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Forum:
ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
7
Erster Beitrag:
vor 15 Jahren, 2 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 15 Jahren, 2 Monaten
Beteiligte Autoren:
Birgit, abra, Maria, Maximilian, Wildcat, Dagmar

Mitteilung erhalten

Startbeitrag von Birgit am 26.09.2001 14:11

Hallo erstmal alle zusammen!
Rechner geht wieder u. ich habe da auch schon ein Problem.
Mein Sohnemann kam heute mit einer Mitteilung aus der Schule nach Hause.
Sie lautet:
Werte...........
leider muss ich Ihnen mitteilen, dass Ihr Sohn Fabian am heutigen Tag mit seinem Verhalten gegen das Schulgesetz verstoßen hat.
Sachverhalt:
Fabian setzte sich im Kunstunterricht eigenmächtig neben einen Mitschüler, obwohl er die Anordnung kannte, sich so zu setzen, wie es der Klassenleiter festgelegt hat. Meine ruhige Weisung, den Platz zu wechseln, verweigerte er kategorisch mit der Begründung,er hätte doch nichts gemacht. Als ich ihn darauf aufmerksam machte,dass seine Weigerung als Verstoß gegen das Schulgesetz und die Hausordnung gewertet werden müsse und eine Elternmitteilung nach sich ziehen würde, gab er zu verstehen, es sei ihm egal.
Wie befürchtet, schwatzte und alberte er mit seinem nachbarn und konnte das Ziel des Arbeitskomplexes bei Weitem nicht erreichen. Außerdem hatte er kein Arbeitsmaterial parat.
Ich möchte Sie im Interresse der Entwicklung Ihres Kindes darum bitten,in geeigneter Weise auf ihn einzuwirken,dass sich solch ein Verhalten nicht wiederholt.

Nun meine Fragen :
1. Ist dies ein Verstoß gegen das Schulgesetz? Wo kann ich nachlesen?
2.Vielleicht nicht doch ein wenig übertrieben reagiert?
3.Wie soll ich noch auf Fabian einwirken? Vorallem wird sich änliches bestimmt noch wiederholen.
4. Kann er deshalb von der Schule fliegen?
Die Schlußbemerkung klingt so als würde mich überhaupt nicht interessieren was Fabian macht und vorallementwickelt. Dabei bin ich fast jeden Tag in der Schule und führe Gespräche mit betr. Lehren/innen. Was soll ich tuen?
Liebe Grüße von Birgit

Antworten:

Liebe Birgit,

so wie ich die Sache sehe, mag es zwar ein Verstoss gegen die Schulordnung sein, wenn sich ein Schüler nicht auf den ihm angewiesenen Platz setzt. Das rechtfertigt jedoch in keinster Weise einen Ausschluss oder Rauswurf.

Was ich aus dem Schreiben ersehe (interpretiere), ist folgendes:

Offensichtlich hat die Lehrkraft bei deinem Sohn versucht durch massive Drohungen ihren Willen durchzusetzen. Zuerst hat man es nett probiert, wie oft? Einmal? Daraufhin hat dein Sohn nicht reagiert, auf Druck der dann ausgeübt wurde reagierte er mit Widerspruch und ADS-typischem Trotzverhalten.

Ich an deiner Stelle würde erst mal zur betreffenden Lehrkraft *tigern* und hinterfragen, ob es denn wirklich solcher Massnahmen bedurft hat. Dann würde ich der Lehrkraft auch klar machen, dass deine Autorität und dein Einfluss nicht Gott gleich ist. Sprich in der Schule bist du nicht anwesend, du tust dein Möglichstes zu Hause, in der Schule ist sie als Lehrkraft zuständig und selbst hier stehst du beratend zur Seite, mit Infos über das ADS deines Kindes und wie damit umgegangen zu werden hat.

Lass dich nicht unterkriegen, nur weil ofensichtlich eine Lehrkraft nicht in der Lage ist, dein Kind richtig zu behandeln.


Gruss Wildcat

von Wildcat - am 26.09.2001 16:20
Hallo Birgit,

aus dem Bauch heraus antworte ich mal so.

zu 1.) Amtsdeutschmässig ja. Sowas steht in der ASchO (Allgmeine Schul Ordnung) Aber ich halte die Wortwahl eines Verstosses gegen Schulgesetze schon etwas seltsam.

zu 2.) Eindeutig ja. Oder haben sich solche Ereignisse schon gehäuft?

zu 3.) Schwierige Frage. Kannst eigentlich nur du selber beantworten, wer von uns kennt deinen Sohn denn. Versuche die Gründe dafür zufinden.

zu 4.) Wenn bisher nie etwas gewesen ist, NEIN.

Gruß
Maximilian
Infoseiten der ADS Selbsthilfegruppe Köln


von Maximilian - am 26.09.2001 17:42
Hallo Birgit,

überlege dir mal eine adäquate Situation in deinem Privatbereich.

Du gehst mit 10 Kindern ins Kino. Nun hast du so einen Unruhegeist dabei, der süß ist, aber der eine ziemliche Unruhe in die Gruppe bringt.

Im Kino läuft dieser kleine Kerl darum und quatscht mit seinem Nachbarn. Die übrigen Kinobesucher fühlen sich gestört. Du selbst fühlst dich blamiert. Du versuchst dem Jungen einen anderen Platz zu geben, neben dir, damit endlich Ruhe ist und die anderen Kinder den Film sehen können. Der kleine Kerl weigert sich, läuft weg und sagt dir, dass du ihm gar nichts zu sagen hast. Einige Kinder finden das klasse. Sie fangen an den Knirps anzustacheln. Der erkennt seine Bühne (endlich positive Zuwendung) und dreht immer weiter auf.

Die natürliche Reaktion ist doch: "Setz dich hin oder ich erzähle deinen Eltern nachher wie unruhig du warst und dass du überhaupt nicht auf mich gehört hast." Der Junge zeigt sich vollkommen unbeeindruckt und verhält sich weiterhin unruhig. Er sagt dir, dass ihm das egal sei, dass seine Eltern ohnehin nichts machen.

Der Film ist um und du bringst die Kinder nach Hause.
Was wirst du den Eltern erzählen? Dass es schon o.k. war, wie sich ihr Junge verhalten hat? Oder wirst du ihnen die Situation schildern?

Wie wirst du dich am nächsten Wochenende verhalten? Wirst du diesen Jungen wieder mit ins Kino nehmen? Wirst du den Jungen nur mitnehmen, wenn die Eltern vorher ein ernstes Wort mit ihm geredet haben? Oder wirst du sagen, dieses mal nicht, wir nehmen ihn nicht mit?

Viele Grüße
Dagmar
Elterngruppe Frankfurt


von Dagmar - am 26.09.2001 18:18
Hallo an euch!
Ich habe mich mit Fabian in einer ruhigen Phase ( er war heute sehr gereizt und aggressiv) über diese Mitteilung unterhalten.
Ich fragte ihn ob er nur heute neben seinem Kumpel im Kunstunterricht gesessen hat?
Antwort: Nein ich sitze schon die ganze Zeit dort. Zwei Schüler eine Bank weiter vor hätten geschwatzt und der Kunstlehrer hatte Fabian und seinen Nachbarn ermahnt.Fabian sagte er habe nichts gemacht. Darauf der Lehrer: Er solle sich weg setzen und so fing die Geschichte ( Sachverhalt) an.
Ich kann mir den Rest vorstellen z.B. Fabian seine Reaktion darauf.
Werde morgen mit dem Lehrer nochmal über den Sachverhalt

von Birgit - am 26.09.2001 22:27

Re: Mitteilung erhalten /an Dagmar

Hallo Dagmar
Dein Vorschlag, sich in die Gefühle der Leherin reinzuversetzen find ich erstmal gut.
Auch Eltern können lernen Empathie zu entwickeln.
Besonders ADS-Eltern !
Aber genauso wie Erzieher müssen Lehrer professionell mit Eltern umgehen. Sie sind die Profis, es ist ihr Beruf.
Und diese Lehrerin hat unprofessionel gehandelt.
Diese Feststellung finde ich erstmal wichtig.
Aber sicher meintest du auch, das man darauf jetzt nicht auch unprofessionell antwortet.
Eltern sind aber erst mal nicht professionell.
Birgit fühlt sich als Mensch und Mutter angegriffen.
Nichtgeübte können damit erstmal nicht immer sachlich umgehen.
Ist ja auch schwer.
Aber ich glaube, Birgit hat es schon einwenig erkannt.
Wie gesagt, ich finde deinen Vorschlag wichtig, aber den Hinweis, das eigene Gefühle (angegriffen fühlen) erkannt werden müssen, um sachlich mit so einer Situation umzugehen, wollte ich noch dazu beitragen. Maria

von Maria - am 26.09.2001 23:01
Hallo Birgit,

ich sehe aus deiner Antwort, dass dir du solch eine Kinosituation noch nicht erlebt hast. Mir ist nämlich genau das letzten Sonntag passiert. Ich ahnte es schon, habe bei der Platzwahl auch nicht darauf geachtet, mich neben diesen kleinen "Unruhegeist" zu setzen.

Wie ging es weiter? Während des 3-D-Films hampelte er rum, unterhielt sich tierisch laut mit seinem Nachbarn (er schreit fast immer, kann die Lautstärke nicht kontrollieren). Meine Ermahnungen nahm er nicht ernst, ich denke, er hat sie gar nicht wirklich wahrgenommen.

Zum Glück war der Ton irre laut, dass nicht allzuviele Leute gestört wurden. Mich hat es extrem genervt, weil ich mich für die Truppe und deren Verhalten verantwortlich fühlte.

Bei unserer Rückkehr habe ich meine Freundin darüber aufgeklärt. Sie hat selbst nochmal mit ihm geredet, aber ich denke, er kann sich einfach nicht kontrollieren. Er hat eine andere Wahrnehmung. Das kann ich sagen, weil ich etwas über ADS weiß und vermute, dass er auch in diese Richtung geht.

Bei anderen Aktivitäten (Geburtstagsparties etc.) wird er allerdings schon ausgeschlossen, weil er in schlechter Erinnerung bei den Gastgebern ist. Schade eigentlich.

Zu dem Schulbrief. Ohne Konsequenzen geht es nicht. Fehlverhalten (hier das Verweigern des Platzwechsels) muss eine Folge haben. Das einzige Mittel, das diesem Lehrer anscheinend angemessen erschien, war die Drohung, einen Brief an die Eltern zu schicken. Ob nun die Situation so war, wie der Lehrer es sieht oder so, wie dein Sohn es beschreibt, ist in diesem Fall vermutlich unerheblich. Tatsache ist, dass er sich verweigert hat. Was soll der Lehrer tun? Er hat gehofft, dass die Drohung und der Brief die gewünschte Verhaltensänderung bringt.

abra ;-)
www.abracadabras-welt.de


von abra - am 27.09.2001 08:00
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