Diese Seite mit anderen teilen ...

Informationen zum Thema:
Forum:
ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
12
Erster Beitrag:
vor 16 Jahren, 2 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 16 Jahren, 2 Monaten
Beteiligte Autoren:
Pia, Ingeborg, Silvia01, Martin Winkler, Dagmar, abra, Mimi, julia

An unsere Forums- Fachfrauen und -männer, betr.nochmals den Expertenrat im Hamburger Abendblatt!!

Startbeitrag von Ingeborg am 17.08.2001 17:01

ACHTUNG, mit dieser Frage möchte ich keine Diskussion über die Sinnhaftigkeit von Ritalin lostreten, geht nur um die Dauer der Diagnose!!!!!


Dort wurde u.a. folgende Frage und Antwort abgedruckt:

Frage:

"Ich war mit meinem acht Jahre alten Sohn bei einem Institut, dass auf hyperaktive Kinder spezialisiert ist.
Die Diagnose dauerte eine Viertelstunde, und dann sind wir mit Ritalin wieder nach Hause gegangen.
Muss ich fürchten, dass meinem Sohn das Medikament leichtfertig verschreiben wurde?"

Die Antwort von Dr. med. Michael Zinke, Chef des Hamburger Landesverbandes der Kinder- und Jugendärzte:

Das Institut bei dem Sie waren ( hier druckte die Redaktion dann den Namen ein), ist hochgradig spezialisiert.
Für die Ärzte dort sind solche Fälle schnell klar.
Wir Kinder- und Jugendärzte brauchen für eine solche Diagnose mindestens fünf bis sechs Stunden.

Seht ihr die Möglichkeit dieser Zeitunterschiede genauso?

Für mich schwer vorstellbar.

Danke euch,
schönes Wochenende
Inge

Antworten:

Da widerspricht sich dieser Zinke ja selbst ganz schön. In dem Leserbrief, den du hier gepostet hast (siehe Link unten) schreibt er ja selbst:

"1. Diagnose Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) beruht immer auf einer sehr gründlichen mehrstündigen Diagnostik:
Anamnese, gründliche körperliche und neurologische Untersuchung, Blutdiagnostik, EEG, EKG, ausführlicher Eltern- und Lehrerfragebogen,teilweise Videoaufzeichnungen, Entwicklungstests und Intelligenztest.

(....)

Dr. med. Michael Zinke,
Vorsitzender Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte LV Hamburg
22415 Hamburg"

Wie das in 15 Minuten zu bewerkstelligen sein soll ...

Das scheint mir nicht eine Diskussion um den Sinn von Ritalin zu sein, sondern um gesicherte Diagnosen.
Zum Leserbrief


von Pia - am 17.08.2001 17:30
Hallo,

ich bin keine Fachfrau, aber diese Antwort ist offensichtlicher Blödsinn.

Eine brauchbare Diagnose beinhaltet Gespäche mit Kind, eltern und Lehrerin, etliche Tests - möglichst nur einen pro Tag - und eine körperliche Untersuchung. Das ist in 15 Minuten einfach nicht zu machen. Es geht ja nicht nur darum festzustellen, ob Ritalin dem Kind nützen kann, sondern auch darum herauszufinden, welche Begleittherapien sinnvoll sein könnten.

Leider gibt es ein paar schwarze Schafe, die verdammt schnell Rezepte ausstellen.

Jede Krankheit ist auch ein Markt und alle erdenklichen Profis wollen ihren Anteil daran behaupten. Mir wäre es auch lieber, es wäre anders.

Du findest aber auch Ärzte, die aufwändige Diagnosen stellen, wenn du danach suchst.

Dieses Problem zeigt sich auch später nocheinmal, wenn Therapien die nicht anschlagen selten von den Fachleuten beendet werden. Leider bleibt auch diese Verantwortung dann bei den Eltern.

von Mimi - am 18.08.2001 10:10
Hallo Ingeborg,

ich glaube schon, dass ein Spezialist mit jahrelanger Erfahrung ADSler auf den ersten Blick erkennen kann. Zumindest fallen ihm in den ersten Minuten eines Gespräches mit Sicherheit viele Verhaltensweisen auf, die auf ADS hindeuten.

Eine endgültige Diagnose sollte das aber nicht sein, sondern erstmal ein Verdacht. Im weiteren Verlauf sollte der Arzt andere Ursachen für die ADS-Symptome ausschließen. Dazu gehört die körperliche und neurologische Untersuchung sowie eine Testserie.

Also: ADS-Verdacht durch geschulten Blick in 15 Minuten ja, endgültige Diagnose erst nach bestätigenden weiteren Untersuchungen.

abra ;-)
www.abracadabras-welt.de


von abra - am 18.08.2001 11:01
Es kann ja sein, daß sich der Arzt das Kind nur eine Viertel Stunde angeschaut hat, davor aber von jemand anderem, zb.Arzthelferin, die ganzen voruntersuchungen, wie Blutdruck, fragebogen ausfüllen usw., gemacht wurden!

von julia - am 18.08.2001 15:10

kann abra nur zustimmen

Mir geht es manchmal ja selber so, dass ich manche Menschen sehe, ein paar Minuten mit ihnen zusammen bin, und gleiche denke:
"Das könnte auch ein typischer ADS-Fall sein".
Und ob ihr das jetzt glaubt oder nicht. Bei manchen Kindern und auch Erwachsenen "spüre" ich das ADS förmlich. Die haben eine unsichtbare, spürbare Energie um sich herum, die ich bei anderen, manchmal auch lebhaften Kindern nicht habe.
Da ich ja selber ADS habe, kann ich mir nur vorstellen, dass sich ADSler auch "riechen" können. Keine Ahnung. Das Gefühl ist bei diagnostizierten und nichtdiagnostizierten Kindern da.
Bei manchen im Bekanntenkreis weiß ich das ganz genau, und warte nur darauf, dass diese Kinder in der Schule so auffällig werden, dass man meine Bemerkungen ernst nimmt, bzw. auf mich zukommt um zu fragen, ob es möglich wäre, dass.....

Ein geschulter Arzt, vielleicht selber ADSler sieht sowas wahrscheinlich auch auf dem ersten Blick.

Aber ich gebe abra recht, eine Ausschlußdiagnose sollte auch gemacht werden, falls andere Gründe für die Symptome verantwortlich sind.

Nach dem Motto: Nicht alles, was nach ADS aussieht ist, ist auch ADS.
Oder Witziger: Nur wo ADS drauf steht, ist auch ADS drin.

Liebe Grüße

Silvia

von Silvia01 - am 18.08.2001 16:46

Re: kann abra nur zustimmen

>Nur wo ADS drauf steht, ist auch ADS drin.

Eben nicht.

Das ist ja das Problem.

(Fehldiagnosen. Selbstdiagnosen.)

von Pia - am 18.08.2001 17:40
Auf die Gefahr hin missverstanden zu werden...

1. Ich traue mir auch zu, bei einigen Leuten (ich spreche von Erwachsenen) nach 15 Minuten eine Verdachtsdiagnose ADS zu stellen. Bei einigen mehr oder weniger intuitiv sofort !

2. Ich wuerde nie nach 15 Minuten sagen, dass ADS vorliegt. Weniger weil ich es dann nicht wuesste. Aber ich muss mir ein ganzheitlicheres Bild von meinem Gegenüber machen und verstehen, wie ADS in den Lebenskontext passt. Ob es ein Problem oder eher eine Fähigkeit ist. Welche Vorerfahrungen, welche Erwartungen, welches Umfeld...

3. Es ist nicht so schwer, die Differentialdiagnosen auszuschliessen, gerade wenn man etwas spezialisierter ist. Aber bei Kindern wuerde ich schon auch Intelligenz, Wahrnehmungsstoerungen etc beruecksichtigen wollen...

4. Ich sehe die Diagnostikphase als eine ganz wesentliche Phase um Fragen aufzuwerfen. D.h. die vermeindlich fuer die Anamnese relevanten Fragen dienen doch häufig eher dazu mein Gegenüber zum Nachdenken ueber ADS zu bringen. Oder auf eine Wellenlänge zu kommen, was Erwartungen und Grenzen der verschiedenen Therapiemoeglichkeiten angeht. Das dauert bei mir schon im Erstgespräch locker 2-3 STunden (ein Grund weshalb ich nie wirtschaftlich ADS-diagnostik machen kann...) Dann häufig nochmal 2 bis 5 Termine, bis eine Richtung vorgegeben ist.

Piero und ich haben ja auf ADD-Online ausfuehrlich zu unseren Vorstellungen von Diagnostik Stellung genommen. Ist sicher auch irgendwie utopisch, aber immerhin

Aber letztlich könnte man es auch in 15 Minuten machen.... Die Frage ist nur : sollte man es so machen ?

Martin Winkler
ADD-Online


von Martin Winkler - am 18.08.2001 18:00

an Pia

Hallo Pia,

ich glaube, da hast du mich jetzt missverlesen.

Das sollte doch eine Art Witz sein. (wie in der Werbung)

Gemeint war damit, dass wenn alle Tests durchgeführt sind samt Ausschlußdiagnosen ect. und der diagnostizierende Arzt am Ende mit allem drum und dran dann zu der Diagnose ADS kommt und dieses dann entsprechend unterschreibt, sprich Patient: Diagnose ADS gez. ....."Anton Müller".
Dann steht ADS drauf und ist sicher auch ADS drin.

Alle Unklarheiten beseitigt?

Liebe Grüße

Silvia

von Silvia01 - am 18.08.2001 20:05
Hallo Ingeborg,

ich zweifele die Viertelstunde an. Ich höre solche Zeitangaben auch häufig. Da ich es nicht glauben konnte, ich kannte die Ärzte und ihre Diagnosepraxis teilweise selbst, fragte ich genau nach, an welchen Tagen von ... bis wieviel Uhr die Mutter mit Kind, die Eltern gemeinsam, nur das Kind dort waren und wieviele Fragebögen ausgefüllt und versandt wurden.

Das Ergebnis ist sehr übereinstimmend. Gezählt wird nur die Zeit der körperlichen Untersuchung. Die Gespräche, das Ausfüllen der Fragebögen, das Nachgespräch, die Beschäftigung mit dem Kind wird nicht dazugezählt. Begründung der Eltern: Da haben wir doch nur erzählt und er hat mit unserem Kind gespielt, das ist doch keine Untersuchung. Wenn das Ausfüllen der Fragebögen im Wartezimmer ohne Anwesenheit des Arztes geschieht, dann wird es prinzipiell auch nicht zur Untersuchung dazu gezählt.

Es ist ein subjektives Zeitgefühl, das Eltern in solchen Erzählungen wiedergeben. Es ist geprägt davon, dass man als Eltern im Anfang keine Ahnung hat, was alles zur Diagnose gehört, dass man einen unendlichen Leidensdruck hat und jemanden braucht, der einem stundenlang zuhört, und man definitiv in einer Untersuchungsituation nur einen kleinen Bruchteil von den erzählen kann, was man auf dem Herzen hat, das kommt einem dann vor wie gar nichts und es kommt hinzu, dass häufig ein Elternteil selbst betroffen ist und ADS'ler ein ganz schlechtes Zeitgefühl haben. Da bekomme ich gesagt, sie waren eine Viertelstunde beim Arzt und dann stellt sich heraus, dass sie morgens gemütlich gefrühstückt haben, dann losgefahren sind und nach der gewöhnlichen Mittagessenzeit nach Hause kamen, das Kind hatte nämlich schon einen riesen Hunger.

Und wie gesagt, das sind keine Einzelfälle, sondern die Regel.

Viele Grüße
Dagmar
Elterngruppe Frankfurt


von Dagmar - am 19.08.2001 07:29

Re: an Pia

>(wie in der Werbung)

Fernsehwerbung?

Ich schaue seit 7 Jahren kein fern, höre nur sehr sehr selten Radio.

Nun, nicht das erste Mal, dass mir da ein Zusammenhang fehlt.

(Besitze aber fließend Internet. :-) )

von Pia - am 19.08.2001 07:40

Re: Danke an euch alle, interessierte mich nämlich weil.......

Arne auch in der genannten Praxis behandelt wird und ich nicht sehr zufrieden bin.
Es ist zwar keine 1/4 Std. aber dort doch immer alles im sehr schnellen Galopp.

Z.B. ist seine Fehlerquote in dem Test immer sehr hoch, die Ärztin findet das dann unerklärlich und komisch aber mehr auch nicht.
Letztes Mal meinte sie dann, er solle man nicht immer so schnell machen.

Arne fühlt sich dann immer total verletzt, wie sie es sagt, er meint, dann bräuchte man keine Kinderärztin werden, wenn man es nicht nett erklären kann.
( Macht sie aber eigentlich, nur etwas forsch und für Arne zu deutlich und nicht nett "verpackt")

Dann "doktorn" wir telef. mal an der Dosierung herum aber ........... alles noch nicht so richtig im Lot mit der Betreueung.

Mal sehen, nächste Woche haben wir wieder Termin, werde mal noch gründlicher nachhaken.

Danke nochmals an Alle,
schönen Wochenanfang
wünscht Inge

von Ingeborg - am 19.08.2001 20:14
Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.