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Forum:
ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
15
Erster Beitrag:
vor 16 Jahren, 3 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 16 Jahren, 3 Monaten
Beteiligte Autoren:
Hoschi, Barbara G., susi, doris, inis, Susi, Petra J, Mimi

Wer hat Erfahrungen mit Frühförderung?

Startbeitrag von Susi am 03.07.2001 11:16

Hallo,
gerade hab ich den Bescheid gekriegt, mein Sohn (fast6) kann ab August mit der Frühförderung beginnen.

Den Antrag hab ich vor 2 Jahren gestellt. Damals wurden Wahrnehmungsstörungen bei ihm festgestellt.

Im Moment wird er auf ADSH getestet.

Wer hat Erfahrungen mit Frühförderung?- Bringt es was?

Susi

Antworten:

Hallo Susi,

vorweg: Viele Eltern machen mit der Frühförderstelle sehr gute Erfahrungen. Ich empfehle n i c h t, einfach zu warten, weil es dann schlimmstenfalls massive Schulprobleme geben kann.

Bei uns haben einige Fördermaßnahmen mehr geschadet als genützt, ich kann nur ein paar kleine Warnungen anbringen:

Frühfördermaßnahmen dürfen ein Kind nicht in ein zu enges Normschema pressen und nicht zuviel Leistungsdruck ausüben. Das gilt vor allem dann, wenn das Kind nur ein paar Entwicklungsverzögerungen, aber noch keine Verhaltensauffälligkeiten hat. Unser Sohn hat sich zeitweise aus einer viel zu lange durchgehaltenen Ergotherapie einfach weggezappelt und so jede Leistung verweigert. Einige Zeit nach Abbruch der erfolglosen Therapie kamen aber einige Fähigkeiten rasch von selbst. die angeblich so gravierenden Wahrnehmungsstörungen waren angeblich ohne erfolg behandelt worden, beim ADS-Test aber nicht mehr festzustellen. (Ich bin sicher, dass Max aauch darauf getestet wurde.)

dem Kind darf nicht der Spaß am Malen, Basteln, Turnen ... genommen werden. Sonst hat er nämlich sehr schnell nicht mehr, sondern weniger Übung. Schlimmstenfalls werden dann Übungen vorgeschrieben. Das erhöht den Leistungsdruck noch weiter. Es ist auch nicht gerade förderlich für das Selbstbewusstsein, wenn das Kind sich mit so vielen Dingen, die es nicht oder nicht gut kann, auseinandersetzen muss. Wenn es später wirklich ADS-bedingte Probleme gibt, ist es aber enorm wichtig, dass es eine Zeit gegeben hat, in der das Kind in einigen Dingen gut war und vor allem, dass es einmal in eine gruppe integriert war und Freunde hatte. Das verhinderte bei uns nicht, dass er in der Schule nicht klar kam. Es ermöglichte aber das ritalinbedingte "Wunder", das ja nur möglich war, weil max die entsprechenden verhaltensweisen schon einmal beherrscht hatte.

In Fürhförderstellen arbeiten fachübergreifende Teams an jedem Kind. Es ist möglich - aber nicht sicher - dass dann sehr viel "Abnormes" gesehen und auch therapiert wird. Diese Übermacht der Profis verleitet auch dazu sehr viel Verantwortung abzugeben. Wir haben zeitweise einfach nicht mehr gefragt, ob die therapie eigentlich irgendeinen Erfolg zeigt oder gar, ob sie einem (möglicherweise zu Recht) widerstrebenden Kind zugemutet werden muss. Das darf einfach nicht passieren. Es gibt auch einzelne ergotherapeutische, logopädische ... Praxen. Das könnte eine Alternative sein, weil eine erfolglose Therapie dann rasch und ohne weitere Folgen abgebrochen werden kann. Bei einer Frühfördestelle ist das mit Diskussionen verbunden, die du aber auch nicht scheuen musst. die Verantwrotung liegt ja tatsächlich bei dir, es ist dein recht ja oder nein zu den Angeboten zu sagen. Wenn schon eine Therapie schiefgelaufen ist, aber trotzdem beibehalten wurde, wird jede neue Therapie schwieriger. Eine erfolglose Therapie eignet sich außerordentlich schlecht dazu, dem Kind beizubringen, dass es etwas Angefangenes auch weiterführen muss. (Dieses Argument ist zwar idiotisch, ich habe es aber von Therapeuten gehört und mich leider danch verhalten.)

Noch einmal: Frühförderung verhindert oder verringert möglicherweise spätere Schulprobleme. Es gibt aber keinen Grund, hier besonders unkritisch zu sein, wenn das Kind die Therapie ablehnt und/oder mittelfristig kein erfolg zu sehen ist.
Dabei ist auch zu bedenken, dass die natürliche Entwicklung auch Entwicklungsfortschritte bringt. Nicht jeder winzige erfolg kommt durch die Therapie.

von Mimi - am 03.07.2001 17:09
hallo susi, ich kann nur beschränkt erfahrung weitergeben. mein sausebraus wird im august 4. jetzt, bei der vorgezogenen U8 (wir hielten es einfach nicht mehr aus) wurden vom "Kia" Integrationsprobleme, überdurchschnittliche intelligenz sowie wahrnehmungsstörungen mit vermutung auf ads-h festgestellt. wir erhielten ein rezept über 5 einheiten ergotherapie in eine kleinen praxis. kommenden donnerstag haben wir die 1. therapie und das erstgespräch lief auch prima. ich habe wirklich vertrauen gefasst. ebenfalls finde ich sehr wichtig, dass man im guten kontakt mit den erzieherinnen steht, die uns im kiga wirklich gut unterstützen. da beim sausebraus schon ausgrenzung vorhanden ist bin ich froh, dass wir nun endlich beginnen können. noch ein tip von mir (den ich heute erst erfahren habe) es gibt ein pilotprojekt einer rehaklinik für vorschulkinder. ich bekomme die unterlagen jetzt zugeschickt und stehe schon in kontakt mit der bek. wenn du interesse hat kann ich dir gerne die telefonnummer mitteilen. Ich stimme im übrigen mimi zu, dass man sein kind ganz genau diesbeüglich beobachten sollte....wer weiss vielleicht hilft dir das ein bisschen weiter.
gruß hoschi

von Hoschi - am 03.07.2001 17:30
Der Begriff "Frühförderung" wird in jedem Bundesland etwas anders gebraucht.
Prinzipiell bedeutet es Förderung von Kindern mit Entwicklungsauffälligkeiten zur Verhinderung oder Linderung einer Behinderung.
Frühförderung findet meist nicht in der Frühförderstelle statt, außer wenn sie dort Sozialarbeiter / Psychologen usw. haben. In den Frühförderstellen finden meist (aus Geldmangel) nur Ergo, Logo und KG statt.Die Frühförderstunden müssen dort einzeln abgerechnet werden, was nicht gerade den Ausführungwillen dort erhöht...
Bei uns in B. W. wird die Frühförderung von den Sonderpädagogischen Beratungsstellen aus angeboten und je nachdem, an wem man gerät, differiert die Qualität.
An einer unserer Schulen ist die Frühförderung super, alle Kinder haben Psychomotorik / Schwimmen usw., einige sind dort bereits in (Verhaltens-)Therapie, Eltern haben Erziehungsberatung usw. Nur: aussuchen, wohin man gehen möchte, kann man hier nicht, sondern muss sich an die Schule des Bezirk wenden oder wird dort hinverwiesen.Andererseits braucht man sich hier keine Gedanken über Finzierung machen. Nach dem Antrag läuft das erst mal.Einen großen Nachteil haben sie allerdings: sie haben Ferien wie die Schulen!
Wenn du mehr wissen willst, frag ruhig nochmal nach.
Ich kann dir evtl. auch was über andere Bundesländer raussuchen.
Lieben Gruß, Barbara.

von Barbara G. - am 03.07.2001 17:47
Hallo! Ich kann mich den Meinungen meiner Vorgänger nur anschließen. Eine möglichst frühzeitige Erkennung und Förderung kann schon einigen Erfolg bringen.

Als mein Sohn ca. 2 Jahre alt war wurde mir von der Kita gesagt,ihr Sohn grenzt sich aus der Gruppe durch sein Verhalten aus und wir sollten ihn mal von einem Neurologen untersuchen lassen.. Damals nahmen wir diese wiederholten Hinweise nicht ernst und ließen ein ganzes Jahr verstreichen. Nun, da ich zu Hause war, erkannte ich mehr und mehr, daß etwas wares drann sein mußte und entschloß mich zu einem Arztbesuch. Infolge dessen kam mein Sohn in einen Integrativkindergarten. Dort wurde er unter anderem von einer Kinderpsychologin betreut, welche mir mitteilte, daß Tom (inzwischen 3 Jahre) ca. 1,6 Jahre in der Gesamtentwichklung zurück war.

Durch gezielte Förderung in der Kita konnte er diesen Rückstand bis zur Einschulung wieder aufholen. Durch seine Verhaltensauffälligkeit wurde er allerdings erstmal in einer Diagnoseförderklasse eingeschult, wo der Stoff der 1. Klasse auf 2 Schuljahre aufgeteilt wird. (Dies war nur erforderlich, weil unser Land Mecklenburg-Vorpommern, sich entschlossen hatte, keine 1. Klasse im "Förderzentrum für Verhaltensgestörte Kinder" zuzulassen)

Inzwisch hat er das 1. Jahr im Förderzentrum fast hinter sich und ich bin heil froh, daß er sich so gut entwickelt hat. Ich ärgere mich aber auch, daß ich 1jahr gewartet habe, bevor ich mich zu einer Untersuchung entschloß.

Übrigens wurde nie eindeutig ADS diagnostiziert und Tom nimmt keine Medikament. Im wesendlichen achte ich auf einen geregelten Tagesablauf und möglichst Konsequet zu sein.

Ich hoffe, ich konnte helfen.

von inis - am 03.07.2001 18:34
hallo barbara,
nun ich interessiere mich sehr für "frühförderung". wir leben in NRW würdest du mir dazu etwas raussuchen. vielen dank im voraus. gruß hoschi

von Hoschi - am 03.07.2001 18:39
Muss mich korrigieren: ich spreche von nichtmedizinischer, nicht ärztlich verordneter Frühförderung, wie Susi es dem Anschein nach auch tat...
Wer allgemein mehr wissen will:
[www.familienratgeber.de]
und dort auf "Frühförderung".
Wegen NRW muss ich morgen erst mal in meinen gescheiten Büchern nachlesen.
Melde mich dann noch mal. (Falls ich es vergesse, bitte noch mal im Forum danach fragen...ähem)
Lieben Gruß, Barbara.

von Barbara G. - am 03.07.2001 19:04

Noch ein link: [www.fruehfoerderung-lippe.de]
...ich schau aber noch mal nach...

von Barbara G. - am 03.07.2001 19:21
Hallo Susi,
unser Sohn bekommt seit eineinhalb Jahren Frühförderung. Er ist allerdings auch erst drei Jahre alt. Ich bin sehr begeistert von der Frühförderung hier im Bereich (wahrscheinlich haben wir einfach mal Glück mit der Therapeutin gehabt...)
Doris

von doris - am 04.07.2001 05:11
Hallo Susi ,

wir gehen seit 3 Jahren zur FF.

Mein Sohn geht mit Begeisterung hin .Die Therapeuten kommen auch nach Hause oder in den Kindergarten.
Die Förderung ist sehr gut ,
ABER bei dem eigentlichen Problem ( unsoziales Verhalten , Aggressivität , Unruhe ,Rastlosigkeit ,) kamen wir damit auch nicht unbedingt weiter.
Erst durch Zusammenarbeit von Kindergarten , Psychiater , FF , Kinderarzt Erziehungsberatung und uns als Eltern wurde Sohnemann vor jetzt ca .2 Monaten ADS +H diagnostiziert.
Jetzt kam noch Vt dazu und alles in allem wird es langsam aber sicher besser.

Ich kann die Frühförderung aber nur empfehlen .Durch die intensive Betreuung hat unser Sohn manches gelernt , was andere Kinder seines Alters nicht konnten .
Das gab ihm die Bestätigung die in anderen Bereichen ( viel zu viel) fehlt .

Nutzte die Chance , und nimm was Du kriegen kannst um Deinem Kind weiterzuhelfen.
Wenn es Dir nicht zusagt , kannste immer noch was anderes suchen.

Liebe Grüße
Petra J

von Petra J - am 04.07.2001 06:13

Danke

Hallo zusammen,

erst mal Danke für Eure Antworten.


Der Vorteil ist, das die Frühförderung dann bei uns im KiGa statt findet. D.h. keine neuen Termine für Steffen und auch nicht für die anderen Kids. Und schaden kann's wahrscheinlich ja nicht *g* (komme überrings aus NRW)

Da er schon mal Ergotherapie hatte, die nichts gebracht hat, war ich jetzt etwas verunsichert.

An Mimi: nein Mimi! Warten tu ich sowie so nicht. Steffen ist gerade mitten in der ADS Diag. Sollte sich das bestätigen, dann kriegt er auch Ritalin. Die Frühförderung ist dann nur ergänzend. Dann könnte sie vielleicht sogar was bringen *g*

an Hoschi: Danke für den Tipp. Leider klappt das mit dem KiGa nicht ganz so gut. Steffen ist dort recht ruhig, und viele Dinge sehen sie nicht (er kommt z.B. ganz oft eingekotet nach Hause- die Erzieherinnen haben es noch nicht einmal gemerkt- er ist allerdings auch sehr geschickt beim vertuschen)


Hallo Barbara,

bei uns ist die Frühförderung ähnlich Ergo. Außerdem findet sie in dem Fall im KiGa statt. Frühförderung wird bei uns übers Sozialamt gezahlt und geht nur bis zum Schulalter. Da bei uns in der Gegend leider die Kids erst kurz vor der Einschulung "auffallen" ist die Förderstelle total überlaufen und die Vorschulkids werden vorgezogen. Also hatte mein damaliges schnelles anmelden keine Chance.


an Inis:
ich denke bei Steffen gibt es schon beide Probleme Wahrnehmungsstörungen und Verhaltenauffälligkeit (wahrscheinlich durch ADS?)

So was wie geregelter Tagesablauf und Konsequenz helfen, lösen das Problem bei uns aber nicht. Mein fast 6 jähriger versucht auch mich zu verprügeln, wenn er ausrastet. Noch kann ich ihn bändigen, aber bestimmt nicht mehr lange :-)

an Doris (welche Doris? die aus Meinerzhagen?)
na, vielleicht haben wir ja auch Glück :-) Mal schauen

an PetraJ,
das es nicht bei ADS-Probs nützt (oder vielleicht nur wenig) ist mir klar, aber wir haben damals schon erlebt, als seine Wahrnehmung besser wurde (er hat Reittherapie gemacht und dabei wahnsinnig aufgeholt), rastete er auch nicht mehr ganz so oft aus, da er mit anderen Kids besser mithalten konnte.

Noch mal Danke an alle

Ich werde es versuchen!!!

Viele Grüße
Susi

von susi - am 04.07.2001 06:45

Re: Danke

Hallo Susi,
ja genau- die aus Meinerzhagen...... Ich habe echt gute Erfahrungen mit der Lebenshilfe Lüdenscheid....

von doris - am 04.07.2001 06:48

Re: Danke

Hallo Susi,
ganz so harmlos, wie es scheint, geht es bei uns auch nicht zu. Die Hand oder Füße wurden auch schon gegen mich gerichtet :-).

von inis - am 04.07.2001 07:51

Re: Danke

Hallo Susi,
wo aus NRW denn ? Ich suche dringend (mein 100ster Aufruf) eine Elterninitiative in Aachen. Erhalte jetzt von der BEK spezielleUnterlagen für die Alpenklinik Inzell. Wenn Du aus Aachen bist kann ich Dir die Tel.Nr. von der Dame geben. Die ist echt toll und hat im übrigen auch ein ADS-Kind. Deshalb kam ich mir da auch nicht so blöd vor! Frühförderung im KiGa ? Kenn ich nicht ! Bei uns gibts das jedenfalls nicht ! Wo kann ich mich denn darüber schlau machen ? Sozialamt ?
Danke und Grüße von Hoschi

von Hoschi - am 04.07.2001 09:52

Re: Danke

Hallo Hoschi,

na ja, AAchen ist nicht so ganz meine Ecke.

Komme aus der Nähe von Lüdenscheid (Ecke Hagen/ Dortmund)

Kann die leider nicht helfen :-(((

Ich kann mich einfach nicht mehr daran erinnern, wie das mit der Frühförderung angefangen hat (ist 2 Jahre her)

Ich glaube mein Kinderarzt hatt das Beantragt, dann wurde vom Gesundheitsamt die Diagnose (damals nur Wahrnehmungsstörungen) nachgeprüft und dann kamen wir auf die Warteliste.

Die hier die Frühförderung machen, arbeiten sowieso einmal die Woche im KiGa (Steffen ist im einem I-KiGa)- dadurch kann er das da machen (Therapeutin kommt extra da hin)

Viele Grüße

Susi

von susi - am 04.07.2001 12:35
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