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Informationen zum Thema:
Forum:
ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
12
Erster Beitrag:
vor 15 Jahren, 11 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 15 Jahren, 11 Monaten
Beteiligte Autoren:
claudia, Fleurie, Anke, Uschi, Corinna, Jana, Hexe, Simone A.

Der Wahnsinn kommt erst noch (Entlassungspapiere)

Startbeitrag von claudia am 09.08.2001 19:02

liebes forum
das was ich euch jetzt erzähle glaubt kein mensch !!!!!!
die entlassungspapiere meines sohnes sind ja schon am 18.08.99 ausgestellt worden.ich habe patrick am 1.2.99 stationär im krankenhaus josefinum, kinder und jugendpsychiatrie einweisen lassen.wegen meines verdachtes auf HKS. mein verdacht wurde nur belächelt und man gab mir und meinem mann die schuld am verhalten unseres kindes.
wir hätten uns zuwenig gekümmert, ich sei selbst schuld weil ich mich aufgegeben hätte wegen der kinder, ich sei zu impulsiv, hätte schlechte nerven usw.usw mein mann ist schuld weil er unseren sohn mit in die firma nahm, LKW uns stapler fahren sind nichts für ein kind außerdem konkoriert er mit meinem mann zugleich sieht er ihn als rivalen. unsere tochter trägt natürlich auch noch schuld weil sie patrick beformundet und bemuttert.
als ich ein paarmal den versuch wagte und die ärzte darauf hinwies das er vielleicht HKS hat wurde mir gesagt ich solle die schuld nicht am kind suchen sondern an mir.
nun gut nach der einsicht alles falsch gemacht zu haben, habe ich mich in therapie gegeben, meinen mann und nathalie im schlepptau.
patrick bekamm spezielle kinderpsychiatrische einzel- und integrative gruppentherapie therapiebegleitende familienarbeit, einzelkontakt im rahmen einer spielstunde und logopädische diagnostik.
als ich am 9.5.2000 meinen sohn aus dem krankenhaus nahm wurde mir gesagt ich soll ihm das medikament Jarsin geben und weiter in therapie bleiben.
patrick soll ich dann in eine HPT ( Heil Pädagogische Tagesstätte ) un alles wird gut.
in der HPT wars auch nicht viel besser die schuld liegt an uns und nicht am kind.
nach raten der pädagogen erzieher und lehrer habe ich meinen sohn nun auf der sonderschule angemeldet.
ab september geht patrick nun in die sonderschule.
was soll ich nun sagen ?
ich fühle mich veraten betrogen und einfach besch......
ich bin jetzt am heulen
vielleicht später mehr
claudia

Antworten:

Hallo Claudia,

das war bei uns genau so.
Das SPZ aus Wiesbaden hat uns ein ganz klaren Bericht gegeben, dass Philip ADS mit Hyperativität hat, aber als wir so blöde waren uns "Nackich" vor den Ärzten auszuziehn sprich unsere Herzen auszuschütten wurden wir besonders ich als junge Mutte fertig gemacht.

>als ich ein paarmal den versuch wagte und die ärzte darauf hinwies das er vielleicht HKS hat wurde mir gesagt ich solle die schuld nicht am kind suchen sondern an mir.

Das habe ich ständig gesagt bekommen, wir wären keine Fachleute und sollten nicht mit Diagnosen um uns werfen und sollten lieber unser Kind besser erziehen

Außerdem hatten wir eine zweite Meinung eingeholt umd ADS zu bestättigen und dann war´s total aus.
Ich werde nie vergessen wie die Oberärtzin mit verschrängten Armen unszwei Möglichkeiten vorschlug.
Aufhören / sprcih gehen Sie
Oder zu ihren SPZ Bedingungen weiter machen.

Das Ärzteteam bestand aus 4 und zwei wollten Philip mit Ritalin behandeln und zwei nicht und eine war die Oberärztin und die hatte uns ja gefressen.
Damals habe ich auch geweint und weiß wie es Dir geht.
Ich drücke Dich ganz lieb und wünsch Dir weiterhin viel Kraft Du bist nicht allein
herzliche Grüße Uschi

von Uschi - am 09.08.2001 19:18
Hallo Claudia,
komme auch mit der "ärztlichen Allmacht" nicht zurecht (trotz 10jähr. Erfahrung auf diesem Gebiet...),
ist egal, ob Du eine (zu) "junge" oder (zu) "alte" Mutter bist,
sie stellen die Bedingungen -
Du bist auf sie angewiesen - mit den Zweifeln, ob Du das Richtige, Beste für Dein Kind bekommt, bleibst Du allein -
habe die Erfahrung gemacht, egal welche Entscheidung ich treffen musste, immer wusste hinterher jemand, was ich falsch gemacht habe!
Vetraue auf Dein Kind,
auf Deinen "Bauch" -
wir sind ganz viele die Deine Erfahrungen und Gefühle teilen -
- drück Dich -
alles Liebe - von Fleurie

von Fleurie - am 09.08.2001 19:43
Liebe Claudia,

doch ich glaube dir! Denn wir erlebten genau dasselbe!

Ich bin alleinerziehend mit einem 11jährigen ADHS-Mädchen. Anfang Mai dieses Jahres gab ich Madeleine in die Tagesklinik der Kinder- und Jugendpsychitrie der Uniklinik Kiel. Von Anfang an wurden bisherige Diagnosen und Erkenntnisse infrage gestellt und mir Dinge unterstellt, die schon mehr als anmaßend waren. Fragen wurden gestellt, meine Antworten mir nicht geglaubt. Nach 7 Wochen hatten die noch immer keine Diagnose, aber die Null-Acht-Fuffzehn-Erklärung, dass ich als alleinerziehende Mutter ja überbehüten würde und mein Kind als Partnerersatz sehen und deshalb einengen würde. Also, - ICH bin schuld! So ein Quatsch!

Vor kurzem habe ich Madeleine aus eigenen Stücken aus dieser Einrichtung genommen und denen auch ganz klar gesagt, was ich davon halte. NIE WIEDER PSYCHIATER!
Auch meine frühere Kinderärtzin riet mir, meine Tochter lieber einem freien Kinder- und JugendPSYCHOLOGEN vorzustellen.

Madeleine hat Realschulempfehlung und so habe ich sie jetzt auch eingeschult. Die nächsten Jahre werden nicht leicht, aber wir werden es schaffen. Ich habe es satt, heruntergewertet zu werden und werde mir weder von Lehrern noch von Ärzten jemals wieder irgendetwas einreden lassen!

Lasst es euch auch nicht gefallen. Informiert euch gut über ADS und vergesst nicht: Sie sind keine Götter, sie verstecken hinter ihrer Arroganz lediglich eigene Unzulänglichkeiten. Und wenn Lehrer und Ärzte merken, dass ihr euch nichts vom Pferd erzählen lasst, sondern Bescheid wisst, dann ist vielleicht auch eine Zusammenarbeit im Interesse des Kindes möglich.

Ich wünsche dir und den anderen viel Kraft.

Liebe Grüße

Anke.

von Anke - am 09.08.2001 20:17


Hallo Anke

Wir haben auch schlechte Erfahrungen mit PSYCHIATERN gemacht. Die sind völlig abgedreht, leben irgendwie auf einem anderen Planeten. Die haben doch tatsächlich noch Gründe (=Schuld) für das Verhalten unseres Kindes nicht nur bei uns, sondern auch noch bei Oma, Opa, kleiner Bruder u.s.w gesucht. Kiga und Lehrer haben natürlich "alles richtig" gemacht, von wegen Berufserfahrung und so... ( so ein Irrsinn, die waren doch nicht live dabei!!).

Geholfen hat uns erst ein Kinder-u.Jugendarzt, gleichzeitig Psychotherapeut.
Mit ihm konnte man ganz normal reden, ohne das jeder Satz den man sagte bis in Letzte zerpfückt wurde und von Schuldzuweisungen war keine Rede.

Auch ich sage, nie wieder PSYCHIATER !!! Gott sei Dank haben wir nach nur wenigen Gesprächsterminen die Behandlung abgebrochen, sonst wäre ich nämlich der nächste Patient gewesen......wer weiß, als nächstes vielleicht die Oma ????

von Simone A. - am 09.08.2001 21:02
Hallo Claudia, ich bin geschockt. Haben denn diese Ärzte nix anderes zu tn, als Dich auch noch fertig zu machen? Damit helfen sie doch dem Kind nicht.
Jarsin ist doch ein Johanniskrautextrakt? Wenn ich mich recht entsinne habe ich das mal eine Weile genommen..was soll das bei ADS bringen??? ICh weiss es ist hart und nicht grade hilfreich was ich sage, aber du mußt für dich und dein Kind weiter kämpfen....such dir einen gescheiten Arzt und stell das Kind vor.Sicher liegt auch vieles an uns Eltern, aber das was die mit dir gemacht haben ist ene Frechheit.

Petra

von Hexe - am 09.08.2001 21:06
Hallo Claudia!

Ich musste mir auch fast 5 Jahre nachsagen lassen, dass ich unfähig bin Kinder zu erziehen oder einfach einen geregelten Tagesablauf schaffen kann.
Ich habe 3 Psychologen getestet, um bei einem zu landen, der mich zwar aufgeklärt hat über ADHS, aber uns ansonsten im Regen stehen läst. Das wir Rita nehmen wollten war unsere Sache, die Einstellung auf das Medikament, sowie die Entscheidung, es mal mit Rita SR zu probieren. Naja wir haben sie bekommen und dank dem Forum habe ich nun noch ein EEG nachgeholt und dränge auch drauf, dass die Inteligrenz meines Sohnes noch getestet wird. Wörtliche Antwort gestern beim Psycho" was haben Sie davon, wenn Sie wissen, dass Ihr Kind schlauer ist als normal??"
Tja... dann gibts da noch Stiefvater, Stiefoma und meine Eltern, die in das gleiche Horn blasen. Ein Glück, dass ich mich durchsetze und mein Sohn die beste Hilfe bekommen soll, die ich finden kann.
Bei uns kam übrigens raus, dass außer ADHS ( und Hypie zu 100%) nichts weiter vorliegt. Naja.. ich denke, da sind noch kleine Ticks vorhanden. Man schafft leider nicht alles sofort und auf einmal.
Ich selber habe auch 1 Jahr gebraucht, um diese Diag anzunehmen und habe danach angefangen zu suchen und zu kämpfen. Leider müssen wir Mütter sowas immer noch. Ich galt als Kind einfach nur als lebhaft und oberflächlich und schlampig... naja heute weiß ich woran meine Probs mit mir selber und meiner Umwelt liegen. Aber die Psychologen lachen nur darüber und winken ab. So schleppe ich mich weiter durchs Leben und hoffe auf einen freien Therapieplatz 30 km weiter weg.
Will dir mit meinem Bericht nur Mut machen, zu kämpfen.
Ach noch dies: habe einen Kumpel, der war vor kurzem 3 Monate in Psychatrie, wegen Selbstmordgedanken. Am Ende hat man festgestellt, er war viel zu schlau für die Sonderschule und testet jetzt auf ADS. Und siehe da, seine beiden Söhne sind auch stark betroffen.
Also hilf deinem Kind... leider können die sich nicht gegen die Willkür der dummen Ärzte schützen.
Daumen drückend....

Bye Jana

von Jana - am 09.08.2001 21:12
Hallo, Simone,

ich kann heute nicht mehr einsehen, was ADS-Kinder in der Psychiatrie zu suchen haben! ADS ist ein organisch bedingtes Krankheitsbild und keine Geisteskrankheit! Die Symptome lassen sich allenfalls in der Psychologie ansiedeln und können mittels Therapien gemildert werden.

Über vieles, was ADS betrifft, sind sich die "Fachleute" in aller Welt nicht ganz einig, außer bei den Ursachen.
Unsere Kinder passen eben nicht in das Schema unserer heutigen Leistungsgesellschaft. Pah! Sie sind begabt, haben besondere Talente. Und sie sind nicht meschugge.

Also, raus aus den Psychiatrien und hinein ins Leben.
Lasst euch nichts einreden!

Liebe Grüße

Anke.

von Anke - am 10.08.2001 11:51
Liebe Claudia,

helfen kann ich Dir leider nicht, aber es ist manchmal auch eine klitzekleine Hilfe, wenn man sein Herz mal ausschütten kann und einem ein bisschen Mut zu gesprochen wird, so wie in diesem Forum.
Hier sieht man, dass man nicht alleine ist, denn so wie Dir geht es leider, leider sehr vielen Eltern, deren Kinder ADS haben.

Denn unsere Kinder passen nun mal so gar nicht in dieses viel zu engstirnige Gesellschaftsbild. Hier müssen die Menschen in eine Schublade passen oder werden nicht akzeptiert. Auch wir erleben dies viel zu oft mit unserem Sohn. Das frustriert und macht auch wütend. Ich kann Dich gut verstehen. Auch ich habe oft geweint wegen unserem Sohn. Nicht weil er so ist wie er ist, nein, weil die Gesellschaft so ist wie sie ist. Man liebt doch sein Kind.... Doch das Kind wird nicht mit all seinen liebenswerten Eigenschaften gesehen, sondern auf sein "Handycap" reduziert.
Gerade in der Schule ist es unerwünscht, weil es den geregelten Ablauf der Klasse stört. "Alles muß man Ihrem Kind tausendmal erklären. Das kapiert der einfach nicht. Immer muß jemand neben ihm sitzen, sonst läuft gar nichts....."

So oder so ähnlich wird dann von den Lehrern berichtet. Und die Zeugnisse sehen auch nicht besser aus.
Als unser Sohn sein erstes Zeugnis bekam (er kommt jetzt in die 4. Klasse), fragte ich die Lehrerin, ob sie darin ein Monstrum beschreibt.....
Mittlerweile hab ich mich an diese Beurteilungen gewöhnt, was traurig genug ist.

Ich wollte Dir nur damit sagen: Du bist nicht allein. Wir hören Dir zu, wenn es Dir schlecht geht und wir wissen wie es Dir geht, weil es uns so oder so ähnlich auch geht oder gegangen ist.
Wenn es um unsere Kinder geht, haben wir Kraft. Auch wenn wir oft meinen sie wäre uns abhanden gekommen. Aber wir würden doch alle für unsere liebenswerten, so etwas anderen Kinder, durchs Feuer gehen. Auch wenn wir selber dabei verbrennen. Denn unsere Kinder sind einzigartig!!!!!!!!!!!!
Und es sind UNSERE Kinder.

Viel Mut und Kraft wünscht Dir von ganzem Herzen
Corinna

von Corinna - am 10.08.2001 13:50
Hallo Uschi, Fleuri, Anke, Simone, Hexe, Jana , Anke und Corinna

Ich möchte euch für die vielen guten und echt netten Antworten danken.
Danke !!!!
Ihr habt mir sehr geholfen, mit eurem Verständnis und aufmunternde Worte.
Heute geht es mir schon wieder besser, habe alles nochmals durchdacht und bin zu dem
Entschluß gekommen das ich mich nicht unterkriegen lassen darf, und umsonst war mein bisheriger Weg auch nicht. Zum Wohle meiner Familie werde ich mich nun nach einem
passenden Therapeuten für meinen Sohn umsehen.
Packen wir's an
In diesem Sinne
Claudia

von claudia - am 10.08.2001 19:32

JA! Weiter so!

Hallo Claudia,

so schlüpfen wir alle mal in die Rolle des Rennfahres (Aust Claus ADS Buch) und wird von den anderen am Straßenrand angefeuert. Und nun bist Du ja auch durch Anne, Bernhard und die anderen Fit.
Weiter so wir feuern Dich an. :-)))))

Daumen drückernder weise Uschi

von Uschi - am 10.08.2001 20:37
Claudia, kann Dir leider derzeit (aus eigenem Erfahren) nicht bestätigen, daß Kinder- und Jugendpsychiatrie nicht für unsere ADS-Kinder zuständig ist, wir sind z.Z. darauf angewiesen, auch von dort Hilfe zu erfahren - denke, egal was/wie Du entscheidest, Du handelst richtig, weil Du Dein Kind liebst und diejenige bist, die die Entscheidungen treffen muss -
bitte sage uns, wie es weitergeht bei Euch -
unsere Kinder haben ADS - sie sind ein Teil von uns...
alles Liebe: Fleurie

von Fleurie - am 11.08.2001 18:57
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