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Informationen zum Thema:
Forum:
ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
4
Erster Beitrag:
vor 15 Jahren, 9 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 15 Jahren, 9 Monaten
Beteiligte Autoren:
Claudia, Dagmar, Sabine

Ritalin nur vormittags??

Startbeitrag von Claudia am 30.08.2001 12:01

Hallo an alle,

ich bin ganz neu hier in diesem Forum. Bisher habe ich mich im Forum von www.hyperaktiv.de bewegt und bin erst jetzt zu dieser Seite gestossen. Weil mir diese Frage aber wirklich im Moment sehr wichtig ist, wende ich mich damit auch an Euch. Ich hab mal eine Frage an die Ritalin-Erfahrenen unter Euch. Unser Sohn (9 Jahre) geht jetzt in die 4. Klasse. Er hat ADS (in leichter Form). Früher war er sehr hyperaktiv, aber das hat sich mittlerweile weitgehend gelegt. Er bekommt (noch) kein Ritalin. Er ist eigentlich auch gut in der Schule, wobei das Thema Konzentration immer wieder Nr.1 ist. Seine Lehrerin hält eigentlich sehr viel von ihm und betont immer wieder, dass seine Leistungen nicht seinem Intellekt entsprechen (Er spielt z. B. sehr gut Schach). Wir haben auch dadurch im letzten Jahr diverse pädagogische Noten bekommen, die zu mehr Disziplin führen sollten. Erreicht wurde dadurch nur, dass er anfing, massiv an den Nägeln zu kauen und vor Klassenarbeiten abends vor lauter Angst nicht einschlafen konnte. Wir haben daraufhin eine therapeutische Behandlung angefangen, die ihm sehr gut bekommt und wo er auch gern hingeht.
In den Ferien hat sich das alles gegeben und es war alles ziemlich ok. Jetzt hat uns der Schulalltag wieder. Heute wird ein Diktat geschrieben und gestern nachmittag saß mein Sohn da, hatte Kopf- und Bauchschmerzen und leichtes Fieber.
Ich bin überzeugt davon, dass das psychische Ursachen hat. Und jetzt meine Frage an Euch: Ist es sinnvoll, oder kann man das überhaupt, Ritalin nur morgens in der Schule zu geben? Wie gesagt, ansonsten haben wir alle Schwierigkeiten auch so in den Griff bekommen. Ich dachte nur, wenn er dann merkt, dass er sich auf seine Fähigkeiten verlassen kann, wenn er sich konzentrieren kann, würde es ihm leichter fallen. Ich würde mich sehr freuen, wenn jemand von Euch von guten Erfahrungen damit berichten könnte. Sein Kinderarzt hatte beim letzten Gespräch schon eine medikamentöse Unterstützung angeboten, aber ich war mir nicht sicher, ob es gut für ihn ist, wenn er das Gefühl hat, nur mit Medikamenten den Tag zu überstehen.

Ich freue mich über jeden guten Tipp.

Danke

Claudia

Antworten:

Hallo Claudia!

Habe gerade mit großem Interesse Deine mail gelesen.

Wir haben einen 11-jährigen Sohn mit ADS/H (wie sich das anhört!) Er hat einen langen Weg hinter sich mit vielen Mißverständnissen und Vorwürfen. Ihr könnt wirklich froh sein, eine so verständnisvolle Lehrerin zu haben!

Jetzt zu Deiner eigentlichen Frage: er nimmt Ritalin nur bedarfsweise, d. h. vormittags während der Schulzeit, bei vielen oder wichtigen Schulvorbereitungen eine halbe nachmittags. Aber an den Wochenenden und während der Ferien bekommt er nichts und es geht ihm damit sehr gut.

Sicher gibt es immer wieder die Meinung, Ritalin müsse durchgängig gegeben werden. Es handelt sich jedoch hier um ein Medikament, daß sich innerhalb von 6 Stunden aus dem Körper selbst herausfiltert. Somit müßte, um eine wirkliche Durchgängigkeit zu erreichen, auch nachts dosiert werden. Und das macht natürlich überhaupt keinen Sinn!

Sowohl unser Kinderarzt als auch unsere Erfahrungen zeigen, daß sich dieses Medikament sehr gut nur bei Bedarf geben läßt.

Vielleicht habe ich Dir damit ein wenig helfen können. Auf jeden Fall wünsche ich Euch alles Gute und drücke Euch für die Zukunft die Daumen!

Liebe Grüße

Sabine

von Sabine - am 30.08.2001 14:36
Hallo Claudia,

gute Schulleistungen sprechen nicht gegen ADS. Mein Ältester ist als Klassenbester aus der 4. Klasse abgegangen, auch ohne Ritalin, einfach, weil wir zu dem Zeitpunkt noch keine Diagnose hatten.
Er ist ein relativ stark betroffenes Kind, das auf der anderen Seite recht gut begabt ist und deshalb so lange kompensieren konnte.

Was du aber an Verhaltensweisen deines Sohnes beschreibst, sind die typischen Sekundärstörungen. Diese Ängste werden Kinder umso schwerer wieder los, je länger sie bestanden. Deshalb wäre es wichtig, dass du deinem Sohn so schnell wie möglich hilfst. Er leidet ja sichtbar.

Kinder, die nur Konzentrationsprobleme haben, brauchen ihre Medikamente oft nur morgens in der Schule. Ich persönlich sehe das ein bisschen skeptisch, da auch soziales Lernen etwas mit Aufmerksamkeit zu tun hat. Und wenn man dann genau hinschaut, dann gibt es doch oft soziale Defizite.

Mein 2. Sohn nimmt die Medis auch nur in der Schule. Es ist oft so, dass die Kids in der Pubertät die Medikamente nicht mehr nehmen wollen. Das berichten Ärzte aller Krankheitsbilder. Wir haben auf diese Weise einen Kompromiss "ausgehandelt".

Wie du das handhabst, musst du selbst entscheiden. Leiten lassen solltest du dich von dem Gedanken dein Kind zu unterstützen und ihm so viel Hilfe zukommen zu lassen, wie er braucht.

Viele Grüße
Dagmar
Elterngruppe Frankfurt


von Dagmar - am 30.08.2001 16:51
Hallo Sabine, hallo Dagmar,

vielen Dank für die guten Zuschriften. Ich werde mich also doch noch einmal ernsthaft mit dem Arzt und der Therapeutin darüber unterhalten. Für mich bleibt nur noch die Frage offen, wie die Kinder das sehen? Entwickeln Sie das Gefühl, abhängig zu sein, oder überwiegt der positive Effekt. Meine Ängste gehen dahin, dass er das Gefühl bekommt, nicht "ohne" sein zu können. Das ist vielleicht unbegründet, aber ich habe auch noch keine Erfahrung damit machen können.

Zum Thema soziales Lernen kann ich nur sagen, dass unser Sohn ein über die Maßen soziales Kind ist, das man eher bremsen muss, z. B. nicht alles herzugeben. Von daher gesehen könnten wir nachmittags wirklich auf eine Medikamentengabe verzichten. Es dreht sich bei uns wirklich alles nur um die Schule.

Liebe Grüße

Claudia

von Claudia - am 30.08.2001 19:19
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