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ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
32
Erster Beitrag:
vor 16 Jahren, 2 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 16 Jahren, 2 Monaten
Beteiligte Autoren:
Beast, Dagmar, Markus aus Kaiserslautern, Klaus, Yvonne König, Simone Kather, Petra, Jutta, Mimi

Mysterium ADS

Startbeitrag von Beast am 02.07.2001 20:04

Hallo euch allen,

ich will erstmal betonen, daß ich kein "Sektenmitglied" bin, ich glaub, genauer brauch ich die nicht zu benennen.

Ich und nur ich begegne dem Problem ADS sehr kritisch. Ich bezweifle nicht, daß es Kinder, oder auch Erwachsene gibt, die Probleme haben, sich in ihrer Umwelt zurechtzufinden und dies etwas mit ADS zu tun hat. Auch bezweifle ich nicht, daß es die Krankheit ADS gibt.
Wo ich das Problem der ganzen Sache sehe, ist hinter der Scheinwelt zu suchen.
Ich meine damit, es gibt mit Sicherheit Kinder, oder auch Erwachsene, bei denen irgendwann einmal ADS diagnostiziert wurde. So.
Nun wird deren weiteres Tun und Handeln NUR noch mit ADS entschuldigt.
Und sind wir mal ehrlich, es gibt doch nichts bequemeres, als das "nicht hören wollen" seines Kindes, gerade wenn man unter fremden Leuten ist, mit ADS zu entschuldingen. Ich möchte nochmals betonen, daß ich hier niemanden angreifen will. Ich denke einfach nur, daß man nicht alles auf ADS schieben sollte. Sein ganzes Leben muß man an sich arbeiten, als Kind wie auch als Erwachsener.
Wenn dann plötzlich die Diagnose ADS im Raum steht, sollte man nicht damit aufhören.

Und ganz ehrlich, wenn ein "normalo" unbedingt ADS bescheinigt haben will, braucht der sich doch nur über die Symptome zu informieren und zum Arzt zu gehen. Denn, nicht alle Ärzte sind 100% gewissenhaft.

Ich hoffe, dieser doch etwas kritische Beitrag wird nicht gelöscht, denn ich lese, zwar nicht regelmäßig, aber doch in gewissen Abständen, immer wieder mal die Beiträge und ich denke, auch Beiträge wie dieser hier sind eine Bereicherung für dieses Forum.

Ach ja, man sagt auch mir nach, ich hätte Wesenszüge von ADS an mir, was ich jedoch von mir weise.
Betroffener bei uns ist unser Sohn, 7 Jahre.

Viele Grüße an alle

Beast

Antworten:

Hallo Beast,

ich verstehe das nicht. Du hast einen diagnostizierten Sohn, bezeichnest aber dennoch als Mysterium. Das bedeutet, dein Sohn leidet an Scheinsymptomen? Hilf meiner Fantasie mal auf die Sprünge :-))

>>Und sind wir mal ehrlich, es gibt doch nichts bequemeres, als das "nicht hören wollen" seines Kindes, gerade wenn man unter fremden Leuten ist, mit ADS zu entschuldingen.>>

Tust du das? War das für dich das Motiv? Alle anderen hier wollen nichts entschuldigen, sie wollen ihrem Kind helfen.

>>Und ganz ehrlich, wenn ein "normalo" unbedingt ADS bescheinigt haben will>>

Meinst du, es gibt einen einzigen Normalo, der sich bescheinigen lassen will, an einer Stoffwechselstörung im Gehirn zu leiden? Meinst du es lässt sich jemand mit all den Dinge, die ADS'ler nicht können in Verbindung bringen, wenn er damit kein Problem hat?
Und selbst wenn, wäre das so schlimm? Schadet es den anderen ADS'lern? Es gibt auch Leute, die es schick finden eine Brille zu tragen, obwohl sie keine brauchen ;-))

>>Ach ja, man sagt auch mir nach, ich hätte Wesenszüge von ADS an mir, was ich jedoch von mir weise.>>

Kann es sein, dass deine mangelnde Akzeptanz da begraben liegt? Dein Sohn kann ja diese misteriöse Krankheit haben, aber du selbst, nein, du doch nicht. Warum hast du denn diese Akzeptanzprobleme?

Viele Grüße
Dagmar
Elterngruppe Frankfurt


von Dagmar - am 02.07.2001 20:20
Hi Dagmar,

schön, daß ich Feetback bekomme :-)))

>>Das bedeutet, dein Sohn leidet an Scheinsymptomen? Hilf meiner Fantasie mal auf die Sprünge :-))>>

Dagmar, ich behaupte nicht, daß mein Sohn, oder auch andere, die ne diagnose auf ADS haben, unter Scheinsyptomen leiden.
So war das nicht gemeint :-))
Ich denke nur, daß vielleicht zu viele Dinge auf ADS geschoben werden, nichts weiter.

>>Und sind wir mal ehrlich, es gibt doch nichts bequemeres, als das "nicht hören wollen" seines Kindes, gerade wenn man unter fremden Leuten ist, mit ADS zu entschuldingen.>>

>>Tust du das? War das für dich das Motiv? Alle anderen hier wollen nichts entschuldigen, sie wollen ihrem Kind helfen.>>

Nein, natürlich tue ich dies nicht und natürlich möchte ich unserem Kind auch helfen, aber willst du diese Theorie ganz ignorieren? Denkst Du nicht, daß es auch solche Eltern gibt, die damit alles entschuldigen?
Es wäre doch viel bequemer, sich nach einmaliger Diagnose darauf auszuruhen und den "Erziehungskampf" einfach auf sich beruhen zu lassen, oder?
Natürlich nicht aus deiner Sicht, nicht persönlich nehmen, aber man kann doch nicht absprechen, daß es auch solche Menschen gibt.
Denn, daß es nicht nur gute, sondern auch nicht so gute Eltern gibt, beweisten uns doch täglich die Medien, oder nicht?

>>Meinst du, es gibt einen einzigen Normalo, der sich bescheinigen lassen will, an einer Stoffwechselstörung im Gehirn zu leiden? Meinst du es lässt sich jemand mit all den Dinge, die ADS'ler nicht können in Verbindung bringen, wenn er damit kein Problem hat?>>

Ja, Dagmar, das glaube ich. Es gibt doch auch in anderen Bereichen sogenannte Trittbrettfahrer, warum nicht auch hier?

>>Und selbst wenn, wäre das so schlimm? Schadet es den anderen ADS'lern? Es gibt auch Leute, die es schick finden eine Brille zu tragen, obwohl sie keine brauchen ;-))>>

Natürlich wäre das nicht schlimm und schaden tut es auch niemandem, außer vielleicht dem Arbeitsamt, das jemandem Aufgrund "ADS" kein Platz vermitteln kann;-))))

>>Warum hast du denn diese Akzeptanzprobleme?>>

Ich habe keine Akzeptanzprobleme, im Gegenteil.
Ich sags nochmal, ich glaube, daß es ADS gibt!
Ich möchte nur zum Nachdenken anregen, daß ab der Diagnose ADS, nicht alles danach dadurch beeinflusst werden muß.

So, ich hoffe, ich hab einige Unklarheiten, bzw. Mißverständnisse beseitigen können.

Viele Grüße
Beast

von Beast - am 02.07.2001 20:38
Hallo Beast,

Du liegst etwas verkehrt, wenn Du denkst: Du, und nur Du begegnet dem Problem ADS sehr kritisch............. ;-) Du bist nicht allein;-)..........
Auch ich bin der Meinung, dass es mit Sicherheit einige Fehldiagnosen in diesem Bereich gibt,............es ist mit Sicherheit einfacher seine Probleme einfach mit ADS zu entschuldigen als sich diesen zu stellen.........

Hier im Forum glaube ich auch, dass es etwas in diese Richtung geht (vereinzelte Teilnehmer !!! ) : Die Diagnose ist da - und jetzt gibt´s Ritalin !! Damit sind die Probleme gelöst !!! Und wehe , wehe es schreibt mal jemand ´was kritisches, dann gibt´s gehörig Feuer.............
Meine Meinung bildet sich daraus, dass auf die Forumbeiträge ungefähr nach folgendem Schema geantwortet wird :
Frage oder Problem : Ritalin und unbefriedigende Wirkung... : Viele Antworten mit dem Tenor : Dosis erhöhen !!!!!!
Frage oder Problem : Welche Therapie oderwie sieht eine solche aus ?........:
Sehr wenig Antworten.........
Frage nach sonstigen Hilfen bei ADS : Wenige Antworten ........ und diese auch noch mit em Tenor : Ist doch alles viel zu aufwendig , bzw zu schwierig.........
Aber als freier Mensch habe ich Gottseidank die Auswahl, welche Tipps ich annehme und welche nicht.....

tschüß,
Markus aus Kaiserslautern

von Markus aus Kaiserslautern - am 02.07.2001 20:49
Hallo Beast,


klar hast Du recht, auch wenn mein Kind ADS hat, muss ich es trotzdem erziehen und ihm seine Grenzen aufzeigen.

Das Problem ist nur, das man (ich jedenfalls) vorher nicht wusste, warum meine "Erziehung" so wenig Erfolg hat.

Seid Diagnose-Stellung und Therapie "sehe" ich Erfolge.

Natürlich haben wir trotzdem Auseinandersetzung, die spielen sich aber im "normalen" Bereich ab.

meint Jutta

von Jutta - am 02.07.2001 20:54
Hallo Beast,

>>Ich denke nur, daß vielleicht zu viele Dinge auf ADS geschoben werden, nichts weiter.>>

das kann ich nicht beurteilen. Ich weiß nur, dass ADS sehr komplex ins ganze Leben eingreift, in viele 100 Situationen jeden Tag. Das reicht eigentlich. Andere Situationen, die trotz ADS recht gut laufen, brauche ich dann nicht damit in Verbindung zu bringen ;-))
Wenn du Situationen vor der Diagnose meinst, dann ist es die Aufgabe der Ärzte und Therapeuten das auseinander zu sortieren. Und ich kenne nur sehr verantwortungsvolle Ärzte und Therapeuten.

Theoretisch kann das natürlich im alltäglichen Leben passieren, dass man sich fragt, ob eine Situation nun so verlaufen ist, weil man ADS hat, oder ob sie auch ohne ADS so verlaufen wäre. Ich finde es ganz spannend, mich das immer mal wieder zu fragen, für das alltägliche Leben hat diese Frage aber wenig Relevanz. Denn hier hilft das Wissen um ADS doch mit mehr Situationen klar zu kommen, als ohne diese Wissen.

>>aber willst du diese Theorie ganz ignorieren? Denkst Du nicht, daß es auch solche Eltern gibt, die damit alles entschuldigen?
Es wäre doch viel bequemer, sich nach einmaliger Diagnose darauf auszuruhen und den "Erziehungskampf" einfach auf sich beruhen zu lassen, oder?>>

Doch in der _Theorie_ kann ich mir das vorstellen. In der Praxis habe ich das bei den vielen hundert Familien, die ich kenne, noch nicht ein einziges Mal erlebt. Natürlich gibt es Eltern, die aufgrund persönlicher Schwierigkeiten der Erziehung ihrer Kinder nur wenig gewachsen sind. Aber Kinder dieser Familien erhalten i.d.R. keine ADS-Diagnose, sondern dort wird Erziehungsberatung durchgeführt, falls sie sich überhaupt Beratung suchen.

Diese Frage taucht immer wieder auf. Ich muss sagen, ich mag diese Frage eigentlich nicht. Ich finde, da steckt ein Stück Überheblichkeit drin. "Mein Kind hat seine ADS-Diagnose zurecht, aber andere Kinder haben sie zu Unrecht." Ich denke, da sollte einfach ein Grundvertrauen zu den Ärzten da sein, die diese Frage zu klären haben und wir Eltern von ADS-Kindern sollten solidarisch sein und uns gegenseitig unterstützen. Der Alltag ist schon hart genug.

>>. Es gibt doch auch in anderen Bereichen sogenannte Trittbrettfahrer, warum nicht auch hier?>>

Falls es wirklich möglich sein sollte, eine ADS-Diagnose zu bekommen, obwohl man keines hat, dann muss ich sagen, ist mir das egal. Dieser Person, der es wichtig ist, wird es sicher irgendwie helfen. Und wenn jemandem geholfen werden kann, dann sollte man da nicht den Kopf drüber schütteln oder sich krampfhaft abgrenzen. Das wichtigste für mich ist, dass es dieser Person gut/besser geht.

>>Natürlich wäre das nicht schlimm und schaden tut es auch niemandem, außer vielleicht dem Arbeitsamt, das jemandem Aufgrund "ADS" kein Platz vermitteln kann;-))))>>

Diese Person würde auch sonst keinen Arbeitsplatz finden. Wenn jemand so große Schwierigkeiten in seinem Leben hat, so dass sie nicht arbeitsfähig ist, dann ist egal welchen Namen diese Schwierigkeiten haben, ob Depressionen oder ADS. Diese Person bekommt diesen Arbeitsplatz nicht nicht wegen ADS, sondern wegen großer persönlicher Schwierigkeiten.

>>>>Warum hast du denn diese Akzeptanzprobleme?>>
Ich habe keine Akzeptanzprobleme, im Gegenteil.
Ich sags nochmal, ich glaube, daß es ADS gibt!>>

Das meinte ich nicht. Ich meinte die Akzeptanzprobleme auf dein evtl. ADS bezogen. Du schriebst, dass du Züge von ADS an dir entdeckst, aber (ich vereinfache jetzt) davon nichts wissen willst. Da interessierte mich, warum es dir wichtig ist, dich so abzugrenzen?

Viele Grüße
Dagmar
Elterngruppe Frankfurt


von Dagmar - am 02.07.2001 21:12
Hallo zusammen,

sicher kann und darf man nicht jedes Fehlverhalten nun nmit ADS begründen und/oder entschuldigen...und ja, auch ich kann mir vorstellen, das es manchmal vorkommt das man es tut...

Fehler passieren überall, die Lehrerin meines PAtenkindes verlangte z.B. " Probieren sie doch Ritalin mal aus, dann werden wir ja sehen ob es hilft"

Die Diagnose lautete jetzt: "Reines ERziehungsproblem, das Kind hat kenerlei Linie und weiss nicht wo es lang geht..also nimmt es seinen Weg und irgendwer wird schon zustimmen" Die Lehrerin war "not amused"

Aber man darf auch icht den Fehler machen undsagen " Ach die Eltern verstecken sich nur hinter der Diagnose"...denn dann läuft man GEfahr, das KIND zu übersehen.

Gruß Petra

von Petra - am 02.07.2001 21:17
Hallo Markus,

>>Auch ich bin der Meinung, dass es mit Sicherheit einige Fehldiagnosen in diesem Bereich gibt,............es ist mit Sicherheit einfacher seine Probleme einfach mit ADS zu entschuldigen als sich diesen zu stellen.........>>

wie kommst du auf die Idee, dass augerechnet deine Diagnose richtig sein soll, die anderer Personen aber falsch? Ist das nicht ein bisschen egozentrisch gedacht?

Alles andere was du geschrieben hast, liegt weit neben der Forumrealität der letzten 2 1/2 Jahre. Da du aber erst kurz dabei bist, kannst du natürlich keinen umfassenden Überblick haben ;-)))

Viele Grüße
Dagmar
Elterngruppe Frankfurt


von Dagmar - am 02.07.2001 21:22
Hi Jutta,

genauso war mein Beitrag auch gemeint:-)

Viele Grüße
Beast

von Beast - am 02.07.2001 21:22
Hallo Beast,

du hast ganz recht. Derartige Fehlentwicklungen sind zumindest möglich.

Natürlich muss eine vernünftige Diagnose gestellt werden. Bei manchen Ärzten kommt da eigentlich nur Pfusch oder hellseherische Fähigkeiten in Betracht. Aber bei jeder anderen Krankheit sind wir doch kritisch gegenüber Ärzten, gerade, wenn es um Kinder geht. Warum sollten ausgerechnet alle ADS-Ärzte Leuchten ihres Fachs sein.

Wenn die Diagnose gestellt wird, ist die Ursache einiger Probleme klar. ADS entschuldigt überhaupt nichts, es erklärt aber immerhin einiges. Wenn die Kinder in Regelkindergärten und –schulen bleiben sollen dann müssen sie eben sowohl sozial als auch im Leistungsbereich die üblichen Anforderungen erfüllen, auch wenn es ihnen sehr viel schwerer fällt als anderen Kindern.

Die angebotenen Therapien helfen vielen Kindern (und Erwachsenen) dabei. Wenn sie das nicht tun, sind sie für dieses Kind ungeeignet. Es kann durchaus sein, dass eine andere Therapie, die gar nicht von ADS ausgeht dann hilfreicher ist. Das muss dir eigentlich keine Angst machen, du kannst eine erfolglose Therapie jederzeit abbrechen. Die meisten Eltern ersparen sich und ihren Kindern aber beträchtlichen Frust, wenn sie zunächst die üblichen Therapien (Verhaltentherapie mit oder ohne Medikamente) ausprobieren. Bei uns waren ausgerechnet Verhaltens- und Ergotherapie fürchterlich. Trotzdem sind das übliche und häufig hilfreiche Begleittherapien. Natürlich musst du, auch wenn die Diagnose ADS steht, schauen, was diesem speziellen Kind nützt.

Selbst wenn die Prämisse stimmt, dass die Störung angeboren ist und vererbt wird, sind die Kinder natürlich genau wie allen anderen den üblichen Umwelteinflüssen ausgesetzt. ADS ist natürlich keine hinreichende Erklärung für alle Schwierigkeiten, die die Kinder haben oder machen. Schubladendenken schadet jedem Kind und wie sollte irgendeine Diagnose dir (oder auch einem Lehrer) sagen können, was dieses einzelne Kind in diesem Moment braucht?

Andererseits gibt es ein paar Grundregeln, die den Umgang mit den meisten ADS-Kindern vereinfachen. Halbwegs klare Regeln und Grenzen und ein bisschen Struktur im Tagesablauf tun aber allen Kindern gut. Deshalb müssen Eltern noch lange nicht zu Tyrannen und Kinder nicht zu Befehlsempfängern werden.

von Mimi - am 02.07.2001 21:30
Hi Dagmar,

>>Diese Frage taucht immer wieder auf. Ich muss sagen, ich mag diese Frage eigentlich nicht. Ich finde, da steckt ein Stück Überheblichkeit drin. "Mein Kind hat seine ADS-Diagnose zurecht, aber andere Kinder haben sie zu Unrecht." >>

Ich habe nicht behauptet, mein Kind hat diese Diagnose zurecht.
Im Gegenteil, ich plädiere in letzter Zeit immer mehr auf dieses opositionelle Verhalten. Aber der Arzt hat nun mal ADS diagnostiziert und damit hat es sich, verstehst Du, was ich meine?
Ich denke einfach, es wird, manchmal, zu voreilig entschieden.

>>ich kenne nur sehr verantwortungsvolle Ärzte und Therapeuten>>

Das finde ich sehr toll, daß Du nur von fachlichen Größen umgeben bist, wir hatten da bisher nicht so großes Glück, im Gegenteil, die waren größtenteils nur um die richtige Abrechnungsweise besorgt.
Aber zum Glück kommt unser Filius im August zur Kur und ich hoffe, daß diese uns ein stückchen weit nach vorne bringt.

>>Du schriebst, dass du Züge von ADS an dir entdeckst, aber (ich vereinfache jetzt) davon nichts wissen willst. Da interessierte mich, warum es dir wichtig ist, dich so abzugrenzen?>>

Die Züge habe nicht ich an mir entdeckt, sondern meine Frau. Und diese Wesenszüge, die bei mir ADS zur Folge haben sollen, schiebe ich einfach auf ein ganz normales menschliches Verhalten, wie es Millionen andere Menschen auch an den Tag legen :-) Natürlich kann ich auch für jedes Verhalten sofort in Lexika nachschlagen, welche Konsequenzen eben dieses Verhalten jetzt für mich bedeuten könnte. Aber wäre da das Leben noch lebenswert? Wenn man für alles sofort eine medizinische Erklärung sucht?

Viele Grüße
Beast

von Beast - am 02.07.2001 21:40
Hi Markus ;-)

ich denke schon, daß ein solches Forum ein wichtiger Bestandteil für die Menschen mit ADS ist.
Nur sollte es nicht einziger Hoffnungsschimmer sein!!

Viele Grüße
Beast

von Beast - am 02.07.2001 21:43
Hi Mimi,

Du hast mir aus der Seele gesprochen!
Dem gibt es nichts mehr hinzuzufügen.

Viele Grüße
Beast

von Beast - am 02.07.2001 21:47
Hallo Beast,

langsam verstehe ich besser was du meinst.

>>Ich habe nicht behauptet, mein Kind hat diese Diagnose zurecht.
Im Gegenteil, ich plädiere in letzter Zeit immer mehr auf dieses opositionelle Verhalten. Aber der Arzt hat nun mal ADS diagnostiziert und damit hat es sich, verstehst Du, was ich meine?>>

Ja, jetzt verstehe ich :-)) Also, das ADS muss nicht falsch sein. Ich sehe zwei Möglichkeiten. Dein Kind hat ADS mit ausgeprägter Impulsivität. Das hat zur Folge, dass es eine sehr geringe Frustrationstoleranz hat, schnell hochschießend auf Einschränkungen reagiert und äußerst stur sein kann. Das alles zusammen macht natürlich ein schwieriges Sozialverhalten. Das Kind ist oppositionell.

Es könnte auch sein, dass dein Kind zusätzlich zum ADS noch eine Störung des Sozialverhaltens hat, das kommt so häufig vor, dass es sogar als eigenständige Diagnose im internationalen ICD 10 aufgeführt ist.

Kann es sein, dass deine Frau öfter das Verhalten deines Kindes mit ADS entschuldigt, obwohl es dich nervt?

>>Die Züge habe nicht ich an mir entdeckt, sondern meine Frau. Und diese Wesenszüge, die bei mir ADS zur Folge haben sollen, schiebe ich einfach auf ein ganz normales menschliches Verhalten, wie es Millionen andere Menschen auch an den Tag legen :-) >>

Dazu sage ich, vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste ;-)) Zu ADS gehört eine mangelnde Fähigkeit sein Verhalten und seine Außenwirkung selbst einzuschätzen. Da kann es schnell passieren, dass man Verhaltensweisen an den Tag legt, die einem selbst nicht stören, aber den Partner ganz massiv und man dies nicht selbst bemerkt. Dazu kommt natürlich etwas, das für alle Menschen gilt, das ist die Verdrängung eigener Probleme.

Noch ein anderer Punkt: Ist es wirklich so schlimm ADS zu haben, wenn man gut im Alltag klarkommt? Ich finde nicht. Meine Kinder finden es klasse, dass ihre Mutter auch ADS hat. So fühlen sie sich nicht abgestempelt und es macht ihnen Mut, weil sie sehen, dass man trotz ADS mitten im Leben stehen kann. Das schöne ist, wir können oft prima über unsere kleinen und großen Schusseleien lachen. Wir Erwachsenen müssen nicht perfekt sein, aber unsere Kinder finden es noch besser, wenn wir dazu stehen :-)))

Viele Grüße
Dagmar
Elterngruppe Frankfurt


von Dagmar - am 02.07.2001 21:56
Hi Dagmar,

na endlich :-))), dacht schon, Du siehst mich als uneinsichtigen Sektenpöpler.

>>. Dein Kind hat ADS mit ausgeprägter Impulsivität. Das hat zur Folge, dass es eine sehr geringe Frustrationstoleranz hat, schnell hochschießend auf Einschränkungen reagiert und äußerst stur sein kann. Das alles zusammen macht natürlich ein schwieriges Sozialverhalten. Das Kind ist oppositionell.
>>

Genau. Du hast es auf den Punkt gebracht. Aber es ist schwer einen Arzt, zumindest die von uns bisher besuchten, auf eine vielleicht von ADS abweichende, ist diese erstmal diagnostiziert, Schiene zu bringen.

>>ICD 10 >>

Was ist das?? Könntest Du mir das erklären?

>>Kann es sein, dass deine Frau öfter das Verhalten deines Kindes mit ADS entschuldigt, obwohl es dich nervt?>>

Na ja, nerven :-) tut es mich nicht, denn ich liebe meine Familie ja unwahrscheinlich.
Aber ich hab schon manchmal Angst, daß meine Frau sich ganz in dem Bild ADS verliert. Vertehst Du?

>>Ist es wirklich so schlimm ADS zu haben, wenn man gut im Alltag klarkommt?>>

Natürlich nicht. Als ich von ADS das erste mal hörte(Diagnose unseres Sohnes), erschrak ich schon, denn ich wußte ja überhaupt nicht was das bedeutete.
Uns wurde nur gesagt, die Gehirnströme seien nicht normal und da denkt man ja erstmal an was schlimmes.
Erst als wir uns (meine Frau mehr als ich, ich gebs zu:-))) belesen hatten, verstanden wir zunehmend, was da überhaupt los ist.

>>Wir Erwachsenen müssen nicht perfekt sein, aber unsere Kinder finden es noch besser, wenn wir dazu stehen :-)))>>

Da geb ich Dir recht. Perfekt sein geht nicht und für Kinder ist es wichtig, zu sehen, daß auch, oder gerade die Erwachsenen, fehler machen und zu ihnen stehen.

Viele Grüße
Beast

von Beast - am 02.07.2001 22:15
Hallo Beast,

>>dacht schon, Du siehst mich als uneinsichtigen Sektenpöpler>>

habe ich so unfreundlich geklungen? Nein so habe ich dich nicht eingeschätzt, ich habe nur gedacht, ich hätte es mit einer Mutter zu tun und deshalb erst mal wirklich nicht verstanden.

>>Genau. Du hast es auf den Punkt gebracht. Aber es ist schwer einen Arzt, zumindest die von uns bisher besuchten, auf eine vielleicht von ADS abweichende, ist diese erstmal diagnostiziert, Schiene zu bringen.>>

Aber, das was ich beschrieben habe ist ADS :-)) ADS sieht bei jedem Betroffenen anders aus. Es gibt kein einheitliches Bild eines ADS'lers. Manche haben große Konzentrationsschwierigkeiten, manche sind einfach nur zappelig und wieder andere sind oppositionell. Dazu gibt es noch alle Kombinationen.

Es gibt ein Buch, das euch wirklich weiterhelfen könnte.
Döpfner u.a., Wackelpeter und Trotzkopf, Beltz-Verlag, 38 DM. Das Buch ist wirklich gut, gerade wenn ein Kind sehr oppositionell ist. Es enthält ein Elterntraining und erklärt genau wie elterliches Verhalten sich auf das Kind auswirkt.

>>ICD 10 >>

Der ICD 10 ist das internationale und von der WHO anerkannte Verzeichnis der Krankheiten. Dort sind von der Grippe über Krebs bis zu ADS alle Erkrankungen verzeichnet und mit Nummern versehen. Diese Nummern verwenden alle Ärzte z.B. für die Abrechnung mit den Krankenkassen. Der ICD 10 gilt auf der ganzen Welt, ich denke das ist wichtig zu wissen, dadurch wird auch Argument von ADS als Zivilisationserkrankung ausgeräumt.

>>Na ja, nerven :-) tut es mich nicht, denn ich liebe meine Familie ja unwahrscheinlich.
Aber ich hab schon manchmal Angst, daß meine Frau sich ganz in dem Bild ADS verliert. Vertehst Du?>>

Mich nerven meine Kids schon manchmal und manchmal auch öfter und das obwohl ich sie liebe. Ich denke, auch das ist normal, denn ich bin Mutter und Mensch und kein Roboter ;-)) Auch meine eigene Kraft ist nur endlich.

Ja, ich verstehe, dass du diese Angst hast. Vielleicht kann ich dir etwas von mir erzählen, das dir hilft, deine Frau zu verstehen.
Als Mutter hast du dein Kind den ganzen Tag. Mein Mann ist den ganzen Tag arbeiten und hat wenig von zu Hause mitbekommen. Ich bin mit den Kids in den Mini-Club und auf den Spielplatz gegangen, habe die Kontakte zu anderen Müttern gehalten und Gespräche mit den Erzieherinnen geführt. Sehr oft habe ich dabei Blicke gespürt und oft wurde es auch deutlich gesagt "Kann die ihr Kind nicht erziehen? Das Kind stört! Was das für eine Unruhe verbreitet."

Als Mutter fühlte ich mich doppelt gekränkt. Einerseits merkte ich, dass mein über alles geliebtes Kind abgelehnt wurde und ich merkte, dass mir (oft unausgesprochen) Vorwürfe gemacht wurden. Ich fühlte mich verantwortlich und schuldig. Ich mühte und mühte mich, doch alles schien keinen tragenden Erfolg zu haben. Was bleibt einem noch als Mutter, wenn man sieht, dass das eigene Kind so unglücklich ist. Ich habe mich irrsinnig hilflos gefühlt.

Nun kam die Diagnose. Es war so, als nahm mir jemand den Mühlstein vom Hals. Mein Kind hat ADS. Ich war nicht Schuld, es kam sogar besser, ich konnte ihm helfen glücklich zu werden. Ich wollte so schnell wie möglich alles wissen. Ich habe ein Buch nach dem anderen verschlungen, bin auf Vorträge gerannt und habe mich informiert. Ich wollte wieder gut machen, was die ganzen Jahre versäumt schien. Plötzlich fühlte ich mich wieder stark, ich hatte das Gefühl meinem Kind etwas gutes tun zu können und wir hatten Erfolg.

Mein Mann konnte das erst mal nicht so nachvollziehen. Er hatte diese Leiden auch nicht durchzustehen. Er bekam erstens nicht die einzelnen Situationen mit, in denen unser Sohn Ablehnung erfuhr, sondern nur durch meine Erzählungen und er hatte seine Arbeit, wo er Bestätigung bekam, Erfolg hatte.

Durch die Diagnose unseres ältesten Sohnes hörten wir das erste Mal von ADS und es veränderte sich vieles in unserem Leben - sehr zum Positiven. Natürlich muss man erst mal umdenken, gewohnte Wege verlassen, das bringt auch Unruhe in die Familie. Aber, es lohnt sich. Es geht nicht nur dem Kind sondern der ganzen Familie besser.

>>Uns wurde nur gesagt, die Gehirnströme seien nicht normal und da denkt man ja erstmal an was schlimmes.>>

Ja, mein Kind hat eine Krankheit im Gehirn. Da zerfetzt es erst mal einem. Aber so schlimm ist es nicht. Unsere Kinder haben nicht nur negative Seiten oder Schwierigkeiten, unsere Kinder sind auch nicht zum Untergang verurteilt. Unsere Kinder mit ADS sind wunderbare Kinder, sie sind fantasievoll, sie sind auffassungsschnell, sie sind mutig, sie sind emphatisch. All das kann man manchmal aber erst sehen, wenn die Diagnose gestellt ist.

Dann wird die Lügengeschichte weniger dramatisch, weil man merkt, dass das Kind nicht nicht absichtlich kügt, sondern, dass es wahre Elemente mit Fantasie vermischt. Dann kann man der Fantasie einen eigenen Platz einräumen und dem Kind erklären, dass sie bei der Schilderung von wichtigen Situationen keinen Platz hat.
Oder man kann die Sturheit auch als große Willenstärke sehen und dem Kind aufzeigen, dass es diese Willenstärke bewusst anweden kann, sie aber manchmal auch beiseite lassen muss, weil es sich damit schadet. Das ist der aktive Umgang mit ADS, den Kindern ihre positiven Eigenschaften lassen, ihnen aber genau aufzuzeigen, wann sie sich damit schaden. Das erfordert viel Wissen über ADS und viel Kraft, aber es ist eine wirkliche Herausforderung :-)))

Ich könnte noch so viel schreiben, aber ich mache jetzt mal Schluss, damit es noch lesbar bleibt ;-))

Viele Grüße
Dagmar
Elterngruppe Frankfurt


von Dagmar - am 02.07.2001 23:00
Ey Dagmar,

erstmal danke dafür, daß Du mir so ausführliche Antworten schreibst!!

>>habe ich so unfreundlich geklungen? >>

Nein, hast Du nicht. Aber es gab doch mal vor einiger Zeit ein paar postings, die auf eine gewisse Sekte schließen lies und von Dir gelöscht wurden. Ich dachte nur, mir geht es bestimmt genauso :-)))


>>Aber, das was ich beschrieben habe ist ADS :-)) >>

Da hast Du mich wohl drangekriegt :-)) Ich dachte bisher, das oppositionelle Verhalten sei eine eigenständige Krankheit(dummes Wort, aber wie soll ich es anders beschreiben?)
Hab ich mich wohl geirrt, muß wohl meiner Frau glauben und mehr mit ihr darüber lesen, denn das macht sie mir immer wieder mal zum Vorwurf :-)

>>Es gibt ein Buch, das euch wirklich weiterhelfen könnte.
Döpfner u.a., Wackelpeter und Trotzkopf>>

Haben wir, meine Frau hats gelesen, ich noch nicht *schäm* ;-)

>>ICD 10 >>

Danke für die Erklärung, jetzt weiß ich wieder etwas :-)

>>Mein Mann ist den ganzen Tag arbeiten und hat wenig von zu Hause mitbekommen.>>

Ich bin wegen Krankheit schon seit fast 6 Monaten zu Hause. Es ist also nicht so, daß ich meckernd von der Arbeit komme und denke, was die da erzählt(meine Frau)
Die Ablehnung durch die Umgebung erlebe ich Hautnah täglich mit und es schmerzt uns ebenso wie dich. Das kann ich sehr gut nachvollziehen.

Auch uns wurde schon oft, mal durch die Blumen, mal ganz direkt, mangelnde Erziehungskunst vorgeworfen. Daß man da auch oft an sich selbst zweifelt und die Sprüche anderer írgendwann für bahre Münze hält, ist ja nicht verwunderlich.
Da sehnt man sich schon nach Hilfe, egal welcher Art.

Viele Grüße und bis dann
Beast

von Beast - am 02.07.2001 23:25
Hallo

ich wollte erst auch noch was dazu schreiben, aber es wurde hier alles schon gesagt.
Ein dickes Lob an alle, die sich an dieser "Diskussion" beteiligt haben. Denn es ist richtig entspannend gewesen, alle diese Beiträge zu lesen, die ohne Vorwürfe, ohne Mißstimmung, ohne Ausgrenzung und ohne Zorn waren!!!

Es geht also doch!

Gruß Yvonne

von Yvonne König - am 03.07.2001 06:54
Hallo zusammen

interessante Diskussion nur sollten wir hier mal zwei Sachen unterscheiden. Das was Beast ursprünglich gesagt hat, was meiner Meinung nach voll zutrifft und das Forum.

Ich bin wie Beast der Meinung, das manchmal zu viel auf ADS geschoben wird. Die Diagnose sollte in erster Linie helfen unsere Kinder, Partner etc. die darunter leiden zu verstehen. Verstehen heisst aber nicht alles durchgehen zu lassen und schon garnicht ADS als Entschuldigung zu gebrauchen. Auch darf die eigene Diagnose dazu führen, dass man alle anderen Gesellschaftsmitglieder durch die ADS Brille anschauen sollte. Will heissen ADS ist sehr reich an Nuancen und Ausprägungen, welche aber bei jedem Menschen vorkommen. Bei ADSlern treffen aber mehrere Ausprägungen zu, bei nicht ADSlern nur sehr wenige.

Ich denke auch dass ADS gesellschaftliche Ursachen hat und nicht nur die Stoffwechseldysfunktion. Unsere Zeit ist sehr schnelllebig geworden, was für viele von uns ein Problem darstellt (deswegen oft auch bei "normalos" Symptome wie bei ADS) für ADSler ist diese Schnellebigkeit noch in einem viel stärkeren Masse verheerend.

Hier sehe ich auch die Hauptursache an der Kritik von Markus.Eltern die schon jahrelange Odyseen von Pontius zu Pilatus hinter sich haben und damit auch oftmals an die physische wie psychische Leistungsgrenze gekommen sind,haben endlich die Diagnose ADS bekommen.Zum ersten mal verstehen sie IHR Kind.Verständnis alleine hilft nur bedingt - therapien wurden ja meistens schon im Vorfeld, oft erfolglos durchgeführt- also hört man von Rita oder Medikinet. Es gibt einen neuen Hoffnungsschimmer, der meist sogar positiv anschlägt. Zum erstenmal haben die Eltern eine Verschnaufpause vergönnt bekommen. Dies wird hier im Forum kundgetan, mit der Folge das neuen Mitgliedern- um Ihnen die Odyssee zu ersparen- sehr schnell zu Medis geraten wird.

Andererseits ist das Forum für die Eltern eine wichtige Plattform um die eigene Seele mal wieder baumeln zu lassen und Kraft zu tanken, denn psychisch abgewrackte Mamas und Papas helfen den Kinder nicht.

Und doch Dagmar, auch Kritik ist wichtig, wenn sie sachlich vorgetragen wird.Denn nur mit Kritik kann man sich mit der Sache weiter auseinandersetzen ohne auf der Stelle stehen zu bleiben.

Nicht alles was nach ADS aussieht ist ADS, manchmal ist es nur die Faulheit mit sich selbst zu kämpfen. Das ist auch das was Beast wahrscheinlich mit seinem Beitrag gemeint hat.

Ups, das ganze wurde doch länger als geplant, danke an alle die bis zum Schluss durchgehalten haben.

Gruss von Klaus
(Männe von Manu)

von Klaus - am 03.07.2001 09:13
Hallo!

Auch mein 9-jähriger Sohn hat ADS und ich habe mit vielen Vorurteilen zu kämpfen. Aber es ist doch so, letzen Endes wollen wir doch alle nur unseren Kindern helfen. Und da warscheinlich Jeder seine eigene Art und Verständnis von Hilfe hat, kommt es immer wieder zu verschiedenen Ansichten und manchmal vielleicht auch zu falschen Hilfestellungen.

Gruß Simone

von Simone Kather - am 03.07.2001 11:44
Hallo Beast,

>>Da sehnt man sich schon nach Hilfe, egal welcher Art.>>

ja, die braucht ihr und euer Kind auch unabhängig von der Ursache des oppositionellen Verhaltens.

Hier könnt ihr eurem Sohn helfen, indem ihr Verständnis für ihn aufbringt, ihm klare Regeln aufzeigt, ihn recht eng führt und sehr konsequent seid. Die Konsequenz ist wahrscheinlich das Schwierigste. Konsequent heißt: immer darauf achten, dass er die gesetzten Regeln einhält und ihm nicht mal was durchgehen lassen und am nächsten Tag bestrafen. Mögliche Konsequenzen mit der Regel zusammen ankündigen und falls die regel nicht eingehalten wird, genau diese angekündigte Konsequenz auch durchführen, das heißt, auch wenn man als Eltern gerade beim Ausrasten ist, nicht strenger strafen, als angekündigt. Auf der anderen Seite heißt das aber auch: _immer_ loben und belohnen, wenn er die Regeln eingehalten hat.

Man hat durch Studien herausgefunden, dass Kinder mit oppositionellem Verhalten nicht auf Strafen reagieren, bzw. nur sehr vermindert. Aber sie reagieren hervorragend auf Lob und Belohnungen. Und dass euer Sohn etwas lernt und sich dadurch wohler fühlt ist doch euer Ziel.

Die Frage nach der Ursache für sein oppositionelles Verhalten ist erst einmal sekundär. Es kann eine medizinische Ursache sein, wie ADS, schwieriges Temperament. Oder es kann eine psychosoziale Ursache haben wie z.B. Konflikte in eurer Paarbeziehung oder eigene Probleme in eurem Umfeld, die sich auf das Kind übertragen.

Natürlich wird die Hilfe noch erfolgreicher, wenn ihr den Hintergrund für das Verhalten eures Kindes ermitteln lasst. Liegt eine medizinische Ursache vor, kann diese evtl. behandelt werden und ihr solltet auf jeden Fall ein Elterntraining machen. Liegt eine psychosoziale Ursache vor, so könntet ihr z.B. eine Paartherapie machen oder dernige von euch, der unbearbeitete Probleme hat, kann eine eigene Therapie machen.

Du siehst, du kannst deinem Sohn jetzt erst schon mal helfen, egal ob die ADS-Diagnose für dich akzeptierbar ist oder nicht. Das "Warum" ist dann erst der zweite Schritt. Den geht ihr, wenn ihr bereit dazu seid.

Friedo hat dir oben weitere ausführliche Erklärungen aufgeschrieben :-))

Viele Grüße
Dagmar
Elterngruppe Frankfurt


von Dagmar - am 03.07.2001 14:37

Re: Mysterium ADS ( Achtung, gaaanz extrem lang! ,-)

Hallo Dagmar,
zunächst mal vielen Dank für deine freundliche Antwort auf mein etwas zugegebenermassen etwas krass gestaltetes Schreiben !
Zum ersten, ich habe noch nie bei irgendjemand ´ne Diagnose bezgl. ADS gestellt,
kommt mir auch garnicht zu, da meine Berufliche Bildung hierfür absolut ungeeignet ist . ;-))))) Mir geht es hier eher so wie dem Beast.............
mir hat meine Lebensgefährtin die "Diagnose" gestellt ;-)...... und zuerst dachte ich auch: Naja , passt, nun habe ich auch für vieles was in meinem Leben in die Hose ging ´ne Erklärung..........jetzt gehst du zu ´nem Arzt, lässt dir das bestätigen und Rita und Therapie verordnen, und schon wird vieles im Leben leichter gehen ;-) ;-)
Das alles ist jetzt ein paar Wochen her, ich habe Gelegenheit gehabt, über meine Prob´s nachzudenken und in dieser Zeit auch noch so mansches über ADS erfahren ( Wir haben hier ´ne super Selbsthilfegruppe ! ) . Dabei bin ich darauf gekommen, dass vieles was ich mit ADS ( in meinem persönlichen Fall ! ) in Verbindung gebracht hatte, letztendlich nur mit meiner persönlichen Trägheit zusammenhing....;-).........es ist mir eben manchmal nicht gelungen im richtigen Moment den " Arsch rumzukriegen"....
Ich glaube nicht, dass ich ein so aussergewöhnlicher Mensch bin, so dass das o.g.
nur mir so passieren kann, bin mir gleichzeitig aber sicher, dass ich es nur geschafft habe zu dieser "Erkenntniss" zu kommen, weil ich gerade ein "seelisches Hoch" habe. Andere Zeitgenossen, die momentan extrem unter Druck stehen könnten durchaus geneigt sein, den "bequemeren" Weg zu gehen
( ohne das sie sich dessen bewusst sind).
Ich hoffe das ich meine Ansicht der Dinge verständlich machen konnte und das es jetzt klar ist, dass ich keinem etwas unterstellen will.............
Zum zweiten: Mag sein, dass mein Eindruck von der Forumrealität der letzten 2 1/2
Jahre abweicht, lese hier auch erst seit ca. 3 Monaten mit, aber in dieser Zeit ist eben mein Eindruck so entstanden...............Ich persönlich empfinde es als sehr schade, dass hier auf Anfragen bzgl. VT und wie so etwas im allgemeinen abläuft,
(wobei mir klar ist, dass diese bei jedem individuell verschieden ablaufen muß ), so wenig Resonanz erfolgt. -Zumindest im Moment-
Das hat jedoch nichts mit der Qualität der Hilfe die Suchenden in diesem Forum erfahren zu tun................ Das Forum ist eine ganz tolle Einrichtung und für viele
( auch für mich und meine Familie ) eine große Hilfe !!!! - Vielleicht gelingt es mir ja, im Laufe der Zeit einige Teilnehmer in Richtung "Selbsthilfe und UNTERSTÜTZUNG der Ritalinwirkung durch alternativen ( Musik, Sport;Ernährung,o. ä. ) zu sensibilisieren ;-)))

Bis dann

Markus aus Kaiserslautern

von Markus aus Kaiserslautern - am 03.07.2001 17:10
Hallo Markus,

danke für deine ausführliche Antwort.

Naja, dann hast du bisher eine "Diagnose" von deiner Partnerin. Da würde ich mich auch erst mal nicht verunsichern lassen;-) Falls dich das Thema weiter interessiert, kannst du ja mal *Zwanghaft zerstreut* von Hallowell und Ratey lesen. Ich denke, einen Erwachsenen kann man nicht zu einer Diagnose überreden. Denn hast du das Gefühl keine Schwierigkeiten zu haben oder zumindest keine besonderen, dann wirst du dich weigern anzunehmen, dass du eine Stoffwechselstörung haben sollst. Eigentlich geht man ja zum Arzt oder Therapeuten, wenn man meint Hilfe zu brauchen, dann ist die Akzeptanz der Diagnose sicher höher.

Deine Trägheit, nun ja, das kann natürlich eine Wesensart von dir sein. Es ist kein Ausschlusskriterium für ADS, da kennt man das als nicht anfangen können und nicht durchhalten können. Es ist natürlich auch kein Kriterium für ADS, da braucht es schon mehr.

>>Andere Zeitgenossen, die momentan extrem unter Druck stehen könnten durchaus geneigt sein, den "bequemeren" Weg zu gehen>>

Ja, wer wirklich unter Druck steht, mag zum Arzt gehen. Ob hinterher jedoch ADS diagnostiziert wird, steht auf einem ganz anderen Blatt. Und auch wenn der Hilfesuchende meint sich in ADS wiedergefunden zu haben, so ist es der Arzt, der die Diagnose stellt. Es kann sein, er kommt zu ADS, den Zahlen nach, die man von entsprechenden Ärzten auf Vorträgen hört, kommen sie aber in über 50% der Fälle zu anderen Diagnosen. Es wird nich leichtfertig diagnostiziert, gerade nicht im Erwachsenenbereich. Es gibt nur so wenige Ärzte, die überhaupt ADS bei Erwachsenen diagnostizieren, die haben lange Wartelisten, die sind nicht darauf angewiesen Leuten ADS anzudichten ;-)

Aber ist das nicht normal? Wenn ich beginne schlechter zu sehen, dann denke ich, dass ich kurzsichtig werde. Ich gehe zum Arzt und sage ihm, ich denke ich brauche eine Brille. Nun untersucht der Arzt mich, kommt auch zum Ergebnis, dass ich eine Brille brauche oder er kommt zu einer anderen Diagnose. Ist das deshalb schlimm, dass ich dachte, ich brauche eine Brille? Ich denke nicht, denn das hat mich doch bewegt zum Arzt zu gehen und nun bekomme ich Hilfe.

Und das sehe ich bei ADS genauso. Wenn ADS eine Tür für Menschen sein könnte wegen persönlicher oder psychischer Probleme einen Arzt oder Therapeuten aufzusuchen, dann ist das doch prima auch wenn sich eine andere Diagnose als richtig herausstellt. Aber die Schwelle sich helfen zu lassen ist genommen und das ist für diesen Menschen das wichtige. Ich denke, wir müssen uns wirklich nicht so zwanghaft abgrenzen.

>>...............Ich persönlich empfinde es als sehr schade, dass hier auf Anfragen bzgl. VT und wie so etwas im allgemeinen abläuft,
(wobei mir klar ist, dass diese bei jedem individuell verschieden ablaufen muß ), so wenig Resonanz erfolgt. -Zumindest im Moment->>

Ja, da stimme ich dir zu. Ich hätte selbst dazu einen Roman schreiben können, habe es aber gelassen. Es kommt immer darauf an, wann eine Frage gestellt wird. Wenn viele Themen gleichzeitig laufen, dann kommt schon mal eine Anfrage zu kurz, meist solche, wo man viel schreiben muss. Und wenn dann noch jemand anderes so eine Knallerüberschrift setzt, dann ist da natürlich viel Lesekapazität gebunden;-)

Ich setze auch den Schwerpunkt etwas anders. Ich finde wenn jemand Trost braucht oder eine Frage zum Umgang im Alltag hat, dann wird derjenige hier immer Zuspruch finden. das hat für mich auch Priorität im Antworten. Und da die Zeit, die zur Verfügung steht begrenzt ist, muss man halt auswählen :-)) das hat aber nichts mit prinzipieller Wichtigkeit zu tun.

So weit :-)))

Viele Grüße
Dagmar
Elterngruppe Frankfurt


von Dagmar - am 03.07.2001 18:22
Hi Dagmar,

natürlich versuchen wir schon ne, für uns, halbe Ewigkeit, durch Konsequenz und durch klare Strukturen den Alltag mit unserem Kind zu meistern.
Du wirst wissen, daß gerade dies nicht immer ganz einfach ist und schon auch mal eskalieren kann. Denn genau das ist doch der Punkt, nie zu wissen, tut er es jetzt unbewußt(ADS), oder war es rein zum ärgern gedacht ;-)

Auch versuchen wir, unsere Konsequenz nicht erschüttern zu lassen, aber wir sind doch auch nur Menschen.
Wie oft haben wir ihm als "Strafe" angedroht, wir kaufen ihm nichts mehr zum spielen. Oft haben wir das auch eingehalten, oft, aber nicht immer.
Und genau für solch einen Ausrutscher läßt er uns dann durch sein Verhalten wieder büßen. Mir ist bewußt, selber schuld, aber wie gesagt, wir sind keine Computer:-))

Viele Grüße
Beast

von Beast - am 03.07.2001 18:55
Hi Klaus,

du hast es getroffen, verständlicher hätte ich es nicht formulieren können.
Mehr brauche ich nicht mehr hinzuzufügen, hab mich schon oft genug wiederholt :-))

Viele Grüße
Beast

von Beast - am 03.07.2001 19:02
Hallo Beast,

nur zwei kleine Punkte (will jetzt mal lernen kurze Mails zu schreiben ;-))

>>Denn genau das ist doch der Punkt, nie zu wissen, tut er es jetzt unbewußt(ADS), oder war es rein zum ärgern gedacht ;-)>>

Da ist meine Meinung, dass es keinen Unterschied macht, ob ADS oder extra. Wenn das Kind gegen eine Regel verstößt braucht die Konsequenzen immer. Sonst wird ADS zur Ausrede.
ADS spielt für mich nur im Vorfeld eine Rolle für die Frage, wieviel Unterstützung bekommt mein Kind für die Erfüllung der Aufgabe und was kann ich von ihm verlangen. Für mich ist ADS keine Entschuldigung (das ist mit ganz wichtig).

>>Wie oft haben wir ihm als "Strafe" angedroht, wir kaufen ihm nichts mehr zum spielen.>>

Das ist eine sehr massive Strafe, die kaum durchzuhalten ist. Und sie kommt erst Tage nach dem "Vergehen". Besser sind ganz kleine Strafen (noch besser natürliche Konsequenzen), die _sofort_ eintreten.

>>wir sind keine Computer:-))>>

Du sprichst mir aus dem Herzen :-)))

Viele Grüße
Dagmar
Elterngruppe Frankfurt


von Dagmar - am 03.07.2001 19:05
Hi Dagmar,

(>>will jetzt mal lernen kurze Mails zu schreiben ;-))>>

schreib nur, deine Post ist sehr interessant zu lesen:-)

>>Wie oft haben wir ihm als "Strafe" angedroht, wir kaufen ihm nichts mehr zum spielen.>>
>>Das ist eine sehr massive Strafe, die kaum durchzuhalten ist. Und sie kommt erst Tage nach dem "Vergehen".>>

Mein Fehler, das hab ich nicht richtig dargestellt. Wenn wir diese Strafe angekündigt hatten, dann war das unmittelbar vor dem Einkaufen. Er kriegt doch fast immer ne Kleinigkeit beim Einkaufen ;-), somit war das doch eine sehr gut kalkulierbare (für unser Kid) Gefahr :-))

>>Für mich ist ADS keine Entschuldigung >>

Für mich auch nicht! Aber genau das ist der Punkt, den in schon mehrmals, vielleicht nicht immer direkt, angesprochen habe. Ich denke, für einige ist es das sehr wohl.

Ich hab mich kurz gehalten :-)))))))

Viele Grüße
Beast

P.S. Bist Du auch mal im Forum anzutreffen? Hab dich da noch nie gesehen.

von Beast - am 03.07.2001 19:18
Hi Yvonne,

danke für das dicke Lob, das ich gerne, natürlich auch für alle anderen:-)))) annehme.
Wie stehst denn Du dazu??
Würde mich interessieren, welche Seite du favoritisierst!

Viele Grüße
Beast

von Beast - am 03.07.2001 19:21
Hi Beast,

>>P.S. Bist Du auch mal im Forum anzutreffen? Hab dich da noch nie gesehen.>>

ich sitze fürchterlich auf der Leitung *gg* Hilf mir mal ;-))

Grüße Dagmar
Elterngruppe Frankfurt


von Dagmar - am 03.07.2001 19:24
Hi Dagmar,

hach, mist, tschuldige, ich meinte natürlich das Chat :-)))))))))
Da war ich voll daneben *gg*

Viele Grüße
Beast

von Beast - am 03.07.2001 21:26
Hi Beast,

ne, da war ich bisher noch nicht. Irgendwie ist immer mein Tag schon vorbei, wenn noch so viel anderes ansteht :-))

Du kennst den Spruch mit dem Monat und Geld? So geht es mir mit dem Tag und den Dingen, die zu tun sind *g*

Viele Grüße
Dagmar
Elterngruppe Frankfurt


von Dagmar - am 03.07.2001 21:38
Hi Dagmar,

schade, wäre interessant, sich auch mal dort mit Dir zu unterhalten, anstatt hier immer auf aktualisieren zu müssen :-))))

Viele Grüße
Beast

von Beast - am 03.07.2001 21:44
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