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ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
7
Erster Beitrag:
vor 15 Jahren, 9 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 15 Jahren, 9 Monaten
Beteiligte Autoren:
Petra, Olivera, Dagmar, Yvonne König, inis, Bernhard, Marion I.

ADS und jetzt kommt die

Startbeitrag von Marion I. am 04.07.2001 07:00

Hallo Zusammen,

nachdem ich in der letzten Zeit fast nur positive Veränderungen an meinem Sohn beobachten konnte (vor allem in der Schule), muß ich mich jetzt doch mit einem kleinen (?) Problem auseinandersetzen.

Mein Sohn (8) hat sich jetzt sozusagen die "Flegelphase" ausgesucht. Er hört manchmal nur mit halben Ohr zu, Manches muss ich 10 x wiederholen. Sobald er merkt, er hat mich auf die Palme gebracht, weil er wieder mal nicht gehört hat, grinst er nur schief oder macht flapsige Bemerkungen, die auch schonmal an Frechheit grenzen.

Da ich berufstätig bin, ist er nachmittags nach dem Hort bei einer Nachbarin (so ca. 1 - 1/2 Std.). Sie erzählte mir gestern, dass er mitunter sehr respektlos ihr gegenüber reagiert. Er ist absolut nicht bereit mit ihr sein Verhalten zu diskutieren sondern wartet ab bis ich nach Hause komme und erwartet dann absolute Solidarität von mir. Die kann er natürlich nicht immer bekommen und er reagiert dann extrem beleidigt darauf.

Gestern nachmittag als ich nach Hause kam, saß er bei uns im Garten, der für alle Hausbewohner zugänglich ist. Ich spürte gleich die "drückende Athmosphäre". Die Nachbarin die meinen Sohn beaufsichtigt, sagte gleich zu mir:"Dein Sohn hat der Michelle gedroht"!!!

Daraufhin ging ich zu Cherin und fragte ihn was gewesen wäre. Er erzählte mir, dass ihm böse Absicht unterstellt wurde, weil er angeblich ein Bäumchen, was die Mädchen irgendwo im Garten gepflanzt haben, zerstört haben soll und dabei wäre es nicht seine Absicht gewesen, sondern er sei mit dem Fuß daran gestoßen. Nachdem Michelle dann zu ihrer Mutter gelaufen ist, und die Sache "gepetzt" habe ist er sauer geworden und rief ihr nach:" Warte nur ab, dich krieg ich noch".
Da ich weiß, dass Cherin einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn hat und ich seine Reaktion auf solche Situationen kenne, sah ich diese Bemerkung nicht als "Bedrohung" an zumal mir Cherin versicherte, dass er das in seiner ersten Wut gesagt habe, sich nun wieder "eingekriegt " hat und er das mit Michelle unter 4 Augen klären bzw. sich entschuldigen will.

Allerdings habe ich ihm gesagt, dass ich solche Aussagen auch nicht gerade toll finde und ihm erklärt, dass dieses Mädchen unter Umständen Angst vor ihm bekommt und da sie sich tagtäglich begegnen, würde das der allgemeinen Stimmung dort im Garten nicht guttun. Mein Sohn hat das dann akzeptiert und für mich war das Thema erstmal erledigt.
Mit Michelles Mutter entbrannte hinterher eine heftige Diskussion über ihre bedrohte Tochter und sie erwartete wohl von mir, dass ich meinen Sohn "in der Öffentlichkeit" sprich in ihrem Beisein zur Rechenschaft ziehe. Ich erklärte ihr, dass er sich bei ihrer Tochter entschuldigen wird, dass ich bereits mit ihm gesprochen habe aber ich nicht bereit bin ihn jetzt nochmal auf den "Präsentierteller" zu setzen. Sie ist dann etwas beleidigt in ihre Wohnung gegangen.

Ich weiß jetzt nicht so recht ob ich richtig reagiert habe und bete schon jetzt dafür, dass es heute nachmittag nicht erneut so einen Zwischenfall gibt.

Ihr kennt sicher diese Phasen auch von euren Kindern. Wie hättet ihr an meiner Stelle reagiert? Bin für jede Meinung offen.


Danke

Gruß

Marion

Antworten:

Hallo Marion!
Ich finde Deine Reaktion völlig o.k.. Die Reaktion der Nachbarin kenne ich jedoch von meinem Mann.
Inis

von inis - am 04.07.2001 07:46
Hallo Marion,

so sehr ich Euch verstehe, befürchte ich, dass Dein Sohn schon ganz gut gelernt hat, Dich und die Nachbarin gegenseitig auszuspielen.

Für die Nachbarin ist es ja ziemlich schwierig mit den Provokationen zurecht zu kommen. Wichtig erscheint mir, dass auch sie Möglichkeiten hat, Grenzen zu setzen - und da wäre ein langes gespräch unter 4 Augen (Nachbarin und Du) gaanz wichtig. Es geht ja nur im Einvernehmen, und die Nachbarin muss einigermassen die Lust behaltern.

Wenn es nicht schon zu spät ist, wäre vielleicht ein Punkteplan ganz gut. So würde die (ja anscheinend recht engagierte) Nachbarin wieder in die Lage versetzt, auch tatsächlich auf Positives oder negatives reagieren zu können.

Zum Baum: Wie ging das denn weiter? Ich fände es schon gut, wenn dein Sohn an der Wiedergutmachung beteiligt wird.


Das sind so meine gedanken



Bernhard
Was ist hks-ads?


von Bernhard - am 04.07.2001 07:49
Hallo

ich muß mich voll und ganz Bernhards Gedanken anschließen.

Yvonne

von Yvonne König - am 04.07.2001 08:34
Hallo Marion,

>>Manches muss ich 10 x wiederholen. Sobald er merkt, er hat mich auf die Palme gebracht,>>

das kenne ich zu gut von mir. Ich habe mir angewöhnt Dinge höchstens noch 3 Mal zu sagen, einmal als Ankündigung (gleich musst du...), einmal als Aufforderung (bitte tue jetzt...) und einmal als Erinnerung (du sollst jetzt...). Das geht ganz gut ohne dass ich dabei selbst auf die Palme klettere. Wenn dann keine Reaktion des Kindes kommt, gibt es sofort eine Konsequenz.

>>Er ist absolut nicht bereit mit ihr sein Verhalten zu diskutieren>>

Die Nachbarin soll nicht mit ihm diskutieren. Wenn sie Anforderungen stellt, dann hat dein Sohn sich daran zu halten. Sie braucht allerdings von dir die volle Rückendeckung, dass sie im Falle der Nichtbefolgung auch Konsequenzen verhängen kann. Normalerweise ist man fremden Kindern gegenüber nicht so streng, weil man nicht weiß, wie die Mutter reagieren wird. Es ist deshalb ganz wichtig, dass du der Nachbarin die Erlaubnis erteilst, konsequent sein zu können. Sonst könnte es sein, dass sie abspringt und so wie es sich anhört brauchst du sie noch.

>>Die kann er natürlich nicht immer bekommen und er reagiert dann extrem beleidigt darauf.>>

Natürlich ist ein Kind beleidigt, wenn es seinen Willen nicht bekommt. Aber damit umzugehen muss er lernen. Du musst konsequent bleiben und dann hört das ganze Theater recht schnell wieder auf.

>>dabei wäre es nicht seine Absicht gewesen, sondern er sei mit dem Fuß daran gestoßen.>>

"Es war keine Absicht, das ist mir nur aus Versehen passiert." und die verschiedenen Abwandlungen. Das ist der Standartsatz der ADS'ler, ich höre ihn zu Hause und viele viele Male täglich von meinen Schülern. Meistens stimmt es sogar, es ist ihnen wirklich nur so passiert. Sie haben den Platz, der ihnen zu Verfügung steht falsch eingeschätzt oder sie haben ihre Kraft falsch eingeschätzt. Das ändert aber nichts daran, dass sie andere Menschen erschreckt haben, ihnen weh getan haben oder Dinge zerstört haben. Und das darf man ihnen nicht durchgehen lassen, denn die anderen Menschen haben ein Recht darauf nicht unter unseren ADS'lern zu leiden.

Eine gute Reaktion wäre, dem Kind ganz ruhig zu sagen, dass sein Verhalten nicht in Ordnung ist, dass man aber weiß, dass es das nicht absichtlich gemacht hat. Und dann: Dass das andere Kind jetzt traurig ist, dass sein Baum kaputt ist und dass das wieder in Ordnung gebracht werden muss. Außerdem ist es wichtig sich zu entschuldigen, egal ob es Absicht oder keine Absicht war.

Nun weiß das Kind, dass du einerseits Verständnis für ihn hast, du hast es ihm mit ruhigen Worten gesagt und auch gezeigt, dadurch, dass du ruhig geblieben bist und andererseits hat er gelernt, dass sein Verhalten Auswirkungen auf andere Menschen hat und er diese nicht traurig machen darf. Ganz wichtig ist jetzt unbedingt die Wiedergutmachung. Er muss einen neuen Baum besorgen und einpflanzen. Natürlich mit Hilfe, aber er muss sich verantwortlich fühlen.

>>und er das mit Michelle unter 4 Augen klären bzw. sich entschuldigen will.>>

Auch eine typische Reaktion. Da bin ich schon so oft mit auf die Nase gefallen, dass ich das nicht mehr zulasse. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich das spitz bekommen habe. Neuhaus erzählt auf ihren Vorträgen immer wieder, dass ADS'ler sich nicht entschuldigen können. Da habe ich angefangen, die "Opfer" nach der Entschuldigung zu befragen, ob sie mit der Entschuldigung einverstanden sind, die sie gehört haben. Erst kam mal ein "Ja", aber auf Nachfrage ergab sich, dass es keine richtige Entschuldigung war und wenn die Kids älter wurden, war die Entschuldigung oft verbunden mit einer gut versteckten erneuten Beleidigung.

Es wäre wichtig, dass dein Sohn sich im Beisein von dir und der Mutter des Mädchens entschuldigt. Der große Bahnhof, den die andere Mutter fordert, ist eher weniger geeignet. Es ist aber ein ganz deutliches Signal an dich, wie verletzt diese Mutter ist und wie dringend ihr reden müsst, damit dir diese Betreuungsmöglichkeit nicht ausfällt.

Ich dücke dir die Daumen :-)))

Viele Grüße
Dagmar
Elterngruppe Frankfurt


von Dagmar - am 04.07.2001 08:34
Hi Marion,

in meinen Augen war das ein ganz normaler Streit unter Kindern.....erlebe ich hier täglich ( wenn nicht grad alle in Urlaub sind) und außer meinem ist da kein ADS Kind dabei....und er ist meist unbeteiligt:-)

Die Nachbarin wollt halt wohl den "Lauselümmel" vorführen und ihm zeigen wer stärker ist.ich denke Du hast dich richtig verhalten.

Gruß Petra

von Petra - am 04.07.2001 10:09
Hallo alle miteinander,

ich bin noch ein Frischling bei Euch im Chat, habe aber das selbe "Problem" mit meinem Sohn ( ADHS).
Ich verfolge seit einigen Tagen Euren Chat, habe mich aber bis jetzt noch nicht so sehr getraut "mit zu machen".
Der Dagmar muß ich ein dickes Lob aussprechen. Du findest immer die richtigen Worte. Auch in dieser Situation von Marion. Genau richtig.
Meine Freundin hat meinen Sohn oft zum Übernachten und zum Spielen bei sich,
und wir haben im voraus schon geklärt, daß sie meinen wie Ihren behandeln soll.
Und ich muß sagen, bei Ihr hört er besser als bei mir daheim, ist schon seltsam.

Olivera

von Olivera - am 04.07.2001 12:08
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