Tagesklinik

Startbeitrag von Anke am 03.07.2001 07:55

Hallooo.
Meine 11-jährige Tochter ist seit 4 Wochen in der Tagesklinik der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Uni-Klinik Kiel in Schleswig-Holstein. Es gibt ständig Meinungsverschiedenheiten und manchmal frage ich mich, ob ich es dort wirklich mit Profis zu tun habe.

Wer hat Erfahrungen mit dieser Tagesklinik und tauscht sie mit mir aus?

Liebe Grüße

Anke.

Antworten:

Hallo Anke,

im Gesprächkreis war jemand, der da Erfahrung hat, ich werde mich morgen dort erkundigen.

Gruß Inge

von Ingeborg - am 03.07.2001 08:19
Vielen Dank. Das wäre wirklich sehr hilfreich.

Liebe Grüße,

Anke.

von Anke - am 03.07.2001 11:49
Wer hat denn da mit wem Meinungsverschiedenheiten und warum?

Magst Du das mal schildern ? Eine Tagesklinik kann doch nur Erfolg haben, wenn alle an einem Strang ziehen (und nicht an gegensätzlichen Enden!).

Die Klinik selbst kenne ich nicht, aber vielleicht fällt uns im Forum noch was dazu ein


Bernhard
Was ist HKS-ADS?


von Bernhard - am 03.07.2001 13:06
Hallo Bernhard.

Meinungsverschiedenheiten z. B. in Bezug auf die Relevanz darüber, wierum meine Tochter beim Essen das Besteck hält, oder über ein Bestrafungs-Belohnungssystem, dessen Sinn mir verborgen bleibt, da ich weiß, dass ADS-Kinder sich (meist) nicht absichtlich "falsch" verhalten, oder auch darüber, dass ich von Profis erwarte, dass sie meiner Tochter das Vergessen von Anweisungen nicht vorhalten, sondern entsprechende Hilfstechniken anwenden. Es sind nur kleine Beispiele, deren Wirkung aber groß ist. Madeleine ist ein "typisches" ADS-Kind, dass alle in der Literatur beschriebenen Symptome (ausser der Aggression) zeigt. Auch ausgeprägte Ängste sind bei ihr vorhanden, deren Abbau einer der Gründe für den Klinik-Aufenthalt sind. Statt dessen wurden von Anfang an neue Ängste bei ihr ausgelöst. Und wenn mir ein 11-jähriges Mädchen unter Tränen sagt: "Mama, die wollen mich da umdrehen, dann bin ich nicht mehr ich selbst und du hast eine ganz andere Tochter!" finde ich das durchaus bedenklich.
Natürlich habe ich das bei Elterngesprächen angesprochen. Und was war wohl der ärztliche Kommentar dazu? "Madeleine versucht die Erwachsenen gegeneinander auszuspielen. Sie macht das "unbewusst absichtlich" (so ein Quatsch!)". Natürlich wurde mir als (auch noch alleinerziehende) Mutter die Fähigkeit, das Verhalten meiner Tochter differenziert zu sehen, abgesprochen.
Zur Zeit sehe ich keine Veränderung zur Schule. Ich bin immer gern bereit, unvoreingenommen Neues zu auszuprobieren. Und Anfangsprobleme schrecken mich normalerweise auch nicht ab. Aber hier bin ich mir der Professionalität nicht sicher und warte jetzt noch ein Elterngespräch ab. Ich habe mich selbst gründlich über ADS informiert und lebe seit Jahren mit einem solchen Kind zusammen. Das sind Erfahrungen, die Eltern trotzdem, sogar von ärztlicher Seite, immer wieder abgesprochen werden. Natürlich müssen alle an einem Strang ziehen, dazu gehört aber auch, dass Eltern ernst genommen und vor allem miteinbezogen werden. Und nicht solche Sätze wie: "Warum erzählst du denn alles deiner Mutter?" oder "Was deine Mama sagt, zählt nicht, hier entscheiden wir, was mit dir gemacht wird." von Therapeuten meiner Tochter gegenüber.
Wie gesagt, ich will nur, dass Madeleine geholfen wird, doch dazu gehört auch Vertrauen und ein Miteinander. Leider ist davon noch nichts zu spüren. Aber ich möchte nicht aufgeben und deshalb frage ich hier nach Erfahrungen, die andere vielleicht dort schon gemacht haben.

Liebe Grüße

Anke.

von Anke - am 03.07.2001 18:15
Hallo Anke,

danke für die ausführliche Antwort. Sie macht ein wenig klar. So aus der Ferne ist es natürlich schwierig, Ratschläge oder Hinweise zu geben - weil das eigentlich vernünftig nur geht, wenn man sich selbst ein Bild machen kann.

Frag doch mal nach deren Diagnose, als Mutter hast Du natürlich das Recht hier umfassend und für Dich verständlich aufgeklärt zu werden. Mir scheint, dass die vermutlich gar keine oder eine ganz andere Diagnose haben. Mich würde schon interessieren, was sie für eine Diagnose bekommen hat. Wenn so mit dem Unbewussten argumentiert wird, arbeiten die oft nicht mit den üblichen ICD 10 - Diagnosen.

Hat sie einen zuständigen Psychotherapeuten? Oft kümmert sich ja *nur* (bitte nicht falsch verstehen) ein Krankenpfleger um die Kinder, Psychotherapie im eigentlichen Sinne findet zu oft nicht statt.

meint Bernhard
Was ist HKS-ADS?


von Bernhard - am 03.07.2001 18:28
Hallo Bernhard,

ja, eigentlich hat sie eine behandelnde Ärztin, Psychotherapeuten, Lehrer usw., einige recht jung....
Diagnose, in dem Sinne, dass dort ja "keine Hyperaktivität feststellbar sei, vielleicht ein bisschen Unaufmerksamkeit, und die Ängste, die könnten ja auch von was anderem herrühren..."
Madeleine ging nie "über Tische und Stühle", zeigt aber eindeutig fast alle beschriebenen hyperaktiven Symptome. Da habe ich einfach ein Problem damit, dass sich mit einmal alle anderen Ärzte geirrt haben sollen (von mir ganz zu schweigen).
Ich habe auch mich selbst schon sehr krititsch betrachtet, ob ich mich nicht vielleicht in der Hoffnung auf eine Lösung, in irgendetwas hineinsteigere. Aber unser Umfeld, die Familie, Bekannte und auch Eltern früherer Spielkameraden können alle ein Lied über das Verhalten meiner Tocher singen. Ich bin selbst Krankenschwester und eigentlich von meiner Fähigkeit zur Selbstkritik und differenzierter Betrachtung der Dinge überzeugt. Heute lasse ich mir eben einfach nicht mehr mangelnde Erziehung und "Gluckengetue" vorhalten. Und ich denke, auch Ärzte müssen lernen, dass Eltern mündig sind, Wissen und Kenntnisse haben und sich nichts "vom Pferd erzählen lassen". Letztlich geht es doch um die Kinder.

Liebe Grüße

Anke.

von Anke - am 03.07.2001 19:27
Hallo Anke,

ich hatte Deine Antwort völlig übersehen, so dass ich erst heute antworte :-(

Das entsetzt mich immer wieder; ich frage mich, was diese Einrichtung eigentlich soll: In meinen Augen sollte zu Beginn einer Therapie (und dazu rechne ich mal eine Tagesklinik) eine vernünftige Diagnostik stehen, und am Ende der Diagnostik steht die Diagnose. Die Therapie bezieht die Befunde aus der Diagnostik natürlich mit ein.

Was Du beschreibst hört sich ziemlich konzeptionslos an, da fehlt der therapeutische Biss - ich frage mich, was Deine Tochter da eigentlich lernen soll!!

Es ist wirklich toll, dass DU kritisch bist und kritisch hinterfragst! Frag die ruhig Löcher in den Bauch und frage den behandelneden Arzt nach der Diagnose (denn die hat er, die braucht die Klinik zur Abrechnung), und lass Dir dann die auf die Diagnose abgestimmte Therapie erklären, und wann mit einer Besserung zu rechnen ist. Lass Dich nicht mit Phrasen abspeisen!!

Ich wünsche Dir viel Kraft


Bernhard
Was ist HKS-ADS?


von Bernhard - am 06.07.2001 16:32
Hallo Ingeborg,

konntest du schon etwas über die Tagesklinik in Kiel erfahren?

Würde mich wirklich über Informationen freuen.

Schöne Grüße,
Anke.

von Anke - am 08.07.2001 10:15
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