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Informationen zum Thema:
Forum:
ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
3
Erster Beitrag:
vor 15 Jahren, 11 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 15 Jahren, 11 Monaten
Beteiligte Autoren:
Carmen, Mimi, Cordula

Erste Anzeichen?

Startbeitrag von Cordula am 12.08.2001 21:00

Hallo,

im moment weis ich bei meinem Sohn (2) nicht mehr weiter. Und wenn ich mir das hier alles so durchlese kommt mir ein leiser Verdacht. Was sagt Ihr dazu?

Also als Baby war er so wie man´s am liebsten hat. Schlafen, essen, schlafen. Angefangen hat es ungefähr als er dann laufen konnte (mit 1 Jahr). Er kann sich kaum lange mit einer Sache beschäftigen. Spielzeug ist für ihn nur bedingt interessant (am liebsten Handys, Computer, halt alles mit Technik - und da läßt er sich auch nicht mit Spielzeugatrappen abspeisen). Am liebste hätte er es, wenn man ihn die ganze Zeit beschäftigt. Geht es nicht nach seiner Nase wird er wütend, schlägt. Jetzt wo er schon recht gut sprechen kann drück er seinen Unmut auch verbal aus. Und das tut manchmal ziemlich weh. Sagt man ihm er soll dies oder jenes tun oder nicht tun (egal ob in lieben Ton oder bösen) reagiert er gereitz und haut auch zu, manchmal auch einfach aus heiterem Himmel. Er kann keine fünf Minuten still sitzen. Ein Beispiel: Wir waren meine Schwester besuchen. In der Nähe gibt es einen super See, wo es auf Grund des tollen Wetters so ziemlich voll war. Ich habe es keine halbe Stunde dort mit ihm ausgehalten. Ich hatte noch nicht mal meine Decke entfaltet, da war er schon bei der nächsten Familie und klaute sich dort das Spielzeug. Als ich ihm dann sagte (erklärte) das macht man nicht, man muß schon vorher fragen (nicht alle sehen das ja locker), kam ein sehr verärgertes "Maamaa" und es wurde munter weiter gemacht. Beim 2., 3. und 4.. Alle Versuch ihn zu etwas anderem zu bewegen schlugen fehl. Die folge waren noch mehr "Maamaas" und Wut- Schreianfälle. Ziemlich peinlich an einem überfüllten Ort. Nach einer halben Stunde habe ich die schrägen Blicke nicht mehr ertragen und habe meine Sachen und das nun erst recht protestierende Kind gepackt. Und leider habe ich auch immer das Gefühl "nur mein Kind tut das". Was mir schon früher aufgefallen ist (bevor er laufen lernte), daß er beim Essen nicht stillsitzen konnten und immer noch nicht kann. Das nervt zum Beispiel die Erzieherinnen in der Kita, da er dadurch auch die anderen ablenkt. Oft ist er auch zu den "großen Kindern" agressiv. Macht ihnen gebautes kaput oder klaut ihnen das Spielzeug. Die regelrechte Katastrophe war unser Türkeiurlaub. Den haben wir mit zwölf Stunden laufen am Tag verbracht. Mal eine Sandburg bauen war unmöglich. Am Schluß kannten wir fast alle Eltern und Angestellten.

Sind das erste Anzeichen, oder ist mein Kleiner einfach nur ungezogen und ungeheuer lauffreudig? Manchmal frag ich mich, ob ich vielleicht in der Erziehung was verpatzt habe. Aber selbst meine Mam (ist seit 25 J Erzieherin) findet sein Verhalten schon ziemlich merkwürdig. Ich hoffe auf ehrliche Antworten und Tip´s. Danke! Cordula

Antworten:

Hallo Cordula,

in diesem Alter kann beim besten Willen noch niemand sagen, ob dein Kind mal ADS bekommt. Enormer Bewegungsdrang und grenzen austesten allein können auch ganz normal sein und Konzentrationsfähigkeit ist noch nicht viel zuerwarten.

Du könntest jetzt zu einer Erzihungsberatungsstelle gehen und dir Hilfe holen mit dem Kind umzugehen. Bei einem so kleinen Kind ist das wahrscheinlich die beste Lösung.

Du könntest auch lesen, was du zu ADS findest. Die Bücher von Cordula Neuhaus, das ADS-Buch und das Buch "Wackelpeter und trotzkpopf" enthalten massenhaft Erziehungstippe, die einem Kind ohne ADS auch nicht schaden können. Ich persönlich würde es trotzdem nicht tun und bis zum Beweis des Gegenteils daovn ausgehen, dass das Kind gesund ist. Es ist acuh stressig, sich auf eine Krankheit einzustellen, die das Kind wahrschinlich nie bekommt. Immerhin haben 95-99% aller Kinder kein ADS.

An eine Diagnose ist vor dem Kiga-Alter nicht zu denken. Selbst dann stellen sich noch viele Verdachtsdiagnosen später als falsch heraus, aber man kann schwer gestörten Kindern schon helfen. Eine halbwegs aussagekräftige Diagnose kann meistens erst nach der Einschulung gestellt werden.

von Mimi - am 12.08.2001 21:39

Re: Erste Anzeichen? Vorsicht lang!!!

Hallo Cordula,

so, wie Du die Situation beschreibst, denke ich schon, dass Euer Kleiner ADS/H haben könnte. Unser Großer ist jetzt 3 3/4 Jahre alt und bei ihm war es genauso. In Deinem Bericht kam es mir vor, als ob Du meinen Michael beschreibst... Bis zu einem Jahr das liebste Kind, solange er seine Mich und seine frische Windel hatte war er total glücklich und schon immer anderen Menschen gegenüber total aufgeschlossen (keine Fremdelphase usw.).

Dann, als er mit einem Jahr mobil wurde, ging der Stress los. Stillsitzen - undenkbar, konzentrieren oder spielen, sich selbst beschäftigen - keine Chance. Und immer nur wegrennen. Rennen, rennen, rennen... Wir wohnen mitten in der Stadt, vor der Haustür kommt der Gehweg und dann die Strasse. Ich könnte ihn NIE!!! allein die Treppen runter lassen, er wäre ohne zu schauen auf der Strasse. Wir haben sogar die Türschnalle abgebaut, da er schon einmal abgehauen und fast vor ein Auto gelaufen ist. Ich hab ihn dann im gegenüberliegenden Gasthaus wieder aufgesammelt...
Ich kann mit ihm über keinen Markt oder Kirmes gehen ohne ihn an der Hand zu halten und das will er auch nicht (mehr). Ich würde mich am Liebsten zu Hause einschliessen, damit ich nicht mehr unter Leute muss, da es dort eh immer nur dumme Blicke und unpassende Kommentare gibt.
Seit ca. einem halben Jahr weiss ich, dass er ADSH hat (Diagnose zwar gestellt, aber noch keine Tests gemacht).

Jetzt weiss ich zwar, dass ich in meiner Erziehung nicht versagt habe, dass es nicht meine/unsere Schuld ist, dass er so ist wie er ist, doch damit umgehen, mit der Krankheit selber, kann ich auch (noch) nicht. Ich muss noch viel lernen, vor allem selbst ruhiger zu werden. Im Moment bin ich nur noch das reinste Nervenbündel, zumal vor 4 Wochen unser 2. Sohn geboren wurde und ich für Michael jetzt fast keine Zeit mehr habe. Er ist total eifersüchtig obwohl ich versuche ihn überall mit einzubeziehen. Ich kann ihm wenn er mit dem Kleinen allein ist, keinen Meter über den Weg trauen...

Ich will Dich mit meinem Bericht um Gottes Willen nicht verunsichern oder schocken, ich denke einfach, dass es manchmal guttut, wenn man liest, dass es anderen genauso geht und man nicht ganz allein dasteht. Ich würde Dir auf jeden Fall raten, Deinen Kleinen so bald als möglich testen zu lassen. Das habe ich mit unserem auch vor. Er kommt in 4 Wochen zumindest für 1 Jahr in einen Förderkindergarten und bis dahin werde ich mal abwarten, wie er sich entwickelt (er hatte ja bisher kaum Kontakt zu anderen Kindern, da dies immer nur mit Stress pur verbunden war).
Falls ich aber sehe, dass es noch schlimmer mit ihm wird (er wird immer aggressiver, hört kaum noch, schimpft und schlägt mittlerweile teilweise zurück), werde ich auf jeden Fall sofort einen Psychologen aufsuchen (hab mich auch schon schlau gemacht, wo in unserer Nähe einer (ein Tauglicher) zu finden ist) und werde ihn dann testen und wenn nötig medikamentös einstellen lassen.

Ich denke, das ist für beide Seiten dann das Beste, da ich mit absoluter Sicherheit weiss, dass das Leben, so wie es im Moment ist (mein Mann macht noch bis Winter nächstes Jahr eine Umschulung, das neue Baby, und unser hyperaktiver Michael) nicht so weiter gehen kann. Sonst geh ich kaputt.

Ich wünsche Dir und Deiner Familie auf jeden Fall alles Gute, viel Geduld und sehr starke Nerven (stärkere, wie ich sie im Moment habe...). Und versuch in den schlimmen Situationen einfach seine positiven Seiten zu sehen! Er macht es ja nicht mit Absicht.

Danke an alle, die mir zugehört haben, es tut manchmal so richtig gut, sich "auszusprechen". Und sorry, weil´ so lang war...

Eine auf ruhigere Zeiten hoffende Mutter

Carmen

von Carmen - am 13.08.2001 19:57
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