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ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
8
Erster Beitrag:
vor 15 Jahren, 11 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 15 Jahren, 11 Monaten
Beteiligte Autoren:
Monika, Dagmar, Gaby-Krönchen, Silvia01

mein Sohn, weiß jemand Rat?

Startbeitrag von Monika am 11.08.2001 19:15

Guten Tag an alle Eltern und Betroffenen,

auch ich habe diese Webseite von Planetopia erfahren und endlich mal Leute getroffen, denen es so oder ähnlich wie mir geht. Bei uns gibt es keine Selbsthilfegruppen in der Nähe, und ich fühlte mich immer allein.

Mein Sohn Oliver ist jetzt 14 und seit seinem 8. Lebensjahr ADS-HKS mit §35a diagnostiziert. Nach Langzeitdiangnostik in der Kinderpsychiatrie ist er auf eine Sonderschule mit Ausgleichklassen gekommen. Keine normale Schule wollte ihn mehr aufnehmen. Das ist eine Schule, die besonders ausgebildete Pädagogen haben, normalen Lernstoff vermitteln, aber nur max. 11 Schüler in einer Klasse sind. Diese Schulen sind die Endstation für Kinder, die mehrfach aus Schulen verwiesen wurden. Die meisten Kinder kommen aus sehr schlechtem Elternhaus und nur 5-10% sind ADS oder HKS Kinder. Ich bin der Meinung, daß das nicht die richtige Einrichtung ist. Aber es gibt keine andere Möglichkeit, überhaupt eine Schule zu finden.

Solange er noch auf eine normale Schule ging, konnte er an keiner Klassenfahrt oder sonstigen Unternehmungen teilnehmen, es sei denn, ich kam mit. Leider konnte mein Partner auch nicht mit ihm und seinen Besonderheiten umgehen, so daß ihm diese Jahre wohl noch mehr geschadet haben. Wir wohnen jetzt seit einigen Monaten allein und Oli fühlt sich zumindest zu Hause wieder wohl. Zwischen uns klappt es recht gut, aber die Zeit, in der er nicht zu Hause ist, kann ich nur schwer einschätzen. Oli ist trotz seiner Intelligenz schon 2 mal in der 6. geblieben und auch jetzt nur auf Grund seines Alters in die 7. überwiesen worden. Er geht einfach nicht in die Schule. Ob ich ihn fahre, oder er selbständig hinfährt, auch Schülertaxi, es hilft alles nichts. Morgens geht er aus dem Haus und kommt nicht in der Schule an. Selbst wenn er doch mal reingeht, bleibt er höchstens eine Stunde.

Seit er 14 ist, ist er auch vor dem Gesetz staftmündig. Vorher wußte er sehr genau, daß ihm keiner etwas anhaben kann und nutzte es aus. Er hat nicht lange gebraucht, bis es zur ersten Anzeige wegen Körperverletzung und tätlicher Widerstand gegen Vollzugsbeamte kam. Er hat das volle Programm genommen, mit Handschellen usw. Leider zieht Oli keine Lehren aus seinen Erfahrungen, wie "normale" Kinder. Er ist bei allen Problemen auch ein sehr liebevoller, sensibler Junge. Mir kommt es manchmal vor, als wohnen 2 Seelen in seinem Herz.

Meine Hoffnung und die seiner Psychiaterin, mit der Pupertät würde es besser werden und er wird ja auch reifer, hat sich nicht bestätigt. Ich fürchte, daß er kriminell wird und im schlimmsten Fall irgendwann in der "Geschlossenen" landet, wo er sicherlich keine gute Therapie haben wird. Oliver ist nicht der Meinung, daß er ein Problem hat. Die anderen haben es mit ihm. Er verweigert seit Monaten seine Medikamente (auch er nimmt seit 3 Jahren Ritalin, allerdings mit wenig Erfolg) und weder Therapie noch Arztbesuche nimmt er wahr. Wenn er etwas nicht für notwendig hält, tut er es nicht und weder mit Überreden, Druck oder sonstiges ist er dazu zu bringen. Je älter er wird, um so schwieriger wird es für mich, mit ihm "friedlich" um zu gehen, wenn er schon "geladen" ist. Jedes Wort muß überlegt werden, bevor ich es sage.

Es wäre echt schön, wenn ich zu dem/der einen oder anderen Betroffenen oder Eltern von unseren "besonderen" Kindern Kontakt bekommen würde. Nichtbetroffenen reagieren meist mit unmöglichen Bemerkungen. Ihr kennt sie alle.

Liebe Grüße und alles Gute

Moni

Antworten:

Hallo Monika,

ADS wächst sich wirklich nicht aus, manchmal wird die Hyperaktivität weniger. Und dumme Sachen machen viele unserer ADS'ler in der Pubertät. Um ihn hier zu stabilisieren, wäre es günstig, wenn du eine Verhaltenstherapie für ihn findest. So kann er lernen mit seiner Impulsivität umzugehen und auch das Sensation-Seeking, die Suche nach dem Kick wird dadurch etwas weniger.

Hast du eine Idee, warum das Ritalin nicht richtig wirkt? Stehst du der Behandlung skeptisch gegenüber? Wenn nicht, so könnte ein anderes Medikament besser wirken. Jugendlich bekommen häufig Medikamente, die ca. 8 Stunden wirken, so dass sie nur eine Dosis pro Tag einnehmen müssen. Frage mal die Ärztin danach.

Wegen der Schule. Welche Form der Sonderschule ist es denn? Wenn es eine Schule für Erziehungshilfe ist, ist es keine Einbahnstraße. Die Schüler können auf einer solchen Schule zumindest den Hauptschulabschluss machen und dann bei uns in Hessen über die Berufsfachschule weiter zur Schule gehen.
Wenn es sich um eine Schule für Lernhilfe handelt, dann solltet ihr mit den Lehrern reden, ob zum Ende des nächsten Schuljahres der Lerhilfebedarf aufzuheben, damit er auf einer Hauptschule den Hauptschulabschluss nachholen kann.

Viele Grüße
Dagmar
Elterngruppe Frankfurt


von Dagmar - am 11.08.2001 20:21
Hallo Monika,
*einmalliebindenarmnehmen*
Du hast es sicher nicht leicht und ich kann dir auch keinen vernünftigen Rat geben.
In dem Alter ist alles schwer.
Das von Dagmar ist ja ganz in Ordnung, aber wenn er Medi verweigert, nimmt er auch keine länger anhaltende. Und auf eine andere Schule wird wahrscheinlich auch nichts nützen, weil er ja Schulverweigerung macht.

Sag mal, hat denn Ritalin bei ihm gar nicht oder nur wenig angeschlagen, als er es noch nahm?
Vielleicht hätte er höher oder anders medikamentiert werden müssen.
Auch glaube ich, so hart es klingt, kaum, dass er eine VT machen wird. Es sei denn, das Jugendamt zwingt ihn dazu, wenn es die Möglichkeit hat. Er wird von sich aus denke ich auch verweigern.
Mein Großer ist jetzt fast 16 und eigentlich ganz lieb, behauptet zwar auch, er hätte kein ADS, aber manchmal ist es ganz offensichtlich. Er sollte auch eine machen, wollte aber nicht.
Ich habe noch zwei kleinere Kinder, die auch beide ADS haben und Ritalin nehmen. Der Kleine (9) hat jetzt eine Verhaltenstherapie angefangen und meine Tochter (11) hat eine Spielorientierte Psychotherapie hinter sich und macht jetzt bei der gleichen Therapeutin wie der Kleine eine Gruppentherapie mit 5 ADS-Kids zusammen. Über den Kleinen, ich habe auch ADS, schaffe ich jetzt, dass wir die Elterngespräche auch mal mit der ganzen Familie machen und der Große dann bei den Gesprächen dabei sein muß, obwohl er auch nicht will.

Ich weiß nicht, aber vieleicht hat das auch was mit Oppositionellem (?) Verhalten zu tun.

Schau mal bei www.hypies.de/add/falle.html nach. Vielleicht findest du da was. Da gibt es viele Praktiker-Tips.

Es wird bestimmt nicht leicht werden, was zu finden, worauf er anspricht, wenn er für nichts offen ist.

Ich wünsche dir viel Glück!

Liebe Grüße

Silvia
[www.hypies.de]


von Silvia01 - am 11.08.2001 22:13
Ja liebe Monika....ich auch einmal doll knuddeln dich...

Ich kann Dein Problem gut verstehen, auch mein Sohn jetzt 16 bestätigt sich mit oppositionellem Verhalten. Manchmal raste ich ganz schön aus..

von Gaby-Krönchen - am 12.08.2001 09:18
Hallo Silvia,

ich danke dir sehr für deine lieben Worte. Soll ich dir was sagen? Mir kamen die Tränen....
Noch nie habe ich mich verstanden gefühlt, und vielleicht geht es auch nicht so sehr darum, ob jemand raten kann. Es tut unheimlich gut, wenn jemand versteht, worüber man spricht. Nicht mal die beste Freundin kann das. Deshalb rede ich fast nie darüber, wovor ich Angst habe, oder welche Probleme mit Oli für mich die schlimmsten sind.

Ritalin hat er lange Zeit morgens eine genommen und soll nun 2 nehmen. Aber wie schon gesagt, er nimmt sie fast nie.

Du hast 3 Kinder, alle ADS und du auch? Woher weißt du, daß du es hast? Ich habe viele Beiträge gelesen, wo es auch der eine oder andere Elternteil hat. Ist es möglicher weise vererbbar? Es bringt mich auf den Gedanken, daß ich auch ein "Scheißkind" was, aber das hatte für mich immer andere Ursachen.

Eine Frage habe ich doch noch; wie geht dein Mann damit um?

Nochmals vielen Dank und alles Liebe für Euch

Moni

von Monika - am 12.08.2001 20:21
Hallo Dagmar,

Vielen Dank für deine lieben Zeilen. Es ist sehr schön, endlich Leute zu treffen, die verstehen, wovon geredet wird und ich fühle mich nicht mehr so allein.

Oliver nahm Dipepperon, bevor ich von Ritalin aus dem Fernsehen erfahren habe. Das Dipepperon hat meinen Oli völlig verändert. Er hat fast nur noch geschlafen, wurde wieder Bettnässer und war völlig apatisch. Es war nicht mehr mein Kind, zumal das Medikament abhängig machte. Von Ritalin wollte der Arzt nicht wissen. Ich habe dann den Arzt gewechselt und Oli von dem Dipepperon stufenweise weggebracht. Die neue Ärztin hat ihn gründlich untersucht, und gleich Ritalin veschrieben.

Allerdings ist Oli für sein Umwelt und für sich immer schlimmer geworden und ich mußte vom Jugendamt Erziehunghilfe in Anspruch nehmen. Er war 2 Jahre in einer Wohngruppe, nur am Wochenende und zu den Ferien zu Hause.

Er ist jetzt seit Februar wieder bei mir. Die Schule nennt sich "Schule mit Ausgleichklassen". Eine Schule für Erziehungshilfe ist mir nicht bekannt. Allerdings können die Kinder dort auch den Hauptschulabschluß machen, wenn sie denn in die Schule gehen. Bei Oli sieht es im Moment so aus, daß er nach diesem Schuljahr von der Schule abgehen wird. Ob er die jetzige Klasse schaffen wird ist unklar, daß heißt, seine Zukunft ist sehr ungewiss.

Solange er keinerlei Hilfe annimmt, kann ich machen was ich will. Ich werde immer für ihn da sein und meine Unterstützung anbieten. Allerdings werde ich die Anforderungen an ihn erhöhen. Wir haben für dieses Schuljahr vereinbart, daß er nur für die Tage Taschengeld bekommt, in denen er in der Schule war. Schafft er eine ganze Woche, gibt es einen Bonus. Mal sehen, vielleicht hilft es ja.

Danke nochmal, auch für die Hinweise

Viele Grüße auch an deine Familie

Moni

von Monika - am 12.08.2001 20:42
Hallo Monika,

ich sitze auch gerade am PC ;-)

Du hast ja wirklich schon viel mitmachen müssen. Ich finde es toll, wie du zu deinem Kind stehst.

Deine Taschengeldregelung für Schulbesuchstage klingt genial. Wirkt es denn? Ich drück dir fest die Daumen.

Zur Schule: Die beschriebene Form der Schule kenne ich nicht, kann dir leider nichts dazu sagen. Magst du schreiben, aus welchem Bundesland du kommst? Vielleicht kennt sich jemand anderes damit aus.
Jedoch sind die Kinder bis zum 18. Geburtstag schulpflichtig und zwar, wenn sie keine Lehre machen sogar vollzeitschulpflichtig. Du kannst dich also an dein zuständiges staatliches Schulamt wenden und sie müssen eine Schule suchen, die deinen Sohn aufnimmt. Diese muss in zumutbarer Entfernung sein. So kann dein Sohn evtl. dennoch seinen Hauptschulabschluss schaffen.
Bei uns in Hessen ist es so, dass wenn Jugendliche eine Ausbildung machen und sie die Prüfung bestehen, automatisch der Hauptschulabschluss gleichgestellt ist. Hat dein Sohn denn irgendwelche vielleicht handwerklichen Interessen mit denen du ihn zu einer Ausbildung locken kannst?

Du hast in nächster Zeit ja ziemlich viel zu bewältigen, denn so ein pubertierender ADS'ler ist oft schon ziemlich hammerhaft und kräfteverzehrend. Hättest du evtl. die Möglichkeit über die Jugendhilfe eine Erziehungsbeistandschaft zu erhalten, so dass du eine zusätzliche sorgende Person für deinen Sohn hast. Ich habe mir auch Hilfe gesucht für meine pubertierenden ADS'ler, denn so ganz alleine hätte ich es auch nicht geschafft.

Liebe Grüße
Dagmar
Elterngruppe Frankfurt


von Dagmar - am 12.08.2001 21:07
Liebe Gaby (auch ganz dolle knuddel dich),

vielen lieben Dank für deine Lieben Zeilen. Ich bin ganz gerührt und weiß gar nicht,was ich sagen soll. Es tut unheimlich gut, verstanden zu werden. Das hatte ich echt noch nicht.

Mit Oli habe ich auch eine ganz besondere Bindung, viele sagen Affenliebe dazu. Leider ist es so, daß nur wenige ihn dabei haben wollen, weil er eben so ist, wie er ist. Er macht es anderen anfangs sehr leicht, ihn zu mögen. Er ist überaus höflich und redegewant. Aber wehe jemand läßt seine Geldbörse sichtbar liegen... Das ist eines seiner größten Probleme. Ich habe immer mein Schlafzimmer verschlossen, mit Sicherheitsschloss. Leider kann ich ihm in dieser Beziehung nicht vertrauen, also versuche ich die Gelegenheiten zu vermindern. So kammen wir meistens gut klar.

Auch ich versuche so viel wie möglich mit Lob zu machen und raste selten mal aus. das ist in den letzten Monaten nur ein mal vorgekommen, er hatte die Wohnung völlig verwüstet. Da steht man da und weiß einfach nicht mehr weiter....

Ich habe ihn zum erstenmal ausgesperrt, und nicht mehr mit ihm geredet. Auch auf der Straße habe ich ihn nicht beachtet, er hat bei einem Freund geschlafen und erst nach Tagen und mehreren Versuchen von ihm, mich zu sprechen haben wir geredet. Es war gut, ihm zu sagen, daß ich auch das Recht habe, auf ihn sauer zu sein. Er kann nicht alles tun, und ich muß ihm nicht alles verzeihen. Seit dem klappt es wieder.

Geht es dir auch so, daß deiner nicht aus Erfahrungen lernt? Egal welcher art, ob angenehm oder nicht, Oli lernt nicht.

Vielleicht können wir öfter Kontakt haben? Ich würde mich freuen.

Viele liebe Grüße und alles Gute für euch

Moni

von Monika - am 12.08.2001 21:12
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