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ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
9
Erster Beitrag:
vor 15 Jahren, 5 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 15 Jahren, 5 Monaten
Beteiligte Autoren:
liss, Maria, Susi, Beate, Petra Vogt, mami-maus

spielzeugfreie Zeit im Kindergarten

Startbeitrag von Petra Vogt am 04.07.2001 19:54

Hallo,
unser Sohn (5 1/2 Jahre) alt hat jetzt in seinem Kindergarten eine 8-wöchige spielzeugfreie Zeit (dient zur "Suchprävention") hinter sich gebracht. Es war die Hölle, er war depressiv, traurig und agressiv. Die Kinderärztin riet mir, ihn zu Hause zu lassen, was ich in der letzten Phase auch tat. Er wollte selber auch nicht mehr in den Kindergarten gehen; erst wenn die Fahrzeuge (Roller, Dreirad usw.) im Garten wieder vorhanden sind. Morgen ist ein Elternabend zu diesem Thema. Ich bin total wütend und enttäuscht, daß ADS-Kinder nicht berücksichtigt werden. Wer hat ähnliche Erfahrungen gemacht? Wie kann ich eine Wiederholung dieser Zeit verhindern?

Antworten:

hallo petra,

was soll denn zweck und übung dieser 8 wochen spielzeugfreien zeit sein?
waren alle spielzeuge weg?

gruss mami-maus

von mami-maus - am 04.07.2001 21:50
"Spielzeugfreie Zeit " ????????????????

Was soll denn dieser Unsinn. Entweder habe ich den Sinn dieser 8 Wochen nicht verstanden, oder prinzipiell die Kindergartenzeit.
Was bedeudet "Suchpräventation"?

Unabhängig von ADS würde ich als Mutter bei so einer Aktion auf die Barrikaden gehen. Der Kindergarten ist zum Spielen, auch mit Spielzeug!

Kannst Du mir den Sinn erklären?

Gut das Du Deinem Kind einen Grossteil erspart hast. Hätte ich bei allen Dreien gemacht, wie gesagt unabhängig von Auffälligkeiten.

Liebe Grüsse
Liss

von liss - am 05.07.2001 09:08
Ich weiß, daß ich mich mal wieder auf Abwegen von allgemeinen Ansichten befinde. Dennoch meine Gedanken hierzu:
Habe während der Kiga-Zeit meiner Kids so etwas nie erlebt. Jedoch so abwegig und grausam finde ich den Gedanken garnicht. Im Gegenteil, drängt sich mir dabei doch meine eigene Kinderzeit auf, die ohne Kiga und Massen an Spielzeug und ebenso ohne ständige Bezugsperson und Anleitung nicht eben langweilig war.
Wäre nur die Frage, wie ist man in der Einrichtung damit umgegangen? Was haben sich die Erzieherinnen einfallen lassen, um den Kindern Freiräume zu gewähren, denn diese sind dann wohl dringend nötig, um Kreativität hervorzulocken?
Mir fallen da eine ganze Menge positiver Ansätze ein. Da wären z.B. die guten, alten Hüpfspiele, Nachlaufen, Verstecken, der schwarze Mann, Flüsterspiele, ........der Gemeinschaft sicherlich auch förderlich. Spaziergänge, Sandkasten, Beobachten der Natur und Sammeln, Sammeln, Sammeln. Das Gesammelte zusammentragen, daraus was machen. All diese Dinge können für Kinder, gerade auch in der Gruppe, sehr schöne Erfahrungen mit sich bringen. Kinder können z.B. mit Hingabe im Wald krabbelnde Käfer und anderes Getier beobachten. Froschlaich aus dem Weiher fischen und mitnehmen, die nächsten Tage beobachten, wie daraus Frösche werden. Diese dann wieder zurückbringen und schauen, wie sie in ihr Element zurückhüpfen. So viele Dinge sind möglich.
Ich selbst habe z.B. einmal, allerdings als Begleitperson bei einem Wandertag in der Grundschule, eine Übung mit den Kindern gemacht, die ganz lustig war. Erklärte ihnen, daß man im Wald viel mehr erlebt und sehen kann, wenn man ganz still ist. Still sein ist für ein Kind eine sehr große Herausforderung. Es wurde ein richtiges Spiel daraus über Stunden. Und wie sich die Kinder bemühten still zu sein, sie erinnerten sich gegenseitig immer wieder flüsternd daran und es gab immer wieder schallendes Lachen, wenn so eine kleine, vorwitzige Stimme sich doch nicht mehr zurückhalten konnte. Übungen zum Spiel gemacht. Schön war's.
Nun wieder zurück zum Thema:

In diesem Zusammenhang würde mich mal interessieren, ob der Kindergarten für diese Zeit ein konkretes Konzept erstellt hatte und wie dieses aussah.

Ich denke, eine spielzeugfreie Zeit stellt eine große Herausforderung an die Mitarbeiter/innen wie auch an die Kinder dar, die nicht nur zur Qual für alle Beteiligten werden müsste, sondern durchaus neue Erlebnisse und Erfahrungen mit sich bringen könnte - auch für kleine ADDler. Bliebe die Frage nach dem WIE.
Vielleicht könntest Du am Elternabend in diese Richtung einmal nachfragen und Deine schlechten Gefühle, die Du im Nachhinein hast in Gute umwandeln, indem Du Vorschläge machst, wie man eine solche Zeit mit den Kindern gestalten kann, ohne daß Langeweile aufkommt. Du kennst z.B. selbst am besten die Spiele und Beschäftigungen, für die Du Deinen Kleinen begeistern kannst, womit er sich "über längere Zeit" beschäftigen kann. Und was für kleine ADDler gut ist, hat bislang selten einem Nicht-ADDler geschadet.
Deinem Frust nach zu urteilen, scheint mir, die ganze Sache ist ziemlich ohne Konzept abgelaufen und man hat den Kindern das Spielzeug weggenommen, wie einem Drogensüchtigen seinen Stoff, ohne für entsprechenden Ersatz bzw. befriedigende Alternativen zu sorgen. Dann hätte die ganze, an sich gute Sache, sicherlich ihren Zweck verfehlt.
Gruß
Bea

von Beate - am 05.07.2001 10:13

find ich toll

Hallo

ich find das toll, aber ist vielleicht ja nicht das richtige für jedes Kind.

Spiezeugfreie Zeit soll eigentlich die Krativität und Phantasie fördern. Da in der heutigen Zeit die Kids mit Spiezeug Zugeschmissen werden, können viele nicht mehr richtig spielen.

Wenn die Erzieherinnen gut sind, kann da viel bei raus kommen. Man braucht nicht unbedingt ein Auto um spielen zu können, es tut auch ein Stein :-)

Ich sehe das bei meinen Kids- die können mit allem spielen.

Wir hatten lange Zeit wirklich nur Duplosteine (dafür aber 'ne große Kiste voll). Was die beiden an Rollenspielen gespielt haben, gebaut.... war immer toll.

Auch jetzt haben sie nur wenig Spielsachen und es reicht völlig. Nach Weihnachten muss immer von mir ausgemisstet werden, weil meinen Kinder langweilig ist- wenn wenig da ist, dann ist ihnen NIE langweilig *g*

Meine Tochter lag letztes Jahr im Urlaub im Zelt. Plötzlich hörten wir sie spielen (Mutter- Kind) nur sie war ganz alleine und ohne Spielzeug :-). Ich bin nachgucken gegangen, da lag sie da in jeder Hand einen Fuß- der eine war die Mama, der andere das Kind *ggg*

Im Normalfall ist das auch im KiGa toll- nur müssen, denke ich,auch die Erzieherinnen geschult dafür sein.

Man kann "alte Kinderspiele" wieder ausgraben, zeigen, was man alles mit Steinen basteln und spielen kann, und, und, und

Susi

von Susi - am 05.07.2001 11:10
So gesehen bist Du auf keinen Fall auf Abwegen.
Stimmt, wenn wir Jugendfreizeiten im KSB organisieren, wird auch Spiel + Sport ohne "Spielzeug" gemacht.
Aber da haben auch unsere Kinder nicht unbedingt Langeweile.

Wäre schon interessant, wie das Konzept in diesem Kindergarten aussah.

Trotzdem verstehe ich das Wort "Suchpräventation" nicht.Kenne schon eine Menge Präventationen aus dem Jugendbereich (s.o.), aber diese kann ich nicht einordnen. Oder bin ich Dumm?

Mal gespannt was noch kommt.

Grüsse an Alle
Liss

von liss - am 05.07.2001 12:15
Suchtprävention bedeutet, vorzubeugen, damit Kinder später als Jugendliche nicht in die Gefahr kommen süchtig zu weden von Drogen, Ahlkohol, oder auch Spielsucht oder Kaufsucht gehört dazu.
Man hat festgestellt, das Konsum also ständige befriedigung von Wünschen, Mangel an Aushalten von Frust und Langeweile, gepaart mit mangelndem Selbstbild
und Selbstbewußtsein leichter zur Sucht führen kann.
Der Jugendliche kann dann nicht Nein sagen, wenn ihm z.B. ein Joint angeboten wird, weil er nie gelernt hat, die folgende Ablehnung("Du bist ja ein Feigling") auszuhalten.Das fängt halt schon im Kleinen an, also auch mal aushalten, das es ein Wunsch nicht erfüllt bekommt, aushalten, das es einem Langweilig ist, und wie man mit Langeweile umgehen kann usw.
Also Spielzeugfreie Zeit ist ganz sinnvoll. Doch scheint mir auch, das ein Konzept in dieser Einrichtung fehlt. Wir haben mit unseren Eltern bereits vor dieser Zeit zusammen gearbeitet und das Konzept z.T. mit ihnen Zusammen ausgearbeitet. Maria

von Maria - am 05.07.2001 13:44
Danke für die Erklärung.
Da ich den Sinn beim ersten Mal überhaupt nicht begriffen habe, habe ich tatsächlich überlegt was SUCHpräventation ist.

Suchtpräventation ist mir natürlich ein Begriff. Sonst wäre ich im Vorstand einer Sportjugend falsch am Platz.
Aber Kinderspielsachen hatte ich nicht darunter gesehen.

Warscheinlich hast Du recht.

Also, die Sache ansich ist wohl sinnvoll, nur das Konzept in dieser Einrichtung zweifelhaft. O.K.?

Liebe Grüsse
Liss

von liss - am 05.07.2001 14:24

Re: OK. Sehe ich auch so o.T.

o.T.

von Maria - am 05.07.2001 15:09
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