Diese Seite mit anderen teilen ...

Informationen zum Thema:
Forum:
ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
7
Erster Beitrag:
vor 15 Jahren, 9 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 15 Jahren, 9 Monaten
Beteiligte Autoren:
Astrid, Pia, Uschi, claudia, Ursula

Gerechtigkeit unter Geschwistern

Startbeitrag von Astrid am 21.08.2001 06:38

Hallo,

nach längerer Forums-Abstinenz (keine Zeit, keine Zeit) brauche ich doch mal wieder Euren Rat. Ich stehe gelegentlich vor dem Problem, wie ich meinen recht ungleichen Kindern gerechte Behandlung zukommen lassen kann.
Mein Große ist 12 und hat vermutlich ADS (morgen ist unser erster Termin im SPZ). Sie trödelt und träumt den lieben langen Tag herum und fängt oft erst an, ihre Aufgaben zu erledigen (Spüler ausräumen, Zimmer aufräumen), wenn wir nach Hause kommen. Weder angedrohte Sanktionen noch versprochene Belohnungen (z.B. abends nochmal zum Badesee fahren, wenn alles geklappt hat) bewirken etwas (oder kaum).
Der Kleine ist 9, hat auch seine Ecken und Kanten, lässt sich aber durchaus motivieren, auch ungeliebte Dinge zu tun.
Gestern hatten wir nun wieder das konkrete Problem: Wir hatten versprochen, noch zum Badesee zu fahren unter der Bedingung, dass zu Hause alles in Ordnung ist, wenn wir kommen, so dass es gleich los gehen kann. Es kam, wie es immer kommt: Georg hatte sich fast überschlagen und war sehr eifrig dabei, unseren ganzen Kram fürs Picknick mit einzupacken, während Sophie nur das allernötigste gemacht hatte (Hausaufgaben und Akkordeon üben) und uns dann zwischen den Beinen herumwuselte, um noch den Spüler auszuräumen.
Was sollten wir nun machen? Gar nicht fahren kam ja nicht in Frage, wegen Georg. Und bei Sophie haben wir letztlich das Bemühen anerkannt, doch noch alles in Ordnung zu bringen, schließlich fällt es ihr ganz offensichtlich schwerer als ihrem Bruder, sich aufzuraffen und hintereinander alles zu erledigen. Da kann man ja eigentlich auch nicht das gleiche Ergebnis verlangen, oder?
Nach welchen Maßstäben bewertet Ihr denn die Leistungen Eurer Kinder? Was macht Ihr denn in solchen Situationen, wie ich sie beschrieben habe?
Viele Grüße,
Astrid

Antworten:

Hallo Astrid,
bei uns ist das ähnlich: der große macht nur das Nötigste, der jüngere ist eifriger.
Ich würde dem jüngeren eine "Sondergratifikation" zukommen lasse, z.B. ein Luxuseis, wenn es Eis für alle gibt. Ich denke schon, dass beide Kinder spüren sollten, wie ihr Verhalten bewertet wird.
Grüße von Ursula

von Ursula - am 21.08.2001 08:02
Hallo Astrid
Ich kenne deine Sorgen nur zu gut, bei uns läufts ähnlich.
Also ich hab mir das abgewöhnt Strafen auszusprechen die uns alle nicht befriedigen und noch meine Tochter bestrafen.
Ich mach's jetzt so das ich eine Liste habe wo ich Herzen verteile und Punkte.
Für jeden guten Tag giebts ein Herz für einen schlechten Tag giebts nix.
Außerdem bekommen meine Kinder Punkte für gut erledigte Arbeiten oder Punkt Abzug für schlechtes Benehmen.
Die Lügenliste ist auch noch ganz wichtig, weil dann meine Kids sehen wieviel wir gelogen haben ( ich und mein Mann stehen auch drauf ).
Bei uns klappt das echt super weil wir dann über einen längeren Zeitraum sehen was alles schief läuft und es dann verbessern können.
Es ist auch noch ein tolles Erlebnis zu sehen das da so viele Herzen sind und nicht nur die schlechten Sachen.
Wichtig ist bei uns das ich das konsequent durchziehe wegen dem Gerechtigkeitssinn, also stehen wir ( mein Mann und ich ) auch drauf. Du wirst gar nicht glauben wie die Kinder sich manchmal angelogen fühlen von uns Erwachsenen was bei uns als Notlüge oder Ausrede gilt ist für die Kinder eine Lüge.
Versuchen kannst du es ja mal, ich hoffe es schadet nicht.
Viel Glück
Claudia

von claudia - am 21.08.2001 08:34
Hallo Claudia,

mit der Lügenliste ist ja eine super Idee :-)))
Aber ist es nicht zu hart einen ganzen Tag zu beurteilen. Ich hatte auch erst Blumen und schwarze Punkte und leider hat machmal ein Nachmittagsstünchen den ganzen Tag gekippt, also deshalb habe ich das sein gelassen.
wir haben nun das Sternchenprogramm (ADS Buch Aust-Claus) und die Ärztin geht das mit Philip in den Sitzungen durch. so ist dann nicht dirket ein ganzer Tag schlecht.
Aber wie gesagt finde ich die Lügenliste echt super.
Grüße Uschi

von Uschi - am 21.08.2001 17:28
>Wir hatten versprochen, noch zum Badesee zu fahren unter der Bedingung, dass zu Hause alles in Ordnung ist, wenn wir kommen, so dass es gleich los gehen kann.

Am besten solche Art von Versprechen nicht geben. Ich finde zwei Dinge daran ungut.

1) Es ist unklar, wer was alles erledigen soll. Besser ist es konkret zu sagen, der eine erledigt a, b und c und der andere d, e und f. (Und das kann man ja gemäß den Fähigkeiten jedes Kindes anpassen.)

2) Ganz schlecht ist es, dass, wenn einer sich bei so einem Versprechen nicht daran hält, der andere dafür mitbestraft wird, auch wenn er sich daran gehalten hat. Besser ist es, wenn ein Kind seinen Aufgabenbereich erledigt hat, diesem Kind das Versprechen einlösen zu können. Also die Wunscherfüllungen an der Realität ausrichten!

Dann lieber sagen, wir fahren zum Badesee und wer seinen Bereich erledigt hat, bekommt ein großes Eis.

Und der Trödlerin ganz konkret sagen, was sie tun muss!! Und nicht Punktepläne nach ganzen Tagen erstellen, sondern detailliert erstellen. Ganze Tage sind hart und nicht erreichbar! Außerdem keine Motivation. Manchmal, wenn ich gut drauf bin, schreibe ich mir selbst eine Liste, was ich alles erledigen muss und es macht Spaß zu sehen, wenn man im Laufe des Tages immer mehr abhaken kann. Bei Ganztagespunkten geht das nicht, da gibt es das erste Erfolgserlebnis am Abend (wenn überhaupt) und außerdem ist das nur schwer zu beurteilen bzw. nachvollziehbar, wann ein Tag gut gelaufen ist und wann nicht.

Nochmal: Für den ADSler so konkret wie möglich die Aufgaben formulieren und in kleine Schritte unterteilen!!

von Pia - am 21.08.2001 18:02
Hallo Pia,

es war schon so, dass die Kinder konkrete Aufgaben hatten, es gibt da bei uns immer einen Zettel, der abgearbeitet werden muss. Das hängt damit zusammen, dass die zu erledigenden Arbeiten nicht jeden Tag gleich sind und dass die Kinder auch nicht jeden Tag gleich viel Zeit haben. Nur meine Tochter ignoriert die Aufgaben ziemlich konsequent und wird dann hektisch, wenn ich nach Hause komme und sauer bin.
Aber meine eigentliche Frage war ja: Ist es denn gerecht, Kinder mit so unterschiedlichen Fähigkeiten mit gleicher Elle zu messen? Konkret bei uns sehe ich das als ziemliche Gratwanderung: Lege ich gleiche Maßstäbe an, erscheint mein Sohn wahrscheinlich häufig als der liebe, zuverlässige Junge neben seiner ewig trödelnden Schwester. Ob meine Tochter dadurch motiviert wird? Berücksichtige ich die unterschiedlichen Fähigkeiten, heißt das, meine Tochter auch für Dinge zu loben, die bei meinem Sohn selbstverständlich sind, und von meinem Sohn mehr zu verlangen. Irgendwie logisch, dass der sich dann beschwert.
Zum Glück ist der Kleine nun auch nicht so ein Engel, der alles richtig macht, so dass er auch ab und zu einen Dämpfer bekommt.

Astrid

von Astrid - am 21.08.2001 20:20
Sehr gut, dass ihr schon konkrete Aufgaben aufgeschrieben habt. Meien nächsten Kommentare ;-)

>Ist es denn gerecht, Kinder mit so unterschiedlichen Fähigkeiten mit gleicher Elle zu messen?

Das dumme ist ja nur, dass man ADS nicht sieht und dass es so ziemlich die Symptome hat, die man auch als schlechte Charaktereigenschaften o.ä. ansehen kann.

Extrem gesagt: hättest du ein einbeiniges Kind, müsste es auch nicht das gleiche Pensum schaffen wie die anderen.

>Berücksichtige ich die unterschiedlichen Fähigkeiten, heißt das, meine Tochter auch für Dinge zu loben, die bei meinem Sohn selbstverständlich sind.

Lobst du sie nicht, verpasst du die Chance durch Lob zu motivieren.

Einfacher wäre es sicher, wenn deine Tochter die jüngere wäre.

>Nur meine Tochter ignoriert die Aufgaben ziemlich konsequent und wird dann hektisch, wenn ich nach Hause komme und sauer bin.

Dann muss sie erstmal in eurem Beisein angeleitet werden. Also nicht Zettel hinhängen und gehen und hoffen (Überspitzt ausgedrückt - manchmal muss man ja weg), dass es gemacht wird, sondern anstupsen bis sie beginnt. Wenn ihr tagsüber beide nicht da seid, dann am Wochenende damit beginnen. Oder in den Ferien. Sie muss erstmal LERNEN wie man planvoll aufräumt.

Ich, 27, weiß ja selbst wie schwierig es ist mit etwas zu beginnen und manchmal ist das Chaos so groß, dass es schon hilfreich ist, wenn jemand sagt "Schau mal, mach erst mal das und wenn du fertig bist, sagen wir in 20 Minuten, dann überlegen wir weiter, was als nächstes kommt." Und selbst wenn sie den Anfang geschafft hat, lauern überall Fallen.

Aufgabe wäre z.B. den Schreibtisch aufzuräumen: da findet man aber Sachen, die man unbedingt jetzt lesen muss oder die man jetzt sofort fertigstellen muss, obwohl sie da seit Wochen unbeendet rumliegen, oder man verrennt sich in unwichtige Kleinigkeiten (ich beginne das oft so, dass ich erst alle Stifte spitze, dann sortiere ich sie nach Grundfarben und Mischfarben usw. ...) Bist du dabei, kannst du sie zurückholen zur eigentlichen Aufgabe. Macht das niemand, ist es eigentlich schon gelaufen.

Deine Frage nach Gerechtigkeit habe ich beantwortet und ich hoffe, dass auch bei den Tipps etwas dabei war, dass ihr dorthin kommt, dass eure Tochter sich soweit entwickelt, dass sich die Frage nach der Gerechtigkeit nicht mehr so brennend stellt. Solltest du keine Tipps brauchen ist auch gut.

von Pia - am 22.08.2001 08:41
Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.