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ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
6
Erster Beitrag:
vor 15 Jahren, 9 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 15 Jahren, 9 Monaten
Beteiligte Autoren:
Heidi S., PetraT, Mimi, Doris, Birgit R.

Artikel Rheinpfalz

Startbeitrag von Heidi S. am 16.08.2001 14:18

Missbrauch von Arzneien für hyperaktive Kinder?

gelesen in der Rheinpfalz vom 16.08.01
Das Bundesgesundheitsministerium hat vor falscher Anwendung von Medikamenten für hyperaktive Kinder gewarnt und angekündigt, den Gebrauch dieser Arzneimittel (Ritalin und Medikinet) zu überprüfen.
Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marion Caspers-Merk, erklärte gestern, da der Verbrauch von Medikamenten mit dem Wirkstoff Methylphenidat in den vergangenen Jahren stark zugenommen habe, könne ein schädlicher Missbrauch dieser Arzneimittel nicht mehr ausgeschlossen werden.

Kommentar:
Es werden ja auch immer mehr Kinder (zum Glück) auf ADS diagnostiziert, dadurch werden auch vermehrt Medikamente verschrieben, logo, oder?

Hat jemand schon mehr darüber gehört?
Gruß an alle!

Heidi S.

Antworten:

Hallo Heidi,

Frau Caspers-Merk hat schon in einigen Zeitungartikeln ihre Ablehnung zum Medikament "Ritalin" zur Kenntniss gebracht.
Ich habe ihr auch schon unsere positiven Erfahrungen mit dem Medikament mitgeteilt, aber sie kann anscheinend nicht akzeptieren, dass inzwischen viele Kinder mit ADS diagnostiziert und auch behandelt werden.
Ihre Antwort an mich werde ich hiermit weiterleiten.

Liebe Grüße
Birgit R.

von Birgit R. - am 16.08.2001 14:41
Hallo,

ich habe mich über den Artikel heute morgen gleich als erstes aufgeregt.

Bevor ich aber platzte, habe ich mir die Pressemitteilung im Original auf der Webseite des Gesundheitsministeriums angesehen.

Die Rheinpfalz sollte sich einmal angewöhnen, nicht alles aus dem Zusammenhang zu reißen.

Hier die Pressemitteilung des Gesundheitsministeriums:
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Pressemitteilung Nr. 12
15. August 2001

Verbrauch von Arzneimitteln für hyperaktive Kinder gibt Anlass zur Besorgnis - Untersuchungen laufen bereits


Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marion Caspers-Merk, ist über die Verbrauchsentwicklung von Methylphenidat (Ritalin®, Medikinet®) besorgt. Es handelt sich hierbei um ein Betäubungsmittel, dass vor allem Kindern und Jugendlichen mit dem sogenannten Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom (ADS-Syndrom) verschrieben wird. Seit 1994 hat sich der Verbrauch mehr als verzehnfacht. Allein im Jahr 2000 hat er sich gegenüber dem Vorjahr verdoppelt.

Diese Entwicklung ist einerseits zweifellos auf Fortschritte in der Therapie des ADS-Syndrom zurückzuführen, die grundsätzlich zu begrüßen sind. Andererseits häufen sich aber die Hinweise, dass Methylphenidat nicht immer nach dem Stand der medizinischen Wissenschaft eingesetzt wird, so dass ein schädlicher Missbrauch dieses hochwirksamen Arzneimittels nicht ausgeschlossen werden kann. Gerade darauf hat die Drogenbeauftragte der Bundesregierung bereits in verschiedenen Stellungnahmen hingewiesen, um die Öffentlichkeit zu sensibilisieren. Auch das Internationale Suchtstoff-Kontrollamt in Wien hat in seinem letzten Jahresbericht auf diese Problematik aufmerksam gemacht.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung erklärt hierzu: "Ich appelliere an die Ärzte und die Eltern, Arzneimittel mit Methylphenidat nur nach sorgfältiger Diagnose und nur im Rahmen eines umfassenden medizinischen Behandlungskonzeptes anzuwenden, das auch die Beratung der Eltern sowie psychotherapeutische und psychosoziale Behandlungs- und Betreuungs-Maßnahmen für die jungen Patienten einbezieht."

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung begrüßt, dass das Bundesministerium für Gesundheit bereits im Mai 2001 erste Untersuchungen über die Verbrauchsentwicklung veranlasst hat. Noch im 2. Halbjahr sollen die Ergebnisse in einem Expertengespräch bewertet werden. Danach wird zu entscheiden sein, ob über die bereits geltenden Regelungen des Betäubungsmittelrechts hinaus weitere Maßnahmen zur Qualitätssicherung beim Einsatz von Methylphenidat erforderlich sind.
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So negativ ist dieser Bericht dann doch wieder nicht.

Außerdem wird doch auch klargestellt, was wir immer sagen:

Ordentliche Diagnose und umfassendes Behandlungskonzept


Mir kommen als Ansprechpartnerin der SHG in Neustadt immer öfter Fälle zu Ohren, in denen die Eltern sich unsicher sind, weil sie die Diagnose für nicht ausreichend halten.

So rief vor kurzem eine Mutter an, die gleich beim 2. Besuch das Medikament hatte. Es fand aber (ich habe nachgefragt) außer einer körperlichen Untersuchung (aber kein EEG), keine Testung statt. Nur ein kurzes Gespräch mit der Mutter.

Die Frau hat nun zwar das Ritalin, ist mit Recht unzufrieden und will eine ordentliche Diagnose.

Außerdem wurden keine anderen Therapien in Aussicht gestellt.

Wir dürfen also nicht immer nur von unseren Ärzten ausgehen, denn wir sind schon fast Profis,die wissen worauf es ankommt.

Wie viele Eltern haben denn kein Internet? Wieviele Ärzte empfehlen den Eltern keine Bücher (meine Ärztin verlangt, dass sich die Eltern informieren - wichtig)?

Ich gehe langsam nicht mehr davon aus, dass alle Ärzte wirklich so professionel vorgehen, wie es sein müsste.

Selbst wenn die "schwarzen Schafe" nur 5% ausmachen, dann sind das viele Ärzte.

Viele Eltern haben nämlich keine großen, qualifizierten Zentren in der Nähe und sind auf ortsansässige Ärzte angewiesen.

Wie schon erwähnt, ich kenne inzwischen in Neustadt mindestens 5 Fälle, in denen keine so umfangreiche Diagnose lief wie bei meiner Tochter.

Meist gab es das Rezept nach dem 1. oder 2. Mal.
Das sind aber nur Eltern, die von unserer Gruppe wissen.

Vielleicht sollten wir der Drogenbeauftragten mal unsere Vorschläge unterbreiten.

Schließlich sind wir ja auch Experten. Denn nur so können die negativen Schlagzeilen aufhören.

Es muss dafür gesorgt werden, dass ein Standard eingehalten wird bei der Diagnose.

Da könnte man z.B. bestimmte Untersuchungen und Tests vorschreiben.

Doris

von Doris - am 16.08.2001 16:04
Hallo,

ehrlich gesagt: So schlimm finde ich da gar nicht.

Im augenblick sagt die Frau, dass Ritalin nicht als einzige Therapie und nicht ohne Begleittherapie verordnet werden soll. In Schleswig-Holstein sollen Diagnosen überprüft werden, der Rest ist ein unverbindlicher Appell an Elten und Ärzte. Ist eigentlich jemand von uns ernsthaft der Meinung Kinder sollten Ritalin ohne Begleittherapie und ohne vorhergehende Diagnostik bekommen? Mein persönliches Umfeld ist natürlich nicht repräsentativ, aber in eienr Parallelklasse meines Siebenjährigen haben im letzten Schuljahr nicht weniger als 4 Kinder die Schule verlassen, weil die Lehrerin mit einem Rückstellungsverfahren drohte, falls das Kind nicht medikamentös behandelt würde. Leider gibt es auch Ärzte, die dann sehr schnell ein Rezept ausschreiben. Mir wäre es weiß Gott auch lieber, so etwas käme nicht vor, aber ähnliches erzählen leider auch einige andere Eltern aus anderen Gegenden.Natürlich weiß ich nicht, ob diese Kinder nicht dringend Ritalin bräuchen, aber die beiden, die ich persönlich kenne, haben angeblich in de neuen Schule keine Probleme mehr.

Mehr ist im Augenblick noch nicht passiert. Natürlich bestheht die Gefahr, dass das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wird. der gedanke an mein eigenes Ritalin-Rezept gefällt mir auch nicht so recht. Es ist aber noch nicht soweit und von uns ist doch ohnehin niemand auf einen Arzt angewiesen, der sich mit Schmalspurdiagnosen zufrieden gibt. Bis zum beweis des gegenteils glaube ich nicht, dass es sich lihnt, sich über die Drogenbeauftragte aufzuregen.

von Mimi - am 16.08.2001 22:30
Hallo Birgit, Doris und Mimi,
vielen Dank für Info und Kommentare. Ich habe mich übrigens über den Zeitungsbeitrag nicht aufgeregt, sondern wollte ihn für viele Interessierte zugänglich machen. In der Zeitung stehen ja oft Halbwahrheiten, ich denke das kennt jeder.
Gruß Heidi S.

von Heidi S. - am 17.08.2001 06:04
Hallo,

der original Pressebericht hört sich schon ganz anders an. Es ist schon verblüffend was der Meinungsbildner Medien so mit uns macht!

PetraT

von PetraT - am 17.08.2001 07:35
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