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ADHS ADS Selbsthilfe
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Erster Beitrag:
vor 16 Jahren
Letzter Beitrag:
vor 16 Jahren
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Dagmar, steffi, Hexe, Hoschi

gefühlschaos

Startbeitrag von steffi am 06.09.2001 23:07

so, erstmal ein liebes hallo an euch alle. bin durch stöbern im internet auf diese seite gestossen und habe bereits sehr interessiert eure postings gelesen.
nun zu uns. wir sind eine kleine familie. sohnemann ist 8 1/2 und hat ein seit kurzem diagnostiziertes ads/h. habe mir bereits sehr viel angelesen und hatte ettliche aha-erlebnisse. ich habe meinen lütten in sehr vielen berichten und artikeln wiedergefunden. grad so, als ob jemand genau über mein kind berichtet. aber das kennt ihr ja sicher auch alle ;-)).
tja, und nun fangen die probleme an! ich muss ersteinmal bemerken, dass ich doch schon sehr froh bin, endlich eine diagnose zu haben. ich habe also als mutter nicht völlig versagt und mein sohn ist nicht einfach nur ein verzogenes gör, wie ich es mir unzählige male habe anhören müssen. aber was nun? klar, er wird jetzt auf ritalin eingestellt und eine verhaltenstherapie werden wir auch in angriff nehmen. aber ich muss gegen so viele widerstände kämpfen. selbst gegen meinen mann,der ganz nebenbei erwähnt nicht der leibliche vater meines süssen ist und ihn erst kennt, seitdem dennis 4 1/2 ist. er tut alles einfach als "pseudokrankheit" ab und ist (noch???) nicht bereit, mitzuarbeiten. mein mann ist sehr introvertiert und hat selbst noch zwei kinder, die vor unserer ehe entstanden. sie sind 7 und 4 und er sieht sie regelmässig. das allein schafft schon sehr viel stresspotential bei uns. unsere beziehung stand schon mehrfach (von meiner seite aus) auf der kippe.ich habe ihm bereits sehr deutlich zu verstehen gegeben, dass ich das so nicht mehr aushalte und notfalls auch mit meinem sohn gehen werde.
ja und dann ist da noch das leidige thema schule. das wird hart. dennis hat eine lehrerin, mit der ich absolut nicht zurechtkomme. sie hat nie zeit, lässt termine platzn ud wenn ich es dann abends telefonisch probiere, ist sie nie erreichbar. sie stellt dennis ständig vor der ganzen klasse bloss, schreit ihn an und ich darf ihn recht häufig abholen - falls er mal gerade nicht als "strafe" in eine andere klasse geschick wird. dennis ist ihrer meinung nach gestört und gehört auf die sonderschule. am montag wird sie mit den anderen lehrern eine klassenkonferenz abhalten, in der es um "erziehungsmassnahmen" für - oder besser gegen - meinen sohn geht. er darf dann an theaterbesuchen, ausflügen etc. nicht mehr teilnehmen und wird, sobald er "stört"in eine andere klasse geschickt. sie lässt mir zeit bis weihnachten. ist dann keine deutliche besserung (ein unauffälliges kind) eingetreten, folgt der schulausschluss und der verweis an die sonderschule. das alles habe ich nur durch zufall und inoffiziell erfahren. wie sieht das rechtlich aus? habt ihr ahnung davon? was kann ich tun? habe schon überlegt, irgendwie den genauen termin dieser konferenz in erfahrung zu bringen und dort mit einem stapel infomaterial über ads aufzutauchen. sinnvoll? die diagnose steht erst ganz kurz - trotz jahrelanger ärzte und psychologenodyssee. diese information hat sie von mir bekommen.
achje, fragen über fragen (und das war erst der anfang ... ;-)))
würde mich über jede hilfe sehr freuen.
liebe grüsse und schonmal vielen dank
steffi

Antworten:

hallo steffi,

wegen den schulischen fragen weiß bestimmt dagmar rat und ich hoffe, dass sie sich hier noch meldet. ansonsten spech sie in "betreff" doch mal direkt an.

wie sieht es denn mit einem schulwechsel auf eine andere "normale" schule aus. eine bekannte von mir ist einfach bei allen möglichen schulen reingeschneit und hat angefragt.

wenn eine neue schule in betracht gezogen wird könntest du dort vielleicht schon im vorfeld ads ab- bzw. erklären und auf mitarbeit und verständnis hoffen.

vielleicht wäre das auch nicht das schlechteste für dennis. er hätte dort die chance auf einen neuanfang. wie es scheint ist in der jetzigen schule die luft sowieso verpestet !

kopf hoch

hoschi

von Hoschi - am 07.09.2001 08:32

Re: gefühlschaos - Schule

Hallo Steffi,

das ist ja wirklich ein Chaos ;-)) Aber es hier aufzuschreiben ist schon der erste Schritt es zu entwirren, oder besser ein weiterer Schritt.

Ich nehme mal das Ende "Schule" in die Hand.

>>lehrerin, mit der ich absolut nicht zurechtkomme>>

nicht du, sondern dein Kind muss mit ihr zurechtkommen. Wenn du es auch tust, ist es um so schöner ;-)

>>hat nie zeit, lässt termine platzn ud wenn ich es dann abends telefonisch probiere, ist sie nie erreichbar>>

Jeder Lehrer ist verpflichtet eine Sprechstunde anzubieten, die in seiner unterrichtsfreien Zeit liegt. Diese Sprechstunde können Eltern nach Voranmeldung nutzen. Solche Termine darf man nicht einfach platzen lassen, manchmal kann es aber sein, dass eine kurzfristige Konferenz/Dienstbesprechung unglücklicherweise zur gleichen Zeit stattfindet. Da dort Anwesenheitspflicht besteht, muss dann tatsächlich ein Elterngesprächstermin verlegt werden. Das ist nicht nur für die Eltern ärgerlich.
Da viele Eltern berufstätig sind und deshalb eine Sprechstunde am Vormittag oder frühen Nachmittag nicht wahrnehmen können, gehen viele Lehrer dazu über, ihre Telefonnummern bekannt zu geben, damit Eltern sich sehr schnell melden können. Dies tun Lehrer freiwillig, es besteht dazu keine Verpflichtung. Als ich noch Schülerin war, hätte ein Lehrer *nie* seine Telefonnummer herausgerückt.
Tipp: Im Sekretariat nach der Sprechstunde der Lehrerin fragen, sie muss dort bekannt sein.

>>sie stellt dennis ständig vor der ganzen klasse bloss, schreit ihn an>>

Wichtig wäre es, hierzu die Aussagen anderer *zuverlässiger* Kinder zu bekommen, die dies bestätigen können. Diese Aussagen würde ich mir notieren und in ein Gespräch mit der Lehrerin mitnehmen. Du kannst auch den Schulleiter um ein Gespräch gemeinsam mit der Lehrerin und dir bitten.

>>und ich darf ihn recht häufig abholen >>

Hierbei handelt es sich um eine Ordnungsmaßnahme, befristeter Ausschluss vom Unterricht. Eine solche Ordnungsmaßnahme muss entweder von der Klassenkonferenz oder vom Schulleiter bewilligt sein.
Tipp: Nachfragen, ob der Schulleiter informiert ist.

>>falls er mal gerade nicht als "strafe" in eine andere klasse geschick wird.>>

Das muss keine Strafe sein. Auch Kindern in der Schule müssen Grenzen gesetzt werden, so sonst ein soziales Zusammenleben in der Gruppe nicht gewährleistet ist. Reagieren sie nicht auf Grenzen setzen, dann bekommen sie die berühmte Auszeit, die wir auch zu Hause anwenden. (Geh mal für 10 Min. in dein Zimmer). Da man Kinder wegen der Aufsichtspflicht nicht einfach vor die Tür stellen kann, so wie das bei mir noch der Fall war, als ich Schülerin war, erhalten diese Kinder ihre Auszeit unter Aufsicht einer anderen Lehrerin. Die meisten Kinder erkennen danach i.d.R. gegebene Grenzen.

>>am montag wird sie mit den anderen lehrern eine klassenkonferenz abhalten, in der es um "erziehungsmassnahmen" für - oder besser gegen - meinen sohn geht. er darf dann an theaterbesuchen, ausflügen etc. nicht mehr teilnehmen und wird, sobald er "stört"in eine andere klasse geschickt.>>

Es handelt sich hierbei um eine Klassenkonferenz, die diese Dinge tatsächlich beschließen darf. Wichtig ist, dass du als Mutter und der Elternbeirat der Klasse geladen wirst. Dazu gibt es Fristen, die iengehalten werden müssen. (Ich weiß nicht genau, eine Woche oder 10 Tage). Du hast als Mutter ein Teilnahme- und ein Anhörungsrecht.

Tipp: Warte erst mal ab, ob die Klassenkonferenz in der Form wirklich stattfindet. Nicht jedes Teamgespräch ist eine Klassenkonferenz. Wenn Ordnungsmaßnahmen ausgesprochen werden, über die du selbstverständlich unterrichtet werden musst, dann war es eine Klassenkonferenz. Falls es dazu wirklich kommen sollte, kannst du zum Schulamt gehen und den Beschluss aufheben lassen, wegen formaler Fehler zur Einberufung einer Klassenkonferenz. Dein Kind steht dann so dar, als hätte die Konferenz nicht stattgefunden.

>>verweis an die sonderschule.>>

An eine Sonderschule kann man nicht verweisen. Es muss ein entsprechendes Gutachten angefertigt werden. Du als Mutter musst darüber informiert werden. In einigen Bundesländern kann man gegen ein solches Gutachten Widerspruch einlegen. Nur keine Panik, bei Weitem nicht alle Gutachten bestätigen einen Förderbedarf.

Ich würde das ganze erst mal recht locker sehen. Dein Sohn hat eine Diagnose. Die medikamentöse Behandlung wird ihn sicher bald in die Lage versetzen, sich in der Gruppe / seiner Schulklasse zurechtzufinden. Das bedeutet, dass all das von dir beschriebene Zukunftsprocedere, wahrscheinlich nie eintreten wird.

Noch ein Tipp: Auch zu Hause hält sich dein Sohn sicher nicht an die gegebenen Regeln. Wie gehst du dann mit ihm um? Hast du schon Strategien gefunden, die dir und deinem Sohn helfen? Die würde ich an deiner Stelle mal der Klassenlehrerin mitteilen. Ich bin mir sicher, sie wird froh darüber sein. Sicher werdet ihr gemeinsam überlegen müssen, wie man deine Strategien so verändern kann, dass sie auch in einer Gruppe mit 25 Kindern anwendbar sind. Aber das schaftt ihr bestimmt.

Außerdem würde ich der Lehrerin anbieten, meinem Sohn im Unterricht zu helfen. Dein Sohn schafft es ja offensichtlich nicht sich in der Klasse und mit seinen Arbeitsaufträgen zurechtzufinden. Er kann deine Unterstützung sicher gut gebrauchen. Du kannst dich neben ihn setzen und ihm helfen, in der Schule eine Struktur zu finden. Dinge auszupacken, andere Sachen wegräumen, Aufgaben anzufangen und zu Ende zu bringen, ihn beruhigen, wenn er laut oder unruhig wird. Das heißt nicht, dass du diese Dinge für ihn erledigen sollst, sondern das heißt, dass du ihm die Signale zeigst, die ihm und den anderen Kindern bedeuten, was zu tun ist, wie die Erwartung lautet. Wenn dieses Signalerkennen über einige Wochen ständig eingeübt wird, dann verfestigt es sich und dein Sohn kann es auch einhalten.
In dem Zeitungsartikel über Cordula Neuhaus steht ja beschrieben, dass unsere ADS'ler Dinge 10 Mal häufiger tun müssen um den gleichen Lernerfolg zu haben, wie andere Kinder. Das kannst du mit ihm in der Schule üben. Die Lehrerin hat dafür keine Zeit, Unterrichtsstoff ist so zugeschnitten, dass normallernende Kinder diesen in einer vorgegebenen Zeit aufnehmen.

Viele Grüße
Dagmar
Elterngruppe Frankfurt


von Dagmar - am 07.09.2001 17:26

an dagmar

liebe dagmar,
vielen dank für dein ausführliches posting. leider muss ich dir in beziehung der lehrerin ein wenig widersprechen. ich habe bereits aussagen von anderen kindern, die das verhalten ihrerseits gegenüber meinem sohn als ungerecht empfinden und ihr gegenüber auch zur sprache bringen. leider werden diese kinder von ihr sofort verbal mundtot gemacht.
ich glaube einfach, sie ist zu abgestumpft (wofür ich ja durchaus verständnis habe, leicht ist ihr job nun wirklich nicht!). sie hat gute 20 jahre schuldienst hinter sich und ich bekomme wirklich keine möglichkeit zu einem gespräch mit ihr. wenn dann doch mal der ansatz da ist, blockt sie meine argumente völlig ab.
aber der rat, mit dem termin über die schulleitung ist gut. werde ich ausprobieren.
vielen dank auch für den hinweis betreffend des abholen meines sohnes.
naja und die klassenkonferenz ist ja vorerst vom tisch. nun habe ich genügend zeit, mich vorzubereiten und werde dann gemeinsam mit meinem kinderarzt dort erscheinen und die versammelten lehrer über ads und hilfestellungen für diese kinder informieren.
ich habe auch das angebot meines kinderarztes, das er der konferenz eine art seminar für das gesamte kollegium anbieten wird.
ich warte jetzt ersteinmal ab.
liebe grüsse und nochmal einen ganz dicken dank
steffi

von steffi - am 07.09.2001 17:51

Re: an dagmar

Hallo Steffi,

ja, das mit der Klassenkonferenz habe ich gerade gelesen. Prima gemacht :-)))

>>ich habe bereits aussagen von anderen kindern, die das verhalten ihrerseits gegenüber meinem sohn als ungerecht empfinden und ihr gegenüber auch zur sprache bringen. leider werden diese kinder von ihr sofort verbal mundtot gemacht. >>

Wie gesagt: Nicht die Kinder zur lehrerin schicken, sondern die Aussagen sammeln und ein Gespräch mit Klassenlehrerin und Schulleitung vereinbaren.

Viele Grüße
Dagmar
Elterngruppe Frankfurt


von Dagmar - am 07.09.2001 18:06

Re: an dagmar

Hallo DAgmar,

bei uns ist es meist so, das die Lehrer diese Gespräche
meist in Freistunden anbieten...und wie es der Zufall so will, haben sie dann oft Vertretungsunterricht:-(

Gruß Petra

von Hexe - am 07.09.2001 18:07

Re: an dagmar

Hallo Petra,

ja, das kann natürlich auch sein. Das ist auch eine blöde Situation für beide.

Manche Schulen handhaben das so, dass Elterngespräche in Freistunden, der Schulleitung angemeldet werden und die dann für eine Vertretungsstunde gesperrt wird.

In dringenden Fällen könntest du mal die Lehrer fragen, ob seine Schulleitung mal fragen könnte, ob so etwas möglich ist.

Viele Grüße
Dagmar
Elterngruppe Frankfurt


von Dagmar - am 07.09.2001 18:18

Re: an dagmar

liebe dagmar,
ich habe mich wohl verkehrt ausgedrückt. ich habe die kinder nicht zur lehrerin geschickt, sondern sie haben sich in akuten situationen im klassenzimmer selbständig zu wort gemeldet.
steffi

von steffi - am 07.09.2001 18:26

Re: an dagmar

Hallo Steffi,

nein, du hast dich nicht verkehrt ausgedrückt, _ich_ habe einfach zu schnodderich geschrieben.

Es war mir klar, dass du die Kinder nicht schickst :-)))
Ich versuche es jetzt noch mal ordentlich aufzuschreiben ;-)

Wenn solche Situationen auftreten, dass die anderen Kinder denken, dein Sohn wird ungerecht behandelt, sagen sie dies der Lehrerin. So habe ich es verstanden. Und dies finde ich toll von den Kindern, es ist ein großes Stück Zivilcourage.
Wenn aber die Lehrerin ein sehr festes Bild über deinen Sohn hat, und so hört sich deine Schilderung an, dann werden die Mitschüler trotz ihres Mutes wenig bewirken.
Deshalb meinte ich, du sollst dir die Situationen von diesen Kindern schildern lassen um diese dann in dem Gespräch mit der Lehrerin und der Schulleitung zu schildern. In diesem Gespräch unter Erwachsenen könnte die Lehrerin aufgeschlossener sein und eher bereit sein über ihre Einstellung nachzudenken.

Viele Grüße
Dagmar
Elterngruppe Frankfurt


von Dagmar - am 08.09.2001 10:49

Re: an dagmar

liebe dagmar,
leider komme ich verbal momentan nicht weiter mit seiner lehrerin. sie wehrt sich und es hat,glaube ich,momentan auch nicht viel sinn. ich werde nun ersteinmal mit der medikamentösen therapie beginnen und versuchen, sie dort mit einzubeziehen. ich bin ja in der schule nicht dabei und um eine für ihn passende dosierung zu finden, muss ich informationen von seiner klassenlehrerin über sein verhalten bekommen. ich hoffe nur, sie blockt mich nicht wieder ab. dann habe ich aber immer noch die möglichkeit, mit den anderen drei lehrkräften zu reden, die in seiner klasse unterrichten. wäre aber nicht ganz so hilfreich, da sie meinen sohn wesentlich seltener erleben.
wer weiss, wenn sich erste erfolge einstellen, lässt sich bestimmt auch mit der lehrerin besser reden, da sie es dann ja nicht mehr als "pseudo" abtun kann.
aso werde ich erstmal alles langsam angehen.
es gibt mir bereits sehr viel innere und äussere stärke zu wissen was er hat. ich habe wesentlich mehr verständnis und kann ganz anders reagieren. auch mein toleranzpunkt ist jetzt höher.
liebe grüsse
steffi

von steffi - am 08.09.2001 12:12
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