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Informationen zum Thema:
Forum:
ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
6
Erster Beitrag:
vor 15 Jahren, 11 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 15 Jahren, 11 Monaten
Beteiligte Autoren:
Brigitte, anne05, Michaela#, Bettina, Silvia01, Franziska

Könnt Ihr mir vielleicht helfen ?

Startbeitrag von Franziska am 15.08.2001 16:56

Hallo,

ich habe zur Zeit mit meinem 3jährigen Sohn echte Probleme und bin mir nicht mehr sicher ob ich sie alleine lösen kann oder mir Hilfe holen soll. Er ist von Geburt an ein sehr lebhaftes Kind, hat in den ersten Monaten viel geweint und wollte dann immer beschäftigt werden. Er ist jetzt seit 2 Jahren in einer Kindergruppe. Er spricht schon sehr lange sehr gut, ist auch ansonsten absolut fit. Er ist sehr lebhaft und somit auch anstrengend. Er kann sich aber auch gut alleine beschäftigen und konzentriert spielen. In der Kindergruppe klappte es bis vor kurzem auch gut. Er ist zwar ziemlich trotzig, aber damit ist er nicht alleine.

Ja, was ist jetzt los. Er spielt seit einiger Zeit nur noch agrresive Sachen. Nur noch mit Stöcken und Gewehren (Fantasiedinge), es wird nur noch getötet und geschossen. Dabei ist er total laut und schreit wie ein Irrer. Wenn wir wohin kommen wo andere Kinder sind, fängt er sofort damit an, hört auch nicht mehr auf mich, wenn ein Kind nicht mitmachen will schreit er es total laut an. Er ist immer der Anführer, alle sollen auf ihn hören. Das geht meistens eine Weile, erst dann ist er fähig normal zu spielen. Oder er macht grundsätzlich erstmal Dinge mit denen er auffällt, schmeißt was in die Ecke, tritt darauf herum, alles Sachen wo er genau weiß, daß es nicht in Ordnung ist. Wenn die Kinder nicht mitmachen wollen, kann es schon auch vorkommen, daß er mal hinhaut.

Das alles entwickelt sich gerade so und ich finde es echt nicht mehr schön. Ich trau mich ja kaum noch wohin mit ihm. Ich bin immer in Hochspannung bis er sich einigermaßen normalisiert hat. Auch hab ich das Gef+ühl, daß alle anderen Kinder völlig normal sind und meiner rastet total aus.

Warum ? Liegt es an mir ? die Erzieher finden es normal, er suche seinen Platz in der Gruppe neu. Ich finde es belastend und fühl mich total unwohl dabei.
Daheim gehts soweit ganz gut, als bräuchte er sich da nicht zu behaupten.

Geht das Verhalten in Richtung Hyperaktivität, soll ich mich mal beraten lassen ?
Wäre schön, wenn ihr mir helfen könnt.
Danke
Franziska

Antworten:

Hallo Franziska,

das Verhalten deines Sohnes geht schon in Richtung Hyper, aber mit 3 Jahren ist es äußerst schwierig, eine Diagnose zu stellen.
Es könnte schon sein, dass er in dem Alter ist, sich erstmal behaupten zu müssen. Vielleicht hat er auch in deiner Abwesenheit mal einen Film gesehen, der für sein Alter nichts ist, wo es nur um "Ballerei" ging.
Vieleicht gab es auch Veränderungen in der Familie, die ihm zu schaffen machen, die für euch aber so nebensächlich und unscheinbar waren/sind, dass ihr darauf gar nicht kommt.
Wobei bei vielen von uns denke ich der Leidensweg schon so ähnlich angefangen hat.

Aus welcher Gegend kommst du denn?
Schau doch mal in der Forumsübersicht nach Ärzten in deiner Nähe, die sich mit ADS auskennen und stelle ihn dort einfach mal vor.
Schaden kann es nicht, ihn so früh vorzustellen, selbst wenn keine eindeutige Diagnose gestellt werden könnte, existieren schon mal für später vielleicht irgendwelche Voruntersuchungen. Und sei es nur ein evtl. auffälliges EEG und die Beurteilung, dass das Kind in dem Alter schon sehr lebhaft und aggressiv war.

Vielleicht gibt es hier im Forum ja auch noch andere, die Arzt-Erfahrungen mit so jungen Kids haben.

Liebe Grüße

Silvia

von Silvia01 - am 15.08.2001 20:22
Liebe Franziska,
unser Sohn (4) hat auch schon sehr früh ein ähnlich auffälliges Verhalten an den Tag gelegt. Er ist zwar nicht der "Anführertyp", sondern ein richtiger "Mitläufer", aber ansonsten war`s schon immer das Gleiche. Mit drei waren bei ihm verschiedene Dinge besonders auffällig: Die motorische Unruhe, die Unfähigkeit,
sich und seine Handlungen zu steuern, sich nicht ausdauernd alleine beschäftigen können (außer mit so Dingen wie ganze Toilettenpapierrollen abwickeln, unbemerkt mit einer Schere viele Löcher in eine Gardine schneiden, Glühbirnen "austauschen", Rollos herauf- und herunterzufahren etc....), sein auffallend trotziges (die Ergotherapeutin nannte es in dem Alter bereits oppositionell) Verhalten, manchmal völliges "Abdrehen", fast hysterisch, seine Unmotiviertheit beim Spielen, z.B. einfach nur sämtliche Spielzeuge aus den Kisten auf einen Haufen schütten und dann blitzartig mit den Füßen verteilen etc. Ich könnte unzählige Beispiele nennen, die mir das Leben bis heute oft verdammt schwer machen! Da bei ihm noch motorische Entwicklungsverzögerungen hinzukommen, hat uns die Kinderärztin ab ca. seinem 3. Lebensjahr Ergo verschrieben. Seitdem ich vor einiger Zeit bei einem Kinderarzt-Besuch völlig zusammengebrochen bin und mich mal richtig über ihn "ausgekotzt" habe, bekommen wir über die Frühförderstelle eine Spieltherapie. Jetzt läuft die ADS/H-Diagnostik. Hätte ich vielleicht noch nicht gemacht, aber die Therapeutin hat mich sehr darin bestärkt.
Ich meine schon, daß man in diesem Alter, in dem euer Kind ist, die Sache bereits etwas einschätzen kann. Ich würde mich zunächst um Ergo bemühen, eventuell auch über die Frühförderung gehen. Hat mir sehr geholfen, denn da hat man auch für mich und meine Sorgen ein offenes Ohr. Ich kann mich da auch mal ausheulen und die sprechen auch mit dem Kiga. Und stärken mich, denn ich habe mich bereits auch ziemlich zurückgezogen, weil man mit ihm fast nirgends hingehen kann, ohne aufzufallen.
Alles Gute!
Bettina

von Bettina - am 15.08.2001 21:17
Hallo Franziska,
nach dem, was du schreibst, kann es vielleicht auch sein, dass er mit seinen Altersgenossen unterfordert ist und deshalb den Kasper macht. Du schreibst, dass sein Verhalten sich total verändert hat, und das ist nicht typisch ADS, bei denen ist meist eine Entwicklung von kleinen Absonderlichkeiten bis zu den größeren Problemen. Vielleicht liegt euer Problem auch in einer Hochbegabung.
Viele Grüße
Michaela

von Michaela# - am 16.08.2001 06:50
Liebe Franziska,
es ist natürlich total schwer, a) bei so einem kleinen Kind und b) aus der Entfernung einzuschätzen, ob dein Kind ein Hypie sein könnte oder nicht. Was mich stutzig macht, ist die "plötzliche" Wesensveränderung. Das spricht eigentlich eher dagegen. Bei unserem Sohn waren die Verhaltensprobleme vom ersten Tag in der Kindergruppe an da. Ich würde an deiner Stelle noch nicht unbedingt zum Arzt gehen, sondern erstmal die einschlägigen Bücher lesen (siehe Literaturliste) und die darin beschriebenen Erziehungstipps umsetzen. Ich denke, dann hast du eine gute Chance, das in den Griff zu kriegen. Wichtig ist: er muss genau wissen, welche Erwartungen du an ihn hast, was ok ist und was nicht. Und sofort, wenn das unerwünschte Verhalten auftritt, muss die (vorher abgesprochene ) Konsequenz eintreten! Und das solange, bis er das Verhalten abstellen kann. Wenn du in der Gruppensituation dabei bist, z.B. beim ersten Auftreten des Verhaltens 10 Minuten mit ihm vor die Tür gehen, dann darf er wieder mitspielen. Beim zweiten Mal geht Ihr nach Hause. Nur als Beispiel. Erst, wenn du wirklich trotz dieser Massnahmen keine Fortschritte siehst und das Gefühl hast, er schafft das einfach nicht, würde ich den Arztbesuch anvisieren.

von Brigitte - am 16.08.2001 08:47
Hallo Franziska,

Deinen Sohn so aus der Ferne einzuschätzen, ist sehr schwer.
Aber das, was Du beschreibst ... könnte auch in eine ganz andere Richtung gehen.
Ein Kind, das sich immer als "Anführer" sieht, das sich alleine beschäftigen kann und dann sehr konzentriert spielt ... ist vielleicht unterfordert.

Du kannst Dich vielleicht mal ein wenig auf meiner homepage "Eigen-Sinn" umsehen ... dort geht es um hochbegabte Kinder mit ADS... (den Link findest Du unten).

Vielleicht hilft Dir das etwas weiter ... wenn Du Fragen hast, kannst Du mich gerne anmailen.

Lieber Gruß
Anne05
Eigen-Sinn - Seiten für hochbegabte Kinder mit ADS


von anne05 - am 16.08.2001 09:47
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