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ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
2
Erster Beitrag:
vor 15 Jahren, 11 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 15 Jahren, 11 Monaten
Beteiligte Autoren:
Corinna, Wally

Zeitungartikel aus der Stuttgarter Zeitung

Startbeitrag von Wally am 15.08.2001 19:24

Heute, 15.08., stand in in der Stuttarter Zeitung auf der Seite "Internet - Computer - Kommunikation" folgender Kommentar (ohne jeden Zusammenhang):





Artikel aus der
Stuttgarter Zeitung
vom 15.08.2001

Konzentration ist konservativ
PETER GLASEREine Mischung aus Konzentrationsstörung und chronischer Aufgekratztheit macht Karriereals Zivilisationskrankheit. Besonders betroffen sind Kinder.

1994 erschien das erste Werbebanner im Internet. Zur selben Zeit verbreiteten sich ein neues Spiel und eine neue Krankheit. Das Spiel hieß Myst, die Krankheit ADD. Wenn Neulinge damals ins Internet geführt wurden, hörte man oft die Frage: "Hast du Myst gespielt?'' Manche spazierten mit der Maus tagelang durch die stimmungsvollen Szenarios des Spiels, ohne eigentlich zu spielen. Wer Myst draufhatte, hatte auch das Netz drauf.

Und das Netz lieferte Daten aller Art in unvorstellbarer Menge direkt auf jedermanns Schreibtisch. Nicht jedem gelang es, die digitale Springflut an sich abperlen zu lassen. Einige hörten auf zu finden und wollten nur noch suchen. Sich auf etwas zu konzentrieren galt als konservativ. Das Neue war fortwährendes Fließen.

Manche Menschen wurden kirre, eine Elektronenwolke an den Grenzflächen zwischen virtueller und realer Welt. Ursprünglich war ADD - Attention Deficit Disorder - als eine neue Verhaltensstörung bei Kindern beobachtet worden, die Symptome: Unkonzentriertheit, Sprunghaftigkeit, Hyperaktivität. Nun schien sich der Aufmerksamkeitskollaps auch bei jungen Erwachsenen auszubreiten, deren ruhender Kern von den beschleunigten Datenströmen im Netz atomisiert wurde. ADD - die Krankheit des Informationszeitalters?

Zehn Jahre später haben die Erwachsenen das Problem im Griff. Das Internet kann noch so hüpfen und blinken, der Nutzer greift auf sein vom Fernsehen bewährtes Medienphlegma zurück. Kinder jedoch sind noch nicht ausgerüstet mit solchen antrainierten Reflexen. Inzwischen ist ADD, grauenhaft eingedeutscht mit Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom, auch hier zu Lande ein heißes Thema. Wobei sich die Kontroverse weniger an der Frage nach den Ursachen entzündet als an der Bekämpfung der Symptome. Schon dreijährigen Kindern wird das Psychopharmakum Ritalin verabreicht, damit sie aufhören zu hippeln. Klingt so die Melodie des Fortschritts: erst rasante technologische Entwicklung und dann im Kontrapunkt die chemische Anpassung an die neuen Bedingungen?

Es ist nicht nur Konzentrationsmangel, der Kinder unruhig werden und Eltern zur Psychopille greifen lässt. Ein Diplompsychologe berichtet von vielen Familien, die ihm in seiner Praxis begegnet sind, "in denen es Kindern nicht möglich war, ihre natürlichen emotionalen und körperlichen Spannungen zu lösen''. Es gibt keine Schreimaschine, keine technische Lösung für das Problem. Stattdessen kann man einfach rausrennen mit seinen Kindern und toben, singen und außer Atem geraten. Das löst.

E-Mail an den Autor: p.glaser@stz.zgs.de


Was soll man dazu sagen?

Dazu passt auch noch gleich ein Erlebnis, das ich heute hatte:
In der Sammelumkleidekabine im Freibad war heute eine junge Frau mit zwei kleinen Kindern (ca. 3 und 5 Jahre alt). Die Kinder waren sehr quirlig, zwei richtige kleine Derwische, vor allem der kleinere Junge. Sobald die Mutter sich mit der Schwester befasste, entwischte er unter der (unten ca. 30 cm offenen) Abtrennwand ins Schwimmbad und sprang offensichtlich auch ins Becken, obwohl er nicht schwimmen konnte und seine Schwimmflügel an hatte. Die Mutter konnte gar nicht so schnell gucken, wie er wieder weg war, mal zur einen, mal zur anderen Seite. Als sie dann endlich fertig und ins Bad gegangen waren, meinte eine andere Besucherin, eine ältere Dame, man hätte das Kind vielleicht auf den Arm nehmen und festhalten sollen, um der Mutter zu helfen, aber sie habe sich nicht getraut. Daraufhin meinte eine andere, ebenfalls etwas ältere Frau, sie habe auch zwei Kinder gehabt und sei mit ihnen fertig geworden, aber heute würden die Kinder ja nicht mehr erzogen und dürften alles, auch wenn andere dadurch belästigt würden. Ich versuchte, ihr zu erklären, dass die einzelnen Kinder auch unterschiedlich seien, und eben nicht jedes Kind so ruhig und einsichtig sei. Das liess sie überhaupt nicht gelten mit der Begründung, da beide Kinder so quirlig gewesen seien, müsse es eben an der Erziehung liegen. Basta.

Gruss wally

Antworten:

Zu den Bemerkungen hätte noch der Satz gefehlt:
"Denen gehört mal richtig der Hintern versohlt...."

Das ist nämlich auch ein sehr beliebter Spruch der Gesellschaft in solchen Situationen.
Und gerade solche Zeitungsartikel bestätigen diese Gedanken und Meinungen noch. ADS ist doch kein Erziehungsproblem. Aber diese "netten" ( ironisch gemeint ) Artikel sind doch für diese Leute ein gefundenes Fressen.

Da platzt einem doch der Kragen!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

wütender weise Corinna

von Corinna - am 15.08.2001 20:50
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