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Informationen zum Thema:
Forum:
ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
7
Erster Beitrag:
vor 16 Jahren
Letzter Beitrag:
vor 16 Jahren
Beteiligte Autoren:
Dagmar, Patricia-K, Jana, Sabine

TV-Berichte - Report/Spiegel-TV etc. --- und unsere Kinder !!!

Startbeitrag von Patricia-K am 10.09.2001 17:11

Hallo,

bin zwar schon fast auf dem Weg zum teffen unserer SHG heute abend,
möchte doch gerne noch eine Frage stellen.

Wie geht ihr mit diesen Berichten und euren Kindern um?
Meiner ist nun 12 Jahre - hat die Berichte nicht gesehen - allerdings
stelle ich mir die Frage - wie geht er damit um wenn er selbst darauf
angesprochen wird.

Ich denke darüber nach mir die Aufzeichnungen (ich schneide wenn ich
es schaffe alles auf Video mit) mit ihm anzusehen und das zu besprechen.

Im Moment habe ich es nur kurz angesprochen, damit er mir sagt wenn
er von wem auch immer darauf angesprochen wird.

Sehr interessiert an eurer Meinung -
denke es betrifft hauptsächlich die schon etwas älteren Kinder.

Danke - sehr gespannt was ich heute abend
wenn ich zurück bin zu lesen-hören bekommen.

Pat-K

Antworten:

Hallo Patricia,
mit seinen 12 Jahren wird Dein Sohn bestimmt irgendwann etwas von dieser Berichterstattung mitbekommen. Unser Sohn ist auch 12 Jahre alt und bekommt erst seit 3 Wochen Ritalin. Er hat ein ADS ohne Hyperaktivität; deshalb ist es so spät aufgefallen. Wir haben seine Schwierigkeiten bisher immer als legasthene Probleme angesehen.

Vor kurzem war schon einmal ein Bericht im Fernsehen und er kam dazu. Er fragte, ob das nicht das Medikament wäre, das auch er bekommt und was denn damit wäre. Ich bin nicht so viel darauf eingegangen und habe ihm nur erklärt, dass er ja weiß, dass das Medikament ihm hilft, sich besser zu konzentrieren. Außerdem habe ich ihm gesagt, dass es in diesen Berichten um die Kinder geht, die nach einer zu kurzen Diagnostik Ritalin bekommen. (So wie der eine Arzt aus einer Fachklinik berichtete, dass von 10 KIndern, die ihm mit der Diagnose ADS vorgestellt werden - bei 8 Kindern die Diagnose falsch war.) Damit hat er sich zufrieden gegeben. Vielleicht wollte er es auch nicht so genau wissen. Schließlich merkt er selber, dass es ihm damit besser geht - trotz Nebenwirkung Appetitmangel. Ich hoffe, wir haben die richtige Entscheidung getroffen und sind sehr gespannt, wie es in der Schule weitergeht!
Grüße
Sabine

von Sabine - am 10.09.2001 18:14
Hallo Patricia,

meine Tochter sah den Film, als ich mir noch mal auf dem Video anschaute. Sie erfasste mit intuitiver Genauigkeit die Brüche und Schnitte im Film.
Ich denke ein selbstbetroffenes Kind, das beide Gefühle kennt, har ein sehr sensibles Gespür für die Richtigkeit oder auch Unterstellungen in solch einem Bericht.

Mein Sohn kam heute von der Schule nach Hause und fragte mich nach Spiegel TV. Ein Klassenkamerad hat diesen Film gesehen. Mein Sohn fragte micht, ob dort die Medikamente als Drogen dargestellt seien, so hätte es der Klassenkamerad erzählt. Er versuchte dem Klassenkamerad zu erklären, was ADS wirklich ist und wie die Medikamente wirken. Er war ziemlich erschrocken, dass dieser Klassenkamerad überhaupt nicht bereit war ihm richtig zuzuhören. Seine Schlussfolgerung war, dass die Erwachsenen dann bestimmt erst recht nicht zuhören werden, da sie sich immer einbilden alles besser zu wissen, als die ADS'ler selbst. Das hat ihn ziemlich frustriert.

Ich denke, ein gut aufgeklärtes Kind, kann durch solche Berichte nur lernen mit dem Medium Fernsehen richtig, nämlich abwägend und kritisch umzugehen. Wenn Kinder allerdings nicht richtig aufgeklärt sind, und sie den Eindruck haben eine Liebmachpille oder eine Lernpille zu bekommen, z.B. weil sie es nur für die Schule bekommen, dann sieht das ganze natürlich anders aus.

Also nur Mut. Rede mit deinem Sohn offen darüber. Es ist besser, ihr geht offensiv damit um, als wenn er nicht darüber reden kann und evtl. ungeklärte Fragen oder Unsicherheiten (weil falsch verstanden) im Kopf bleiben.

Viele Grüße
Dagmar
Elterngruppe Frankfurt


von Dagmar - am 10.09.2001 19:58

Re: TV-Berichte - Report/Spiegel-TV etc. --- und unsere Kinder !!! an Dagmar!!!!

Hallo Dagmar!

So was ähnliches hab ich heute schon mal gehört. War heute zur ersten Diag.-stunde für meine eigene Diagnose. Dort sprach ich an, dass ich im Falle von ADS denke, die Rita nur am Anfang regelmäßig zu nehmen. Danach ehr bei Bedarf.
Daraufhin sagte er mir, dass er davon nicht viel halte. Hypies bäuchten eben immer einen bestimmten Pegel im Blut.
Nun lese ich in deinem Bericht etwas von Lernpille. Bei uns sollte sie vorwiegend für die Schule helfen ( ohne Rita wäre mein Sohn längst in einer Hilfsschule).
Die Tablette für den Nachmittag vergessen wir ab und an ( vorallem, wenn mein Sohn unten spielt). Ist es so schlimm, wenn man das nicht einhält?
Meiner Meinung nach brauch er ja auch beim Toben keine Rita.
Zwar mache ich mir um seinen sozialen Umgang Sorgen ( er hat jeden Tag einen neuen Freund), aber auch mit Rita läuft wenig anders.
Nun bin ich doch einwenig verwirrt.

Danke und Bye Jana

von Jana - am 10.09.2001 20:16

Re: Dosierung

Hallo Jana,

das mit dem Durchgeben ist meine persönliche Meinung, für das einzelne Kind muss das ein Arzt festlegen.

Ich denke, wenn man die Tabl. mittags mal vergisst, dann ist es was anderes, als wenn man sie gezielt nur für die Schule gibt. Auch mittags beim Spielen brauchen die Kinder eine klare Wahrnehmung. Spielen bedeutet auch Schulung der Konzentration, der Feinmotorik, der Grobmotorik, der Ausdauer, des sozialen Lernens (ist mir am wichtigsten).

Stell dir vor, du würdest sagen, mittags braucht mein Kind keine Brille, beim Nachlaufen spielen ist es nicht so wichtig, dass es scharf sieht, das braucht es doch nur in der Schule. Wie fühlt sich das Kind, wenn es morgens klar erkennen kann (auch Gesichter und Mimik) und mittags nicht mehr? Das Kind lernt nicht auf seine eigene Wahrnehmung zu vertrauen. Sich selbst zu vertrauen ist aber wichtig für das Selbstbewusstsein.

Das Medikament verändert auch die Wahrnehmung, es verschärft sie. Plötzlich ist Mimik auch schon in feinen Anzeichen zu erkennen und nicht erst, wenn der Streit da ist. Es ist für das Kind sehr verunsichernd im sozialen Miteinander, wenn es Mimik und Gestik morgens erkennen kann und mittags nicht mehr so gut.

Ein zweiter Punkt ist, dass das Kind das Medikament als Lernpille empfinden könnte, wenn es das nur morgens für die Schule nimmt. Wie will man das dem Kind begründen. Da fällt sicher dann ganz schnell, so etwas wie, dass du in der Schule stillsitzen kannst, oder dass du besser aufpassen kannst. Das wäre aber eine ganz falsche Assoziation. Die Kids bekommen das Medikament, dass sie selbst sein können und sie so verhalten können, wie sie es gerne möchten.

Viele Grüße
Dagmar
Elterngruppe Frankfurt


von Dagmar - am 10.09.2001 20:30

Re:TV-Berichte / Danke

Hallo Dagmar,

erstmal dir und Sabine danke.

Ich glaube ich habe mich etwas fusselig ausgedrückt.
Natürlich habe ich meinen Großen über ADS aufgeklärt und auch über
die Einnahme der Medi.
Es ist für ihn keine Liebmachpille oder Lernpille.
(ach ja er - der nie gerne liest hat auch dein Buch -d.h. das Von Felix ge-
lesen)

Was ich eigentlich meinte ist - wie kann ein Kind mit diesen Informationen
umgehen - wenn wie es auch dein Sohn erlebt hat, Unverständnis und Nicht-
Wissenwollen - sowie Fehlinfo über die Medi auf ihn einstürmt.
Denn es ist schon für uns Erwachsene recht anstrengend gegen diese Fehl-
meldungen und die daraus entstehenden Meinungen zu argumentieren.

Ich werde mir mit ihm diese Berichte ansehen und alles eingehend besprechen
- du hast Recht Dagmar - sie können sehr gut unterscheiden und Fehler erkennen.

Ich glaube ich brauchte hierzu nur noch einen Anstoß
Danke
Pat-K

von Patricia-K - am 10.09.2001 21:00

Re: Ein Zuschauerbrief - bitte lesen

Hallo,

ich bekam heute folgenden Brief zugesendet mit der Bitte um Veröffentlichung.

Zitat Brief:

HH, 10.9.2001


Sehr geehrte Frau Schilling
Auf Ihre Sendung war ich sehr gespannt, da ich hoffte, daß sie endlich einmal den Problemen der betroffenen Kinder und ihrer Eltern gerecht würde. Statt dessen haben Sie leider im Bildjargon wieder alte Vorurteile aufgewärmt, die dadurch nicht wahrer werden.
„Psychohammer, um angepaßte Schüler zu haben“ paßt nicht ganz zu der Aussage der betroffenen Mutter, die ihrem Sohn Ritalin gibt, um zu verhindern, daß er von der Schule fliegt. Wie Sie vielleicht nicht wissen, fliegt man nur von der Schule, wenn man massive Regelübertretungen begeht, z.B. andere Kinder wiederholt verletzt oder in der Schule so stört, daß ein normaler Unterricht nicht möglich ist u.s.w.
„Kindheit auf Drogen“ einer Mutter vorzuwerfen, die darlegt, daß ihrem Kind sonst die Schule für Verhaltensgestörte gedroht hätte, ist für mich nicht nachvollziehbar.
Auch die Interwiews der sogenannten Fachleute werfen Fragen auf:
 Die Vermutung von Herrn Würtl ist wenig hilfreich – sie kann stimmen oder auch nicht – warum stellt Herr Würtl nicht anstelle nicht beweisbarer Vermutungen ein Konzept vor, wie er als Lehrer mit pädagogisch/ verhaltenstherapeutischen Maßnahmen den ADHS- Kindern helfen könnte. Eine Veränderung der für ADHS- Kinder sehr belastenden Schulsituation könnte erheblich dazu beitragen, Mißerfolge für diese Kinder zu vermeiden, ihr Selbstwertgefühl zu steigern und damit den Leidensdruck zu verringern. Viele Kinder würden dann keine Medikamente mehr brauchen.
 Der Kollege Seitz zieht leider emotionale Äußerungen vor als sich in der Fachliteratur zu informieren. So ist ihm wohl entgangen, daß die mit Medikamenten behandelten ADHS- Kinder ein deutlich geringeres Risiko aufweisen, später in die Drogenszene abzugleiten als die nicht medikamentös behandelten ADHS-Kinder (Huss 2001). Weiterhin haben Langzeitstudien gezeigt, daß eine Ritalintherapie bei ADHS-Kindern nicht zur späteren Drogenabhängigkeit führt (Hechtmann 1983). Ritalin ist für Menschen, die kein ADHS haben, ein Stimulanz und kann zur Drogenabhängigkeit führen, nicht aber für Menschen, die ein ADHS haben. Daß ein und dasselbe Medikament unterschiedliche Folgen haben kann, abhängig von dem Vorliegen einer Störung des Betroffenen, dürfte dem Kollegen wohl von anderen Medikamenten bekannt sein, z.B. von Insulin. Auch wenn Ritalin eine ähnliche chemische Struktur wie das Kokain hat, so ist es doch mit diesem nicht gleichzusetzen; schon kleine Unterschiede in der chemischen Struktur können zu völlig anderen biochemischen Wirkungen führen, das lernen wir eigentlich schon im Studium. Die von mir betreuten ADHS Kinder haben lediglich vor der medikamentösen Behandlung eine Selbstmordtendenz. Vielleicht setzt der Kollege das Ritalin zu schnell wieder ab – dann herrschen sehr schnell wieder die vorherigen Verhältnisse – soziales Außenseitertum, Minderung des Selbstwertgefühls und damit der Wunsch, lieber tot zu sein.
Leider stimmt Ihre Mitteilung nicht, daß die Störung fast immer mit der Pubertät verschwindet – mindestens 50% leiden noch im Erwachsenenalter unter der ADHS- Problematik. Leider hilft auch die zu Beginn vorgestellte Bewegungstherapie nur bei sehr schwach ausgeprägten ADHS-Störungen. Bei den schwereren Formen ist immer zusätzlich eine medikamentöse Therapie erforderlich, da die Verhaltensauffälligkeiten nicht verschwinden – nicht von einmal pro Woche in ein Bällebad rutschen.
In unseren Jugendgefängnissen haben 30% der jugendlichen Straftäter ein unbehandeltes ADHS (Rösler 2000). Kinder mit unbehandeltem ADHS haben ein hohes Risiko, in ein asoziales Leben und in Drogenkonsum abzugleiten. Nehmen Sie doch bitte diese Störung ernst – und verunsichern Sie nicht die Eltern durch eine Darstellungsweise, die unter Ihrem Niveau liegen sollte.
Dr. K. Stollhoff
Elterngruppe Frankfurt


von Dagmar - am 11.09.2001 19:59
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