Wieso heißt es ADS(H) oder ADD?

Startbeitrag von Gitte am 06.09.2001 12:57

Mir ist manchmal ganz wirr im Kopf von all den Veröffentlichungen, Ratschlägen und Hilfestellungen im Forum. Aber es ist mir wichtig und ich bin dankbar dafür, eine tägliche Anlaufstelle zu haben.

Die Meisten von uns sind keine Ärzte, Therapeuten, Pädagogen o.ä.. Auch wir haben uns zunächst intensiv mit der Problematik auseindersetzen müssen. Auf Vorträgen, bei Ärzten, in Büchern und Veröffentlichungen haben wir uns ein Bild davon machen müssen, was bei unseren Kindern anders ist als bei den sogenannten "normalen" Menschen.
Soweit ich es verstanden habe, ist das Erleben von sich selbst und ihrer Umwelt bei diesen Personen durch eine Stoffwechselstörung im Gehirn stark beeinträchtigt. Wenn dem so ist, warum lautet die Diagnose nicht : Stoffwechselstörung im Gehirn? ADS(H) ist in meinen Augen eher eine Bezeichnung für einen Teil der auftretenden Symptome.

Je nach Schwere dieser Erkrankung können psychische und soziale Störungen auftreten. Erst dann nimmt die Öffentlichkeit die Erkrankung - wenn auch nicht als solche, sondern meist als Erziehungsfehler - wahr. Wir alle kennen die verbalen Angriffe gegen Eltern. Meist kommt es dann aber erst zu den richtigen Therapien.
Warum nicht früher? Ich hoffe sehr, dass diese Stoffwechselstörung im Gehirn verstärkt zum Thema in der Ausbildung der Ärzte wird.

Bei unserem Sohn (jetzt 13 J.) war schon mit 1 1/2 J. klar, dass er erhebliche taktile und motorische Schwierigkeiten hatte. Ergotherapie hat leider nur wenig geholfen. Die Diagnose Hyperaktivität stand schnell fest. Wirklich geholfen hat ihm die Gabe von Ritalin (seit 5 Jahren), das ihm ein positives Erleben von sich und seinen Fähigkeiten und auch der Welt um ihn herum möglich macht. - Allen unsinnigen, inkompetenten und zusammengeschnittenen Moderationen und Berichten zum Trotz.
Ich hätte mir gewünscht, dass schon eher eine Ritalin-Therapie möglich gewesen und ihm dadurch möglicherweise eine langwierige Verhaltenstherapie erspart worden wäre.

Grüße aus dem verregneten Krefeld

Gitte

Antworten:

Hallo,
ADHS steht für Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung. ADD ist die englische Version und bedeutet Attention Deficit Disorder (mit oder ohneHyperactivity). Die wissenschaftlich verwendete Abkürzung ist AD(H)S im Deutschen und AD(H)D im Englischen.
Viele Grüße
Wilma

von Wilma - am 06.09.2001 13:06
ADS beschreibt das Hauptsymptom. Aber diese Bezeichnungen sind alle nur Namen die sich zudem ständig ändern. Warum heißt Zuckerkrankheit Diabetis oder Grippe Influenza, warum hieß es früher manisch-depressiv, warum heute bipolare Störung? Der Name ändert nichts. Die Reaktionen der anderen werden gleich bleiben. Es wird nach dem jetzigen Stand der Forschung nicht eher identifiziert werden.

Ritalin ersetzt keine Verhaltenstherapie. Begleittherapien sind gut und wichtig. Ritalin kann möglicherweise die Dauer dieser verkürzen aber sie nicht ersetzen.

gipsy

von gipsy - am 06.09.2001 16:05
Schönen guten Morgen!
Meine Frage scheint missverstanden worden zu sein. Ich kann die Diskussionen über Ritalin und entsprechende andere Medikamente nicht mehr hören.
Ritalin u.a. werden zum Ausgleich einer Stoffwechselstörung verabreicht. Sie sollen nicht beruhigen, zu schulischen Höchstleistungen bringen und und und...
Das Gehirn ist eins der wichtigsten Teile unseres Körpers. Warum soll bei einem „Defekt“ nicht medikamentös geholfen werden. Bei anderen Stoffwechselstörungen z.B. des Magens oder des Darms gibt es selten Diskussionen um die Gabe von Arzneien. Warum bei der Stoffwechselstörung des Gehirns? Hier wird den betroffenen Menschen doch lediglich die Chance gegeben, ihr Leben so zu leben, wie es ohne diese Erkrankung möglich wäre. Und das betrifft auch Intelligenz und Temperament, so dass Leistungen in Schule und Beruf davon auch beeinflusst sind.

Unserer ältester Sohn ist von dieser Stoffwechselstörung schwer betroffen. Therapien waren ohne Ritalin bzw. Medikinet nicht möglich. Diese „Pillen“ haben ihn bewusster werden lassen für das, was in ihm vorgeht, und ihm gezeigt, was er selbst dafür tun kann, dass es ihm besser geht.
Übrigens: Selbständig an die Einnahme dieser „Hilfen“ denkt er immer noch nicht. Das zum Thema „Sucht“.

Was die Diagnostik mancher Ärzte angeht, muss ich gezwungenermaßen zugeben, dass vorschnell ADS-Diagnosen gestellt werden. Zwei Mal habe ich es in unserem Bekanntenkreis erlebt, dass Kinder Ritalin verordnet bekamen, bei denen es gar nicht um ADS ging. Das Medikament löste bei Beiden eine unglaubliche Unruhe und Konzentrationsschwächen aus, sodass die „Pille“ umgehend wieder abgesetzt wurde.

Ich hoffe, dass ich mich heute besser ausgedrückt habe.

Danke für Erläuterungen und einen schönen Tag noch

Gitte

von Gitte - am 07.09.2001 07:39
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