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Forum:
ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
12
Erster Beitrag:
vor 15 Jahren, 2 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 15 Jahren, 2 Monaten
Beteiligte Autoren:
gipsy, Simone, abra, Cornelia, Susi, Jutta, martina f., Gaby, Kornelia, Beate Mahr, Wildcat

Gheimhaltung und Dauer

Startbeitrag von Wildcat am 25.09.2001 06:43

Hallo an alle,

ich will euch bestimmt nicht angreifen oder beleidigen, aber wie kommt ihr auf die Idee, dass nach 3-4 Jahren der Therapie (Verhaltens-usw.+Medikamente), diese beendet werden könnte. Es gibt hunderte von Berichten von Erwachsenen Betroffenen, die das genaue Gegenteil bestätigen. Ich gebe zu diese finden sich zum Grossteil im Ausland, doch sind wir doch mal ehrlich, hier in Deutschland wird ja von vielen sogar noch geleugnet, das Erwachsene ADS haben können. Ich war auch geschockt, als ich erfuhr, dass eventuell eine lebenslange Therapie stattfinden muss, doch wenn man logisch denkt, muss man dies durchaus in Betracht ziehen, denn keine Verhaltens-oder sonstige Therapie beeinflusst den biologischen Stoffwechsel im Gehirn und es geht darum dieses Defizit auszugleichen. Ich kann meinem Körper nicht antrainieren anders zu arbeiten, oder Stoffe zu produzieren. Je nachdem wie ausgeprägt diese Störung ist, liegt deshalb eine Medikamenteneinnahme über sehr lange Zeit durchaus im Bereich des Möglichen.
Das zweite was mir aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass immer wieder geraten wird, die Tatsache dass eine Diagnose vorliegt zu verheimlichen. Warum?
Wie wollen wir auf Dauer etwas für unsere Kinder verbessern und eine Akzeptanz in der Öffentlichkeit herstellen, wenn wir im persönlichen Umkreis ein Geheimnis daraus machen?
In meiner persönlichen Erfahrung musste ich feststellen, dass meine Kinder wesentlich stärker ausgegrenzt wurden, durch die Tatsache, dass sie sich daneben benahmen und flippten bis hin zu aggressivem Verhalten, als durch die Tatsache, dass sie ADHS haben. Im Gegenteil viele Mitmenschen waren zum Teil sogar erleichtert zu hören, dass eine Diagnose vorlag und eine Begründung (Begründung nicht Entschuldigung!) für das Verhalten der Kinder. Je nach Interesse haben sich die Menschen damit auseinandergesetzt.
Ich stehe auch nicht im Konkurrenzkampf mit anderen Müttern, denn meine Kinder sind nicht an normalen Maßstäben zu messen. Sie sind zum einen so toll, dass ich vor Stolz platzen könnte und auf der anderen Seite sind sie einfach zum....aaaaaahhhh. Welche andere Mütter können da überhaupt noch Vergleiche ziehen. Vieles was wir mühsam mit unseren Kindern erarbeiten würde in der Erziehung so manchen *Normalos* auch ganz gut tun.
Die Ziele die wir für unsere Kinder haben sind die normalsten der Welt, das wollen alle Eltern, nur haben wir es wesentlich schwerer dahin zu kommen. Doch was wir uns z.b. für den Schulunterricht wünschen (Pädogogen statt Pauker!) würde ebenfalls allen *Normalos* zu Gute kommen. Warum also sollen wir schweigen?
Oft genug reiben wir uns auf für unsere Kinder, wir organisieren, wir lernen, wir lassen uns unterrichten, wir kümmern uns wesentlich intensiver um unseren Nachwuchs als manch anderer und darauf kann ich zu recht stolz sein. Warum schweigen?
Nur ein paar Gedanken, mich würde eure Meinung brennend interessieren und bitte fühlt euch nicht auf den Schlips getreten und nein ich habe nicht die Absicht mit ADHS hausieren zu gehen und um Verständnis zu betteln oder um Mitgefühl.


Gruss Wildcat

Antworten:

Ich stimme die voll und ganz zu.Wir reiben uns doch wirklich auf,um aus unsern Kindern "normale "Menschen zu machen und was die Medis betrifft ein Zuckerkranker muss auch auf künstlicher Basis sein Insulin bekommen es produziert sich ja auch nicht von selbst wieder nach 3-4 Jahren.
Ich werde meinem Arzt auch sagen ,dass ich nicht einverstanden bin die Medis nach 2 1/2 Jahren auszuschleichen,so wie er es vorhatte.

von Gaby - am 25.09.2001 06:52

Re: Geheimhaltung

Ganz einfach, meine Tochter will es nicht. Ihre Lehrerin weiß es, ihre Großeltern, jemand aus unserem Bekanntenkreis und das wars. Ach ja, eine Tante weiß bescheid über ADS aber nicht über die Medikamente.
Ich respektiere ihren Wunsch. Ich muss allerdings dazu sagen, dass sie nur wenig Hyperaktivität hat und von daher nicht ganz so auffällig ist wie einige hyperaktive Kinder.

Ansonsten, wenn ich denke dass es jemand erfahren sollte, rede ich vorher mit ihr darüber und erkläre ihr warum das jetzt unbedingt notwendig ist.

gipsy

von gipsy - am 25.09.2001 06:53
Liebe Wildcat. (klasse Name)

Auch ich will dich ganz bestimmt nicht angreifen.

Die Meinungen über Heilung oder nicht sind aber auch unter Experten sehr geteilt.

Deshalb möcht ich die das Buch "Große Hilfe für kleine Chaoten" von Roswitha Spallek ans Herz legen.
Da seht nämlich drin, daß sehr wohl eine Heilung im Schnitt nach 3-4 Jahren möglich ist. Wohl gemerkt "möglich".
Eine Garantie wird uns sicher keiner geben. Aber ganz von der Hand weisen würde ichs auch nicht.
Und ich denke, viele von uns leben in der (aus meiner Sicht berechtigten) Hoffnung, daß es doch geheilt werden kann.

Viele liebe Grüße

Kornelia

von Kornelia - am 25.09.2001 06:59

Heilung?

Ich hoffe nicht auf Heilung, weil ich sie für eher unrealistisch halte. Ich versuche meinem Kind durch Therapien usw. dazu zu helfen mit ihrem ADS umzugehen, Strategien zu entwickeln um damit zurecht zu kommen. Wahrscheinlich wird sie mal ohne Medikamente auskommen können, weil ich den Eindruck habe, dass sie Fortschritte macht (und wir auch im Umgang mit ihr). Aber wenn sie es irgendwann ohne Medikamente schafft sehe ich das noch nicht als Heilung sondern eher als: sie hat gelernt damit zu leben, umzugehen.

gipsy

von gipsy - am 25.09.2001 07:14
Liebe Wildcat,

ja auch ich werde zur ~~ Wildkatze :-)) ~~

wenn ich mir überlege was ich mit meinen ~~ lieben Kleine ~~ so alles anstelle ( DIAGNOSE - THERAPIE - VT - ERGO - REGELPLAN - GANZ VIEL ZEIT - .... - ....- )

und dann sehen muss wie wenig ~~NORMALOS ~~ ( mit ähnlichen ) Problemen für oder mit Ihren Kinder tun.

Beispiel :

Aktive Mitarbeit in Kindergarten und Schule - - - FÜR ALLE KINDER !!!!!!!!!!!!!!!!!!

Aufklärung in Kindergarten und Schule - - - FÜR ALLE KINDER !!!!!!!!!!!!!

Ich bin auch mal wieder Elternbeirat in der Klasse von Felix - - - und warum - - - Beate hat immer so gute Ideen ( ich denke ich habe auch ADS ), sie kann so toll organisieren ( von was das wohl kommt ) ich machen das hauptsächlich wegen meinen Kinder den NUTZEN HABEN ALLE !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Ich habe, seit ich weiß was Felix hat , alle Lehrer mit INFO Material versorgt - - - -
z.B. 50 Tipps für Lehrer ( O-Ton ... da muss ich nicht viel ändern - - das kommt allen zugute ) - - - Was für meine gut ist kann anderen nicht schaden.

In der neuen Klasse meines Sohnes wurde, auf Grund der Probleme der Vorgängerklasse ( geschäzte : 5 ADSler o.Diag.), der gesamte Ablauf des Unterrichtes inkl. Hausaufgaben umgestellt.

Schulpsychlogischer Dienst - Rektor - Lehrer - Eltern haben AKTIV zusammen gearbeitet.Das ist gelaufen ohne , dass man was über ADS wusste.

Das gibt es an dieser Schule nicht !!!!!!!!!!!! , wurde mir gesagt, als ich Felix da angemeldet habe und offen über ADS und Ritalin gesprochen habe, weil Felix auch in der Schulzeit schlucken muss.

Ich hatte gleich am 1. Schultag ein OFFENES Gespräch mit der KL von Felix, im Verlauf sagte die KL zu mir sagte ...jetzt geht mir ein Licht auf ( Info zu ADS ) , deshalb werden die ~~ Regeln ~~ noch schärfer umgesetzt . In der Klasse von Felix sind 2 diag. ADSler und einer mit Verdacht .

Ich gehe OFFEN mit ADS um, weil ich meinen Kindern helfen möchte ~~ in Ihrer UMWELT ~~ verstanden zu werden - - - - bis jetzt ist es mir sehr gut gelungen.

Ich ärgere mich nur immer wieder darüber , dass unsere MITARBEIT als SELBSTVERSTÄNDLICH angesehen wird .

Ich hoffe ich konnte mich für alle verständlich ausdrücken ;-)))

Liebe Grüße
Beate

von Beate Mahr - am 25.09.2001 07:16
Hallo Beate!

Zum Glück gibt es heutzutage Möglichkeiten ,die es zu meiner Zeit (34J,alt) nicht gab. Ich habe 2 Söhne ,der ältere hat ADS m.Hyp. und bekommt Ritalin! Er hat sich absolut positiv verändert, es gibt natürlich auch negative Dinge=Gewichtsabnahme usw.
Wir tun aber alles für ihn um ihn zu helfen!!!! Wir erfahren bis jetzt auch sehr viel positive Sachen in der Schule = die Lehrer .-/innen sich etwas auf ihn einstellen und zum Bsp.: ihn in Mathe nicht so rannehmen( Rechenschwäche hat!).
Es gibt überrings viel mehr Erwachsene mit ADS wie Ihr alle glaubt!Ich bin eine davon und kenne mindestens noch: 4-5 andere !!!!!!!!!!!Also, zum Thema , heilt es im Alter aus! Es kommt wahrscheinlich an :
*es muss früh genug erkannt werden
*SCHNELLSTENS THERAPIERT WERDEN
*Eltern=Erzieher=Lehrer/innen Mitarbeit!!!!!!!!!!
*Medikamente gezielt einsetzen
m.fuhrmann
martina


von martina f. - am 25.09.2001 08:19
Hallo Wildcat,

ADS ist nicht heilbar- das ist klar. Aber wenn die Kids mit Medis und Verhaltenstherapie "großwerden" können sie lernen damit umzugehen.

Es gibt jede Menge Erwachsene mit ADS- ich bin auch einer davon. Aber sind wir doch mal ehrlich- welcher Erwachsene ist denn schon als Kind diagnostiziert worden und hat die richtige Therapie bekommen.

Beim Erwachsenen ist doch noch viele Jahre mehr die Negativ Erfahrung drin. Aber auch da kann Ritalin erstmal helfen. Ich hoffe auch, dass ich es mal ohne Medis schaffe- aber im Moment bin ich einfach froh, dass sie mir helfen mich ein wenig besser zu organisieren und auch, damit ich den Kids besser helfen kann.

Medis sind Hilfsmittel, damit eine Therapie überhaupt "im Kopf bleiben" kann (blöd ausgedrückt- ich hoffe du verstehst was ich meine)- aber auch hier im Forum gab es schon Berichte darüber, dass es auch später ohne geht. Man muss lernen damit umzugehen

Grüße
Susi
Unsere Familie


von Susi - am 25.09.2001 09:24

Re: Geheimhaltung und Dauer

Hay,

ich denke genauso wie du wildcat, denn auch ich bin eine Katze von Haus aus. Ich heiße nämlich Kather *grins*. Ich erzähle ganz offen über die Probleme und je öfter die Lehrer und das gesamt Umfeld von meinem Sohn davon hören, umso besser. Denn nur so können sie erkennen wann auch mal eine Besserung eintritt, oder wie sie mit ihm umgehen wenn er mal wieder ausflippt. Es macht ihn mittlerweile auch selbstbewußter. Es sind ja so viele kleine Schritte auf dem Weg zum Großwerden. Da muß man irgendwann mal klein mit anfangen. Ich denke das macht ihn stark, damit später umzugehen und auch auf andere zuzugehen. Doch egal ob wir es verschweigen oder in der Öffentlichkeit breittreten, unterm Strich wollen wir doch alle das Gleiche. Eben das beste für unsere Kids! Oder?

von Simone - am 25.09.2001 09:27
Hallo Wildcat,

zur Heilung bzw. Dauer von Therapien und Medikation ist glaube ich schon genug gesagt. Hier hängt es ja immer davon ab, ob der ADSler es im Laufe der Behandlung lernt, Verhaltensmuster zu entwickeln, die ihm in seinem Leben helfen.

Die Frage der Geheimhaltung ist eine ganz andere Sache. Muss ich denn erzählen, wenn mein Kind Medikamente nimmt oder gar, dass er eine bestimmte "Krankheit" bzw. "Disposition" hat? Ich denke nicht.

Grundsätzlich erzähle ich das nur denjenigen, die sich über das Verhalten meines Kindes Gedanken machen. Bekommt es Medikamente, die ihm helfen, sich "normal" (im Sinne der Erwartung der Gesellschaft) zu verhalten, warum sollte ich dann noch sagen, dass es durch die Medikamente kommt?

Reicht es nicht, dass die anderen den Wechsel im Verhalten zum Positiven bemerken?

Ganz allgemein ist es eine Sache der eigenen Stärke, wen man informiert. Ich habe z.B. im Moment einfach nicht die Kraft, die Diskussionen über Sinn und Zweck der Medikation oder die Existenz von ADS ganz allgemein zu streiten.

abra ;-)
www.abracadabras-welt.de


von abra - am 25.09.2001 10:31

Re: Geheimhaltung und Dauer

Hallo Wildcat,

danke :-))
Du hast mir Arbeit abgenommen, genau das hatte ich mir auch schon vorgenommen zu schreiben...

Ich bin ganz Deiner Meinung!
Gruß,
Cornelia

von Cornelia - am 25.09.2001 14:39
Hallo Wildcat,

lesenderweise "kenne" ich Dich schon aus anderen Foren, sei auch hier willkommen.

Ich denke fast, Du meinst mich, da ich genau das mit den 3-4 Jahren vor kurzem in einem Posting geschrieben habe.

Ich weiss sehr wohl, das ADS nicht heilbar ist. Aber wenn man früh genug mit der Therapie anfängt und die "richtigen" Verhaltensweisen erlernt und ebenso lernt mit dem "Anderssein" umzugehen, glaube ich fest, das man zumindest Ritalin irgendwann mal weglassen kann.

Viele Erwachsene, die Ritalin nehmen, sind schliesslich auch erst sehr spät diagnostiziert worden. Ich kenne keinen Erwachsenen, der seit Kindheit Ritalin nimmt. Sehr wohl kenne ich 3 Fälle (heutige Erwachsene) die als Kind Ritalin bekommen haben, vor 20 Jahren, und heute keins mehr nehmen. Natürlich schliesse ich es nicht aus, gehe aber davon aus, das es bei der Mehrzahl der heute behandelten Kinder so sein wird das sie ohne auskommen.

Zum Bekanntheitsgrad des ADS meiner Kinder nur so viel, ich setzte es nicht unbedingt in die Zeitung, erkläre es aber jedem der mich interessiert danach fragt. Selbstverständlich weiss es die Lehrerin meines grossen Sohnes, bzw, alle Lehrer die mit ihm umgehen.

Hierzu eine kleine Geschichte. Vor 4 Wochen waren sie in der Jugendherberge und die Tablettengabe erfolgte durch die Lehrerin, nach dem Frühstück. Sohnemanns Mitschüler fragten ihn, warum er denn Tabletten nehmen müsse, er wäre doch gar nicht krank. Antwort, nein, krank bin ich nicht, aber die Tabletten helfen mir, mich besser zu konzentrieren und nicht so viel Blödsinn zu machen. Ich bin dann auch nicht so hibbelig.

Das ist für mich eine gesunde Einstellung und eine prima Erklärung eines 9jährigen an seine Mitschüler.

Lieben Gruss

von Jutta

von Jutta - am 25.09.2001 18:54
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