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Informationen zum Thema:
Forum:
ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
5
Erster Beitrag:
vor 16 Jahren
Letzter Beitrag:
vor 16 Jahren
Beteiligte Autoren:
heidi, Hexe, Petra F., Antje

Terror in Amerika- mein Kind ist krank

Startbeitrag von heidi am 14.09.2001 08:18

hallo ihr alle,

der Urlaub ist zu Ende und bei uns in Bayern fing am Dienstag die Schule wieder an. Mein Sohn geht in die 2te Kl. hat ADS u. HB.
Sie sollten eine Woche Urlaub malen, obwohl wir verreist waren und auch sonst viel unternommen haben wollte mein Sohn lieber einen Zukunftstraum malen statt Vergangenheit. Sein größter Wunsch ist es gewesen das World Trade - Center in Amerika zu besuchen und hat es natürlich gemalt. Ein wirklich gut gelungenes Bild . Am Nachmittag dann die Katastrophe, mein Kind war fix und fertig. Er ist völlig ausgerastet. Wir standen ja alle unter Schock und was sagen im ersten Moment. Man ist ja selber völlig hilflos und geschockt.
Am Abend hatte er dann schon erhöhte Temperatur und in der Nacht die fürchterlichsten Alpträume. Am Morgen stieg das Fieber dann auf 39.8
An Schule war überhaupt nicht zu denken. Den ganzen Tag verfolgten ihn die Bilder der Zerstörung. Wir haben extra keinen Fernseher mehr angestellt aber es hat alles nichts geholfen.
Heute geht es ihm Gott sei Dank wieder besser und seine Lehrerin erzählte mir daß sie viele geschockte Kinder habe, aber keines sei gleich krank geworden.
Die Ärztin sagte jedoch, es gibt viele Kinder die auf Schock mit Fieber reagieren.
Wie ging es Euren Kindern???
Was habt Ihr erzählt?
liebe Grüsse
Heidi

Antworten:

Hallo Heidi,

bei uns war es ein bißchen anders. Leider hat mein Sohn (7) den Aufschlag des zweiten Flugzeugs in den zweiten Turm original und live mitbekommen. Ich kam vom Einkaufen und habe in der Küche im Radio eben noch die Worte gehört "ob es ein Terroranschlag oder ein Unfall war, ist noch nicht klar. Wir halten Sie auf dem Laufenden" und habe dann- mein Sohn war da im Obergeschoß und damit, wie ich dachte, außer Reichweite - den Fernseher angestellt. Habe dann direkt in die Life-Übertragung des ersten in Flammen stehenden Turmes geschaltet und einmal scharf Luft durch die Zähne gezogen. Das reichte: mein Kind hat Elefantenohren und hats gehört, und prompt materialisierte er sich in der Wohnzimmertür, um zu sehen, was los ist.

Es war ihm zu viel. Er hat kurz geschaut, meine Erklärung ("das waren verrückte Verbrecher"- mir fiel nichts besseres mehr ein) angehört und danach intensiv nach Ablenkung gesucht. Wollte ein "Sendung mit der Maus"-Video schauen, das tut er sonst nur, wenn er krank ist.

Ja, und Mittwoch und Donnerstag konnte er dann wegen Halsschmerzen, Husten und erhöhter Temperatur nicht zur Schule.

Er kämpft mit sich selber. Einerseits will er die Zeitung sehen, über die Sache reden, andererseits will er eigentlich nichts davon wissen.

Ich nehme an, das dicke Ende kommt bei ihm zeitverzögert.

Daß in der Firma meines Mannes (ein US-amerikanisches Unternehmen) Leute Angehörige im WTC verloren haben, daß eine der Geiseln in Kabul aus unserer Heimatstadt stammt usw., haben wir ihm verschwiegen. Wie lange es dauert, bis er von "Verteidigungsfall für die NATO" hört und genaueres wissen will, weiß ich nicht, aber es dürfte bald so weit sein.

Ich weiß noch nicht, wie ich ihm das erklären soll. Und die inzwischen beginnenden Übergriffe auf hier lebende Moslems kann ich auch nicht erklären.

Heidi, gute Besserung für deinen Junior!

Petra F.

von Petra F. - am 14.09.2001 08:32

Gerade von Klassenfahrt zurück ...

Wir finden es auch schrecklich. Die Erwachsenen sind ratlos, wie sollen die Kinder das Ganze verstehen. Unsere Kleine (Verdacht auf ADS) habe ich heute von der Klassenfahrt abgeholt. Am Montag, als die Welt noch in Ordnung war, gings los. Auf dem Weg nach Hause habe ich bereits gefragt, ob sie gehört hat, was in Amerika passiert ist. Die Klasse war wohl gerade auf einem Ausflug, als Menschen auf dem Parkplatz vor der geöffneten Autotür standen und die schrecklichen Nachrichten im Autoradio verfolgten. Die Lehrer waren wohl schockiert, die Kinder (zwei 3. Klassen, also alle so 8-9 Jahre) konnten es nicht deuten. Die Lehrer haben wohl den Nachmittag versucht, den Kindern einigermaßen zu erklären was passiert ist. Leider ist dort von einer Lehrerin auch das Wort 3. Weltkrieg gefallen. Das hatte meine Tochter immer noch im Ohr. Erstmal haben wir uns hingesetzt und auf dem Globus geguckt, wo New York liegt, dann habe ich ihr erklärt, welche Anschauungen die Terroristen haben. Sie versteht nicht, wieso diese Menschen ihren eigenen Tod mit einplanen. Wir haben dann Nachrichten gesehen, auch die Bilder des Einsturzes, Menschen die vor der Kamera weinten, aber auch der aktuelle Bericht, dass heute einige Helfer lebend geborgen werden konnten. Ich habe mit offenen Karten gespielt, sonst sind Nachrichtensendungen eigentlcih für die Kinder tabu, da wir es ihnen lieber so erzählen, was in der Welt los ist. Aber hier fehlen mir die Worte. Die Kleine hat mehrmals leise geweint und immer wieder neue Fragen gestellt. Bei der Großen (11 J.) ist es ganz anders, sie schaut es sich an, kann aber kaum drüber reden. Wir beziehen sie aber trotzdem mit ein, waren bei einer Kundgebung und bereits am Mittwoch zum Gedenkgottesdienst. Aus Kinderaugensicht ist die Sache ganz einfach: "Warum erklären wir nicht den Männern, dass man so was nicht machen darf" Hoffentlich versuchen es die großen Herren auf diese und nicht auf eine andere Weise. Auch ich habe Angst, wenn die ersten Bomben fallen.
Antje

von Antje - am 14.09.2001 12:38
Hallo Heidi,

meine Kinder waren traurig, geschockt und verzweifelt. Auch weil wir Verwandtschaft dort haben und nicht sicher war ob sie sich zu der Zeit in NYCity aufgeghalten hatten.

Das es bei Deinem Sohn so massiv ausschulg hat aber glaub ich, nicht nur mit der Katastrophe an sich,

sondern auch mit der Tatsache zu tun , das er sich durch das Malen des Bildes intensiv mit dem WTC beschäftigt hatte und es sein großer Wunsch war es mal zu sehen.

Nun mußte er mit den verschiedensten Dingen gleichzeitig fertig werden,,,die Katastrophe und der Verlust eines Traumes Wunsches, der unwiderbringbar verloren ist.

Und vielleicht die verborgene Angst auch andere Wünsche/Träume/ Dinge die ihm etwas bedeuten zu verlieren...Assoziation: ich habe das Bild gemalt weil es mir wichtig ist...ich habe verloren was mir wichtig ist.

Ich hoffe es geht ihm bald wieder gut!

Gruß Petra

von Hexe - am 14.09.2001 15:46
hallo Petra, hallo Antje,
vielen Dank für Eure Mitteilungen und guten Wünsche. Bei uns geht es langsam wieder aufwärts. Es hat ihm sehr geholfen, daß wir immer wieder drüber sprechen. Ich habe meinem Kind auch Hoffnung gemacht, daß das World Center bestimmt wieder aufgebaut wird und er doch noch eines Tages hin kommt.
liebe Grüsse
Heidi

von heidi - am 15.09.2001 09:01
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