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Informationen zum Thema:
Forum:
ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
8
Erster Beitrag:
vor 15 Jahren, 6 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 15 Jahren, 6 Monaten
Beteiligte Autoren:
Angelika, Susi, Yvonne König, Dagmar, Ingeborg, Beast

Wie sag ichs......

Startbeitrag von Angelika am 02.07.2001 19:52

Hallo Zusammen,
Habt Ihr ein paar Tips für mich? Wenn ich Euch nämlich so schreiben sehe, wissen Eure Kinder so gaaaanz viel mehr.

Wie sag ichs meinem Kinde....

Obwohl Patty sehr wohl darum weiß, daß er eine "Krankheit" hat die ADS-H heißt und er auch deswegen Rita und die Therapien bekommt, läßt er mich nicht an sich heran, damit ich ihm weiterhelfen kann.
Er verfolgt mit, daß ich ständig hier im Forum lese, fragt dann auch nach: "Ist das alles über meine Krankheit?"
Wenn ich aber dann versuche mit ihm darüber zu sprechen zischt er ab!

Das einzige, was ich bis jetzt gesschafft habe, ist, daß er den Kinderfragebogen im ADS-Buch bearbeitet hat. Mehr will er aber nicht damit zu tun haben.

Mein Angebot, das er mal ins Kinder-Chat geht und mit anderen Kindern redet, lehnt er ebenfalls ab.
Es ist nicht so daß er nicht mit dem PC umgehen kann aber er geht lieber nach Playmo, Lego, etc..

Da ab Freitag für uns der Urlaub beginnt und wir in einer (hoffentlich) streßfreien Zone sein werden, würde ich gerne mit ihm daran arbeiten.

Also, hier nochmal meine Frage: Wie habt ihr euren Kindern "beigebracht" worum es sich bei ADS handelt und das man mit äußeren Hilfestellungen auch lernen kann damit umzugehen?

Erst einmal vielen Dank und liebe Grüße
Angelika

Antworten:

Hi Angelika,

erstmal währe es interessant zu wissen, wie alt dein Sohnemann ist, oder hab ich es übersehen? :-))
Unserer ist 7 und er weiß eigentlich noch nicht so genau, was seine Krankheit bedeutet. Muß er es denn jetzt schon wissen?
Ich glaube nein, denn ich denke, wenn die Burschen das mal mitkriegen, könnten sie das nicht auch für sich ausnützen??

Viele Grüße

von Beast - am 02.07.2001 20:09
Hallo Angelika,

hast du schon mal mit der "Neuhaus"- Methode versucht *g*

Ich meine die, wo sich zwei Erwachsene unterhalten und das Kind "nur" dabei ist (das Beispiel mit dem Spülmaschinenausräumen *g*) Vielleicht hört er dann zu- vielleicht kannst du seine Neugierde wecken- wer weis

Viele liebe Grüße
Susi

von Susi - am 02.07.2001 20:36
Hallo Beast,

warum sollen die Kids denn nicht wissen was sie haben.

Nicht als entschuldigung, sondern als Erklärung!!!!

Den Blödsinn, den mein Sohn anstellt entschuldige ich nicht mit ADS, aber ich reagiere anders darauf als andere!!!

Als meine Tochter in die Schule kam (hypo, 7 Jahre) zog sie sich immer mehr zurück, hielt sich für zu blöd (konnte alles, teilweise besser als andere) und fragte immer "warum kann ich das nicht"

Sie merkte auch so, dass sie "anders" ist.

Das änderte sich Schlagartig, als ich ihr von ADS erzählt habe. Das wichtigste war für sie, dass ich es auch habe. Sie war plötzlich nicht mehr allein mit ihren Problemen. Sie wusste ich kann sie verstehen und sie weis, dass sie ein ganz, ganz besonderes Kind ist.

Viele Grüße
Susi

von Susi - am 02.07.2001 20:41
Hallo Angelika,

diese Frage habe ich vor einiger Zeit hier und in unserem Gesprächskreis auch einmal gestell.

Bei uns war es genauso wie bei dir.
Ich habe dann immer weiter im Forum gelesen, zum Gesprächskreis gegangen, was er auch alles gut fand.

Dann habe wir angefangen ein Buch " Wenn ich doch nur aufmerksam sein könnte" von Felix Dietz, ein hyperaktiver Junge berichtet zu lesen und plötzlich interessierte er sich für den Kinder-Chat und hat sogar schon Fragen ins normale Forum (angeblich aus Langeweile) gesetzt.

So genau wie du meinst, will er es immernoch nicht hören, Interesse kommt aber in kleinen Stückchen.
So wurde es mir aus dem Gesprächskreis auch berichtet, nicht alle hatten Interesse.

Wenn er mal einen sehr unruhigen Tag hat, kann er sogar darüber Scherze machen.

Mitschüler z.B. sollen aber immernoch nichts darüber wissen.

Gerade die Ferien dazu zu benutzen, ist das eine gute Idee?

Ich muß dann immer an unseren Schulpsychologen denken, ich hatte mal bei einem unserer anderen Kinder eine ähnliche Idee, als er mich fragte, ob ich auch Arbeit aus der Firma mit in den Urlaub nehme.
Das hatte gesessen und ich habe es nicht gemacht.

Sicher können hier noch richtige Tipps kommen,
dieses nur aus meiner Erfahrung.

Lieben Gruß Inge

von Ingeborg - am 02.07.2001 21:10
Hallo Ingeborg,

ich bin auch unbedingt dafür die Kinder richtig aufzuklären, denn falsche Infos und Geheimnisse spüren sie sehr schnell und verlieren dann das Vertrauen.

Was ich jedoch vermeide ist das Wort: Krankheit. Ich sage immer, dein örper ist etwas anders gebaut, oder er funktioniert etwas anders. Wenn ich einem Kind erklären müsste, dass es kurzsichtig ist und eine Brille braucht, würde ich auch nicht von Krankheit reden. Ich empfinde es nicht als Krankheit, aber das ist bei jedem verschieden.

Meine Kinder kennen das Wort Stoffwechselstörung, sie wissen auch, dass sie zu wenig Dopamin haben.

Vielleicht kann es deinem Sohn helfen mal was Schönes zu dem Thema zu lesen. Wie wäre es mit Michel von Astrid Lindgren oder mit Zappelhannes von Regina Rusch.

Was mir auch ganz wichtig war, war ihnen aufzuzeigen, was sie besser können als andere Kinder, eben weil sie ADS haben. Da ist z.B. der assoziative Denkstil, ständig neue Ideen haben, sich nicht unterkrigen lassen, nicht nachtragend sein, sehr zäh /stark zu sein, sehr einfühlend zu sein und gut helfen zu können, eine große Fantasie zu haben. So abstrakt ist das natürlich schwer zu fassen für ein Kind, aber dir fallen sicher zu allem die entsprechenden Beispiele ein.

Heute sage ich meinen Kindern auch oft, das kannst du so gut, weil du ADS hast. Z.B., wenn sie ein Bild im Kunstunterricht wieder mal absolut detailreich gestalten, dann aber Mühe haben fertig zu werden. Dann sage ich ihnen, diese tollen Ideen, die hast du wegen deines ADS. Mein Ziel ist es, dass sie das ADS irgendwann mal positiv besetzen und ihre Schwierigkeiten einfach als Herausforderung annehmen. Aber davon sind wir noch weit entfernt.

Viele Grüße
Dagmar
Elterngruppe Frankfurt


von Dagmar - am 02.07.2001 21:37
Hallo Angelika

mein Sohn ist knapp 7 Jahre und ich habe mit ihm zusammen ein Buch gelesen. D.H. ich habe vorgelesen, er hat zugehört. Man stelle sich vor, mein Sohn hat 1 Stunde mit mir auf dem Fußboden gesessen und mir zugehört und sich mit mir unterhalten.
Er hat alles, was ich vorgelesen habe, aufgesogen, als wenn es essbar wäre!! Er hat geweint, er hat gelacht, er hat nach gefragt...
Denn plötzlich konnte er mit mir reden, konnte sagen, was er nicht gut fand, wie es ihm geht, was er nicht mag und wie alleine er sich fühlt!
Und plötzlich wußte er ganz genau, das er mit allem und zu jeder zeit zu uns kommen kann. Und das er nie alleine ist, und das er trotz und gerade weil..., geliebt wird!
Das hat ihm sehr geholfen.

Wenn er gefragt wird, welche Krankheit er hat, sagt er meistens: " Mein Filter im Kopf ist kaputt, deshalb höre und sehe ich viel mehr als ihr." Ich finde das in Ordnung so.

Yvonne

von Yvonne König - am 03.07.2001 07:00
Hallo Ihr Lieben,
erst einmal vielen Dank für die tollen Antworten. Leider bin ich gestern nicht mehr ins Internet gekommen. Daher antworte ich erst jetzt.

Für Beast:
Patty wird im Okt. 12 und weiß im Prinzip seit er 7 ist, daß er was anders gepolt ist. Hinzu kommt das Problem, das er als Pflegekind bei uns lebt (kam mit 3 1/2 zu uns). Durch ständige Therapien stellt er sich auch schon mal auf stur.

Für Susi:
Bin ganz Deiner Meinung (hatten wir ja schon). Die Neuhaus Methode funktioniert nur bedingt. Er macht eher den Kasper, wenn ich mit anderen rede.

Für Ingeborg:
Er soll nur verstehen lernen, weshalb er anders gepolt ist und vielleicht erreiche ich damit, daß er mit sich selbst anders umgeht.
Arbeiten soll er nicht, da wir -mein Mann und ich- viel lesen dachte ich mehr an kindgerechte Lektüre.

An Dagmar:
Das mit der Brille wollte ich eh ausprobieren, da meine Nichte
-Brillenträgerin- mit in Urlaub fährt. Den Zahppelhannes habe ich direkt bestellt -DANKE für den Buchtipp- und hoffe, daß wir Ihn zum Lesen motivieren können.

An Yvonne:
Wenn ich das erreicht habe, daß er anderen gegenüber sich so erklären kann, wäre ich schon happy.

An Alle:
Ich denke, ich muß auch an mir selbst viel mehr arbeiten und offener mit Patty darüber reden als mit anderen Leuten!

Noch mal Danke für alle Antworten, sie haben mich wieder ein Stück mehr motiviert.
Gruß
Angelika

von Angelika - am 03.07.2001 08:26
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