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Informationen zum Thema:
Forum:
ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
8
Erster Beitrag:
vor 15 Jahren, 6 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 15 Jahren, 6 Monaten
Beteiligte Autoren:
Gaby, steffi, Heidi S., chaotin, Markus, hoschi, AngelikaSt, Petra Vogt

Morgenmuffel

Startbeitrag von Petra Vogt am 20.09.2001 12:50

Hallo,

ich schreibe heute, weil ich nicht mehr weiter weiß. Mein Sohn (6 Jahre, Träumertyp) ist früh unheimlich schwer aus dem Bett zu kriegen. Zum Glück geht er noch in den Kindergarten (hat bis 9.00 Uhr geöffnet). Alles ist bei ihm früh wie in "Zeitlupe". Anziehen (laufend daran erinnern, vieles wird falsch angezogen), ißt extrem langsam, träumt nur rum. Da er aber nach dem Frühstück seine halbe Tablette (Medikinet) bekommt, möchte ich, daß er vorher etwas im Magen hat. Waschen, Zähneputzen ist für ihn alles unnötig und unwichtig, trotz Erklärungen (du stinkst dann oder Zahnmännchen).
Ich nehme mir jeden Morgen vor, mich nicht aufzuregen und ruhig zu bleiben (auch wegen seinem 3-jährigen Bruder). Mit seiner Heilpädagogin wurde schon
ein Plan aufgestellt (einzelne Schritte am Morgen als Bilder) zum abhaken usw. Nichts half. Ich würde ihn am liebsten sein Frühstück einpacken und in den
Kindergarten mitgeben. Seit 2 1/2 kommen wir nicht aus diesem Trott heraus. Ich habe dieses "Morgentheater" total satt. Wer kennt ähnliches? Danke im voraus.

Antworten:

hallo petra,

jaaaa das kenne ich...bei uns ist es etwas seltsamer...

entwede kommt sausebraus (4 jahre, hyper) sehr schwer aus dem bett (was mich immer total wundert) oder er ist total präsent und kommt mich ganz früh wecken.

egal welche situation gerade ist er ist extrem morgenmuffelig (ups genau wie ich). man darf ihn nicht anfassen, schreit nur rum, weigert sich die zähne zu putzen, weigert sich zu frühstücken, weigert sich aus- bzw. anzuziehen, will dieses und jenes nicht etc. pp.

ich habe mir angewöhnt ihn ins bad zu schicken (manchmal auch schleifen) und dann gehe ich raus und laß ihn erst einmal toben. irgendwann hat er sich beruhigt und sagt dann auch: mama ich habe mich jetzt beruhigt! dann gehe ich wieder zu ihm und helfe ihm bei anziehen etc. weil er ja jetzt ach gott so erschöpft ist von seiner schreittacke.

diese prozedur kann natürlich etwas länger dauern. deshalb wecke ich ihn, wenn er nicht schon rumturnt, ziemlich rechtzeitig um auch mehr ruhe für diese morgendlichen machtkämpfe zu haben.

es ist wirklich war: in der ruhe liegt die kraft. wecke ihn früh und fordere was ein und dann gehst du einfach weg....

viel erfolg wünscht dir
hoschi

von hoschi - am 20.09.2001 13:03
Hallo!

Das schöne an diesem Forum ist ja immer wieder, dass man dasitzt und trotz der unerfreulichen Geschichten in sich reinschmunzeln kann: Kenne ich, na wenigstens bin ich nicht die Einzige!

Ich selbst komme auch ganz schlecht raus! Mein Großer (schon 13) halt auch!
Er ist ja schon größer, aber er kriegt von mir (meinen Lebenspartner ;-) ) seit 3 Jahren morgens ans Bett einen Milchkaffee gebracht. Seit dem ich/wir das tun funktioniert es ziemlich gut!

Gruß
Angelika St.

von AngelikaSt - am 20.09.2001 13:40
Hallo Petra!

Mein Stiefsohn Timo (11) hat ganz ähnliche Probleme. Vorweg: Es gibt kein Patentrezept, bestenfalls Linderung bei viel Geduld, Ruhe und Organisation sowie die Anteilnahme in diesem Forum.

Auch wir haben den Prozess "morgendliche Tätigkeiten" (aufstehen, Toilette, waschen, anziehen, frühstücken, Zähne putzen... ja sogar die Details Treppe rauf/runter...) in seine Einzelteile zerlegt und in einem schriftlichen Plan zum Abhaken festgehalten. Timo konnte allerdings schon lesen. Sicherlich glückte das Vorhaben ebenfalls anfangs nicht mit durchschlagendem Erfolg. Er war immer noch langsam, hat ständig geträumt/sich ablenken lassen/den Faden verloren. Irgendwann wußte er aber alle Tätigkeiten auswendig und - da wir immer pedantisch auf die gleiche Reihenfolge bedacht waren - konnte zunehmend eine Routine entwickeln. Nach gut einem Jahr konnten wir auf den schriftlichen Plan verzichten. Er hatte ihn ab nun im Kopf. Was bleibt, ist, daß man ihn immer wieder anschubsen muß. Aber er weiß dann i.d.R. was als nächstes kommt und stellt die einzelnen Tätigkeiten (da jahrelang konsequent durchgeführt) nicht mehr in Frage.

Den Tätigkeitsplan verstehe ich heute als Hilfs-, aber nicht Allerheilsmittel. Wie die meisten Eltern von ADS Kindern unterliegen auch wir sehr großen Gefühlsschwankungen. Meine Ruhe/Unruhe, Geduld/Ungeduld hat jedoch einen sehr großen Einfluß auf Timo. Wenn ich "ausraste" geht gar nichts mehr. Die Schwierigkeit besteht also für mich in der eigenen Organisation/Ruhe/Geduld. Von großem Vorteil ist, bereits abends schon möglichst viel vorzubereiten. Ein Muß (sonst geht es morgens "in die Hose" - und das passiert auch schon mal) ist, selber schon fertig zu sein oder zumindest genug Luft zu haben. Super, wenn trotz allem mal ein kurzes Schmusen möglich ist (wirkt Wunder).

Eine Sache noch, dann bin ich mit meinen guten Ratschlägen fertig. Jeder braucht mal Pause. Meine Frau und ich sollten nicht zur gleichen Zeit mit den Nerven am Ende sein. Wichtig ist, sich immer mal wieder ausklinken, an den Partner übergeben zu können.

Viel Glück!

Markus

von Markus - am 20.09.2001 18:06
Hi,Petra!
Ups,das kenn ich doch?
Bei uns ist es ähnlich.Da Ralf auch morgens Rita nehmen muß,stehn wir eine halbe Stunde eher auf. wenn er dann angeschlichen oder getrampelt (je nach Verfassung) kommt gibts erst Frühstück. Dann erst die anderen Sachen,so liegt dann auch genügend Zeit zwischen Frühstück und Medi.

Er findet das so besser,es ist dann nicht so stressig für uns.
Viel Glück:-))

Susanne aus Bochum

von chaotin - am 20.09.2001 19:11
Gibts du ihm das Medikinet zum Frühstück? Trinkt er Milch oder Kakao ? Gib es ruhig auf nüchtern Magen eine halbe schadet nicht ,mach ich schon seid einem halben Jahr und bitte kein Kakao oder Milch das trennt den Wirkstoff.
Gruss Gaby

von Gaby - am 20.09.2001 19:20
hallo petra,
kenne ich bei meinem sohn auch.
ich mache es so:
ich wecke ihn morgens etwas früher und dann kuscheln wir erst noch eine kleine runde. dann frühstücken wir gemeinsam (!). dennis hat sonst morgens nie gegessen, aber das klaapt ganz gut. wenn er mal garnicht mag, zwinge ich ihn nicht, sondern gebe ihm auf dem dem weg zum bus eine kleinigkeit (z.b. ein leicht und cross, einen müsliriegel) mit.
mit dem anziehen klappt es auch nicht so toll, aber ich helfe ihm einfach ein wenig, indem ich ihm die sachen anreiche und bei schwierigen teilen auch helfe.
zähneputzen gehen wir auch gemeinsam und ich putze mit.
das klappt eigentlich recht gut.
liebe grüsse
steffi

von steffi - am 20.09.2001 20:46
Hallo Petra,
das Problem kenne ich auch. Ich kann dem Bericht von Markus nur zustimmen.
Es wird besser, mein Hypo wird jetzt 16 und er ist schneller geworden.
Er schafft sogar öfters in der Schule mit seinen Arbeiten fertig zu werden.

Geduld und nochmals Geduld.

Es gibt ein Buch d.h. "Die Entwicklung der Langsamkeit", sehr lohnenswert zu lesen. Weiß im Moment den Autor nicht mehr.

Gruß

Heidi S.

von Heidi S. - am 21.09.2001 07:33
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