hinterher dann völliger Quatsch ist, und alles noch schlimmer aussehen läßt.

Ich habe die Erfahrung gemacht, das man immer besser damit fährt, wenn man auf die Leute zugeht. Wenn sie dann immer noch uneinsichtig sind, rede ich mit meinem Sohn darüber. Er muß auch lernen, das es dumme Menschen gibt, die so unglücklich in ihrem Leben sind, das sie das Leben anderer schlecht machen wollen!

Und Leute, die nicht wenigstens versuchen, ihre Kinder dahingehend zu erziehen, (oder ihnen vorleben) das man andere Menschen so annimmt und akzeptiert, wie sie sind, das man niemanden ausgrenzen oder schlecht behandeln darf, nur weil er anders ist, die gehen mir sowieso 100m am "A...." vorbei!!

Yvonne

von Yvonne König - am 03.07.2001 07:11
liebe yvonne,

was aber mit den familien, wo das akzeptieren noch nicht mal zu hause klappt???

ich sehe das doch bei uns in der familie: mein sohn (8) ist diagnostiziert, bisher aber ohne ritalin. wir haben nächste woche den nächsten arzttermin. trotz bestehender diagnose kann mein mann nicht akzeptieren, dass er eben anders ist. es werden immer noch alle möglichen dinge auf meine (wie solls auch anders sein) erziehung geschoben! trotz gesprächen mit einer dame von der erziehungshilfe, die kids auf ads testet und viel erfahrung hat, ist er nicht bereit, seine einstellung zu ändern. er will mittlerweile nur noch wissen, ob das ritalin auch wirkt. "naja, dann gib dem kind eben psychopharmaka!"

das ganze setzt sich dann bei mir (ads-diagnose-tests beginnen nächste woche) fort. auch bei mir ist die akzeptanz gleich null!

wenn menschen in der familie schon so uneinsichtig sind und meinen, an-
passung wäre das halbe (wenn nicht das ganze) leben, wie soll man/frau dann seinen kindern weitergeben können, andere mit allen fehlern und macken zu akzeptieren????

viele grüsse
jutta w.

von jutta w. - am 03.07.2001 08:16
Hi, damit hast Du ein riesiges Problem angesprochen, denke ich. Aber wenn wir den Umkehrschluss tun und sagen:"wenn nicht mal die Familie es akzeptieren kann, dann müssen wir aufpassen das niemand was erfährt denn "DIE" können es ja auch nicht akzeptieren..."- wie wollen wir dann Betroffenen helfen?

Wie gesagt, bei meinem PAtenkind lautet die Diagnose jetzt "reine Erziehungssache" -was der Vater ja schon immer wußte und sich bestätigt fühlt...denn schließlich muss sein Sohn nicht so bescheuert sein wie meiner:-(
Nur helfen tut es seinem Kind nicht, es ädert nämlich nichts...er behält seinen Erziehungsstil bei.ebenso die Großmutter und allein kann die Mutter nichts ändern....

Und so ist es dann auch bei Euch - entschuldige - ...
Selbst wenn dein Mann Recht hätte ( was er nicht hat wie Du weißt), er würde nichts ändern so lange er nicht mitarbeitet....Egal ob er es ERziehung, ADS oder sonstwie nennt.....Wenn ER Dir nicht aktiv hilft, wird sich nichts ändern.....

Petra (..etwas verwirrt heute)

von Petra - am 03.07.2001 11:59
Hallo Jutta,

das Dein Mann nicht akzeptiert, das "was nicht stimmt, ads eine Krankheit ist usw." ist sehr schlimm, um nicht zu sagen, ich finde es unmöglich.
Nun muß ich einerseits sagen, das ich ein besonderes Exemplar von Mann habe, der komplett alles für mich und unsere 3 Kinder tun würde.
Allerdings war das, was ADSH (unsere 7jähriger) anging, nicht immer so. Mein Mann ist am Tag höchstens 1 Stunde so zuhause, das die Kinder ihn sehen. Also war und bin ich für alles alleine verantwortlich, auch für die komplette Erziehung. Es hat lange gedauert, bis die Diagnose feststand. Und doch konnte weder mein Mann, noch seine Familie, noch mein eigener Vater damit was anfangen oder es gar akzeptieren.
Nun, ich bin auch wie ich bin. Und ich war seelisch kurz vor dem Untergang. Aber nur kurz :-) denn ich rappel mich immer wieder selber hoch.
Mit meiner Schwiegerfamilie haben wir (mein Mann würde immer hinter uns stehen) komplett gebrochen. Denn es war einfach nichts zu erreichen, nicht nach 1000 Gesprächen. Immer war ich schuld am Verhalten unseres Sohnes. Das hatte ich irgendwann nicht mehr nötig.
Mit meinen Eltern bin ich auch so verfahren, das sie sich informieren "mußten", damit der Umgang mit ihm klappt. Denn anderes bedeutet es für mich ja noch mehr Stress und ARbeit, wenn er dort "leichtfertig" behandelt wird. Sie sahen es ein, nachdem ich ihn immer öfter für längere Zeit dort ließ. Als es für sie auch zu stressig wurde, sahen sie den Unterschied zu seinen Geschwistern und halten sich seit dem auch an die Regeln, die ich im Umgang mit meinem Sohn aufgestellt habe. (hört sich jetzt extrem an, ist aber im Alltag halb so wild)

Mit meinem Mann, auch wenn es jetzt hart rüber kommt, habe ich es genauso getan. Man stelle sich vor, das ich dermaßen am Ende war, seelisch wie körperlich, das ich am liebsten eine Etage tiefer gegangen wäre. Mein Sohn ist noch hüftkrank dazu, kommt so noch einiges dazu.
Nachdem er meinen Bitten, mal ein Buch über ADS zu lesen, die Informationen an sich rankomen zu lassen, nicht nach kam,weil er eben nicht wollte oder nicht konnte, habe ich ihn vor die Wahl gestellt.
Entweder, er gehört zu unserer Familie, was ich mir für die Zukunft sehr wünsche. Dann muß er aber auch alles erdenklich dazu beitragen, das es uns allen gut geht. Oder aber er will sich raushalten, die Einfachere Methode wählen.
Dann aber, muß er gehen.

ich weiß, wie sich das jetzt liest, sich anhört. Aber ich habe schon so viel durch gemacht in meinem Leben, was jetzt nicht hier her gehört. Und mein Akku war zu diesem Zeitpunkt so ziemlich leer.
Meine Kraft brauche ich für meine Kinder. Denn die habe ich mit jeder Faser gewollt, habe sie nicht gefragt, ob sie zur Welt kommen wollen. Nun bin ich für sie verantwortlich, muß alles dafür tun, damit sie in unserer Gesellschaft leben können.
Der Mann an meiner Seite muß das auch. Schön, wenn es, wie in meinem Fall, auch der Vater der KInder ist! :-)

Denn er hat durch diese, na, sagen wir fast schon "Erpressung", den Ernst der Lage erkannt und sich der Krankheit und den damit verbundenen Veränderungen in unserer Familie, gestellt und hat es nun akzeptiert.
(Wenn er bis jetzt auch nicht annähernd so viel darüber weiß, wie ich. Aber alles kann man wohl nicht verlangen, was..)

Yvonne

von Yvonne König - am 03.07.2001 16:26
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