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ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
4
Erster Beitrag:
vor 15 Jahren, 11 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 15 Jahren, 11 Monaten
Beteiligte Autoren:
Dagmar, Beate Mahr, Doris

Strafarbeiten, Kollektivstraften und Nettigkeiten der Schulen

Startbeitrag von Doris am 14.08.2001 17:03

Hallo,

ich gebe hier ma einen Link für die Rheinland-Pfälzer an.

Es ist die Seite des Landeselternbeirates, dort kann man sehr viele Infos abrufen! Ein Lob an die Macher.

Auch die Schulgesetze sind dort als Dateien zum Abruf bereit.

[leb.bildung-rp.de]


Aber damit ihr die heute aufgekommenen Fragen zu Strafarbeiten und Kollektivstrafen gleich lesen könnt, hier der Auszug aus der Grundschulordnung:
__________________________________________________
Elfter Abschnitt: Störung der Ordnung
§57 Verstöße gegen die Ordnung in der Schule
(1) Es gehört zu den erzieherischen Aufgaben des Lehrers, die Notwendigkeit und Funktion von Ordnungsregelungen einsichtig zu machen und so dazu beizutragen, dass der Schüler die Ordnung in der Schule bejaht und danach handelt.

(2) Bei Verstößen gegen die Ordnung in der Schule können Ordnungsmaßnahmen ausgesprochen werden.

(3) Verstöße gegen die Ordnung in der Schule liegen insbesondere vor bei Störungen des Unterrichtes oder sonstiger Schulveranstaltungen, bei Verletzungen der Teilnahmepflicht, bei Handlungen, die das Zusammenleben in der Schule oder die Sicherheit der Schule oder der am Schulleben Beteiligten gefährden, sowie bei Verletzung der Schulordnung und der Hausordnung.

§58 Anwendung von Ordnungsmaßnahmen
(1) Ordnungsmaßnahmen können nur ausgesprochen werden, wenn andere erzieherische Einwirkungen nicht ausreichen. Als erzieherische Einwirkungen kommen insbesondere in Betracht: Gespräch, Tadel, Verpflichtung zur Wiedergutmachung angerichteten Schadens, Nacharbeiten von Versäumtem, Entschuldigung für zugefügtes Unrecht und Überweisung in eine andere Klasse der Schule.

(2) Ordnungsmaßnahmen müssen von erzieherischen Gesichtspunkten bestimmt sein und in angemessenem Verhältnis zur Schwere des Ordnungsverstoßes stehen.

(3) Ordnungsmaßnahmen für ganze Gruppen sind nur zulässig, wenn jeder einzelne Schüler der Gruppe sich ordnungswidrig verhalten hat.

(4) In besonderen Fällen unterrichtet die Schule das Jugendamt. Die Eltern des Schülers sind vorher zu hören.

§59 Maßnahmenkatalog
Es können folgende Ordnungsmaßnahmen getroffen werden:

Untersagung der Teilnahme am Unterricht der laufenden Unterrichtsstunde durch den unterrichtenden Lehrer,
schriftlicher Verweis durch den Schulleiter,
Untersagung der Teilnahme am Unterricht des laufenden Unterrichtstages oder an sonstigen, bis zu einwöchigen Schulveranstaltungen durch den Schulleiter,
Untersagung der Teilnahme am Unterricht bis zu drei vollen Unterrichtstagen durch die Klassenkonferenz im Einvernehmen mit dem Schulleiter.
§60 Verfahrensbestimmungen
(1) Die Ordnungsmaßnahmen können mit einer erzieherischen Einwirkung im Sinne von §58 Abs. 1 verbunden werden.

(2) Bevor eine Ordnungsmaßnahme ausgesprochen wird, ist der Schüler zu hören. Die Ordnungsmaßnahme ist zu begründen. Sie wird den Eltern schriftlich mitgeteilt und in den den Schüler betreffenden Unterlagen der Schule vermerkt.

(3) In den Fällen des §59 Nr. 4 und der Untersagung der Teilnahme an sonstigen Schulveranstaltungen sind die Eltern und auf Wunsch des Schülers ein Beistand zu hören. Als Beistand können der Schule angehörende Lehrer oder Schüler sowie Eltern von Schülern gewählt werden.

(4) Der Schulleiter kann zur Sicherung der Unterrichts- und Erziehungsarbeit Ordnungsmaßnahmen gemäß §59 Nr. 4 vorläufig anordnen. Bei sonstigen Schulveranstaltungen kann ihr Leiter vorläufig die Untersagung der Teilnahme anordnen, wenn die Entscheidung des Schulleiters nach §59 Nr. 3 nicht rechtzeitig herbeigeführt werden kann. Der Schüler ist vor der Anordnung zu hören. Die Eltern sind von der Ordnungsmaßnahme zu unterrichten.
___________________________________________________

Ihr seht also, es sind Kollektivstrafen nicht erlaubt, es sei denn, die ganze Klasse hat mitgemacht.

Von Strafarbeiten oder Nachsitzen kann ich gar nichts finden.

Das ist leider vielen Eltern unbekannt.

Im übrigen sind die Bestimmungen für alle Schularten und sogar in allen Bundesländern ähnlich geartet.

Wer noch fragen hat, kann sich ja bei mir melden.

Schließlich bin ich ja nicht umsonst Verwaltungsbeamtin.

Denn viele Direktoren und leider auch Lehrer verhängen Strafen, die nicht so ganz mit den Vorschriften übereinstimmen.

Nachsitzen ist im übrigen nur erlaubt, wenn Unterricht schuldhaft versäumt wurde (war mal bei www.ratgeber-recht.de zu finden).

Doris

Antworten:

Hallo Doris,

Nachsitzen und Strafarbeiten gehören nicht zu den Ordnungsmaßnahmen, sondern zu den pädagogischen Maßnahmen.

Viele Grüße
Dagmar
Elterngruppe Frankfurt


von Dagmar - am 14.08.2001 18:10

Re: Strafarbeiten - - an Dagmar

Hallo Dagmar,

also wenn es päd. Maßnahmen sind - - - - dann sollten sie doch sinnvoll sein - - - oder????????

Aber welche ??????

Was machtst du ( würdest ) in so einem Fall??????

Gruß
Beate

Das schrubben der Toilette , wenn man sie beschmiert hat finde ich gut

von Beate Mahr - am 14.08.2001 18:33

Re: Strafarbeiten - - an Dagmar

Hallo Beate,

ganz genau, sinnvoll müssen sie sein und das ist dieses Abschreiben sicherlich nicht. Aber bevor man nun wutentbrannt zum Lehrer geht (sage ich jetzt ganz allgemein), sollte man sich immer mal überlegen, wie hätte ich da reagiert? Und mache ich immer zu Hause in meinem Einflussbereich, wo ich kompetent bin alles richtig?
Wenn man sich diese Fragen beantwortet hat, dann geht man nicht mehr so wütend, sondern eher Lösungen suchend in das Gespräch. Das wird nun auf jeden Fall effektiver. Und das ist doch unser eigentliches Ziel.

Was würde ich machen? Auf jeden Fall auch sofort reagieren und nicht labern und zusehen. Ich würde den Kids erklären, warum sie im Klassenraum bleiben müssen. (Nützt aber in der Erfahrung gar nichts).
Ich rede noch mal mit der ganzen Klasse und bitte die Schüler sich gegenseitig zu erinnern. So bekommt man die Mitläufer, aber nicht den "harten" Kern.
Nächster Schritt, ich schnappe mir die, die ich draußen erwische und sage ihnen noch mal, dass sie gegenseitig auf sich aufpassen sollen. Teile die Kids in Zweiergruppen ein, zum gegenseitig aufpassen. Das fängt aber immer noch nicht alle Kids auf.
Nun mache ich ein Klassengespräch, wo ich ankündige, dass wer die Pause wieder rausgeht, die nächste große Pause erst 5 Min später rausdarf. Das kann ich natürlich nur durchziehen, wenn ich kein Gespräch mit Kollegen habe, keine Kurzkonferenz in der Pause oder keine Aufsicht. Nun müssen die Schüler diese 5 Min. aber irgendetwas arbeiten, was sie partout nicht mögen, denn die Schüler empfinden es erst mal als Belohnung nicht raus zu müssen, auch die Hypies.
Und wenn das nichts nützt, dann gibt es einen Brief nach Hause, denn mehr Mittel habe ich als Lehrerin nicht. Formal darf ich nämlich wegen dieses Grundes nicht Nachsitzen lassen.
Und wenn die Eltern nicht mitziehen und darauf bestehen, dass sich ihre Kinder auch in der Schule an die geltenden Regeln halten, hat man in dem Moment als Lehrer ausgespielt. Man hat effektiv keine Handhabe mehr.
Nun greifen die Ordnungsmaßnahmen, das bedeutet, die Eltern bekommen Briefe bis hin zu Missbilligungen. Die ereifern sich dann meistens und sagen, wegen so einer Kleinigkeit... Jedoch andere Möglichkeiten hat ein Lehrer nicht.
- Er kann mit dem Schüler reden und auf Einsicht hoffen,
- Er kann sich von den Eltern eine inhaltliche Unterstützung wünschen
- Er kann Briefe schreiben. Mehr geht nicht.

Naja, und mit meinen Reaktionen in der Schule ist es genauso wie zu Hause. In vielen Situationen kann ich überlegt handeln, es gibt aber auch Situationen, wo es schnell gehen muss oder wo ich einfach nicht gut drauf bin. Dann sind die Maßnahmen eher nicht mehr pädagogisch sondern einfach nur menschlich, das sind sie zu Hause dann auch.

Viele Grüße
Dagmar
Elterngruppe Frankfurt


von Dagmar - am 14.08.2001 20:06
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