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Forum:
ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
7
Erster Beitrag:
vor 15 Jahren, 10 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 15 Jahren, 10 Monaten
Beteiligte Autoren:
Hoschi, Wilma, Gina, Heike Lu, Astrid

Oma, Onke, Vetter, Sausebraus (länger)

Startbeitrag von Hoschi am 05.09.2001 08:32

guten morgen zusammen,

ich lag gestern abend im bett und konnte einfach nicht einschlafen so viele dinge gingen mir durch den kopf. und plötzlich viel es mir wie schuppen aus den haaren. ich bin immer davon ausgegangen, daß sausebraus mir sehr änhnlich ist und ich der "vererber" bin aber hört euch das mal an:

1) Oma = schwiegermutter: quirrlig, immer in aktion, hektisch. alle beneiden mich um diese aktive, auf feten immer im mittelpunkt stehende schwiegermutter, harmoniesüchtig, erkennt sich nach eigenen aussagen im buch von c. neuhaus wieder: hyperaktive kinder und seine probleme!

2) opa = schwiegervater: gefühlskalt, macho, kopf mensch, kein erkennen von ads.

3) ältester sohn = mein mann: kopf mensch, rational, eher ruhig, kein erkennen von ads

4) jüngster sohn = onkel von sausebraus: war ein sehr schwieriges kind, hat schwiegermutter fast um den verstand gebracht, war nicht ruhig zu bekommen, hat alles verprügelt was ihm in die quere kam, sorgenkind, polizei kam früher auch schon mal klingeln abgesehen von den eltern der anderen kinder, abbruch der ausbildung, ist dann in vaters geschäft eingetreten, vergeßlich, macht seinen ältesten sohn immer nieder (seelenverwandte ?), braucht immer viel aktion um sich rum dadurch ist das haus jeden tag voll von bekannten, freunden etc., hält nichts von fam. therapien und der gleichen (stoße ich auf granit)

5) yannik (dez. 10) = vetter von sausebraus: stand bei der geburt auf der kippe, bekommt viele medis wegen asthma (inkl. cortison), freßsüchtig dadurch übergewichtig, problemkind im kiga (laut seinem vater alles nur unfähige erzieherinnen) grundschule total auffällig (wieder alle unfähig), schule hat einen schulpsychologen angefordert, yannik wurde getestet ergebnis ads im "leichten" fall, ritalin wäre nicht unbedingt nötig, extrem schusselig (vergißt ständig turnbeutel, inliner etc) wird ständig von seinem vater nur angebrüllt, hohe verletzungsgefahr (schlimmster fall: lief mal durch eine geschlossene terrassentür mit doppelverglasung, tür total hinüber, kind extremes glück gehabt), hat keine richtigen freunde, raucht, klaut, lügt, trinkt heimlich alkohol aber sehr lieb und fürsorglich (mache mir allerdings sorgen um ihn)

6) fabio (4) = vetter von sausebraus: extremes mamakind, hat wachstumsprobleme deshalb das "baby" in unserer familie, bekommt ständig gesagt: du machst uns aber nicht so viel probleme wie dein großer bruder ! du bist aber lieb! (yannik steht ganau daneben !!), wenn sausebraus mit ihm streß hatte war es immer mein kind schuld auch wenn wir nicht dabei waren denn: fabio schlägt nicht und ist das liebste und beste kind auf erden. hatten uns deswegen eine lange zeit zurückgezogen.kein erkennen von ads ist halt nur verhätschelt.

7) leon = sausebraus: diagnostiziert ads mit h, ritalin, ergotherapie, bald vt sowie reha in inzell. merkmale: wahrnehmungsstörungen, reizüberflutung, latent aggressiv, motorische unruhe, motorik einwandfrei bis überdurchschnittlich deshalb wenig verletzungen bei seinen aktionen, war schon immer auffällig, mit 1,5 beginn der fam. beratung da er ständig die kinder bei der tagesmutter verprügelte, extrem auffällig im kiga (würgt) hat sich durch rita extrem gebessert ist konzentrierter etc., hat eine große abneigung gegen die ergo: sind blöde spiele da..
hoffe, daß er bald bereit ist zur mitarbeit.

so jetzt frage ich euch zufall oder was ? ist es möglich das ads eine generation überspringt. so gesehen ist nur jeder zweite in dieser familie betroffen.

leider ist der onkel von sausebraus total uneinsichtig da kommt selbst seine frau nicht gegen an.

liebe grüße hoschi

Antworten:

Hallo Hoschi,

keine Ahnung, wie das genau läuft mit der Vererbung. Bei uns ist das so: Ich vermutete zuerst, dass meine Tochter ihr ADS (ncoh nicht diagnostiziert) von ihrem Vater hat. In meiner Schwiegersippe hatten einige der 8 Kinder erhebliche Lern- und Verhaltensschwierigkeiten. Das ging im Falle meines Ex bis zur Heimeinweisung im Alter von 12 Jahren. Er neigte wohl auch zur Selbstmedikation- erst Kaffee und Nikotin, später auch Alkohol, der ihn letztlich umgebracht hat. Als Erwachsener war er zwar nicht mehr aggressiv, hatte aber schon Schwierigkeiten, sein Leben geordnet zu kriegen, vor allem nach der Wende, wo man plötzlich so furchtbar viel Verantwortung für sich selbst hatte.
Nun vermute ich aber auch bei mir ADS. Ich war zwar immer gut in der Schule, war aber schon irgendwo das Träumerle, hatte Probleme mit anderen Kindern usw. Wenn ich so an meine Kindheit denke, erkenne ich meine Tochter in einigen Dingen wieder. Ich habe mich immer sehr an Regeln gehalten, vielleicht weil alles Ungeordnete mich geängstigt hat? Heute ist es so, dass ich dazu neige, vor ungeliebten Arbeiten davon zu laufen, Wäscheberge stehen zu lassen, Papierkram wochenlang liegen zu lassen, Katalogbestellungen nicht fertig zu bekommen, Telefongespräche ewig aufzuschieben usw. Dafür laufe ich spontan zu Hochtouren auf, wenn ich eine Idee habe. Zum Glück habe ich einen Beruf, der Kreativität erfordert und wo ich auch meinen eigenen Ideen nachgehen kann. Allerdings muss ich das dann auch sofort machen, sonst wird nichts mehr daraus.
Nun müsste ja mein Sohn auch ADS haben, oder? Hat er aber wahrscheinlich nicht, "lediglich" auditive und ein paar andere Wahrnehmungsstörungen, Probleme mit der Sprachentwicklung und eine Lese-Rechtschreibschwäche. Sein Verhalten ist mitunter auch haarsträubend, aber ich denke da immer noch, dass er einfach nur sehr aufgeweckt und auch sehr selbstbestimmt ist.

von Astrid - am 05.09.2001 11:00
Hallo,
nach Biederman et al. (amerikanischer ADHS-Forscher) wird das ADHS zu 57% von selbst betroffenen Eltern an ihre Kinder vererbt. Der Rest hat Glück. Warum das so ist, weiß zur Zeit wohl niemand genau. Aber daß eine Generation übersprungen wird, kommt öfter vor.
Gruß
Wilma

von Wilma - am 05.09.2001 11:20
Das waren ja ne ganze Menge Infos,Hallo Hoschi!!!Auch wir haben innerhalb unserer Familie begonnen,ADHS Detektiv zu spielen------und sind auch echt findig geworden.Zum Teil können wir das mit Humor nehmen,z.B. bei der lustigen pepigen Oma,zum Teil entdeckten wir auch echte Problemfälle,mein Vater (mit Sicherheit ADHS+Alkoholproblem)und mein Schwiegervater(mit Sicherheit eine manisch-depressive Erkrankung).Was ich damit sagen will ist folgendes:Einige Bekannte, bei deren Kindern ebenfalls ADHS Thema ist, stellten auch diese "Untersuchungen" an und wurden ebenfalls findig.Wir waren und sind uns sicher, das die Vererbung in den einzelnen Familien sicherlich eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt.Durch die Diagnosestellung bei unserem Sohn sind wir / ich erst mal richtig ans nachdenken gekommen und ich kann zum Teil ganz viele Paralellen zu meinem Leben ziehen,jetzt und auch als Kind.Das ist zum einen sehr schmerzlich,weil viele verdrängte Kindheitserinnerungen wieder kommen,zum anderen sehe ich es positiv,weil ich den Grund der Verdrängung erahne und anfange es aufzuarbeiten.Ich sehe viele Dinge klarer und kann meinen Sohn in vielen, vielen Dingen verstehen,vielleicht von allen am besten verstehen,das verbündet und macht stark!!!Gruß Lu.

von Heike Lu - am 05.09.2001 11:27
Hallo Hoschi,
bei uns kann ich ADS von Daniel über mein Mann bis zum Schwiegervater zurückverfolgen. Vom Vater meines Schwiegervaters kann ich es durch erzählungen nur erahnen. Also bei uns liegt die Vererbung in der Männlichen Generation.
Da mein Schwiegervater weiter weg wohnt, kommt er immer für eine Woche zu Besuch, stört mich auch nicht, ist ein lieber Mensch, aber diese Unruhe in der Wohnung, 3 ADS-ler Generationen, puhh, das ist ganz schön anstrengend :-)))

Gruß Gina

von Gina - am 05.09.2001 13:47
hallo gina,

oh gott oh gott ein sausebraus reicht mir vollkommen...

und ich bin mir auch schon selbst genug...

ich finde es halt nur traurig das leons großer vetter einfach so dahin"vegetiert" ohne dass sich jemand richtig darum kümmert.

es liegt mir wirklich fern zu kritisieren oder zu maßregeln aber er bekommt immer nur eins drauf obwohl die eltern doch jetzt wissen woran es liegt. trotzdem kommt da überhaupt kein verständnis etc. von dieser seite für ihr eigenes kind.

mich macht es einfach traurig....ich befürchte auch schlimmere dinge in der zukunft da yannik ja jetzt schon viele "unbehandelte" probleme in allen möglichen arten auslebt (siehe lügen, rauchen, trinken) und das schon mit 10!

die kontrolle über ihn ist total flöten gegangen...

da bin ich schon froh, daß ich mich so reingekniet habe!!!

danke an alle....da unser neurologen sich etwas eigenartig äußerte in bezug auf die vererbung (wäre noch nicht bewiesen etc.)

liebe grüße hoschi

von Hoschi - am 05.09.2001 14:33
Hallo Hoschi,
doch, die Erblichkeit ist bewiesen und durch große Zwillings- und Adoptionsstudien abgesichert. Das Dopamin-Transporter-Gen und das Dopamin-D4-Rezeptorgen sind bei selbst betroffenen Eltern und ihren betroffenen Kindern gleichermaßen defekt. Man geht aber davon aus, daß noch weitere Gene an diesem vielschichtigen Störungsbild beteiligt sind, die man noch nicht kennt. Deswegen sprechen manche von "noch nicht bewiesen".
Der 10jährige, von dem Du erzählt hast, braucht dringend eine Therapie. Er hat schon Züge einer Störung des Sozialverhaltens, die ihn ganz schnell in eine Randgruppe bringen werden. Die Entwicklungspsychologen sprechen in solchen Fllen von antisozialen Frühstartern (s. Petermann/Kusch/Niebank: Entwicklungspsychopathologie; Beltz Psychologie-Verlags-Union 1998). Die Eltern sollen sich gründlich überlegen, ob sie ihren Sohn jetzt behandeln lassen oder ihn in wenigen Jahren im Knast besuchen wollen.
Der Konsum von Alkohol und Nikotin im Alter von 10 Jahren spricht für eine stark ausgeprägte innere Unruhe und wird in der einschlägigen Literatur als Versuch einer Selbstbehandlung interpretiert. Auch deswegen sollte der Junge bald kompetente Hilfe erhalten. ADHS und Sucht sind sehr eng mit einander verknüpft.
Ich finde es toll, daß Du Dich da so kümmerst. Versuch es noch einmal, vielleicht mit dieser Mail. Vielleicht kannst Du die Eltern ja doch noch überzeugen.
Alles Gute!
Wilma

von Wilma - am 05.09.2001 15:19
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