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ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
14
Erster Beitrag:
vor 16 Jahren, 1 Monat
Letzter Beitrag:
vor 16 Jahren, 1 Monat
Beteiligte Autoren:
Hexe, AngelikaSt, PetraT, Pascal Sadler, Birgit, Wolle, Angelika

Sonderschulüberpüfung - oder sind die wirklich alle so blöd?

Startbeitrag von Angelika am 27.08.2001 13:21

Hallo Zusammen!

Ich bin neu hier, habe Euch nämlich erst am Freitag kennengelernt. Leider ziemlich spät - aber bestimmt besser als nie! Mein Sohn ist jetzt 13, seine Hyperaktivität schlägt mittlerweile in Depressionen und Lethargie um. Ich habe ihn noch nicht untersuchen lassen können, wie gesagt alles neu für mich, auch wenn ich es seit ca. 2 Jahren ahne, dass es so ist.
Schockieren tut mich vor allem die Ignoranz von Schulpsychologen etc. Sven ist seit immer "Verhaltensauffällig", wenn man so will. Ich hatte jedoch auch immer den Eindruck, dass er besonders ECHT und autentisch zu sein. Wenn man ihm in die Augen schaut, wenn man mit ihm spricht, dann weiß er auch, dass er gemeint ist. Ich will jetzt hier nicht die gesamte Geschichte aufrollen, da Ihr ja Leute seit die wissen worüber ich spreche.
Letztes Jahr hat auf jeden Fall Svens Schule beschlossen ihn zu testen! Ich fand das erstmal ok, bis sich bei Beginn der Tests herausstellte, dass es sich um eine Sonderschulüberprüfung handelte. Ich wäre am liebsten hingerannt und hätte denen gerne den Hals umgedreht (dem Direktor meine ich speziell - so eine Hinterhältigkeit!). Da ja nun die Tests bereits liefen, hoffte ich, die würden ihn auch auf ADHS prüfen - natürlich nicht.
Resultat der Prüfung war, dass er durchschnittlich intelligent sei, und sein unangepasstes Verhalten sei auf das Elternhaus zurückzuführen (natürlich, was sonst - wir leben schließlich getrennt, dass wir unser Kind trotzdem beide erziehen, uns nicht streiten etc. interessiert ja keinen). Folge: Sven hat seit letztem Schuljahr ein Stützlehrerin, sie soll ihm beibringen wie man sich verhält - er, das Kind, nicht die Lehrer). Diese Dame ist dermaßen angepasst, dass ich bezweifle, dass sie überhaupt eine eigene Identität besitzt. Leider wird er diese Dame noch ein weiteres Jahr dulden müssen, da sich Sven gegenüber seiner Mathematiklehrerin "unverschämt" verhalten hat (dass sie ihn beschimpft, ihn demoralisiert und unverschämt ist etc. zählt nicht).
Ich klinge im Moment vielleicht selbstgerecht, aber ich kenne meinen Sohn, ich habe ihn auch nie übermäßig in Schutz genommen, weil ich weiß, dass er ausrasten kann und kein Engelchen ist.
Kann mir jemand sagen, ob wir die Werte Dame wieder los werden, wenn ADHS festgestellt wird. Was müsste ich tun, damit ich die Schulbehörden davon überzeugen kann, dass Ihre Maßnamen nur eine Beleidigung für Sven sind - und er ganz andere Hilfen braucht.
Wie kann ich dem Klassenlehrer plausibel machen, dass Sven sich nicht aus Spaß oder Unlust oder was auch immer so benimmt wie er es tut?

Danke für Eure Antworten - und einen besonderen Dank an Beate, die mich auf das Forum aufmerksam gemacht hat!

Antworten:

Hallo Angelika,

ich habe deine Seiten aufmerksam gelesen und sooooo viele Dinge wiedererkannt.

Bei unserem Sohn ist das alles sehr ähnlich.Wir werden demnächst die ges. Lehrerschaft mit dem Prob.konfrontieren. Am besten eignet sich meiner Meinung nach die 8 Seiten des hier auf der Internetseite beschriebene Diagnostic (Button Schule).Unseren Dennis wollten sie auch des öfteren auf die Sonderschule verfrachten, weil er eben nicht ins System passt.Da bei ihm im Kleinstkindalter Toxoplasmose festgestellt wurde die glücklicherweise nur geringfügig auf die Augen schlug, wurde sämtliche Problematik darauf geschoben.

Die Lehrerschaft ist total mit dem Problem von ADS Kindern überlastet bzw. weiß garnichts mit dem Begriff anzufangen. Auffälligkeiten in der Schule?? Das liegt eindeutig am Elterhaus(da kann ich nur lachen).Sämtliche Ärzte schoben alles auf seine eingeschränkte Sehkraft. Kein einziger kam auch nur annähernd auf die Idee, das es vielleicht andere Ursachen für sein Verhalten gibt.Durch Zufall erst hörte auch ich vor wenigen Wochen von ADS Kindern, weil es hier in unserer Stadt eine Elterngruppe gibt die jetzt endlich Aufklären will und sich für betroffene Kinder einsetzt. Unseren Dennis werden wir nächste Woche testen lassen, wenn ADS bestätigt wird, kannst du dir vielleicht vorstellen, wie sauer wir dann sind, denn wie auch andere Eltern hier, haben wir viele Jahre vergeudet.

Viele Grüsse

W. Schrader

PS: Lasst Euch nicht die Butter vom Brot stehlen. Nervt die Lehrer und fordert diese auf sich mit dem Problem auseinander zu setzen! Ich denke, nur durch gezielte Aufklärung ist es möglich anders und besser auf unsere Kinder einzugehen.

von Wolle - am 27.08.2001 17:19
Hallo Angelika,
Ich bin Grundschullehrer in Luxemburg. Sie greifen unsere Zunft ja stark an. Vielleicht zu Recht, vielleicht etwas zu impulsiv.
Wieso wurde Ihr Kind einem Test unterzogen, ohne Sie zu informieren? Ich kenne die Schulgesetzgebung in Deutschland nicht, aber hier in Luxemburg müssen die Eltern immer vor (!!) dem jeweiligen (erklärten) Test ihr Einverständnis geben, sonst unternimmt der Schulpsychologe gar nichts.Schon komisch!
Bleiben Sie hartnäckig, Sie scheinen auf dem richtigen Weg zu sein. Beim Klassenlehrer müsste eigentlich etwas zu erreichen sein (er ist nicht verantwortlich für die Arbeit der Behörden), oder wenn nicht, dann vielleicht über Ihren Kinderarzt mit Kontakt zu einem Neurologen. Ob ADS vorliegt oder nicht, wird der Neurologe dann feststellen und ggbf eine Therapie anbieten.
Wenn Lehrer und Eltern an einem gemeinsamen Strang ziehen, ist das auch am einfachsten für die Kinder.
Viel Glück und mehr Freude in/an der Schule für Ihren Sohn,
Pascal Sadler

von Pascal Sadler - am 27.08.2001 19:12
Hallo Angelika,
als Mutter eines Sohnes(15)mit ADHS und Lehrerin möchte (muß) ich mich hier einfach einmal äußern.
Ich schiebe ihre Frustration einfach mal auf ihre fehlende Information (durch die Schule).

Die bei ihrem Sohn durchgeführte Überprüfung heißt richtig (In Hessen ???) : Beratungsverfahren zur Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs.Dieses Verfahren kann von Eltern oder Schule beantragt werden. Sinn und Zweck ist es wirklich, festzustellen, ob und in welchem Umfang ein Schüler "beSonders gefördert" werden kann/oder muß.

EIN Ergebnis kann die Überweisung in eine Sonderschule sein. Das ist aber nicht zwangsläufig. Offensichtlich hat man bei ihrem Sohn nur geringen Förderbedarf festgestellt, da die "Dame" nur wenige Stunden kommt.So habe ich es jedenfalls verstanden ??

Ich kämpfe in meiner täglichen Praxis oft um diese Stunden.Sie werden verteilt wie "Goldstaub"!!
Bei uns ist es häufig so, dass wir Kinder mit anerkanntem Förderbedarf haben, aber keine Sonderschullehrerinnen bekommen, d.h. die Kinder nicht gefördert werden können.

Die Sonderschullehrerinnen habe ich meistens als ausgesprochen kompetente und engagierte Kolleginnen kennengelernt.Sie sind häufig diejenigen die schon mal was von ADHS gehört haben und sich auch darauf einlassen können und wollen.
Aber wie in jedem Beruf gibt es eben auch hier gute und ...??.

Ich würde ihnen raten, sich mit der Schule in Verbindung zu setzen und vielleicht die "Dame" gegen eine andere Kollegin auszutauschen:-)).

Diese "Lanze" mußte ich jetzt einfach mal für die Sonderschullehrerinnen brechen.Als Mutter eines ADHS-Kindes kenne ich den "Horror" Schule auch in allen Formen.
Aber die Kolleginnen aus der Sonderschule sind daran am unschuldigsten.

Birgit D.

von Birgit - am 27.08.2001 20:04
Liebe Birgit, ich mache ja keinen Hehl aus meiner "Lehrerallergie", aber ich denke es stimmt, das man eigentlich froh sein sollte wenn man eine solche Förderung bekommen kann in der Schule.

Was die Sonderschulprüfungen angeht, denke ich das es zum großen Teil daran liegt, das Eltern nicht gerade gut informiert werden über solche Dinge....und das miese Bild was dabei entsteht, vermitteln halt oft Lehrer.

Als ich Andres Klassenlehrerin mitteilte, das er massiver Legatheniker ist, meinte sie " naja, mal schaun vielleicht können wir die Sonderschulprüfung abbiegen"

Nur davon war eh nie die Rede gewesen.....mein Kind fühlte sich jedoch nicht grade wohl mit dieser "Aussicht" im Rücken...

Er wird doch schon gehänselt, weil er nur im C -Kurs ist. Da nutzt ihm auch seine 2 nix...denn in den Augen mancher Mitschüler "ist eine 2 in C eh nur eine 5 in B"

Viele Grüße
Petra

von Hexe - am 28.08.2001 06:35

Re: Sonderschulüberpüfung - oder sind die wirklich alle so blöd?-an Hexe

Hallo Hexe,
Eltern die Lehrerallergie haben und Lehrer mit Elternallergie gibt es fast überall. Nur dem Kind ist damit nicht geholfen.
Zeigt ein Kind Schwierigkeiten in der Schule (ist es also zuerst ein Schulproblem!) wird von mir: 1. mein Unterricht, 2. meine Klasse, 3. Materie, 4. Kind und dann erst 5. Elternhaus&Umgebung in Frage gestellt.
Oft wird aber einfach nur zu simpel, sowohl von Eltern als auch von Lehrern, auf den anderen Erziehungspartner geschossen ohne dabei etwas Sinnvolles für die Überbrückung der Schwierigkeiten zu tun. Eltern und Lehrer sollten Partner (jeder mit seinem speziellen Aufgabengebiet) sein, keine Gegner.
Ein Witz der bei uns umgeht: Ist ein Kind erfolgreich in der Schule ist es ein helles Köpfchen mit schlauen Eltern, hat das Kind Misserfolg, hat es einen schlechten Lehrer!
Ernsthafte und schnell fruchtbare Förderung kann etwas schwerer zu kriegen sein. Unser Ministerium bietet viel (fakultative) Weiterbildung für uns an. Bei uns sind die Schülerzahlen pro Klasse natürlich auch niedriger, was eine interne Differenzierung und intensivere Betreuung des Einzelnen etwas leichter macht.
Also keine Angst Hexe: Lehrer verrichten auch ihren Job für das verdiente Geld, in den ihnen gesteckten Grenzen!
Pascal-Grundschullehrer;Lux

von Pascal Sadler - am 28.08.2001 07:35

Re: Sonderschulüberpüfung - oder sind die wirklich alle so blöd?-an Hexe

Hi Pascal:-)

Auch wenn es kaum zu glauben ist, ich geb Dir ja Recht;-) und ich geb auch gerne zu das es auch sehr gute Lehrer gibt.

Leider haben die es meist schwer. Übrigens, eine meiner besten Freundinnen ist Lehrerin :-) und wir tauschen uns heftig aus -Lehrerseite/Elternseite.

Sie amüsiert sich königlich, dass ich bei aller LEhrerallergie, manchmal noch mehr auf Eltern schimpfe.

Bei den 4.Punkten in deinem Beitrag, hab ich aber an vielen der hiesigen Schulen den Eindruck, das manche Lehrer bei Punkt 4. beginnen und erst bei 1. aufhören.

z.B. Andres Klassenlehrerin, sah mich und fragte " haben SIE etwa ein Kind in meiner Klasse?"

Viele Grüße
Petra ( mir soll es recht sein, wenn ich mich irre und die Lehrer viiiel besser sind:-))

von Hexe - am 28.08.2001 07:44

Re: Sonderschulüberpüfung - oder sind die wirklich alle so blöd?-an Hexe

Hallo an Alle!

Schön, dass es hier im Forum auch Lehrer gibt.

Bei uns war es auch ein langer Weg bis zur Diagnose.

DIE LEHRERIN
vom 1. Schultag bis fast Ende 2 Klasse:

- Er ist noch nicht schulreif
- Er ist lagasteniker (kann nicht lesen und schreiben)
- Sie müssen mehr mit ihm lernen
- Ich bin nicht seine Privatlehrerin
- Sie müssen mehr Zeit für ihn aufbringen, auch bei 3 Kindern und beruftstätigkeit
- Schulversagen liegt an der gescheiterten Ehe, dass Eltern immer nur an sich und nicht an die Kinder denken
- Er muss auf die Sonderschule
- ... (beliebig fortzusetzen)

DER VERTRAUENSLEHRER
(vom schulpsychologischen Dienst/testete unseren Sohn)

- wieso sollte ich dieses Kind testen?
- überdurchschnittlich Intelligent
- kann lesen und schreiben
- die lehrerin muss mehr auf ihn eingehen (*ggg* )
- mehr als die täglichen Hausaufgaben, kann eine Schule nicht von den Eltern erwarten
- wenn die Schule Defizite erkennt, muss sie dem Kind Förderunterricht anbieten

Der Mann war mir sympathisch, wusste doch auch ich, dass mein Sohn nicht dumm ist und eigentlich ALLES an der Lehrerin liegt.

Nichts änderte sich. Stress blieb der gleiche. Lehrerin hatte weiterhin GUTE Ratschläge. Mir kam die Galle hoch, allein bei Ihrem Anblick.

Dann sind wir auf ADS gestossen. Beim Schulpsychologischen Dienst angerufen. Meine Frage, ob er auf ADS gtestet wurde, wurde mit einer Gegenfrage beantwortet: "Was ist ADS?" (Mich trat ein Pferd!)

DER KINDERPSYCHOLOGE (nach der diagnose):
- wir werden alles dafür tun, dass das Kind auf der Regelschule bleibt.
- mit der Diagnose ADS, darf ein Kind nicht in seiner Schullaufbahn behindert werden.
- Bei Legastenikern darf die Rechtschreibung nicht in die Zeugnisnoten einfliessen
- aufgrund einer Lese-Rechtschreibschwäche, darf niemals eine Versetzung in Frage gestellt werden
- wenn ich will, setzt er sich direkt mit der Schule in Verbindung
- wir müssen mit der Lehrerin zusammenarbeiten (mit der?)

Plötzlich wurde ich zum Strategen - zum wohl meines Kindes! Sprang über meinen Schatten und redete mit der Lehrerin:

- habe alles an Infos über die Krankheit zusammengetragen (nächte lang websites aufgedruck, Bücher gekauft, verschlungen und an die Lehrerin weitergegeben.

- ich habe ihr gesagt, dass ich meinem Kind nicht alleine helfen kann, sondern ihre unterstützung brauche.

- ich will nicht, dass mein Sohn ein Einser-Schüler wird, sondern dass er eine Basis für seine Zukunft erhält

- ich will, dass mein Sohn "Anleitungen/Tipps" erhält, sein Leben mit den gestellten Anforderungen in den Griff zu bekommen.

- ich habe sie aktiv um Hilfe gebeten (wie übe ich Nachschriften besser ...)

UND SIE HAT MIR ALLE HILFE GEGEBEN.
- Mein Sohn sass jetzt ganz vorne
- sie hat extra Übungsblätter für ihn gemacht
- mir Fragen aufgeschrieben, die ich mit dem Arzt abklären soll
- mich nachmittags angerufen und freudig über Fortschritte berichtet
- mit mir über negative Vorkommnisse geredet und gemeinsam nach Lösungen gesucht
- als sie krank war, fragte sie bei uns telefonisch nach, ob alles ok ist, oder ob sie mit dem vertretungslehrer reden muss
- Unser Sohn ist noch 2 Jahre in der Grundschule, jedoch ab dieses Jahr hat er einen anderen Lehrer und die alte Lehrerin bot uns an, sich weiterhin um ihn zu kümmern und uns zu untersützen.

Mein Lehrerbild hat sich also geändert. Ich habe gelernt nicht "mit dem Holzhammer" sondern aktiv Hilfe fordern. Keine "extra Wurst für das Kind" (es hilft ihm letzendlich ja auch nicht weiter) sondern gezielte gemeinsame unterstützung.

Das war mein Lehrer-Roman in Kurzform!

Liebe Grüsse
PetraT

von PetraT - am 28.08.2001 08:41

Re: Sonderschulüberpüfung - oder sind die wirklich alle so blöd?-an Hexe

Hallo Petra;-)

Hört sich ja prima an!!!!! *freu*

Aber eine Frage hätt ich...WAS meinte der Psychologe das Kinder mit der Diagnose ADS nicht in der Schullaufbahn behindert werden dürfen???

Die "Behinderung" der Laufbahn ergibt sich doch manchmal irgendwie "zwangsläufig"

Gruß Petra

von Hexe - am 28.08.2001 10:55
Hallo Pascal und alle Anderen die sich hier beteiligen!

Zunächst mal freue ich mich über die rege Teilnahme, auch weil ich dadurch schon einige Anregungen von Euch bekommen habe.
Es ist richtig, dass ich sehr emotional auf die Lehrerzunft eingeschlagen habe! Das heißt nicht, dass ich generell der Meinung bin Lehrer/innen seien sowieso unfähig. Ich habe auch gute Lehrer/innen kennen gelernt. Allerdings ist auf mich und uns jahrelang eingedroschen worden - das Kind hat Probleme, da sind die Eltern schuld, die kümmern sich einfach nicht genug um ihn, getrennt leben sie auch noch, kein Wunder!
Nichtsdestotrotz finde ich es ein Unding, dass sich Lehrer/innen nicht mit Themen befassen die in Ihren beruflichen Alltag gehören. Ich habe soviele Lehrer/innen erlebt, denen es einfach völlig egal ist. Ich weiß auch, dass es Eltern gibt, die schlichtweg der Meinung sind die Schule solle die Kinder erziehen, bzw. der Schule (den Lehrern) überhaupt jede Kompetenz absprechen und damit den Kindern quasi "gestatten" sich unter aller Sau zu benehmen.

Sven hatte eine sehr gute und einfühlsame Grundschullehrerin. Allerdings kennt sie ADHS auch nicht. Aber sie war nie grob, abfällig oder stur - sondern hat immer versucht Svens Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, da sie natürlich bemerkte, dass er damit ein Problem hatte. 5. + 6. Klassenlehrerin: weder gut noch schlecht. Sein jetziger Klassenlehrer (seit der 7.) ist, glaube ich, nicht unsensibel, insofern werde ich den Vorschlag von Petra T beherzigen.

Bezüglich der Überprüfung muss ich Pascal leider unrecht geben.
Der Schuldirektor hat uns nicht darüber aufgeklärt welche Tests Sven machen sollte. Er sagte einfach nur, die Schule wolle ein paar Tests veranlassen, weil er doch immer so unruhig sei, sich so schlecht konzentrieren könne und sein soziales Verhalten nicht altersgerecht sei. Sollte ich da nein sagen? Ich hätte nein gesagt, wenn ich gewusst hätte, dass es eine Sonderschulüberprüfung ist (auch wenn das vielleicht anders heißt). Einfach weil Sven sich fühlte wie ein Depp, wie einer der nicht ganz richtig im Kopf ist, dumm - eben anders als die Anderen UND DAS IST FÜR EIN KIND NUNMAL DAS SCHLIMMSTE. Für Schüler ist es nun mal so, dass die auf der Sonderschule dümmer sind!!! Daran lässt sich nichts rütteln PUNKT.
Ich glaube gerne, dass es für viele nützlich wäre, wenn sie eine(n) Stützlehrer/in hätten - als damals der Schulpsychologo sagte, dass er dies evtl. selbst übernehmen würde fand ich das auch gut, weil ich den Eindruck hatte, dass er sensibel genug für Sven ist. Bei der jetzigen Stützlehrerin habe ich nicht das Gefühl, dass sie begreift was mit Sven los ist (gut das wissen alle anderen auch nicht). Sie vermittelt ihm jedoch oft den Eindruck, dass er sich ja anders verhalten könne, wenn er nur wolle; sie wiederholt ihm immer wieder das Gleiche und versteht auch nicht, dass Sven es beispielsweise "braucht" sich zu bewegen - den Füller in der Hand drehen, mit dem Fuß wippen etc. etc. Wenn er sich nicht bewegen darf, kann er sich überhaupt nicht konzentrieren!

Ich freue mich auf jeden Fall über die rege Teilnahme an dieser Diskussionsrunde. Überhaupt habe ich endlich das Gefühl, dass mich jemand versteht, und das sind gleich eine Menge Leute. Endlich habe ich wieder mehr Mut - weil ich jetzt viel besser weiß was ich überhaupt tun kann, um meinem Sohn zu helfen. Es hilft auch mir, auch mir ist endlich bewusst, dass ich in bestimmten Fällen nunmal mit ihm anders umgehen muss - und merke bereits jetzt, dass es gut ist!

Danke an Alle!

Übrigens habe ich jetzt meinem Vornamen noch das ST drangehängt, da ich festgestellt habe, dass es hier noch eine Angelika im Forum gibt!

Ich freue mich auf weitere Beiträge.

Liebe Grüße
Angelika Stübner

von AngelikaSt - am 28.08.2001 11:44
Hallo Birgit!

Hierzu wollte ich einfach nochmal separat was sagen:
Ich wollte nicht sämtliche Sonderschulpädagogen über einen Kamm scheren, ich bin sicher, dass sie Aufgrund ihrer Ausbildung viel fähiger sind, als "normale" Lehrer. Im Gegenteil, ich kreide es den normalen Lehrern an, dass sie sich nicht mehr um Weiterbildung in diesen Bereichen kümmern!

Und sicher gäbe es einen höheren Bedarf an Stützlehrern. Das nützt aber nicht soviel, wenn sie keine Ahnung haben oder, wenn sie wie in unserem Fall, wohl der Meinung sind, dass wir von Hause aus das Kind nicht genug unterstützen. Das bekomme ich von unserer "Dame" nämlich immer vermittelt. So wie es ihr bei Sven am wichtigsten scheint, dass er ruhig sitzt, kein Widerwort gibt (also sich nicht wehrt, wenn er sich ungerecht behandelt fühlt), und doch bitte möglichst so unauffällig wie ein graues Mäuschen sein solle!

Sie hat in ihrem Abschlussbericht, den Ausgang des 7. Schulj. als noch nicht befriedigend angegeben, weil Sven mit seiner Mathelehrerin nicht klar kam! Diese Lehrerin ist der Auffassung, dass sie Kinder beschimpfen darf, sie wegen jeder Kleinigkeit vor das Klassenzimmer schicken und jeglichen Einwand als Unverschämtheit betitelt. Diese Lehrerin ist schlichtweg eine Zumutung, die sich Kindern gegenüber nicht zu verhalten weiß - aber mein Sohn soll bitte die Klappe halten und sich nicht wehren (und das bei dem Gerechtigkeitssinn!). Die Stützlehrerin weiß sehr wohl welch' Drachen diese Mathelehrerin ist - trotzdem erwartet sie von einem Kind mehr als von diesem Erwachsenen, und schreibt einen Bericht, der ein weiteres Schuljahr mit ihr erfordert!

Na, danke!

Bis dann
AngelikaSt

von AngelikaSt - am 28.08.2001 12:01

Re: Sonderschulüberpüfung - oder sind die wirklich alle so blöd?-an Hexe

Hallo Hexe,

was er genau meint, weiss ich auch nicht,aber "wie jedes Jahr stand auch jetzt wieder im Zeugnis "Versetzung auf Probe". Darüber hat sich unser Psycho halt furchtbar aufgeregt und mich gefragt, ob er sich mit der Schule in Verbindung setzten soll, dass der Satz rauskommt. (mich störte der Satz für die 2. Klasse eigentlich nicht und wollte da auch keinen Trouble mit der Schule).

ADS-Kinder sind nicht "dumm" und haben seiner Meinung nach nichts auf einer Sonderschule verloren.

Eric knn zum Beispiel super Rechnen. Leider nicht im Kopf, sondrn muss sich Zwischenergebnisse aufschreiben (durfte er aber nicht in der Schule). Folglich hat er bereits nach der ersten Aufgabe einer Lernzielkontrolle aufgegeben. Der Lehrer müsste hier eigentlich andere Möglichkeiten finden um die leistungen zu kontrollieren und zu bewerten.

Bei uns an der Grundschule gibt es ADS-Kinder, deren Schrift mit 6 bewertet werden, also eine absolute Frechheit.

Und da Eric eine Schreib-Leseschwäche hat, dürfte er deshalb nicht Sitzenbleiben. Würde ja beim Wiederholen auch nicht besser.

Das unsere Kinder mehr lernen müssen als andere ist auch klar und ein Lehrer sich an gewisse Massstäbe halten muss auch. Aber es muss wohl auf die Schwächen eingegangen werden.

Die Realität sieht leider etwas anders aus, aber es gibt wohl Wege, die von Arztseite in Bewegung kommen können, nach Rücksprache mit den eltern.

Ich habe da auch noch keinen Gebrauch gemacht, da wir erst seit 4 Wochen Ritalin nehmen und ich hoffe, dass die Schulleistungen besser werden. Ich möchte auch nicht den grossen Wirbel machen, da ich nicht abschätzen kann, welche Konsequenzen das für Eric hätte.

Alles war ich hier jetzt geschrieben haben, sind so die Gesprachsinhalte unserer Arztgespräche. Ich habe keine Ahnung, ob es hier für rechtliche Grundlagen gibt.Diagnostizierte Legasteniker haben nach Aussage unserer Arztes die Möglichkeit ein 1,0-Abitur zu schreiben.

Bis dann
PetraT

von PetraT - am 29.08.2001 08:22

Re: Sonderschulüberpüfung - oder sind die wirklich alle so blöd?-an Hexe

Hallo Petra, ja Legastheniker hätten alle Möglichkeiten wenn sie nur dürften.

Bei uns wurde Legasthenie Ende des 4.Schuljahres erkannt und diagnostiziert....bis dahin war mein Kind unauffällig, mit recht guten Noten...konnte halt nur nich schreiben wie andere:-((( Keiner merkte was und ich wurde immer wieder vertröstet, "das wächst sich aus".

Mitte 5. Schuljahr wurde dann ADS festgestellt....aber hier ist Förderstufe und hatte man mir schon gesagt das er auf Grund der Legasthenie wohl eher Hauptschule machen wird , so steht dieser Weg jetzt wohl eher fest, wenn ich noch ADS bekannt gebe.

Am Freitag, seinem Geburtstag, schreibt er einen Aufsatz...Er ist unglücklich und kann sich ncht mehr auf den Tag freuen..denn er wird bestimmt eine 5 oder 6 schreiben. Es ist eine Nacherzählung und er kann sich einfach nicht alles merken, um es dann in die richtige Zeit und Person umzusetzen..

Durch Medi ist es besser geworden, aber er ist nicht schnell und somit wird es nichts werden.

In den Kursen (C-Kurs) Englisch und Mathe steht er zwar auf 2, aber hochstufen in B kommt kaum in Frage in E - bei der Rechtschreibung???

Die Lehrer sind bisher der Meinung gewesen das ich froh sein soll, das er nicht auf die Sonderschule muss sondern Hauptschule machen darf....

Mal sehen was beim nächsten Sprechtag raus kommt.

Viele Grüße
Petra

von Hexe - am 29.08.2001 09:13

Re: Sonderschulüberpüfung - oder sind die wirklich alle so blöd?-an Hexe

Hallo Hexe und Petra!

Ich sehe schon, dass es einigen noch schlechter geht als uns. Es scheint also auch durchaus üblich zu sein, dass man unsere Kinder mit Sonderschule bedroht, obwohl sie dort nichts verloren haben und wenn ich so lese was Eltern und Kinder im einzelnen wegen des Problems ADHS mitmachen - das ist eine Tortur!

Wie bringe ich es eigentlich meinem Sohn bei? Habt Ihr eine Idee? Er ist ja schon 13 und reagiert ziemlich allergisch darauf, dass er "Probleme" haben soll!
Erst Erziehungsberatungsstelle, dann Sonderschulüberprüfung und jetzt Stützlehrerin - klar denkt er, dass er wohl nicht in Ordnung sei, wenn man dieses Tram Tram um ihn herum veranstaltet und nichts vernünftiges dabei rauskommt!

Gruß
Angelika

von AngelikaSt - am 29.08.2001 11:29
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