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Informationen zum Thema:
Forum:
ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
4
Erster Beitrag:
vor 15 Jahren, 9 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 15 Jahren, 9 Monaten
Beteiligte Autoren:
anne05, Nojume

Verträumte ADSler

Startbeitrag von Nojume am 29.08.2001 22:39

Hallo!

Nachdem meine Ärztin auf meinem Konsilliarbericht zur Beantragung meiner Psychotherapie Verdacht auf Borderline Persönlichkeitsstörung vermerkt hatte, war ich am Montag hier in meiner Stadt in der Psychiatrischen Abteilung der Uniklinik, wo eine Diagnose erstellt wurde.

Ich (26 J., w) hatte selbst das Angebot einer "Borderline-Sprechstunde" entdeckt und mir aus Interesse den Termin besorgt.

Meine Verdacht hat sich bestätigt: Ich habe KEINE Borderline Persönlichkeitsstörung, sondern lediglich einige des Sypmtome. Ich hatte mir extra ein bekanntes Buch über diese "Störung" besorgt und mich beim Lesen nur zur Hälfte in den Fall- und Symptombeschreiburgen wiedergefunden.

Nun heißt es Verdacht auf ADS. Mitte des Monats habe ich einen weiteren Diagnosetermin, um dies abzuklären.

Jetzt kann ich das Borderline-Buch weiterverkaufen und muß mir ein ADS-Buch kaufen *hi hi* ;-).
Hab aber nun schon im Internet Infos über ADS gelesen und mich wiederum teilweise in den Beschreibungen wiedergefunden.

Ich habe dabei den Eindruck gewonnen, daß ADS oft mit Hyperaktivität gleichgesetzt wird bzw. immer in einem Atemzug genannt wird. Seltener habe ich über verträumte ADSler gelesen bzw. nur als Randbemerkung bisher aber keine einzige Beschreibung gelesen. Hierzu hätte ich gerne nähere Infos:

Man möge mir meine verallgemeinernde Ausdrucksweise im folgenden verzeihen:

Sind hyperaktiver ADSler und verträumter ADSler zwei Seiten einer Medaillie (d.h.:
Ist es typisch, daß ein ADSler einerseits bzw. zeitweise hyperaktiv ist und dann wiederum verträumt und irgendwie abwesend?; (sowohl/als auch))

Oder gibt es auf einer Seite den hyperativen Typ und als Gegensatz den träumenden Typ (entweder/oder)?

Sollte es den "eher verträumten Typ" geben - könnte mir jemand bitte Lesestoff empfehlen!? Über Erklärungen und Beschreibungen direkt hier wäre ich auch sehr interessiert.

Ciao Nojume

Antworten:

Hallo,

bei Deinen Streifzügen hast Du einiges über ADS entdeckt ...

In meinen Augen jedoch wird bei vielen ADS-Beschreibungen das Wichtigste schlichtweg vergessen:

ADS ist in erster Linie mangelnde Aufmerksamkeit und Konzentrationsstörung.
Hyperaktivität, Impulsivität, Verträumtheit _können_, müssen aber nicht, sichtbare Begleiterscheinungen sein.

Körperliche Hyperaktivität ... das heißt motorische Unruhe - sie ist sichtbar und stets vorhanden - allerdings gibt es dafür noch andere Erklärungsmöglichkeiten als ADS.
Hierbei können u.a. Allergieen, (versteckte) körperliche Beeinträchtigungen wie Wirbelsäulenprobleme u.ä. die Ursache sein.
In diesem Fall ist das Vermögen zur Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit durchaus vorhanden - kommt aber nicht zum Tragen, da die körperliche Unruhe beides verhindert.
Hat man jedoch die Ursache dieser motorischen Unruhe gefunden und "bekämpft" ... ist meist auch die Aufmerksamkeit wieder vorhanden - es liegt also kein ADS vor.

Beim verträumten ADSler verhält es sich anders ... er träumt, eben _weil_ er sich tatsächlich nicht konzentrieren _kann_ (andere Ursachen natürlich ausgeschlossen).
Weil er seine Aufmerksamkeit nicht zielgerichtet steuern kann ... das lässt ihn mit seinen Gedanken wegdriften.
Meist sind diese Hypoaktiven auch (nach außen) zumindest hin und wieder sehr impulsiv ... nämlich dann, wenn plötzlich einströmende Reize eine Reaktion hervorrufen.
Dann spielt sich die "Hyperaktivität" im Kopf ab ... alle Impulse sind ungesteuert und "entladen" sich in einem Schlag - er geht wie ein HB-Männchen an die Decke ... ungebremst und nicht Herr seiner Worte.

ABER: diese Impulsivität kann sich auch durchaus nach innen richten, man merkt ihm die "jähzornigen Momente" nicht an.
Tausend Gedanken, die nicht gebündelt werden können, lösen die totale Konfusion im Kopf aus ...
Da sich, wie gesagt, die "Hyperaktivität" im Kopf abspielt, fahren die Gedanken dann Karrusell - und man ist nicht in der Lage, ihnen Einhalt zu gebieten.

So, ich hoffe, ich konnte ein wenig zu Deiner Aufklärung beitragen.
Wenn Du weitere Fragen hast, frage ...
bis dahin
beste Grüße
Anne05
Eigen-Sinn - Seiten für hochbegabte Kinder mit ADS


von anne05 - am 30.08.2001 07:13
Hallo anne!

Danke für deine Antwort!

Ich habe sie mit Interesse gelesen. Da ich wie gesagt noch nicht viel über ADS weiß, kann ich inhaltlich nun nicht auf deine Antwort eingehen, sondern sauge es einfach mal in mich auf.

Du scheinst dich ja ganz gut mit ADS auszukennen.

Kannst Du mir vielleicht sagen wie eine ADS-Diagnose abläuft?
Gibt es unterschiedliche Verfahren?
Ist eine Untersuchung der Gehirnaktivitäten in jedem Fall Teil einer kompletten Diagnose?
Muß eine veränderte Gehirnaktivität vorliegen, um eine Diagnose ADS zu erhalten?

Vielen Dank!

Tschö Nojume

von Nojume - am 30.08.2001 07:55
Hallo Nojume,

zu einer vernünftigen Diagnose - die von einem in Testdiagnostik erfahrenen Arzt oder Psychologen vorgenommen werden sollte - gehört u.a.

- sorgfältige Anamnese (Fragebögen; Vorgeschichte; bei Kindern Berichte der Eltern, Lehrer, Erzieher etc., bei Erwachsenen eine Selbsteinschätzung, Berichte evtl. der Eltern, des Partners)
- diverse Tests (Aufmerksamkeitstest, Intelligenztest zum Ausschluss von Hoch- oder Minderbegabung - auch diese Dinge können ADS-ähnliche Symptome hervorrufen)
- Ausschlussdiagnosen mittels EEG und Blutuntersuchung (ob nicht eine andere Krankheit, z.B. Allergie, Epilepsie, Tumorerkrankung etc. vorliegt)

Zur Hirnaktivität:
Nein, meist sind keine Veränderungen der Hirnaktivität am herkömmlichen EEG abzulesen, wenn doch, so haben sie gewöhnlich andere Ursachen.
Ein Nachweis über die geänderte Hirnaktivität bei ADS ist zwar in einigen bildgebenden Untersuchungsverfahren bereits gelungen ... diese Untersuchung wird jedoch bislang nur zu klinischen Forschungen eingesetzt und ist (noch) keine gängige Praxis.

So ist es halt eine Vielzahl von auffälligen Symptomen, die zusammenkommen, um ADS - nach der gängigen Definition - zu bestätigen.

Viele Grüße
Anne05
Eigen-Sinn - Seiten für hochbegabte Kinder mit ADS


von anne05 - am 30.08.2001 08:24
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