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Informationen zum Thema:
Forum:
ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
12
Erster Beitrag:
vor 15 Jahren, 2 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 15 Jahren, 2 Monaten
Beteiligte Autoren:
gipsy, Wilma, Karina, Dagmar, Maximilian, Maria, Petra F., Kerstin, Waltraud

Wer hörte bereits von THOP, Heilpädagogen und Videoanalyse?

Startbeitrag von Kerstin am 26.09.2001 11:20

Hallo!
Bei uns war Freitag ein Heilpädagoge! Er will eine Videoanalyse machen und mit uns in einem THOP Programm (Uni Köln) arbeiten! Kennt das jemand? Hört sich "gefährlich" an...!"
Wäre dankbar für Tipps.
Kerstin

Antworten:

Zu Videoanalyse kann ich nichts sagen. THOP ist ein von der Uni Köln entwickeltes Therapieprogramm.
für Kinder mit hyperkinetischem und oppositionellem Problemverhalten. Dazu gibt es ein Begleitbuch (auch als Selbsthilfeprogramm zu benutzen): Wackelpeter und Trotzkopf.

Meine Tochter nimmt gerade an einem "Ausschnitt" dieses Programms teil, nämlich dem Aufmerksamkeits- und Konzentrationstraining. Für uns ist das auf jeden Fall hilfreich, die Hausaufgeben klappen immer besser...Sie bekommt Strategien beigebracht, wie sie Aufgaben angehen und lösen soll.

Schade nur, dass nicht das ganze Programm gemacht wir, aber vielleicht find ich ja noch jemanden....

gipsy

von gipsy - am 26.09.2001 11:31
Liebe Kerstin,
keine Bange: Das THOP-Programm wurde von Prof. Döpfner entwickelt, einem Veteranen der ADHS-Therapie. THOP bedeutet nichts weiter als "Therapieprogramm für Kinder mit hyperkinetischem und oppositionellem Problemverhalten" und zieht zur medikamentösen Behandlung weitere nichtmedikamentöse Maßnahmen hinzu, zum Beispiels Verhaltenstraining, Erlernen von Selbstinstruktion etc. Das ist bei Kindern mit Problemverhalten sehr zu empfehlen und wird Deinen Kind sicher gut tun.
Herzliche Grüße
Wilma

von Wilma - am 26.09.2001 11:34
Hi,

zur Videoanalyse kann ich laienhaft ein bißchen was beitragen.

Da werden Videoaufnahmen gemacht, teilweise unter "standardisierten" Bedingungen, die dann in Ruhe und teilweise sogar mit Zeitlupe ausgewertet werden. Dabei geht es natürlich um so Sachen wie: wie verhalten sich die gefilmten Personen, usw., aber auch um Gestik, Mimik, Augenbewegung usw.

Geschulte Beobachter können aus solchen Aufnahmen eine Menge ablesen. Ungeschulte vermutlich nicht :-)

Das Ganze ist recht umstritten. Ich habe ein paar Stories dazu gehört, die die ganze Videoanalyse in Verruf bringen würden, wenn sich´s rumspräche. Andererseits hab ich ein paar wirklich umwerfend beeindruckende Beispiele dafür selber gesehen- das kann man im Forum kaum so beeindruckend wiedergeben.

Ich nehme mal an, es hängt von der Kompetenz dessen ab, der das Ganze macht. Und das läßt sich hier nicht feststellen :-)

viel Glück
Petra F.

von Petra F. - am 26.09.2001 12:02
Unser Kinderarzt arbeitet mit Vidioanalyse.
Er ist wirklich sehr erfahren (seit 10 Jahren) und hat extra eine Therapeutenausbildung gemacht.
Wir mussten spielen, rechnen, schreiben, bestimmte Themen besprechen ect. Wir hatten viel zu lachen dabei. Uns hat es Spass gemacht. Es war eine entspannte angenehme Atmosphäre.
Die Analyse wird so wie Petra beschrieben hat gemeinsam mit den Eltern besprochen. Man erfährt viel über ADS und lernt auf mehr zu achten als wie die üblichen Symptome. Ich habe also sehr gute Erfahrungen gemacht.
Ich würde trotzdem gerne die kritischen Äußerungen über dieses Verfahren wissen. Petra könntest du mir da was mailen? Maria

von Maria - am 26.09.2001 12:17
Hallo Wilma,
das stimmt so nicht: THOP ist in erster Linie ein verhaltenstherapeutisch orientiertes Interventionsprogramm mit zusätzlicher Medikation, wenn nötig (ist oft gar nicht nötig)
wally

von Waltraud - am 26.09.2001 12:49
Hallo Waltraut,
THOP ist ein multimodales Therapieprogramm, das verschiedene Maßnahmen nach individuellen Bedürfnissen kombiniert. Bei schwer betroffenen Kindern gehört dazu auch eine primäre medikamentöse Therapie. Jedenfalls sieht Prof. Döpfner das so. Sollte er sich bei Dir mal erkundigen, ob er sein eigenes Konzept richtig versteht?
Gruß
Wilma

von Wilma - am 26.09.2001 13:40
Hallo Waltraud,

in den folgenden Link's kannst du dich schlau machen, was THOP bedeutet.
Danach können wir gerne nochmal darüber sprechen, was THOP nun ist.

> Das Therapieprogramm für Kinder mit hyperkinetischem und oppositionellem Problemverhalten (THOP) >
> Döpfner, M., Schürmann, S., Frölich, J. (1998) <
[www.uni-koeln.de]

> Evaluation eines multimodalen Therapieprogramms bei Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörungen über eine differenzierte Einzelfallforschung. <
[www.uni-koeln.de]

Gruß
Maximilian
Infoseiten der ADS Selbsthilfegruppe Köln


von Maximilian - am 26.09.2001 17:31
Hallo Petra,

auch mir ergeht es so wie Maria; ich würde auch gerne mehr über die negativen Erfahrungen betreff der Videoanalyse erfahren. Vielleicht könntest Du hier im Forum über Deine Erfahrungen, bzw. die Dir mitgeteilten Erfahrungen, berichten. Wenn Du das jedoch nicht möchtest wäre ich über ein privates Mailing von Dir sehr froh.
Gruss
Karina

von Karina - am 26.09.2001 17:48
Wenn Waltraud auch nicht echt ist hat sie/er doch recht.

>THOP bedeutet nichts weiter als
> "Therapieprogramm für Kinder mit hyperkinetischem und oppositionellem
> Problemverhalten" und zieht zur medikamentösen Behandlung weitere
> nichtmedikamentöse Maßnahmen hinzu, zum Beispiels Verhaltenstraining,
> Erlernen von Selbstinstruktion etc.

Es ist umgekehrt, bei einem Teil der Kinder wird zu einer nichtmedikamentösen Therapie auch eine medikamentöse Behandlung hinzugezogen, in viel weniger Fällen anders herum. Und bei einem Teil der Kinder gibt es überhaupt keine medikamentöse Therapie.

>Bei schwer betroffenen Kindern
gehört dazu auch eine primäre medikamentöse Therapie.

Das ist sicher richtig, aber laut Aussage des Begleitbuches zu THOP (Autoren: Döpfner, Schürmann und Lehmkuhl) in höchstens 20 % der Fälle so. (Ich beziehe dies nur auf die Erfahrungewerte von Döpfner an der Uni Köln) Konkret steht dort:

"Bei höchstens einem Fünftel der Kinder, die in unserer Klinik mit einer hyperkinetischen Problematik vorgestellt werden, sehen wir die Notwendigkeit einer möglichst frühzeitigen medikamentösen Therapie, die dann durch andere Maßnahmen und Therapien, durch gezielte Hilfen für Eltern, Lehrer, Erzieher und manchmal auch durch eine psychologische Behandlung des Kindes selbst ergänzt wird. Bei allen anderen Kindern stehen Maßnahmen in der Familie, im Kindergarten oder in der Schule und die Behandlung des Kindes selbst am Anfang. Falls dies Maßnahmendie Probleme nicht hinreichend vermindern, kann eine ergänzende medikamentöse Behandlung sinnvoll sein. Das ist nach unseren Untersuchungen etwa bei einem Drittel der Kinder mit hyperkinetischen Störungen der Fall."


gipsy

von gipsy - am 26.09.2001 21:46
Hallo Gipsy,

diese Zahlen widerlegen doch wirklich die Behauptungen der ADS-Gegner, dass eine ADS-Diagnose automatisch zu einer medikamentösen Behandlung führen muss. Mich ärgert nämlich immer, dass da quasi eine Gleichsetzung von Diagnose und Medikamenten vorgenommen wird.

Und gerade die Erfolgswahrscheinlichkeit bei frühzeitiger Diagnose und Therapie ist wirklich gut, insbesondere dann, wenn die Kinder nicht so sehr stark betroffen sind.

Je später die Kinder diagnostiziert werden und je mehr Zeit mit sinnlosen Therapien (weil falscher Therapieansatz) vergeudet wurde, desto häufiger müssen die Kinder nämlich aus den (im Buch auch erwähnten) zugespitzen Krisensituationen herausgeholt werden und zwar mit einer medikamentösen Therapie.

Bei 20% ist eine frühzeitige medikamentöse Behandlung notwendig. Das ist jedes 5. Kind.
Die restlichen 80% bekommen erst einmal Therapie. Doch bei einem Drittel merkt man dann, dass das nicht reicht, also werden auch diese medikamentös behandelt. Das sind noch einmal 27% der Kinder.

Geht man also von der Ausgangsstichprobe aus, dann werden ca. 50 % der Kinder medikamentös behandelt.

Das bedeutet, bei der Hälfte der Kinder reicht ein Verhaltenstraining in Kombination mit Elterntraining und Schulung der Erzieherinnen/Lehrer und bei der anderen Hälfte der Kinder kommt eine weitere Komponente des multimodalen Ansatzes zum Tragen, nämlich die medikamentöse Therapie.

Viele Grüße
Dagmar

Ps: Was mich hier wundert ist allerdings was anderes. Schmidt spekuliert auf unser kurzes Gedächnis. Hier beruft er sich auf das THOP-Programm, weil er denkt, damit seine Meinung stützen zu können. Vor noch nicht allzulanger Zeit hat die Verhaltenstherapie noch sehr dezidiert als mögliche Therapieform abgelehnt, da diese nicht geeignet sei, die Konflikte innerhalb der Familie aufzudecken und zu bearbeiten.

Da kann man nur noch staunen.
Elterngruppe Frankfurt


von Dagmar - am 26.09.2001 22:48

Re: Wer hörte bereits von THOP, ..? Kleines aber wichtiges Detail vergessen...

Hab ich eben total vergessen UND DABEI FURCHTBAE WICHTIG.... die kleine hinterhergeschobene Aussage in Klammern... der kann ich so nicht zustimmen bzw. es hängt davon ab, wie man "oft" definiert, alles vor den Klammern ist ok.

>das stimmt so nicht: THOP ist in erster Linie ein >verhaltenstherapeutisch
> orientiertes Interventionsprogramm mit zusätzlicher >Medikation, wenn nötig
> (ist oft gar nicht nötig)

An Dagmar,

an der Uni Köln ist es offensichtlich so. Und so sollte es auch sein. Diese Zahlen beziehen sich nur auf diese Klinik, interessant wäre auch eine bundesweite Statistik.

gipsy


P.S. Die Wege des Herrn ... sind unergründlich *g*

von gipsy - am 27.09.2001 00:16
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