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Informationen zum Thema:
Forum:
ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
3
Erster Beitrag:
vor 15 Jahren, 2 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 15 Jahren, 2 Monaten
Beteiligte Autoren:
Dagmar, Ahli, steffi

betr. lehrerin - an dagmar und andere lehrer - und auch an alle, die es interessiert

Startbeitrag von steffi am 26.09.2001 10:47

hallo,
habe mich gestern recht lange und ausführlich (endlich mal!!!) mit der klassenlehrerin meines sohnes unterhalten. habe dabei feststellen können, dass sie schlichtweg mit den nerven am ende ist und daher wohl auch oft so unangemessen reagiert. das liegt nicht nur an meinem sohn, dessen positive verhaltensänderungen sie durchaus registriert hat. sie hat allgemein eine sehr schwierige klasse, mit vielen verhaltensauffälligen kindern.
dieses gespräch war mir sehr wichtig, da ich sie nun auch mit anderen augen sehen kann. auch lehrer sind halt nur menschen ...
sie kann meinem sohn leider im moment nicht die geduld und aufmerksamkeit entgegen bringen, wie sie gern möchte und wie er auch dringend bräuchte. sie versucht zwar, ruhig und besonnen zu sein, aber es geht leider immer wieder schief. das ist natürlich für dennis einstellung ihr gegenüber nicht so toll. er kommt mit diesem hin und her überhaupt nicht zurecht und auch ihr geht es nicht gut dabei.
ich habe ihr nun angeboten, dass sie mich jederzeit anrufen kann, wenn ihr speziell mein sohn sorgen bereitet und ich dann jederzeit unterstützend in die schule kommen würde. ich glaube aber nicht, dass sie es unbedingt annimmt. habe das gefühl, sie denkt, sie würde dann versagen und das auch noch offen zugeben.
so und nun meine konkreten fragen:
wie kann ich ihr helfen und was für möglichkeiten (die sie vielleicht nicht kennt) gibt es für sie, sich hilfe zu holen?
es hilft uns ja allen, nicht, wenn sie sich nervlich noch völlig kaputt macht.
habe auch schon überlegt, dennis in eine andere klasse zu bekommen. aber er möchte nicht, da er mit den kindern im moment super klarkommt und ganz viele verabredungen hat . auch ist das in meinen augen ja keine lösung.
bin für jede anregung sehr dankbar, besonders von lehrern, die diese situation auch kennen und mir daher tipps aus "erster hand" geben können.
liebe grüsse
steffi

Antworten:

Hallo Steffi!
Ich bin selber Klassenlehrerin zweier ADS-Kinder. Allerdings gehen sie in die 7.Klasse in Berlin. Nun ist es so , dass es in jedem Bundesland unterschiedliche Möglichkeiten gibt, so dass ich Dir viel von uns erzählen könnte aber nicht weiß, ob ich Dir nicht zu viele Hoffnungen mache, die nicht realisiert werden können. Wenn Du Interesse hast, dann schicke mir doch Deine Telefonnummer und wir reden. Nur soviel außer didaktischen Methoden gibt es auch einige Möglichkeiten Sonderstunden zu bekommen, die Kind und Lehrer entlasten können.

von Ahli - am 26.09.2001 11:56

Re: betr. Lehrerin

Hallo Steffi,

ja, LehrerInnen sind auch nur Menschen...

Die Klassenzusammensetzung ist etwas zufälliges. Es gibt Klassen, da sitzen lauter wissbegierige Kinder mit gutem Arbeits- und Sozialverhalten und es gibt andere Klassen, da häufen sich die Kinder, die mehr Untertützung brauchen. Die Summe der zusätzlichen Unterstützung, die in solchen Klassen benötigt wird, kann manchmal schon die Möglichkeiten einer einzelnen Lehrkraft übersteigen.

Der Schulbeginn ist eine sehr schwierige Zeit. Die Kinder müssen sich erst mal vom Kindergarten in die Schule umgewöhnen. Gerade für die Kinder, die aus offenen Kindergärten kommen, ist dies eine riesige Umstellung, die Monate dauert. Die Lehrerin muss erst einmal die Regel installieren. Die Kinder kommen voller Freude und Erwartungen und müssen oft das erste mal in ihrem Leben erleben, dass es anstrengend ist, Dinge zu erledigen. Es gilt nicht mehr das Spaßprinzip aus dem Kindergarten, nach dem Motto, wir machen alles nur so lange es uns Spaß macht und alles andere lassen wir sowieso aus. Die Kinder müssen lernen sich anzustrengen, Dinge zu tun, die erst mal keinen Spaß machen, durchzuhalten, Dinge zu Ende bringen und auch Frustrationen zu ertragen.

Und gerade der letzte Punkt fällt Kindern sehr schwer, denn er kollidiert knallhart mit der Vorfreude. Zu Hause müssen Kinder heute kaum noch Frustrationen aushalten. Wir Eltern finden ohnehin alles toll, was unsere Kinder produzieren, malen, basteln etc. Geschwisterkinder, Cousinen, Cousins, die als notwendiges Korrektiv auftreten gibt es heute fast nicht mehr und Pflichten im Haushalt, die von einem Kind dauerhaft und ernsthaft erledigt werden müssen, die eingefordert werden, gibt es auch fast nicht mehr. Damit sind die Kinder in der Schule oft zum ersten mal konfrontiert.

Das nur zur Erklärung, warum das im Moment etwas schwierig ist in der Klasse und warum es sich auch ändern wird.

Ich würde der Lehrerin anbieten für 2-3 Wochen mein Kind in die Schule zu begleiten und es im Unterricht zu unterstützen. So bekommt es etwas normales, wenn du dabei bist. Du kannst deinem Kind helfen, die Regeln in der Schule zu erkennen und sie einhalten zu lernen. Außerdem kannst du deinem Kind helfen, seinen Arbeitsplatz und die Arbeitsabläufe zu strukturieren.

Die Lehrerin ist auf diese Weise entlastet, da sie das bei deinem Kind dann nicht übernehmen muss.

Viele Grüße
Dagmar
Elterngruppe Frankfurt


von Dagmar - am 26.09.2001 12:10
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