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ADHS ADS Selbsthilfe
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Erster Beitrag:
vor 15 Jahren, 11 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 15 Jahren, 11 Monaten
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Corinna, Martina, Silvia03, Dagmar, anne05, Uschi, Hexe, Sindy

Immer der Timo

Startbeitrag von Corinna am 06.08.2001 15:50

Ich weiß garnicht wo ich zuerst anfangen soll. Also, erst mal war ich überrascht, dass es eine solche Internetseite gibt. Finde ich genial. Auch bei meinem Sohn Timo wurde im ersten Schuljahr die Diagnose ADS gestellt. Tja, bis das mal raus war und wir damit was anfangen konnten....
Zuerst hieß es, dass unser Sohn ganz einfach mit den Lerninhalten überfordert ist. Naja, wie wahrscheinlich bei vielen anderen betroffenen Kindern auch. Dann wurde mir die Behandlung durch eine Kinderpsychologin nahe gelegt. Die empfahl mir nach einer langen Odyssee mit alternativen Medikamenten Ritalin. Nach einem Jahr habe ich mich dann geweigert meinem Sohn dies weiter zu geben. Er reagierte entweder aggressiv oder depressiv, aber nie "normal" seit er Ritalin nahm. Außerdem hatte seine Phantasie gelitten und er bekam einen sehr traurigen Gesichtsausdruck. Wenn ich unser Kind betrachtete mußte ich weinen. Die Schule reagierte wie gehabt mit wenig Verständnis. Nur mit dem Ritalin wäre unser Sohn für die Schule tragbar. Ich habe mich durchgesetzt. Er bekommt seit dem ein homöophatisches Medikament, mit dem ich sehr gute Erfahrung gemacht habe. Nur so wie die anderen ist er nicht. Er wird durch die schnelle Ablenkbarkeit von den Mitschülern gehänselt, ist immer der der alles Schuld ist und hat kaum Freunde. Wenn ich zum Gespräch in die Schule gehe, heißt es ständig: Nie kann er..., immer muß er..., er weigert sich... usw. Das tut weh und oft gehen meine Nerven mit mir durch obwohl ich weiß, dass nervös sein alles nur schlimmer macht. Ich bin froh, dass es dieses Diskussionsforum gibt. Vielleicht werde ich ja hier mal meine Sorgen los und auf Verständnis stoßen. Einfach mal alles abzuladen tut eben gut.

Antworten:

Hallo Corinna,

viel helfen kann ich Dir leider nicht.

Ich habe einmal bei so einem Elterngespräch gesagt: Mit "nie" und "immer" diskutiere ich nicht, das ist in jedem Fall nicht korrekt.

Dann habe ich das Gespräch beendet. Das nächste war dann wesentlich konstruktiver.

Und dass dein Kind "immer" an allem schuld sein soll, finde ich sehr problematisch. In der Situation waren wir auch einmal, das ist ganz verzwickt. Das Kind spürt selber, dass es gar keine Chance hat, und resigniert.
Da würde ich unbedingt die Lehrerin oder den Lehrer darauf ansprechen.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es für so Elterngespräche, wo es um so Grundsätzliches geht, von Vorteil ist, wenn der Vater des Kindes mitdabei ist. Man wird so viel ernster genommen.

.........mein Sohn hat kein ADS, ist nur sonst ein wenig anders als die anderen. Und er wird auch nie so werden wie die anderen. Das bisschen Anderssein reicht schon, damit man miterleben kann, wie sich Menschen fühlen können, die wirklich anders sind.

Liebe Grüsse, Silvia

von Silvia03 - am 06.08.2001 16:58
hallo corina
bin auch gerade beim absetzen
unser kleiner ist so durchsichtig und mir fast unheimlich geworden
und beim weglassen des ritalin scheint es als ob er nichts dazu gelernt hätte
vieles hätte sich über die zeit automatisieren müssen
zb waschen ,hausaufgaben,aber ohne ist es so als ob er es nie bekommen
hätte
ausser das er zum schluss so mager und bleich war hat sich ohne nicht viel geändert
aber damit ist jetzt schluss wenn es dich interessiert lies mal den artikel weiter oben
übrigens uns geht es allen viel besser seit ich auf ausgewogene ernährung achte
liebe grüsse sindy

von Sindy - am 06.08.2001 17:06
Hallo Corinna, hi Sindy (nochmal;-))
Helfen kann ich auch nicht. ICh kann mich wie gesagt nicht beklagen, uns hat Medikinet bisher geholfen...lange nehmen "wir" es janoch nicht. Allerdings macht Euch auf eines gefaßt , zu dme "immer " und "nur" kommt irgendwann dazu " SIE lasen sich ja nicht helfen, sie genen ihm ncht das Medikament das er braucht..." . Bei einer solchen Aussage schnappt man ganz hübsch nach Luft.
Bevor wer fragt , nein, es ist mir in dem Zusammenhang nicht passiert...sondern bein anderen Mitteln die ich selber nehmen sollte.

Welches homöopathische Mittel gibst du denn?

Petra (...immer an Hilfe interessiert)

von Hexe - am 06.08.2001 18:09
Hallo Sindy,

hat dein Sohn denn zwischenzeitlich ein Verhaltenstraining und du ein Elterntraining gemacht?

Viele Grüße
Dagmar
Elterngruppe Frankfurt


von Dagmar - am 06.08.2001 18:52
Hallo Petra,
vielen Dank für die Antwort. Hätte nie gedacht, dass ich mal im Internet so ne nette Gesprächstruppe finde. Ich gebe meinem Sohn Zinkum valerianicum von Hevert. Es wird von unserer Apotheke sehr oft verkauft. Man kann es sich auch verschreiben lassen. Auf der Packung steht: bewährt bei depressiven Erschöpfungszuständen, Schlafstörungen ( Timo hatte auch Alpträume ), nervöser Übererregbarkeit, Angstneurosen, Melancholie, Wetterfühligkeit, Konzentrationsschwäche, Nachlassen der Merkfähigkeit, besonders bei Schulkindern. Man kann das Medikament auch kombinieren.
Liebe Grüße von Corinna

von Corinna - am 06.08.2001 18:59
Was meinst Du damit? Er war in Behandlung bei einer Kinderpsychologin, in Ergotherapie und in Heileurythmie.

von Corinna - am 06.08.2001 19:01
Hallo Corina,

meine Frage richtete sich an Sindy ;-))

Viele Grüße
Dagmar
Elterngruppe Frankfurt


von Dagmar - am 06.08.2001 19:04
Hallo Silvia,
mir ist schon geholfen wenn ich mich, wie sagt man so schön "mal auskotzen kann". Sorry für die Wortwahl! Aber manchmal ist mir danach echt zumute. Naja, mein Mann übrigens geht überall mit auf die Gespräche. Wenn er nicht kann, geht mein Vater oder meine Mutter mit. Ich finde, es ist sehr wichtig, wenn die Schule sieht, dass die komplette Familie hinter dem Kind steht. Mein Sohn hat schon resigniert. Die Kinder, so erzählt er, treten ihn in der Klasse beim Vorbeigehen. Dann beschwert er sich und die Kinder sagen alle das wäre nicht war. Dann ist er so wütend und verweigert den Unterricht. Er ist schnell wütend und aus der Fassung zu bringen. Vor allem Ungerechtigkeit bringt ihn aus dem Gleichgewicht. Es ist manchmal zum Heulen. Einmal hab ich die Lehrerin angemeckert, dass ich es satt wäre zu hören, wie unmöglich mein Sohn sich benimmt. Sie meinte nur, sie könne ja auch nichts anderes als die Wahrheit sagen......
Liebe Grüße
Corinna

von Corinna - am 06.08.2001 20:32
Hallo Silvia,
da hast du sicherlich recht, dass es wesentlich mehr Wirkung zeigt, wenn der Vater dabei ist. Ich habe seit Jahren damit zu kämpfen, da ich allein erziehend bin mit zwei Kindern.

Mein Sohn hat ADS und ist jetzt 12 Jahre alt, meine Tochter ist 10 Jahre alt. Alles was ich immer nur gehört habe von Schule und Hort ist, dass ich anscheinend nicht fähig bin meinen Sohn zu erziehen. Auch bei meinen Eltern stoße ich auf Ablehnung, da sie sich mit dem Thema ADS gar nicht erst auseinander setzen wollen und mir immer wieder gesagt wird, ich solle konsequenter sein und eine Ohrfeige wäre des öfteren auch mal angebracht. Da ich keinen Unterhalt von meinem Exmann für meine beiden Kinder bekomme, bin ich Vollzeit berufstätig und habe somit nicht gerade viel Zeit mit meinen Kindern. Ich versuche jedoch das Beste aus der übrigen Zeit zu machen, sprich am Wochenende usw. Mein Sohn ist über die Jahre ziemlich abgerutscht, schon im ersten Schuljahr hatte er Schwierigkeiten und man hat mir empfohlen ihn in einen heilpädagogischen Hort unterzubringen. Was ich auch getan habe, jedoch ohne großen Erfolg. Im zweiten Halbjahr der vierten Klasse hat man ihn dann aus der Grundschule sprichwörtlich verbannt und mir empfohlen, ihn auf eine E-Schule zu schicken.

Dort hat er die 4 Klasse und die 5 Klasse absolviert, mit noch schlechterm Ergebnis als zuvor, obwohl er überdurchschnittlich inteligent ist hatte er 6 Fünfer im Zeugnis und man hat mir gesagt, dass er sich total geweigert hat im Unterricht mitzumachen. Sein Verhalten wird auch zuhause immer schlimmer, er ist sehr aggresiv gegenüber seiner Schwester und mir. Durch die Schule, hat sich jetzt auch noch das Jugendamt mit eingeschaltet und hat mir jetzt das Kinderzentrum in Augsburg empfohlen. Ab September wird mein Sohn dort untergebracht und am Wochenende ist er dann immer zuhause.

Ich weiß nicht mehr ob ich das richtige tue, aber ich weiß mir auch keinen anderen Ausweg mehr. Ich kann die Termine bei Kinderpsychologen, Therapeuten, Schule und Elterngespräche schon nicht mehr zählen. Meine Tochter leidet auch sehr unter den ständigen Auseinandersetzungen zuhause.

Aus dieser langzeit Therapie im Kinderzentrum Augsburg erhoffe ich mir Erfolg und wünsche mir nichts mehr, als dass es meinem Sohn bald besser geht, da ich mir über seine Zukunft sehr große Sorgen mache und ich ihn über alles liebe.

Liebe Grüße
Martina

von Martina - am 07.08.2001 07:58
Hallo Martina,
als ich Deinen Brief las, mußte ich unwillkürlich an meinen Sohn denken. Wird sein Schulweg der gleiche sein?

Als Timo noch kein halbes Jahr in der ersten Klasse war, da wurde ich in die Schule zitiert. Vor mir saßen der Rektor, die Heilpädagogin, die Sonderschullehrerin (die auch an der Schule mit tätig war) und die Klassenlehrerin. Ich war mit meiner Mutter da, sonst hätte ich einsam und verlassen in der Runde gesessen und mir den Wasserfall der Vorwürfe anhören müssen. Er wäre überfordert, wurde mir gesagt. Meine Mutter meinte damals, dass Timo vielleicht unterfordert wäre. Alle sind dann in schallendes Gelächter ausgebrochen. Auf meine Frage, was sie denn tun, wenn er den Unterricht verweigert oder Faxen macht, bekam ich zur Antwort: " Wir setzen uns neben ihn und arbeiten dann gemeinsam alles durch."
Meine Antwort daraufhin war, dass sie ja sein negatives Verhalten noch positiv verstärken. Ich wurde ziemlich angefaucht, dass ja sie die Pädagogen wären und schon wüssten was sie tun. Heute beschweren sie sich, dass er ohne sie nicht arbeiten mag.

Mir wurde nahe gelegt, ich solle ihn zurück stufen lassen. Das taten wir nicht.

Dann kamen die großen Ferien. Montags sollte die Schule wieder los gehen. Samstags davor hatte ich einen Brief im Kasten von der Schule, dass Timo nun aus pädagogischen Gründen in die Parallelklasse gehen soll. Ich rief die Heilpädagogin an und die Lehrerin, beide wußten von nichts. Diese Entscheidung fällte der Rektor alleine. Und ich hatte die Aufgabe, Timo in 2 Tagen auf eine neue Klasse vorzubereiten.

Bis heute hat er keinen richtigen Anschluß in der neuen Klasse. In der 2. Klasse wurde mir wieder nahe gelegt Timo zurück zu stufen. Wir taten es wieder nicht.

In der 3. Klasse schrieb Timo ganz gute Noten. Bsp. in Mathe 1er und 2er. Er bekam eine 3 in Mathe auf dem Zeugnis, wegen seiner Verweigerungen im Mündlichen und der schlechten Mitarbeit.

Er wird getreten im Unterricht von seinen Mitschülern, aber das ist nicht war, weil die Kinder immer wieder sagen, dass sie es nicht waren.

Religion hat er sehr gerne gemacht. Aber wie auch in anderen Fächer sitzt er hier oft vor der Türe, weil er für den Klassenablauf nicht tragbar wäre. Nicht weil er unruhig ist. Er hat ADS ohne H, aber weil er sich verweigert, oft oder meist die Aufgaben nicht anfängt usw. Nun, es wird behauptet er verstehe die Aufgabenstellung nicht.
Und wie er die versteht. Und er versteht, dass er abgelehnt wird. Wenn schon die Lehrer ihn räumlich ausgrenzen, wie sollen die Kinder das in ihren Köpfen denn anders machen. Das habe ich auch schon der Lehrerin gesagt, aber sie meinte nur, ihr bliebe keine andere Wahl.
Das alles macht mich sehr traurig. Oft tut er mir so leid, wenn er wieder mal total frustriert aus der Schule kommt.
Liebe Grüße
Corinna

von Corinna - am 07.08.2001 09:01

Kann man nicht einfach sagen, immer diese ADS Kinder?

Hallo Corinna,

man das macht mich auch ganz wütend und traurig,wenn sich alle Welt gegen einen sperrt.
Wir hatten das selbe Problem im KIGA, ich musst jede wirklich jede Woche zum Gespräch mit den Erziehern, was ich mir da alles anhören durfte, das war echt schlimm. Philip musst aber hin, weil ich eine Umschulungmaßnahme macht und nur ganz wenig Fehlzeit haben durfte.
Für die Schule versprach uns der Dirketor das die Lehrerin über Philip unterrichtet wir. ADHS und das er in KIGA ein I-Kind war. Nichts war gar nichts
Nach 2 Monaten Philip war fast den ganzen Unterricht vom Klassenzimmer:-) waren Gespräche mit den Eltern angesagt.
Die Lehrer und wir vielen aus allen Wolken, das niemand die Klassenlehrerin informiert hatte. Das war doch anders ausgemacht.
Aber wir hatten dann soooooo ein Glück.
Philip war in der I-Klasse und dort war zusätzlich ein Sonderpädagoge der ganz ganz viel über ADHS wußte, und er unterstütze die Klassenlehrerin und lehrte sie und uns viel über ADHS. Er ging sogar mit zur Hausaufgabenbetreuung und erzählte ihnen viele über ADHS.
Wir hatte echt Glück mit diesem Lehrer und das sich die Klassenlehrerin prima mit ADHS auseinandergesetzt hat.
Heute ich unser zweiter Tag im 2.Schuljahr und Philip mag wieder Schule.

Wir hatte echt Glück Ich wiederhole mich, aber es macht mich so wütend wenn ich lese und höre, das sich Fachleute nicht mit ADHS auseinandersetzen.
Im Sebtember ist ein ADHS Vortrag in Kriftel bei Frankfurt, und alle Kindergärten Schulen usw. werden angeschrieben zu kommen, hoffentlich kommen auf viele, damit es die Kinder etwas leichter haben Es ist auch schon so schwer genung.
Herzliche Grüße Uschi

von Uschi - am 07.08.2001 09:37
Hallo Corinna,

das einen das traurig macht verstehe ich sehr gut, noch dazu weil es ja das gesamte Umfeld mit beeinflußt. Es ist ein ständiger Teufelskreis aus dem man sich fast nicht befreien kann. Was mich am meisten traurig macht ist, dass ich selber oft merke die Geduld und Ruhe zu verlieren und meinem Sohn Chris manchmal vorwerfe, dass er sich ja nur etwas anstrengen und mitarbeiten müßte. Manchmal verliere ich es aus den Augen, dass er ja eigentlich gar nicht anders kann auch wenn er sich noch so anstrengt. So hilflos zuzusehen und nicht konkret helfen zu können, macht einen ganz schön fertig.

Noch dazu kommt, dass sich meine Tochter sehr vernachlässigt fühlt und mir immer wieder vorwirft, mehr Zeit für meinen Sohn aufzubringen als für sie, wo sie sicherlich nicht unrecht hat. Meine Tochter ist sehr gut in der Schule und man macht es sich dann wahrscheinlich einfach in dem man sich sagt: "Bei ihr ist ja alles ok". Ich möchte meinen beiden Kindern gerecht werden und merke immer wieder, dass ich mich dafür eigentlich zweiteilen müsste.

Wie schon erwähnt wird Chris ab September das Kinderzentrum in Augsburg besuchen und dort auch zur Schule gehen. Er wird dort rund um die Uhr psychologisch betreut, erhält Hausaufgabenunterstützung und Lernstunden. Da wir dann zuhause nicht mehr mit den sogenannten Alltagssorgen belastet sind, können wir unsere Wochenenden alle gemeinsam genießen und Chris freut sich auf zuhause. Dennoch habe ich Angst, die Nähe zu meinem Sohn zu verlieren, da wir schon immer ein sehr inniges Verhältnis hatten. Aber man hat mir gesagt, ich sollte ihm zeigen, dass ich immer noch jederzeit für ihn da bin und ihn hundertprozentig unterstütze. Ihm Briefe schreiben unter der Woche und miteinander telefonieren wäre sehr wichtig.

Chris ist sehr einsichtig und sagt mir auch immer wieder das er selber fühlt "Hilfe" zu brauchen. Ich hoffe inständig, dass ich in ein oder zwei Jahren sagen kann: "Ja, dass war der richtige Weg für meinen Sohn", denn bis jetzt ist alles fehl geschlagen.

Liebe Grüße aus München
Martina

von Martina - am 07.08.2001 10:24

Re: Kann man nicht einfach sagen, immer diese ADS Kinder?

Hallo Uschi,
da hattet Ihr ja echt ein super Glück. Es wäre schön, wenn es noch mehr solcher Lehrer gäbe. Vielleicht ja ändert sich das irgendwann. Ein bisschen Hoffnung habe ich ja immer noch, wenn alle die betroffen sind sich dagegen wehren, wie es jetzt zur Zeit läuft.
Vielleicht bewegt sich ja was durch den Brief an Frau Buhlmann.
Vielen Dank fürs Antworten. Es tut echt gut sich mal auszutauschen. Das hilft ungemein.
Liebe Grüße
Corinna

von Corinna - am 07.08.2001 10:43
Hallo Martina,
ich verliere auch oft die Ruhe und Geduld. Dann muß ich mir dann noch in der Hinsicht die Vorwürfe von anderen anhören. Ich solle ruhiger werden usw. Aber das ist ja einfach gesagt, wenn man nicht die ganze Zeit mit dem Katzenschwanz konfrontiert wird, den eine solche Erkrankung nach sich zieht.
Der Ärger mit der Schule, die Angriffe von außen, die Wutausbrüche der Kids usw.
Irgendwann platzt einem der Kragen.
Immer soll man ruhig bleiben.
Wenn man dann nen Wutausbruch hat, hat keiner Verständnis dafür. Es hiflt zwar nicht weiter, aber die angestaute Wut muß doch irgendwo hin.
Deshalb bin ich froh, dass es diese Seite gibt. Zu sehen, dass es einem selbst nicht anders als den anderen Eltern geht, mal sich alles von der Seele schreiben, auf Verständnis stoßen, das alles macht schon viel aus.
Ich bin zwar erst seit gestern dabei, aber ich spüre echt dass ich nicht mehr ganz so genervt bin. Ich weiß jetzt, wo ich mich hinwenden kann, wenn es auch nur mal zum reden (bzw. schreiben) ist.

Danke an alle, die diese Seite ins Leben gerufen haben. Habe die Adresse schon an eine betroffene Mutter weiter gegeben.

Liebe Grüße
Corinna

von Corinna - am 07.08.2001 10:54
Hallo Corinna,

dass die Lehrerin Dir die Wahrheit sagen muss, ist schon klar. Trotzdem, es ist für Dich sehr viel zu hören, was alles negatives vorfällt. Wie muss das erst für das Kind selber sein?! So wie Du ihn beschreibst, ist er extrem sensibel und gerechtigkeitsbewusst. Wenn dann noch etwas Impulsivität dazu kommt, kann ich mir gut vorstellen, dass er sich einen ganzen Morgen nicht mehr auf die Schullektionen konzentrieren kann, nach so einer Geschichte wie "Bein-treten". Der fokussiert dann nur auf das.

Wenn sich die Lehrerin Dir gegenüber so auf alle negativen Punkte konzentriert, ist natürlich die Gefahr, dass sie das gegenüber dem Kind auch tut. Wenn auch nicht bewusst, so reichen die feinen Antennen so eines Kindes natürlich schon aus, um zu spüren, dass es in der Sündenbockposition sitzt.

Vermutlich ist dein Sohn ein Kind, bei dem man ganz besonders mit positivem feedback arbeiten muss. Er kann auf Grund von Dauergemecker nichts an seinem Verhalten ändern. Diese "Unfähigkeit" spürt er vielleicht und das macht ihn unzufrieden. Und wenn er sich einmal echt Mühe gibt, sieht's keiner, weil das für alle andern ja normal ist oder es passiert dann wieder eine Geschichte, wo er falsch beschuldigt wird.

liebe Grüsse,Silvia

von Silvia03 - am 07.08.2001 11:57
Hallo Martina,

Du hast sicher recht, als alleinerziehende hast Du es mehr als doppelt so schwer. Da wird besonders genau geguckt, wenn es um Erziehungsfragen geht.

Es hilft schon sehr, wenn man zu so Gesprächen noch jemand mitnehmen kann, Mann, Vater, Mutter, Freund wer auch immer.

Dass sich deine Eltern nicht mit der Sache befassen mögen, ist ein Stück weit verständlich. Da kann man nicht böse sein. Sie sind vielleicht mit der Situation genau so überfordert, können es aber nicht anders zeigen. Das zeigt dann aber auch, dass sie den Draht zu deinem Sohn zumindest vorübergehend etwas verloren haben. So ist es gut möglich, dass Dein Sohn neben den Problemen, die ADS mit sich bringt, etwas darunter leidet zu wenig Bezugspersonen zu haben.
Ich kann mir gut vorstellen, dass der Schritt, während der Woche betreut zu wohnen, eine grosse Chance für ihn sein kann.
Und für Dich gibt es etwas Verschnaufpause, Dich mit deiner Tochter zu befassen.
Ich wünsche Euch auf jeden Fall alles Gute,

Silvia

von Silvia03 - am 07.08.2001 12:07

Re: Antwort an Silvia

Hallo Silvia,

danke für deine Mail, hat mir echt gut getan. Das es Chris an Bezugspersonen mangeld denke ich auch, da er absolut fast keinen Kontakt zu seinem Vater in England hat und wenn der Kontakt mal zu Stande kommt, hören wir nur immer leere Versprechungen. Wie z.B. versprochene Geschenke die nie ankommen oder ein Besuch vom Vater, der dann doch nicht kommt. Die Anrufe sind periodisch alle zwei Jahre einmal. Chris leidet darunter sehr, was die Sache mit ADS auch nicht einfacher macht.

Manchmal denke ich mir, ich habe es meinen Kindern nicht einfach gemacht. Erst die Scheidung von meinem Mann, dann der Umzug von England nach Deutschland (da ich Deutsche bin und mein Exmann Engländer, sind die Kinder in England geboren und haben dort auch einige Jahre verbracht), dann der ständige Schulwechsel für Chris auf Grund seiner Diagnose von ADS, meine Berufstätigkeit usw.

Aber trotz alle dem liebe ich meine beiden Kinder über alles und habe immer versucht ihnen eine gute Mutter zu sein auch wenn es manchmal nicht so toll gelaufen ist.

Ich danke dem Erfinder dieser Homepage, denn endlich fühlt man sich nicht mehr so allein.

Silvia, weißt du eigentlich was mit "hypo" und "hyper" gemeint ist ? Ich habe es jetzt schon so oft in verschiedenen Mails gelesen.

Liebe Grüße
Martina

von Martina - am 07.08.2001 12:46

Re: Aufklärung für Martina ;-))

Hallo Martina,

ich bin zwar nicht Silvia, will Dir aber dennoch schnell den Unterschied zwischen hyper- und hypoaktiv erklären, da er sehr wichtig ist:

ADS heißt in erster Linie einen Mangel an Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit zu haben.

Daneben kann es dann "Begleiterscheinungen" geben, die häufigsten sind:

- Hyperaktivität: das haben alle die, die _motorisch_, also physisch, total unruhig sind (das ist der Zappelphilipp)

- Hypoaktivität: das sind die, die verträumt, introvertiert sind (das ist der Hans-Guck-in-die-Luft) - bei ihnen spielt sich die Hyperaktivität eher im Kopf ab

- Impulsiv: das sind die aufbrausenden (früher sagte man jähzornigen) Leute

Diese Begleiterscheinungen können einzeln, aber auch kombiniert vorkommen.
Eine häufige Kombination ist z.B. verträumt, aber impulsiv.

Aber wie gesagt: ihnen allen - egal in welcher Ausprägung - ist die mangelnde Konzentration und Aufmerksamkeit gemeinsam.

Ich hoffe, dass ich ein wenig zu Deinem Durchblick beitragen konnte ;-))

Lieber Gruß
Anne05
Eigen-Sinn - Seiten für hochbegabte Kinder mit ADS


von anne05 - am 07.08.2001 12:56

Re: Aufklärung für Martina ;-))

Hallo Anne,

danke für die schnelle und doch ausführliche Aufklärung.

Echt super dieses Gesprächsforum, ihr seid alle so nett und hilfsbereit.

Groooooßes Kompliment.

Liebe Grüße
Martina

von Martina - am 07.08.2001 13:08

Re: Hypo ----- Hyper ganz kurz

Hyper: ADS mit Hyperaktivität
das sind die ständig hibbeligen, die bei denen ADS auch eher auffällt, häufiger bei Jungs

Hypo: ADS ohne Hyperaktivität
die sind eher träumerisch, zurückgezogen, erscheinen eher unreif, häufiger bei Mädchen
ADS wird häufig sehr spät bemerkt
sie haben aber die gleichen Aufmerksamkeitsprobleme wir die echten "Hypies".

liebe Grüsse,Silvia

von Silvia03 - am 07.08.2001 15:20
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