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Forum:
ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
8
Erster Beitrag:
vor 15 Jahren, 2 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 15 Jahren, 2 Monaten
Beteiligte Autoren:
hoschi, Wilma, Squaw, Dagmar, Hexe, Claudia

Retalin ohne Therapie?

Startbeitrag von Claudia am 27.09.2001 16:34

Hallo!
Mein Sohn Marcel bekommt seit Anfang der Sommerferien Retalin, allerdings meint der Arzt, eine Therapie wäre nicht nötig. Ist das wirklich so? Er bekommt morgens 1 1/2 und mittags 1 1/2 Tabletten.
Und wie wirkt sich ADS bei Erwachsenen aus? Ist es möglich, daß erwachsene ADSler ziemlich chaotisch sind?
Liebe Grüße, Claudia.
Sternchens Seite

Antworten:

Hallo Claudia,


also mein Arzt ist der Meinung das es auf alle Fälle + Therapie heissen muss. Schließlich sollen die Kids lernen, ihr Verhalten auf ihre Probleme einzustellen.

Das Erwachsene mit ADS sehr chaotisch sein sollen, hab ich mal gehört:-) , aber ob es stimmt, kann ich nciht 100% sagen.

Gruß Petra

von Hexe - am 27.09.2001 17:52
Hallo Claudia,

eine Therapie muss/kann man nur dann machen, wenn einerseits das Kind dazu bereit ist und wenn es ein definiertes Therapieziel gibt.

Ich weiß jetzt micht mehr, wie alt dein Sohn ist. Deshalb antworte ich mal eher allgemein.

Viele Kinder mit ADS haben Schwierigkeiten mit der Feinmotorik. Da kann eine Ergotherapie insbesondere bei jüngeren Kindern ganz sinnvoll sein, wenn sich die Therapeutin mit ADS auskennt. Aber nicht alle Kinder mit ADS haben diese Schwierigkeiten und diese brauchen dann auch keine Ergo.

Manche Kinder mit ADS haben Schwierigkeiten mit der Grobmotorik. Hier kann Psychomotorik hilfreich sein, aber auch Voltigieren, heilpädagogisches Reiten und oft auch Jujutsu oder Judo. Kinder, die hier keine Schwierigkeiten haben, brauchen dies alles aber nicht, insbesondere keine Therapie.

Vielen Kindern mit ADS kann ein Verhaltenstraining helfen. Hier lernen sie den Alltag zu strukturieren, Lernstrategien und auch ihre Impulsivität zu bremsen/steuern. Das Verhaltenstraining führen psychologische Verhaltenstherapeuten durch.

Es ist insbesondere dann sinnvoll, wenn das Kind starke Probleme in der Verhaltenssteuerung hat. Denn diese Probleme führen sehr schnell zu Ausgrenzung mit allen sekundären Schwierigkeiten.

Das Verhaltenstraining ist auch sinnvoll, wenn das Kind Schwierigkeiten in der Eigenstrukturierung und mit fehlenden Lernstrategien hat. Ist das Kind jedoch noch sehr jung, d.h. am Anfang der Grundschule, dann ist es noch in einem Alter, wo dies alle Kinder erst einmal lernen müssen. Es hat also noch nicht so riesige Defizite gegenüber Gleichaltrigen. Hier kann man auch als Eltern durch tägliche Strukturierungshilfen und Üben der Lernstrategien die Therapie übernehmen. Eine externe Therapie ist nicht unbedingt notwendig.

Sie wird aber dann notwendig, wenn das Kind schon älter ist und in der Eigenstrukturierung größere Defizite zu sehen sind. Da sind wir Eltern dann oft überfordert. Unsere Kinder brauchen dann die professionelle Anleitung. Das tägliche Einüben des in der Therapie erlernten müssen dann wieder wir Eltern übernehmen.

Auch notwendig ist ein Verhaltenstraining, wenn das Kind durch die ständigen Misserfolge oder bereits aufgetretene Spannungen in der Familie nicht mehr zugänglich ist, d.h., wenn das Kind nichts mehr von Mutter oder Vater annimmt. Hier kann der Verhaltenstherapeut als neutrale dritte Person Zugang zum Kind finden und ihm das Notwendige vermitteln. Durch die begleitenden Elterngespräche bekommt man dann auch als Eltern Unterstützungsstrategien an die Hand, so dass sich in Folge oft die Eltern-Kind-Beziehung wesentlich bessert.

Liegen zusätzlich zu ADS noch Teilleistungsstörungen vor, müssen diese selbstverständlich gesondert therapiert werden, z.B. Legathenie-, Dyskalkulietherapie, Sehtraining, Training der Hörwahrnehmung etc.

Was man auch bedenken muss: Ein Kind möchte mittags spielen und sich mit Freunden treffen. Es ist durch die Hausaufgaben, die oft ohnehin länger dauern, als bei einem Nicht-ADS-Kind, schon hoch belastet. Ein Therapietermin stellt eine zusätzliche Belastung dar, in der das Kind nicht spielen, toben, sich mit Freunden treffen kann.

Außerdem sollte man die Therapiejahre ein bisschen planen. Die Kasse zahlt eine Verhaltenstherapie für max. 40 Stunden, was ca. einem Jahr entspricht. Danach hat man eine Wartezeit von zwei Jahren. Wenn die Kinder 12 Jahre werden haben sie i.d.R. keine Lust mehr auf Therapie.

Und: Kinder werden irgendwann auch therapiemüde. Sie empfinden es als Belastung, die jahrelang anhält. Deshalb ist es sinnvoll, ein Jahr (sinnvoll ist 3. oder 4. Klasse) auszusuchen, in dem man es als Eltern nicht mehr leisten kann, in dem das Kind schon aufnahmefähig für komplexere Strategien ist und in dem man selbst als Eltern die regelmäßige Beratung ganz gut brauchen kann.

Ein Kind bekommt ohnehin mehr Jahre Medikamente, als es Therapie bekommt. Deshalb sollte man die Therapie gut planen und ruhig angehen.

Viele Grüße
Dagmar
Elterngruppe Frankfurt


von Dagmar - am 27.09.2001 17:54
.Hallo Claudia,

wie alt ist dein Sohn?
Meiner ist 6 und bekommt 1 1/2, 1, 1/2 (7:00, 10:30, 14:00)
Die Behauptung des Arztes kann ich zwar nicht so einschätzen, aber wenn er Ritalin in der Dosis bekommt, muß es Ja auch Schwierigkeiten geben. Haben sich diese alle in Luft aufgelöst, wohl kaum. Ich hoff, du hast jetzt nicht ein total anderes Kind.
Mit Ergotherapie hatten wir begonnen 3x6 Behandlungen, dann begann die Schule und der zusätzliche Streß mit der Fahrerei war zuviel. Nach abwägen von Nutzen und Aufwand, brachen wir die Sache ab. Wir haben aber eien Lehrgang für Autogenes Training mit Kindern besucht, was Christian und mir sehr geholfen hat und auch noch hilft.
Ich bin auch nicht so alles wegzutherapieren, aber von nornherein gleich zu sagen Medikament ja alles andere nein, das finde ich nicht gut. Hast du vor der Medikamentengabe schon einiges probiert?
Ich hoffe nämlich, daß du nicht an so einen vorschnellen Arzt gekommen bist, der alle Verhaltensprobleme mit Ritalin wegzaubern will.

Ich weiß, das ich jetzt von anderen Lesern arwöhnich beschaut werde. Mein Sohn bekommt ja auch Ritalin, und zurecht. Mein Kleiner allerdings ist charackterlich total entgegengesetzt und auch hier findet meine jetztige Ärztin ADS, wo ich nicht mitgehen kann. Die Ärztin ist aber die einzigste, die sich bei uns in der näheren Umgebung damit auskennt und die auch das Ritalin verschreibt. Wir hatten nähmlich den Ärger, trotz Diagnose von verschiedenen Psychologen und Verhaltenstherapeuten von der Kur her, keien Arzt zu finden, der das Medikament verschreibt, so sind wir jetzt da und bekommen fast jedes Mal gesagt "Woillen sie es nicht auch mal bei dem Kleinen versuchen?" Mein Mann hatte letztes mal einen argen Disput seitdem ist Ruhe.

Nun noch zu der anderen Frage, ADS bei Erwachsenen: Ich habe eine tolle Seite im Internet gefunden, die recht gut aufschluß gibt.

www.psychologie-online.ch/add

Probier es doch mal aus !

Ich hoffe der Text ist nicht zu lang und hat nicht all zuviele Fehler.

von Squaw - am 27.09.2001 20:01
liebe claudia,

ich kann mich da nur dagmar anschließen....

da sausebraus erst 4 jahre ist, ist es mit einer vt noch lange hin. was will man auch bei einem 4jährigen mit einer verhaltenstherapie?

seit dem er rita bekommt ist seine therapie: die ausgrenzung im kita ist enorm zurückgegangen er erlebt dort viele positive rückmeldungen. hat freunde gewonnen und ist in der lage zu spielen und zwar in der gruppe und auch alleine (halleluja).

obwohl er jetzt nicht mehr sooo impulsiv ist hat er immer noch probleme irgendweine anweisung von uns zu befolgen. opposotionell ist er immer noch nur nicht mehr so ausgeprägt. morgendliche kämpfe und auch abends sind immer noch da (aber nicht mehr immer und ständig).

er erhält 1x die woche eine ergo mit einer sehr erfahrenen ads-therapeutin (habe ich großes glück mit). 1x 10 einzelsitzungen hat er schon gemacht wobei auch festgestellt wurde, daß er in der grobmotorik nicht so fit ist aber das fällt nicht so auf da er viel durch seine geschwindigkeit kompensiert. außerdem ist seine sensorik nicht so toll (mittel schwer). dies alles wird in der ergo "behandelt".

die ausprägung bei sausebraus liegt in seiner aggressivität und seinem sozialem verhalten. dies wird jetzt in einer gruppentherapie bei der ergo versucht zu lindern.

ich denke mehr kann man in diesem alter nicht verlangen und machen.

die seite die squaw sagte ist wirklich gut viel glück damit.

liebe grüße

hoschi

von hoschi - am 29.09.2001 11:49
Hallo,
die MTA-Studie hat ja auch gezeigt, daß Kinder, bei denen noch keine sekundären Störungen vorliegen und deren Eltern gut informiert sind, eine zusätzliche VT nicht nötig ist. Da reicht eine medikamentöse Therapie völlig aus.
Viele Grüße
Wilma

von Wilma - am 29.09.2001 11:58
hallo wilma,

dies ist auch was unser neurologe gesagt hat. aber erhlich als mutter meint man ja am anfang immer ma MÜSSTE noch irgendeine therapie machen.

vielleicht um sein schlechtes gewissen zu beruhigen ??

außerdem hat man ständig das bedürfnis "irgendetwas" zu versäumen oder zu verpassen oder so wenn man sonst nichts macht !

der neuro hat schon mit mir geschimpft weil ich immer das pferd von hinten aufzäumen will und alles muß ja dann immer bei mir ganz schnell und auf einmal passieren.

ich übe mich gerade in geduld....

*diewartende*

hoschi

von hoschi - am 29.09.2001 12:25
Hallo Hoschi,
wahrscheinlich hast Du recht: Es geht darum, das schlechte Gewissen zu beruhigen, das einem vor der Diagnose 1000 selbsternannte Experten (Nachbarn, Großeltern, Lehrer etc.) eingeredet haben. Pfeif drauf, tu für Dein Kind, was Du kannst und vermeide überflüssige Therapiesitzungen, die nur von der Spielzeit der Kinder abgehen. Das muß man nämlich auch bedenken!
Ich wünsche Dir weiterhin Geduld bei abnehmender Frequenz der Selbstanklagen!!!!
Herzliche Grüße
Wilma

von Wilma - am 29.09.2001 12:46
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