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ADHS ADS Selbsthilfe
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12
Erster Beitrag:
vor 15 Jahren, 7 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 15 Jahren, 7 Monaten
Beteiligte Autoren:
Jana, Rhoa, Pia, Mimi, Silvia01, Dagmar, Angelika M., anne05, gipsy, Paula, christiane, angelika m.

Und was nun ? Meine Tochter zieht morgen zu ihrem Vater

Startbeitrag von angelika m. am 01.08.2001 14:01

hallo zusammen,
habe mich ein wenig rar gemacht und bin meinen Hobbys und meiner ADS Diagnose nachgegangen,
und dachte eigentlich ... alles bestens und harmonisch.
Mein Sohn Markus 11 wurde im März ADS diagnostiziert,
bekommt Ritalin und hat sagenhafte Fortschritte in der Schule gemacht.
Da gibts überhaupt nichts zu klagen.
Ich selber nehme dann für mein ADS seit Anfang der Woche Ritalin und merke die ersten Fortschritte-
und nun ist meine Tochter Bianca 14 seit Sonntag bei ihrem Vater für 3 Wochen zu Besuch und gestern Abend
erfahre ich , das meine Tochter beim Jugendamt war um sich zu erkundigen , ob sie bei ihrem Vater bleiben darf.
Mein Ex-Mann unterstützt sie darin dann auch und mir
bricht unter den Füssen der Boden weg.
Man was habe ich gestern Nacht das heulende Elend gehabt und niemand war im chat...
Nun gehts mir schon was besser ,
weil ich dann auch versuche positiv zu denken...
denn wenn ich nun Stress mache,
dann erreiche ich nur das Gegenteil.
Die letzten >Wochen waren einfach stressig bei uns,
Bianca konnte gerade noch so die 5 in Deutsch und Latein ausbügeln,
und ich komme immer mehr zu der Überzeugung,
das Bianca ebenfalls ADS hat.
Sie weiss , das ich sie testen lassen werde,
da kann sie sich noch so sehr verkrümeln und ausziehen,
vielleicht wars deshalb ???
Ja nun stehe ich da und mein Kopf und Verstand sagt mir,
lass sie ziehen,die wird auch irgentwann mal die
Nase voll haben dort zu leben.
Aber verdammt nochmal :
Was mach ich mit meinen Gefühlen ??????
Mein Ex und ich sind im guten Kontakt,
er sieht das nun auch erst mal als Probe....
aber wie bringe ich das richtig rüber ???
Ich meine :
Meine Madame pickt sich nun die Rosinen aus dem Teig,
weil ich meinem pubertierendem Kind nicht alles erlaube, und auf Körperhygiene achte und auf die
Schulaufgaben sowie das aufräumen ihres Zimmers....
meint sie nun bei ihrem Vater mehr zu dürfen.
Obwohl ihr da ein sehr grosser Denkfehler unterläuft,
denn dort sind noch 2 kleine Kinder und auch beide
Elternteile Berufstätig.
Ich bin so sauer, so wütend und enttäuscht.
Ich weiss noch garnicht was wie wo es weiter geht.
Hat denn jemand von euch sowas schon mal erlebt ???
Hat mal jemand nen Rat wie ich mich morgen richtig verhalte, was ich sagen soll ????
Auf alle Fälle soll sich meine Tochter nicht wagen nach 4 Wochen wieder vor der Türe zu stehen,
wenn sie bei meinem Ex nicht Fernsehn darf wie gehabt,
und es ihr nicht gefällt,
denn sonst kenne ich das Theater gut genug...
dann geht es Hü und Hott- jede Woche was anderes.
Freu mich auf eure Antworten,
liebe Grüsse Angelika M.

Antworten:

Hallo Angi,

es tut mir leid, dass das jetzt mit Deiner Tochter scheinbar etwas aus dem Ruder läuft, wo es bei Euch Anderen nun umso besser klappt ...

Wäre denn ein "Einzug" beim Papa mit Schulwechsel etc. verbunden?
Wenn nicht, könntet Ihr doch vereinbaren, vielleicht mal 4 Wochen "Probe" zu wohnen, um die Alltagstauglichkeit festzustellen (also Schulbesuch Deiner Tochter sowie der beiden anderen kids, Berufstätigkeit der beiden Erwachsenen etc.).

Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass Deine Tochter danach auch ein wenig ernüchtert ist ... denn Ferien sind nun mal eine "Ausnahmesituation", ob die ganze Geschichte immer noch so gut läuft, wenn in der anderen Familie der ganz normale Trott abgeht, ist eine Frage, die momentan doch eh niemand beurteilen kann.

Ich wünsche Euch toi, toi, toi
lieber Gruß
Anne05
Eigen-Sinn - Seiten für hochbegabte Kinder mit ADS


von anne05 - am 01.08.2001 15:00
Hallo Angie!

Mensch, das tut mir echt leid für dich, da fängt es gerade für dich besser zu laufen, es geht aufwärts und dann bekommst du so einen herben Schlag. Ich kann deine Gefühle gut verstehen, schon alleine die Vorstellung eines meiner Kinder wüde nicht mehr bei mir sondern woanders wohnen...fast unerträglich.

Und die Wut und Enttäuschung...du tust alles für deine Familie und deiner Tochter reicht es nicht, oder sie hofft, bei ihrem Vater etwas besseres zu finden. Alle deine Bemühungen scheinen umsonst! Aber bitte bitte lass dich nicht entmutigen. Annes Vorschlag finde ich gut, falls er durchführbar ist. Sie sollte aber die 4 Wochen aushalten, ohne ständig ihre Meinung zu ändern und am Ende eine Entscheidung treffen.

Angie, sie ist erst seit Sonntag bei ihrem Vater, ich denke, sie wird dich und den Rest der Familie über kurz oder lang vermissen, manchmal muss man Abstand gewinnen um zu merken, wie gut es einem eigentlich gegangen ist. Und falls sie vor der Diagnose wegrennt, die wirst du ihr ja auf keinen Fall ersparen! Weglaufen hilft nicht und das wird sie sicher auch merken.

Ich wünsch dir jetzt viel Kraft, das ist sicher nicht einfach für dich! Und wenn du jemanden zum quatschen brauchst...ich bin ja fast jeden Abend im Chat (nur gestern nicht, naja, so um 23.30 Uhr aber da war keiner da).

Viele liebe Grüße

gipsy

von gipsy - am 01.08.2001 18:10
Liebe Angie, auch wenn es noch so weh tut ,lass sie erstmal ziehen ,denn in der Regel merken sie oft schnell das woanders auch nur mit Wasser gekocht wird. Ich würde ihr aber einen festen Zeitraum angeben den sie in dem anderen Haushalt bleiben muß, nicht das sie bei den ersten Problemen gleich zu Dir zurück kann. Meine Freundin hatte mit ihrer Tochter ähnliche Probleme und auch wahnsinnige Verlustängste ,sie hat letztendlich gewonnen, denn der Vater auf dem Thron wurde immer etwas kleiner... Viel Glück und energie wünscht Dir Paula

von Paula - am 01.08.2001 19:22
hallo Angelika,
ich habe das gleiche Theater mit meiner großen Tochter (fast 12 Jahre). Der Unterschied ist nur, daß er in Frankreich wohnt und kein gutes Vorbild ist. Er meldete sich immer nur mal alle paar Monate und versprach alles mögliche, hilt es aber nie ein. Er durfte immer alles falsch machen und wird vergöttert. Er kümmerte sich nicht den Dreck um uns , im Gegenteil. Jetzt habe ich einen Mann, der echt toll ist, aber meine Große lebt in ihrer eigenen Welt und verdrängt alles. Sie will nicht hören, ist aggressiv, schreit nur rum, will nicht hören und hat sogar geklaut um sich erwischen zu lassen, damit wir hier Ärger bekommen und sie schneller weg kann. Chaos hoch drei. Wenn das so weiter geht werde ich sie im September auch gehen lassen müssen , damit sie sieht, daß ihr Vater ihren Wunschvorstellungen nicht entspricht. Der Gedanke treibt mich auch in den Wahnsinn, aber es ist leider die einzigste Möglichkeit.
Ich drücke dir ganz fest die Daumen, vielleicht lernt deine Tochter ja daraus.
Gruß Christiane

von christiane - am 01.08.2001 20:50

Re: Und was nun ? erst mal danke

hallo zusammen,
erstmal Danke für eueren Zuspruch-
schön das es euch gibt-
auch wenn ich mich was rar gemacht habe !!
Das Gespräch zwischen mir und meinem Ex war doch sehr erfolgreich und vor allem :
wir liegen da auf einer Wellenlänge.
Ok.Bianca will gehen.aber die frist bis zur Klärung haben wir auf 6 Monate gesetzt.
Da kann kommen was will, denn das hin und her das habe ich satt.Mein Ex dann auch.
So unbedingt Jubeln tut er ja nicht und da wird auch ein strengerer Wind wehen als bei dem ADSler Chaos zu Hause.... :-))
Vor allem ... die neue Frau von meinem Ex ist resuluter Fernsehgegner !!!! Haha .... und wenn dann Bravo TV und was auch immer kommt... wird wohl was schwierig.
Mit Schule und Hausaufgaben sind wir auch eine Wellenlänge, das ziehen wir an einem Strang.
Also denne ;
nun bin ich nur noch Mutter von einem Kind ???
Halbe Mutter ???
Morgen früh um 10 Uhr wird der wohl schwerste Weg mir bevorstehen : Dann kommen Sie mit Bianca und holen ihre Sachen ab.
Verdammt wie soll ich das hinkriegen ????
was ist wenn ich wieder so einen Heulkrampf Kriege ???
Was ist wenn ich total cool bin und echt hart und die kleine denkt sie ist mir egal ????
was soll ich sagen ????
Soll ich ihr sagen das ich enttäuscht und sauer bin,
das ich das Verhalten von ihr hinterhältig finde ????
Oh Mann Oh Mann -
so ein Mist steht in keinem guten Lehrbuch über Kindererziehung !!!!
Werde euch auf dem laufenden halten,
bis dann und danke Angelika M.

von Angelika M. - am 01.08.2001 20:56

Re: Und was nun ? erst mal danke

Hallo Angelika,

deiner Tochter eine feste Zeit zu setzen, die sie bleiben muss, finde ich auch eine gute Idee. So lernt sie auch zu ihren Entscheidungen zu stehen.

Wegen deiner Reaktion Morgen: Sage ihr, dass du traurig bist, dass du dich von ihr verlassen fühlst und dass du das Gefühl hast, sie wolle sich die Rosinen rauspicken. So wie du es uns hier im Forum beschrieben hast. Wenn dir nach Tränen zu Mute ist, dann halte sie nicht zurück.

Deine Tochter kann so sehen, dass sie dir nicht egal ist, dass du sie magst und sie kann deine Gefühle einschätzen. Sage ihr, wie es _dir_ mit der Situation geht und nicht, wie du _ihr_ Verhalten findest. Als Tipp: Beginne deine Sätze mich "ich" oder "mir" und vermeide das Wort "du". Du kannst das Ganze vielleicht unter den Begriffen Ich-Botschaften und Du-Botschaften.
Achtung Falle: "Ich finde, dass du..."

Viel Glück für Morgen.

Liebe Grüße
Dagmar
Elterngruppe Frankfurt


von Dagmar - am 01.08.2001 21:15


Liebe Angelika,

ich selber kenn es zum Glück nicht, dieses hin und her......aber eine Freundin von mir hat eine 6 monatige Probewohnzeit für ihre pubertierende Tochter mit dem Vater ausgehandelt :-)

das Ergebniss war .....die neue Beziehung des Vaters kam ganz schön ins wackeln und alle sahen sich etwas realistischer in den Alltag geschubst......


Ich verstehe Deine Gefühle sehr gut, enttäuscht zu sein unnd wütend.......
und das Du nicht jede Woche das Hin und Her mitmachen willst.

Vielleicht wäre eine Pause zwischen Dir und Deiner Tochter gut ??
zwei Wochen keinen Kontakt, damit Du nicht ständig mit den Infos gefüttert wirst, was gut oder schlecht läuft bei dem Vater ?

Übernimmt der Vater auch den Kontakt zu den Lehrern , damit Du da auch entlastet bist???

Ich wünsche Dir für heute morgen viel Kraft

Grüße aus Bochum


Rhoa

von Rhoa - am 02.08.2001 06:17
Hallo Angelika!

Leider komme ich für heute sicher zu spät. Tja, aber als ADS-lerin kannst du sicher verstehen, wenn man mal nen Putzfimmel bekommt und den auch ausnutzt.

Ich kann mich auch den anderen anschließen, was das Probewohnen angeht.
Bis vor kurzem befand ich mich in einer anderen aber ähnlichen Lage.
Ich habe mich von meinem Mann getrennt und schweren Herzens meine kleine Tochter ( 2) dagelassen. Mein ADHS-Sohn war in einer extremen Phase und drohte mir ganz zu entgleiten, ich litt unter schweren Depris und wußte es nicht ( hatte immer öfter Selbstmordgedanken). Außerdem bin ich nur 20 m weiter weg gezogen.
Wir haben alle unter dieser Situation gelitten und heute sind wir aber wieder zusammen. Ich kann mir also gut denken, was in dir vorgeht.
Zumindest das schlechte Gewissen drückt stark.
Meiner Meinung nach kommt deine Tochter nach der Frist zurück. Sie wird merken, dass Papa nicht mehr soviel macht mit ihr und sie wird sicher keine Extra-Wurst bekommen.
Ach... am letzten WE gabs auch mal wieder Krach bei uns. Mit Vorwürfen aus der Luft gegriffen und ich habe laut ausgesprochen, dass ich nicht weiß, ob die erneute Versöhnung gut war. Mein Sohn kam auch mehrmals aus dem Bett und sagte dann auch, dass er im Falle einer Trennung beim Vati bleibt( leider nicht möglich, da er sein Stiefvater ist und er nur selten mal einen harmonischen Abend mit ihm verbringt). Tat ganz schön weh, dies zu hören.
Wir haben am nächsten Tag nochmal ausführlich gesprochen und reißen uns am Riemen. Aber ich denke über kurz oder lang werde ich mir Gedanken machen müssen. Entweder wir kriegen nun die Kurve dauerhaft oder gar nicht mehr.
Aber ich weiß 99%, dass ich diesmal meine Tochter nicht dalassen kann.
Ich hoffe aber für uns alle, dass es besser wird.

Bis denne Jana

von Jana - am 02.08.2001 06:37

Re: Und was nun ? erst mal danke

Hallo Angelika,

also, meine Eltern sind geschieden seit ich 2 Jahre alt bin. Meine Mutter hat ALLES versucht, den Kontakt zu meinem Vater zu verhindern. Ich war zu klein, meine Schwester durfte ihn sehen und mein Bruder ist nach der Scheidung bei ihm geblieben.

Vielleicht tröstet es dich ein bisschen, wenn du deiner Tochter eine echte Entscheidungswahl lässt, und mit 14 ist sie ja alt genug dazu, dann wird sie es dir wahrscheinlich immer danken.

Aus der heutigen Sicht, ich bin 27, hat meine Mutter auf der ganzen Linie verloren. Sie hatte zwar einen großen Einfluss auf mich und meine Beziehung zu meinem Vater, indem sie mir z.B. NICHT erzählte, dass jahrelange Gerichtsverfahren liefen und ihr mit Geldstrafe gedroht wurde, dass er mich sehen darf und sie mich rausrücken muss, sondern glauben machte, er hätte kein Interesse an mit, da ich so jung war ...

... da er mich anfangs nur drei Wochenenden im Jahr sehen durfte (nach 3-jährigem Nullkontakt), gab es keine Chance, etwas zu klären. Und ich hätte es ihm nicht geglaubt. Ich habe es rausgefunden, als ich mir verbotene Unterlagen gefunden und gelesen habe, dass alles ziemlich anders war, als es meine Mutter darstellte.

Das, was deine Tochter entscheiden muss, ist wahrscheinlich so ziemlich die ätzendste Entscheidung, die man treffen muss in seinem Leben: für sich die angenehmste Lösung zu finden (wer kann es ihr verdenken?) und gleichzeitig zu wissen, dass sie einem von Euch weht tun muss, weil sie sich gegen* ihn entscheidet. Aber welche Wahl hat sie denn? Sie hat sich nicht in diese Situation gebracht, daher - egal wie es ausgeht - vergiss das bitte nicht! (*Und du weißt hoffentlich, dass sie sich nicht wirklich gegen jemand entscheidet, sondern für einen von euch, und wir wissen nicht, welche Argumente eine 14-jährige dafür heranzieht)

Ich kann nur aus der Perspektive eines betroffenen Kindes antworten, und bin daher parteiisch. Sie hat sich nicht in diese Situation gebracht, also macht es ihr Bitte nie zum Vorwurf! Und dass sie es bei ihrem Vater ausprobieren will, heißt ja nicht, dass sie dich nicht mag. Nur manche Entscheidungen lassen sich besser treffen, wenn man die Optionen kennt, die einem zur Verfügung stehen. Und dass du ihr die Möglichkeit lässt, Angelika, finde ich super! Wirklich, denke daran, sie wird es nicht vergessen.

Und vergiss nicht, ich wiederhole mich, dass ihre Position nicht einfach ist: sie weiß, dass sie jemanden verletzt, wenn sie sich entscheidet, es gibt keine Wahl und manchmal ist es fast noch schwieriger jemanden verletzen zu müssen, den man mag als selbst verletzt zu werden. Denn sie kann darüber nicht wütend werden, so wie du eventuell. Sie hat ja diese Entscheidung selbst getroffen und entwickelt hoffentlich kein schlechtes Gewissen. Und nochmals: es ist nicht ihre Schuld, dass sie in dieser Position ist.

Nachdem du dich mit deinem Ex ja gut verstehst, hoffe ich, dass es für alle gut ausgeht und ihr die Verletzungen ausheilen könnt.

Du wirst immer ihre Mutter sein, auch wenn sie schon lange nicht mehr bei dir oder deinem Mann wohnt. Lass ihr die Option, dich als Mutter weiterhin mögen zu können, indem du ihre Entscheidung akzeptierst.

Meine Mutter hat das verspielt. Zwar hatte sie für mich das Sorgerecht und ihre Krakenarme so eng wie möglich um mich geschlungen, will heißen, soweit es das damalige Recht zuließ. Aber sowie ich mit der Schule fertig war, bin ich ausgezogen - 5 Tage nach der letzten Abiprüfung. Ich sage es jetzt dir, meine Eltern wissen das nicht bzw. meine Mutter, sie hat es sich mit diesem Zwang verspielt, jetzt eine Tochter zu haben, die sie freiwillig besucht, um Rat frägt oder einlädt oder was weiß ich auch immer.

Erhalte dir das bzw. schaffe dir diese Möglichkeit, egal was passiert, du wirst dich sicherlich irgendwann freuen, wenn sie dich mit deinen Enkeln gerne besucht - egal bei wem sie ihre Jahre von 14 bis 19 oder so verbracht hat. Und das ist mehr Wert, als ein Kind in diesem Zeitraum in der Wohnung zu haben, das später nichts mehr von einem wissen will, weil es um seinen Vater oder seine freien Entscheidungsmöglichkeiten betrogen wurde ....

Bei Euch sind anscheinend die Positionen nicht so verfahren, ich habe dir nur geschildert, wie es laufen kann, in der Hoffnung, dass es dir ein bisschen Gelassenheit gibt. Denke an die Zukunft!

von Pia - am 02.08.2001 10:25

Ich wünsche dir einfach viel Kraft

Hallo Angelika,

leider habe ich keinen Rat für dich. Ich wünsche dir einfach viel Kraft.

von Mimi - am 02.08.2001 11:19

Re: Ich wünsche dir einfach viel Kraft

Liebe Angelika,

ich kenne deine Gefühle nur zu gut.

Mein Sohn, wird im Oktober 16 Jahre, hatte das auch schon 2 mal gesagt.

Beim ersten mal fragte er, was ich davon halten würde, wenn er zum Papa ziehen würde. Er wohnte damals noch in einer kleinen Einliegerwohnung bei seiner Schwester. Mein Sohn und sein Vater meinten, sie könnten sich doch eine Wohnung hier im Ort suchen und es mal für eine Weile ausprobieren.

Damals erklärte ich ihm, dass ich das nicht gut fände und es für seinen Vater eine Zumutung sei, wenn er sich eine größere Wohnung nähme und er letztendlich vielleicht doch nicht dort bleibt. Die ganzen Umzugskosten, höhere Miete usw.
Außerdem hätte er doch nicht viel von ihm, da er ja abends erst um 18.30 Uhr von der Arbeit kommt. Da hätte er nur die paar Stunden abends, die er in absehbarer Zeit eh mit anderen als seinem Vater verbringen wird, die Nacht, wo er schläft und die kurze Zeit zum Frühstück.
An den Wochenenden würde sich eh nichts ändern.
Und dafür, dass er dann den ganzen Nachmittag auf sich allein gestellt ist, ist es die Sache nicht wert, zumal er ja jederzeit zu ihm kann, wenn er zu Hause ist.
Und wenn sein Vater das unbedingt will, müsse er beim Amtsgericht einen Antrag stellen, da wir zwar das gemeinsame Sorgerecht, aber ich das Aufenthaltsbestimmungsrecht habe.
Meine Anwältin meinte damals, dass kein Richter der Welt dem zustimmen wird, wenn der Vater den ganzen Tag berufstätig ist und das Kind den ganzen Tag auf sich gestellt wäre, wenn die Mutter zu Hause ist und der Wechsel nur "einfach so" und nicht wegen irgendwelchen Diskrepanzen zwischen mir und meinem Sohn der Anlass wäre.

Dann war für eine ganze Weile erstmal Ruhe. Damals war er noch 14.

Jetzt im Frühjahr war ich ja mal ganz schön fertig. Drei Kinder, alle und ich ADS und die ganze Arbeit mit dem neuen Haus usw. Vieleicht erinnerst du dich ja.

Da habe ich meine Tochter zu meiner Mutter geschickt und den Großen eben zwei Wochen zu seinem Vater, damit ich eine längere Auszeit hatte und mich nur um den Kleinen kümmern mußte.

Kurz darauf dachte ich, na prima, da haste dir ja wieder ein Eigentor geschossen, weil mein Sohn, gleiche Situation also wie bei dir jetzt, mir 5 Tage nachdem er da war, auch offerierte, dass er zu seinem Vater ziehen wolle und was ich davon halten würde.
Mittlerweile hatte sein Vater sich hier im Ort eine kleine Wohnung genommen. Wozi, Schlafzi, Küche und Bad. Also auch kein Platz für ihn. Er hätte kein eigenes Zimmer und müsste im Schlafzimmer mit schlafen.
Mir standen die Tränen in den Augen, ich konnte kaum reden und sagte ihm, dass ich es nachwievor überflüssig fände und ich sehr traurig darüber wäre, wenn er seine Geschwister und mich "alleine" ließe und ich wüßte, dass er da den Nachmittag alleine verbringen würde, wenn er nicht gerade mit seinem Freund zusammen wäre, der auch nur 1-2 mal die Woche kann.

Ich sagte dann nichts mehr und mußte raus, weil ich sonst geheult hätte. Er sagte auch nichts mehr, hatte aber wohl mitgekriegt, wie es mir ging.

UND WAS SOLL ICH DIR SAGEN!
Als die 14 Tage rum waren, kam er nach Hause, räumte SOFORT seine Tasche mit den Sachen aus und in seinen Schrank und räumte sein Zimmer ganz ordentlich auf und machte sozusagen Großputz. So, als freute er sich wieder zu Hause zu sein und endlich wieder sein Zimmer zu haben.

Seitdem ist Ruhe. Wenn er weiß, dass sein Vater mal in der Woche zu Hause ist, weil er den Samstag gearbeitet hat, verabredet er sich manchmal mit ihm oder er fährt mal eben kurz abends hin oder so. Sie telefonieren auch oft zusammen. Die Kleinen haben diesen Dreh noch nicht so raus oder sie wollen nicht bzw. kriegen es als ADSler mit den Zeiten nicht so gebacken.
Obwohl der Kleine, er muß es mal aufgeschnappt haben, auch immer wieder mal sagt, dass er, wenn er 14 ist zu seinem Papa zieht. Das gibt mir auch jedesmal einen Stich ins Herz und ich sage ihm dann, dass wir darüber ja in 5 Jahren dann sprechen könnten.

Meine Tochter (11) sagt mir allerdings immer wieder, dass sie bei mir bleibt, weil sie mich nicht ganz alleine lassen will. Sie ist auch diejenige, die schon mal das Besuchswochenende bei Papa absagt, um etwas anderes zu machen, z. B. mit einer Freundin oder weil sie ihre Ruhe haben will.

Bei uns ist dass alles durch diese Gespräche aufgefangen worden. Ich weiß nicht, wie ich reagiert hätte, wenn es richtig ernst geworden wäre. Denn Pia war es glaube ich, hat schon auch recht.

Es sich wegen 4-5 Jahren, wenn überhaupt, es sich mit den Kindern zu verscherzen, ist es bestimmt nicht wert. Und mit 15 (meiner ist da ja noch hyperbrav und geht noch gar nicht weg), spätestens mit 17 sind sie meistens oder wahrscheinlich eh fast nur auf der Rolle und wollen weder von dem einen noch von dem anderen was wissen. Da haben sie dann andere Interessen, als mit den Eltern vor dem Fernseher zu sitzen und der Nachmittag ist oft mit Schule oder Ausbildung belegt.

Aber es tut sehr sehr weh. Es ist wie ein richtiger Verlust. Ich hatte oft so Gedanken wie: Na prima, da hast du dir die Scheiße mit der Trennung gar nicht ausgedacht und hast es doch auch immer ganz anders gewollt und wärst gerne eine intakte Familie, doch mit einem Alkoholiker geht das eben nicht. Da hast du die ganzen Jahre die Kinder sowieso fast alleine großgezogen und jetzt wo er aus allem raus ist, muß ich ihn hergeben und soll ihn beim Vater lassen, der ja an der ganzen Misere auch noch in meinen Augen dran schuld ist??? Nach dem Motto, er kann mir doch nicht alles nehmen und schon gar nicht meine Kinder.

Aber ich glaube bei uns war es ganz wichtig, dass mein Sohn gesehen hat, dass ich sehr traurig darüber bin und mir dass sehr wehtut. Ich glaube, er mußte wissen, dass er mir nicht gleichgültig ist und mir was wert ist, auch wenn es nicht immer danach aussieht. Ich hätte auf jeden Fall viel mehr Ruhe und weniger Streß ohne ihn, da er den Kleinen gegenüber oft ein richtiger Stinkstiefel ist.

Aber dass die Kinder zwischen zwei Stühlen sitzen, dauert glaube ich fast solange, bis sie groß sind.

Ich wünsche dir viel viel Kraft und ich glaube auch, dass sie wieder zurückkommt. Es sei denn, sie kann nach herzenslust fernsehen, weil ja beide berufstätig sind, wie du geschrieben hast. Da hat sie dann keinen Aufpasser.

Ich bin übrigens selber Scheidungskind gewesen mit 16. Allerdings hat mich dass nicht so mitgenommen, da ich einen Freund hatte und damit zufrieden war.
Ich bin dann beim Vater geblieben, weil ich gerade meine zwei Zimmer, mein Bruder war ausgezogen, fertiggemacht hatte und mir bei meinem Vater auch mehr Freiheit versprochen hatte. Aber nach einem 3/4 Jahr bin ich in das selbe Haus in ein Einzimmerapp. mit Dusche/WC gezogen, wo meine Mutter wohnte, da es doch nicht so einfach mit Wäsche waschen, kochen, Aufwasch, halt die ganzen häuslichen Pflichten war. Da war der Reiz alleine zu wohnen wieder größer und die Wäsche hatte ja dann meine Mutter mitgemacht.
Du siehst, ich habe mir auch immer die Rosinen rausgepickt und war für jeden neuen Reiz offen, halt typisch ADS.

Ohmannomann. Das ist aber jetzt echt lang geworden. Wollte ich gar nicht.
Tschuldigung.

*einmalganzliebindenarmnehmenunddrücken*


Liebe Grüße

Silvia

von Silvia01 - am 02.08.2001 20:49
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