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ADHS ADS Selbsthilfe
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11
Erster Beitrag:
vor 15 Jahren, 8 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 15 Jahren, 8 Monaten
Beteiligte Autoren:
Katharina, tina, chaotin, Mikama, Doris, verena, hoschi, Hypie-Mami, gipsy, Wilma

Stationärer Aufenthalt

Startbeitrag von Katharina am 13.09.2001 13:03

Ich möchte ganz kurz um Eure Meinung bitten..

Ich war heute mit meinem Sohn in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie, um mal wieder, am neuen Wohnort, einen kompetenten Arzt zu treffen, die Dosierung von Ritalin anzusprechen und eine Empfehlung für einen Verhaltenstherapeuten zu bekommen.

Dachte ich.

Der Vorschlag dort sah anders aus:

ca. 5 - 6 Wochen stationärer Aufenthalt (allerdings mit Unterricht)

gründliche Diagnostik, sowohl neurologischer als auch psychologischer Natur


gründlicher Bericht und anschließende Behandlungsempfehlung


Tja. Die Argutmente waren nicht schlecht: das Kinder (mein Sohn ist 12) wird gründlich mit und ohne Ritalin-Einfluss beobachtet, alle Tests incl. Intelligenz und Teilleistungsstörungen werden (noch einmal) gemacht - angebl. war die vorherige Diagnostik nicht gründlich genug, außerdem seien drei Jahre seitdem vergangen etc.

Ich steh da wie der Ochs vorm Berge: im Moment läuft alles (noch) prima: die neue Schule empfindet mein Sohn als "leicht", er fühlt sich relativ wohl, alles geht ruhig seinen Gang. Wieso soll ich ihn da herausreißen?

Dazu meine Einwände - wer gibt sein Kind schon gerne in die stationäre Behandlung einer Psychiatrie?
Bei 5 Wochen Aufenthalt bekommt die neue Schule alles mit - das wollte ich nach dem Desaster an der letzten Schule eigentlich vermeiden. Außerdem ist mein Sohn alles in allem ein "leichter" ADSler - ohne Ritalin zwar Totalversager in der Schule, mit Ritalin aber läuft, wie gesagt, alles relativ glatt und vor allem n o r m a l .

Aber: ich will natürlich nix versäumen.

Will da jemand einfach mal seine Studie vervollständigen, um eine Publikation rauszukloppen? Oder ist das sinnvoll? Wie reagiert das Kind?

Was haltet ihr davon?

Antworten:

hallo katharina,

ich bin bei weitem kein experte ABER ich muß gestehen, dass ich meinen sausebraus keine 6 wochen in einer klinik lassen würde.

bei uns in aachen gibt es ja auch die uniklinik wo man dies machen lassen kann.

ich habe mich aber für eine kleine praxis entschieden bei einem einzigen arzt und nicht bei einer horde die über mein kind "herfallen"

ich weiß nicht wie diese kinder diesen aufenthalt seelisch verkraften können ich könnte es nicht!!!

was sagt dir denn dein gefühl??

liebe grüße

hoschi

von hoschi - am 13.09.2001 13:16
Hallo Katharina,

ich habe lange überlegt,ob ich Dir schreiben soll,da ich Dich nicht verunsichern möchte.
Aber ich denke Du hast das Recht auf eine ehrliche Antwort.
Also meine Tochter,8 Jahre,war in einer psych.klinik und aus den vereinbarten 5 Wochen sollten dann plötzlich 3 Monate werden.
Ich habe das abgelehnt und wurde mit Vorwürfen von Seiten der Klinik überhäuft.(Ich habe sie nach 7 Wochen herausgenommen)
Desweiteren liess der Erfolg auf sich warten und aufgrund ihres starken Heimwehs war sie für Therapien nicht zugänglich.
Ich würde es nicht noch einmal machen.Meine Tochter hat sehr gelitten und fragt heute noch manchmal "warum hast Du mich weggetan?"
Solche Sätze brechen einem fast das Herz!!!!!!
Ich denke in sehr schweren ADS Fällen ist eine stationäre Therapie sicher eine gute Sache-aber auch wirklich nur in schweren Fällen.
Und warum solltest Du Dein kind herausreissen,wo es ihm ganz gut geht???
Was hat das für einen Sinn??Ich verstehe den Arzt nicht ganz.
Toi Toi Toi für Euch.
Lieben Gruss Alice

von Hypie-Mami - am 13.09.2001 13:43
Hallo Katharina,

weshalb meint der Arzt denn die vorherige Diagnose sei nicht gründlich genug gewesen? Wollen sie Tests machen, die noch nicht gemacht wurden? Oder wollen sie nur die vorherigen Tests wiederholen?

Das Argument mit den drei Jahren finde ich nicht überzeugend, man ADS hat oder nicht. Das ändert sich auch nicht nur weil Tests drei Jahre alt sind.

Dein Junge bekommt schon länger Medikamente, den Unterschied zwischen mit und ohne kennst du doch sicher.
Hast du denn schon mal einen Auslassversuch gemacht?

>im Moment läuft alles (noch) prima:
hast du denn das Gefühl, es ändert sich?

Ansonsten:
Wenn alles gut läuft, und du die erste Diagnose für gründlich hälst, würde ich ihn nicht aus seinem gewohnten Umfeld reißen und ihn in die Klinik geben. Schon alleine: Wie willst du ihm das erklären? Alles läuft relativ gut und trotzdem soll er 5 - 6 Wochen in eine Klinik? Ich möchte mir nicht einmal ausdenken was für Gedanken einem Kind dann durch den Kopf gehen.

Wenn du Zweifel hast, kannst du dir auch eine 2. Meinung einholen. Das ist völlig normal und legitim um dir dabei zu helfen eine Entscheidung zu treffen.

gipsy

von gipsy - am 13.09.2001 13:55
hi kati,
so wie ich das mitgekriegt habe, läuft doch alles gut, selbst den umzug scheint er ja ohne probleme verpackt zu haben. ich würde den aufenthalt vermeiden, wenn du dir über die notwendigkeit nicht zu 100% sicher bist. denn du wirst die massnahme ja auch vor janek rechtfertigen müssen. und das kannst du ja nur, wenn du sie für absolut notwendig hälst. wenn die ärzte jetzt einen auslassversuch vorgeschlagen hätten, dann könnte ich das nachvollziehen. aber warum das kind aus seinem geregelten leben herausreissen? und, für mich der wichtigste punkt: durch den umzug ist er ein unbeschriebenes blatt, er kann sich sein image selbst neu entwickeln, ohne das ihm gegenüber jemand voreingenommen wäre. mit dem aufenthalt nimmst du ihm das.
viele liebe grüsse,
vro

von verena - am 13.09.2001 15:01
Hallo Katharina,
wenn Dein Sohn gut eingestellt ist, dann erspare ihm in Gottes Namen den stationären Aufenthalt. Hat der Psychiater eine Privatklinik oder Belegbetten? Nach dem, was Du schilderst, braucht Dein Sohn keinen Klinikaufenthalt. Weder das ADHS noch die Intelligenz ändern sich innerhalb von 3 Jahren; mit beidem haben die meisten lebenslang zu kämpfen. Da muß nicht noch eine Stigmatisierung draufgesetzt werden, und genau das bedeutet ein Aufenthalt in der Psychiatrie für ein Kind.
Im Zweifel solltest Du eine andere Meinung einholen, auf jeden Fall aber den Arzt wechseln.
Viele Grüße
Wilma

von Wilma - am 13.09.2001 15:28
Hallo Katharina,

ich schließe mich den anderen an. Ein solcher Aufenthalt kann ein Kind traumatisieren.

Ich selbst musste oft und lange ins Krankenhaus, aber wegen meiner Behinderung. Das war schlimm und ich mag Krankenhäuser heute noch nicht.

Uns hatte am Ende des letzten Schuljahres der Direktor unserer Schule empfohlen, unser Kind in eine solche Klinik zu stecken.

Er hält die Diagnose in ambulante Form für nicht ausreichend und glaubt nicht, dass ambulante Therapien erfolgreich sein können. Das obwohl unsere Tochter sich sehr gebessert hat und sich langsam aber sicher gefangen hatte. Orginalton Direx: "Schon einige der Schüler waren für mehere Wochen dort, und waren wie verwandelt." Ich frage mich allerdings, ob die Kinder nicht völlig verängstigt waren und deshalb so anders.

Sie erhält übrigens Ritalin, Ergo,VT und Logo.

Ich war dann übrigens mal in der Klinik, um mir dort Rat zu holen. Die sind leider wirklich nur von sich selbst überzeugt und hätten sie auch gern für einige Wochen aufgenommen.

Allerdings habe ich die Station erlebt und ich bekäme dort Ängste, alles abgeschlossen usw.

Wenn sich also euer Junge bisher gefangen hat und keine Probleme hat, dann suche dir lieber einen anderen ambulanten Arzt.

Ein stationärer Aufenthalt sollte nur für die Kinder erwogen werden, die zu den schwierigen Fällen zählen, oder wo es große Probleme bei der Diagnose gibt, da ja viele Faktoren mit eine Rolle spielen können.

Doris

von Doris - am 13.09.2001 16:55
hallo katharina,
ich habe deinen beitrag mit großem interesse gelesen .
da ich mit meinen beiden kinder nächste woche einen termin in so einer klinik habe , mich würde doch interessieren wo , denn mit einem meiner söhne hab ich doch arge probleme und bin drauf und dran ihn ............
na warten wir erstmal ab was denn die "fachleute" sagen !
kannst mir auch gerne mailen !
gruß tina

von tina - am 13.09.2001 19:19
Hallo,Katharina!
Wenn der Junge,wie du sagst sich wohl fühlt,und es auch zuhause gut geht,würde ich auch etwas gegen eine stationäre Aufnahme haben.

Ich habe so ein Problem vor einigen Wochen auch gehabt,aber das hat sich erledigt*g*

Hat die Klinik denn keine Ambulanz?Rede nochmal mit dem Arzt.Wenn es "nur" um gründliche Diagnostik,Tests mit und ohne Medi und eine neuerliche Einstellung geht, ist normalerweise keine indikation für eine stationäre Aufnahme.


Wenn er auch in der Schule gut zurechtkommt auch nicht.Frag ihn doch mal was er sich davon verspricht. Das der Junge aus dem Verbund, in dem er sich wohlfühlt und klarkommt,für einige Wochen herausgerissen werden soll,würde ich eher als schädlich sehen.

Ich hoffe ich konnte etwas helfen
Liebe Grüße aus Bochum
Susanne

von chaotin - am 13.09.2001 20:04
Hi Katharina,

so wie du eure Situation schilderst, sehe ich keine Veranlassung für einen stationären Aufenthalt. Wieso neu testen, wenn alles prima läuft? Ihr habt einen neuen Anfang in einer neuen Umgebung gemacht und es sieht ganz danach aus, dass es ein guter Neubeginn für deinen Sohn ist. Ich würde mir auch eine eine 2. Meinung von einem anderen Arzt einholen.
Aber zum Thema Psychatrischer Aufenthalt muss ich doch ein wenig entschärfen. Es sind keine abgeschlossenen Foltereinrichtungen! Manche Handhabungen mögen für Aussenstehende, im besonderen für Eltern mehr als zweifelhaft erscheinen, aber vieles davon macht Sinn. Wenn ein Kind sehr schnell Heimweh bekommt oder nicht gewohnt ist von zu Hause weg zu sein, hat es es natürlich schwerer, aber für manche Kinder ist so ein Aufenthalt einfach wichtig, auch wenn es kein Zuckerschlecken ist, es ist schon anstrengend und belastend. Es gibt allerdings auch sehr schlechte Kliniken und es ist mehr als schwierig, die Spreu vom Weizen zu trennen!

von Mikama - am 13.09.2001 22:11
Vielen Dank für eure Reaktionen.

Ich denke, dass ich in der Klinik, die ich ausgewählt habe, grundsätzlich mal bei den kompetentesten Leuten gelandet bin, die es auf dem Gebiet gibt.

Dennoch habe ich mich gegen einen stationären Aufenthalt entschieden - ein solcher Einschnitt erscheint mir unnötig.

Mir wurde von dem angesprochenen Arzt eine Alternative genannt, die ich auch wählen werde.

Die Diagnostik, die vor gut drei Jahren bei uns lief, war denkbar gründlich, nach meinem Dafürhalten. Sowohl gründliche neurologische Untersuchungen als auch psychologische Begutachtung etc wurden gemacht. Dennoch mag es hier und da Tests geben, die alternativ gemacht werden können oder zusätzlich. Allerdings habe ich nichts davon, dasss mein Sohn in einem vierten oder fünften Intelligenztest ein IQ von 120, 130 oder 115 bescheinigt wird - dass er normal intelligent ist, nicht wirklich hochbegabt, aber schon ganz und gar nicht minderbegabt, weiß ich auch so. Dass er, was LRS angeht, besonderer Unterstützung bedarf, weiß ich auch. Dass ihm Ritalin hilft, weiß ich auch. Insofern entscheide ich mich gegen die übervorsichtige und allergründlichste Methode...

Katharina

von Katharina - am 14.09.2001 06:34
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