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Informationen zum Thema:
Forum:
ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
5
Erster Beitrag:
vor 15 Jahren, 10 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 15 Jahren, 10 Monaten
Beteiligte Autoren:
Ahli, Antje, chaotin, Kerstin-Patricia, Patricia

Mund zukleben

Startbeitrag von Patricia am 13.09.2001 21:24

Ihr Lieben alle,

Tja, ich habe schon ein etwas schlechtes Gewissen, daß ich mich nicht schon längst mal für all die Beiträge auf mein Posting bedankt habe.
Aber das tue ich nun zuallererst hiermit: DANKE!!!! Ihr habt mir sehr geholfen.Schon mal dadurch, daß Ihr mein Entsetzen mit mir geteilt
habt...
Heute hatte ich ein 2. Gespräch in der Schule (diesmal mit meinem Sohn zusammen) und es wird so sein, daß die Klassenlehrerin meines
Sohnes sozusagen eine Chance erhält.
Ich hatte mich beim Regionalschulamt hier in Leipzig erkundigt, was ich unternehmen könnte/sollte. Die zuständige Schulrätin erklärte,
daß es sinnvoll sei, erstmal ein Gespräch mit der betreffenden Lehrerin und der Schulleiterin zu führen und danach sollte ich mich wieder
bei ihr (Schulrätin) melden. Das Gespräch fand am Dienstag statt. Zu Beginn berichteten die Mathe- u. die Klassenlehrerin über die
massiven Probleme, die sie mit Jan haben und als ich dann irgendwann im Verlauf des Gespräches die Klassenlehrerin fragte, welche
Maßnahmen sie denn so ergreife, um Jan "in den Griff zu kriegen", erklärte sie völlig ruhig, daß sie u. a. schon mal kurz ein Heftpflaster
auf den Mund klebe. Sie wollte das Ganze am Anfang herunterspielen, als ich ihr vorwarf, daß es die Hälfte der Unterrichtsstd.war, daß sie
es bereits 2mal getan habe etc. Ich hatte den Eindruck, daß sie sich gar nicht darüber im Klaren war, was sie da eigentlich getan hatte.
Die Schulleiterin und die Mathelehrerin allerdings schon... Auf jeden Fall war ich während des Gespräches sehr aufgebracht, aber
beherrscht und habe deutlich durchblicken lassen, daß ich mir über weitere Konsequenzen Gedanken machen würde. Wir vereinbarten für
heute nachmittag einen weiteren Termin (Mathe-,Klassenlehrerin, Jan & ich), um die weitere Vorgehensweise im Unterricht zu besprechen.
Vor diesem Gespräch hatte ich dann heute ein kurzes Gespräch mit der Schulleiterin, die mir versicherte, daß es bereits ausführliche
Gespräche mit der betreffenden Klassenlehrerin, auch im gesamten Lehrerkollegium, gegeben habe und daß sie von meinem Kontakt mit
der Schulrätin wüsste. Und vor allem habe sich die Lehrerin heute morgen vor der ganzen Klasse bei meinem Sohn entschuldigt für ihr
Verhalten und klar gemacht, daß es falsch war und nicht wieder vorkommen würde. Dann in dem gemeinsamen Gespräch brach die
Lehrerin in Tränen aus und versicherte mir, wie leid es ihr tue und daß Jan sie aber einfach so sehr provoziert habe, daß sie sich nicht
mehr anders zu helfen gewußt habe. Um es einigermaßen kurz zu machen (ich könnte sonst noch viel mehr schreiben...): Ich habe mich
dazu entschlossen, ihr noch eine Chance zu geben. Zumal mein Sohn weiter in dieser Klasse/Schule bleiben will und nächsten Sommer
sowieso in der 5. Klasse in eine andere Schule muß. Ja, ich bin einfach keine so rachesüchtige Person. Ich habe auch irgendwo
Verständnis für diese Lehrerin - jetzt muß sie halt einfach beweisen, daß mein Vertrauen in sie gerechtfertigt ist. Ich hoffe, daß es die
richtige Entscheidung - zugunsten von Jan - war. Sie hatten auch ganz konstruktive Vorschläge für den weiteren Unterricht etc.
Ja, und was besonders toll war, kurz nach dem Gespräch in der Schule, schon auf dem Weg nach Hause, rief mich die Kinderärztin in
Brandis an. Ein Termin am nächsten Montag wurde abgesagt - ich kann mit Jan also schon am Montag kommen! Also nicht dieses endlose
Warten bis November...

Wäre jetzt nicht diese fürchterliche Angst, was uns in Bezug auf Vergeltungsaktionen (irgendwo verständlicherweise) durch die USA noch
bevorsteht, dann würde ich mich jetzt mit recht zufriedenen Grüßen verabschieden...

Ich freue mich übrigens nach wie vor über jeden Beitrag und lese auch ganz viel im Forum, wenn ich denn mal dazu komme...

Patricia

Antworten:

Hallo Patricia,

ich glaube, dass gerade wir verstehen können, dass einem auch mal die Nerven durchgehen. Auch wenn es eigentlich nicht zu entschuldigen ist, sollte man vielleicht manchmal Gnade vor Recht ergehen lassen....

Ist glaube ich so für alle der beste Weg
und der Lehrerin scheint es ja wirklich leid zu tun.

Liebe Grüße
Kerstin

von Kerstin-Patricia - am 13.09.2001 21:37
Hallo,Patricia!
Ich wünsch dir und Jan alles Gute!Vieleicht verdient diese Lehrerin nun wirklich eine Chance. Deine Vorgehensweise zeigt uns das es sich lohnt zu kämpfen,und von den Lehrern sollte man sich nicht von vornherein einschüchtern lassen.

Alles Liebe aus Bochum
Susanne:-)

von chaotin - am 14.09.2001 05:56
Also bei uns gab es mal eine Lehrerin, die bei einem kleinen Wirbelwind-Kind (kein ADHS) auch den Mund mit Tesa zugeklebt hat. Sie hatte allerdings auch bei einem anderen Kind einen Klebestreifen als Warnung an den Tisch geklebt. Die Kinder haben es nicht zu Hause erzählt. Zwei Tage später fragte ein weiteres Mädchen die Mutter, ob es dem Geschwisterkind (Babyalter) nicht das in der Bastelschublade liegende Paketklebeband auf den Mund kleben könne, damit es ruhig ist. Die Mutter war ganz verdutzt und fragte weiter. So kam die Lawine ins Rollen. Nicht auszudenken, wenn das Mädel dem Baby das Band einfach so aufgekebt hätte, womöglich noch mit auf das Näschen, dann wäre das Baby für immer ruhig, nämlich erstickt gewesen. Lehrer sind Vorbilder für Kinder: UND SIE DÜRFEN SOETWAS NICHT TUN.
Unsere Lehrerin wurde damals beurlaubt und hat ein Disziplinarverfahren bekommen. Dann durfte sie die erste Zeit nur mit einer zweiten Lehrkraft arbeiten.
Antje

von Antje - am 14.09.2001 12:46
Hast du den Lehrern schon mal vorgeschlagen etwas mehr über ADS zu lesen oder einen Arzt zu diesem Thema einzuladen. Ich habe zwei ADS-Kinder wie ich jetzt weiß in meiner Klassse. Als sie eingeschult wurden (jetzt neu in Klasse 7) habe ich gleich die Info von der Direktorin bekommen, das ich ein ADS-Kind haben werde und das Kollegium dieses Thema in einer nächsten Konferenz besprechen wird. Ich habe einen, so wie ich glaube, sehr geeigneten Kinderarzt aus der Charite ausfindig gemacht, der zu unserer nächsten Gesamtkonferenz kommt. Die Leipziger Uni muss doch auch sehr kompetente Menschen haben. Zu DDR-Zeiten waren sie doch gerade auf dem Gebiet der Psychologie sehr führend.
Ohne diese Infos kann man, glaube ich, den Kindern nicht gerecht werden. Und es gibt doch ganz einfache Mittel auf die man erst einmal kommen muss, damit das Kind sich angesprochen fühlt. Zum Beispiel um die Reizeinwirkung gezielt zu lenken kann man erfolg haben wenn man das Kind auf farbigen Papier schreiben lässt. Ist natürlich von Kind zu Kind verschieden aber einen Versuch ist es doch wert.
Viele Grüße und viel Erfolg! Ahli

von Ahli - am 14.09.2001 22:54
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