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ADHS ADS Selbsthilfe
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12
Erster Beitrag:
vor 16 Jahren, 9 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 16 Jahren, 9 Monaten
Beteiligte Autoren:
Beate Mahr, Dagmar, Bernhard, Wildcat, Yvonne König, Jana, Claudia, Ines, doris/Sauerland, Birka, martina.w, Monika

Hilfe, ich kann nicht mehr weiter

Startbeitrag von Monika am 14.10.2001 18:07

Hallo Ihr Lieben,

schon einige male habt ihr mir mit Rat und lieben Grüßen geholfen, aber ich denke nun ist alles sinnlos geworden, was Hilfe von meiner Seite für meinen Sohn Oliver (14) ADS/HK gegeben wurde.
Folgendes ist passiert:

Oli wurde trotz 2. Ehrenrunde und nicht geschaffte 6. Klasse in die 7. überwiesen. Wir hatten einen Vertrag geschlossen, damit er motiviert wird, in die Schule zu gehen. Das war auch der Grund, warum er die Klassenziele nicht erreichte. Er hat für jeden besuchten Schultag Geld bekommen, mit kleinem Bonus, wenn er jeden Tag geht, aber nicht alle Stunden schafft, mit goßen Bonus, wenn er alle Stunden schafft und jeden Tag gegangen ist. Einmal hat er einen kleinen Bonus geschafft, dafür habe ich ihn noch extra belohnt, weil ich weiß wie schwer es ihm fällt. Aber in den letzten Wochen ging er wieder kaum noch.

Ich hatte ein sehr schweres Jahr mit ihm und deshalb eine Woche Urlaub ohne ihn gebucht. Er wußte es, kam auch damit zurecht und sein Opa war extra gekommen, damit er immer einen Ansprechpartner hat. Da auch noch Ferien waren, wollte er bei seinem Kumpel schlafen, das war auch soweit o.k.

Als ich wieder kam, sagte mir mein Vater, daß er im Schlafzimmer eingebrochen hat. Das halte ich immer verschlossen, weil Oli alles stiehlt, was er bekommen kann. Bisher hat er auch mein Schlafzimmer immer respektiert und nur genommen, was sonst in der Wohnung zu holen war. Nun fehlte mir unter anderem technische Geräte, Geld, Kleidung und viel war kaputt. Ich war entsetzt, denn damit habe ich nicht gerechnet und wußte nicht mehr, was ich tun sollte. Die gestohlenen Dinge vermutete ich bei seinem Kumpel, die noch nicht verkauft waren holte ich noch am selben Tag. Das ist jetzt genau eine Woche her. Oli habe ich nicht wieder gesehen.

Ich bin dann mal wieder zum Jugendamt, mit dem ich seit er auffällig ist in gutem Kontakt stehe. Die Mitarbeiterin hat mir lange zugehört, auch meine Verzweiflung wahrgenommen und mir geraten Anzeige zu erstatten. Dann haben wir lange darüber geredet, was mit Oli passieren soll, denn offensichtlich kennt er keine Grenzen mehr. Es fiel im immer schwer, fremdes Eigentum zu respektieren, egal wo er war und was er genommen hat. Auch Körperverletzung hält er für ein gutes Mittel zu bekommen, was er will. Dabei ist er sehr clever und redegewant. Die Mitarbeiterin hat mir dazu geraten, eine Einweisung in ein speziell auf solche Kinder und Jugendliche ausgerichtetes Heim zu beantragen. Allerdings wies ich darauf hin, daß er freiwillig keine Hilfe in der Richtung annehmen wird, das hatten wir schon.

Danach bin ich zur Polizei. Anzeige wegen Diebstahl und vermißten Anzeige gemacht. Mir wurde geraten, ein neues Schloß einzubauen, damit er nicht mehr in die Wohnung kann, wenn ich nicht da bin. Sein Freund kam dann auch mal zu mir ins Büro, erzählte mir, daß Oli nicht wieder bei ihm gewesen ist. Ich habe seinem Freund gesagt, daß Oli gesucht wird und daß auch die Anzeige wegen Diebstahl gegen ihn läuft.

Gestern abend bin ich halb neun weg und erst heute wiedergekommen. Sicher könnt ihr euch denken, was kommt.......

Meine Wohnungtür war nur angelehnt als ich hochkam, eingetreten.... Die Schlafzimmertür, eingetreten........ Polizei, Schlüsseldienst usw. Es war schrecklich....

Dann habe ich Schadensaufstellung gemacht bisher bin ich bei über 5000 DM an gestohlenen und zerstörten Sachen. Bei der Polizei habe ich auch meinen Verdacht geäußert und ich bin deshalb so sicher, das es Oli war, weil nur er wußte, wo ich Erstatzschlüssel aufbewahre, nämlich beim Schmuck. Der Schmuck war noch da, die schlüssel weg. Und es gibt weitere Hinweise, die gezielt auf ihn weisen. Er muß auch einen mit Auto dabei gehabt haben, das konnte er allein nicht alles transportieren.

Ich weiß nicht mehr weiter, und meine Angst wird deutlicher. Bisher konnte ich seine Ausraster immer abfangen. Die Situationen werden allerdings immer agressiver und ich fürchte, das es soweit kommt, das es nicht mehr nur Gegenstände sein werden, gegen die sich seine Agression richtet. Ich kann nicht alle Messer aus der Wohnung entfernen, er hat sowieso immer noch eins bei sich.

Die Polizei kann auch nichts weiter machen, als die Straßen zu kontrollieren. Das hilft mir wenig, Oli ist sehr geschickt und wird sich sicher immer zu helfen wissen. Ich kann auch nicht 24 Stunden meine Wohnung bewachen lassen, ich muß noch arbeiten gehen. Was soll ich nur tun....... Ich kann nicht mehr.

Vielleicht weiß jemand Rat.

Danke euch im voraus

eure Moni

Antworten:

Liebe Monika,
leider kann ich Dir nicht raten, möchte Dir aber mein ehrliches Mitgefühl ausdrücken. Hoffentlich kommen recht bald bessere Zeiten auf Dich zu!
Ines

von Ines - am 14.10.2001 18:13
Hallo Moni,
ich kann Deine Situation ein Stück weit nachvollziehen, da ich auch vor kurzem in einer Situation war, in der ich akut bedroht wurde, von jemandem , der mir eigentlich sehr nahe stand. Alleine eine Anzeige zu machen ist schon eine Katastrophe! man fühlt sich selber so schuldig! Zumindest ging es mir so....
Fühl Dich ganz fest umarmt! Für mich hört sich Deine Situation wirklich danach an, das Du Deinem Sohn nicht mehr helfen kannst, auch wenn Du es noch so sehr möchtest. Ich würde wirklich so schnell wie möglich die Schlösser ausstauschen und zusätzliche Sicherungsriegel einbauen lassen, schon alleine, damit Du nachts nicht bei jedem Knacken in Panik gerätst, so ging es mir nämlich auch! Ich drücke Dir alle Daumen und vielleicht solltest Du Dir einen guten Psychologen suchen, damit Du diese schlimme Entwicklung auch selber verarbeiten kannst?
Viele Grüße
Doris

von doris/Sauerland - am 14.10.2001 18:19
nimmt dein sohn ritalin oder irgend etwas ?
gruß birka

von Birka - am 14.10.2001 18:20
Liebe Monika,
es ist schon heftig, Eure Geschichte zu lesen. Wieviel schlimmer muß es für Dich sein.

Ich kenne dieses Verhalten vom Neffen meiner besten Freundin. Mittlerweile ist er 17 und tyrannisiert und bestiehlt seine Eltern seit 6 Jahren. Erst jetzt, nach vielen Hilfestellungen für ihn und all ihrem Verständnis, haben sie die Kraft gefunden, sich von ihm loszusagen. Das ist bestimmt das Schlimmste, was man von einer Mutter verlangen kann. Aber ich denke, nur so ist ihm zu helfen.

Dein Sohn muß in eine geschlossene, konsequente Therapie. Solange Du ihm immer wieder verzeihst und ihn wieder aufnimmst hat er keinen Grund sich zu ändern.

Der Neffe meiner Freundin durfte während der ersten 3 Monate der Therapie nicht nach hause, jetzt nur am Wochenende tagsüber.

Ich wünsche Dir ganz viel Kraft.

Viele liebe Grüße
Martina

von martina.w - am 14.10.2001 18:38
Hallo Moni,

als ich Deinen erschütternden Bericht gelesen habe, fiel mir spontan die Hebo-Schule in Bonn ein. Ich habe gehört, dass die Pädagogen dort sehr gut mit den Kindern umgehen können, weil dort u. a. auch sehr strenge und vor allem konsequente Regeln herrschen. Durch einen "Fall" in unserer SHG habe ich mitbekommen, dass das Jugendamt auch u. U. finanziell unterstützt, denn die Schule ist sehr teuer. Vielleicht kannst du dich ja dort mal erkundigen, wie die Bedingungen für eine Aufnahme sind. Nachdem, was Du berichtet hast, ist es für euch beide sicherlich besser, wenn Dein Sohn unter fremde Obhut kommt. Auf der einen Seite erkennt er die Gefahren nicht, die ihm auf dem Weg drohen, den er gerade geht. Auf der anderen Seite aber ist er clever genug, um Dich auszunutzen. Ich denke, dass es auf jeden Fall notwendig ist, dass Du Dir fremde, fachmännische Hilfe holst.

Viel Glück dabei und liebe Grüße

Claudia

von Claudia - am 14.10.2001 18:54
Hallo Moni!

Schlimm schlimm. Leider kann ich dir auch nichts raten.
Klinkt auch fast nach Drogen, oder wofür brauch er soviel Kohle?

Ich hoffe für mich, dass mein Sohn dank Rita und Therapie nicht ganz so krass wird. Aber ich denke, dass ich als Mutter dann auch mein Kind weggeben würde, um ihm zu helfen.
Einziger Trost könnte sein, schlimmer kanns nicht mehr werden.
Ich wünsche dir Kraft für alles was noch kommt.

Bye Jana

von Jana - am 14.10.2001 19:39
Hallo Monika,

so kann das nicht weitergehen. Du brauchst Hilfe von außen. Gib ihn in ein Heim oder in ein Internat, auch bezahlt das Jugendamt, wenn es angebracht ist.
Die Hebo-Schule wurde ja schon genannt.

So geht es nicht weiter. Es wird nicht besser, es gibt leider nur Steigerungen in negativer Richtung. Dein Sohn braucht jemand, der ihm Grenzen weist. Und das können die in einem Heim viel besser als wir Mütter. Es geht dir bestimmt auch so, dass du anderen Kindern gegenüber viel direktiver sein kannst, als dem Kind gegenüber, das du so sehr liebst.

So eine Unterbringung muss ja nicht auf Dauer sein. Vielleicht ist er in einem Jahr wieder zugänglich und dann geht es wieder zu Hause. Durch eine Unterbringung verlierst du dein Kind nicht, es ist nur eine Pause, Zeit wieder zusammenzufinden. Aber wenn das so weiter geht, dann wirst du ihn verlieren, denn je weniger respekt er dir gegenüber hat, desto härter musst du reagieren. Das wird euch auf Dauer trennen.

Viele Grüße
Dagmar
Elterngruppe Frankfurt


von Dagmar - am 14.10.2001 20:59
Hallo,

bei meinem Neffen war das Verhalten ähnlich.

Werder bei der Mutter ( noch bei dem Vater ... schlechtes Vorbild ) war ein zusammen leben möglich. Das gleiche wie bei dir .....Sachbeschädigung kam noch dazu und Körperverletzung.

Chris war dann übers JA auf einem Bauernhof für ..... weiss nicht mehr , und danach auf einem Segelschiff ..... Immer in Begleitung von Erziehern und unter Kontrolle .....

Heute 2 Jahre später wohnt er wieder bei seiner Mutter und macht die Schule nach .............. soweit ich weiss ist er derzeit nicht auffällig.

Ich kann mir vorstellen, dass es ein HARTER SCHRITT ist das eigene Kind ANZUZEIGEN - - - - aber so kann ihm geholfen werden.

Wenn das JA es schafft in so einer Jugendgruppe unterzubringen ..... mit Therapie und allen was dazu gehört kann ess nur noch besser werden.

Ich drücke dir die Daumen und wünsche dir viel Kraft und Ausdauer

Beate

von Beate Mahr - am 15.10.2001 06:22
Hallo Moni,

es wurde ja schon einschlägig geantwortet, und ich möchte die Richtung unbedingt unterstützen:

Jetzt muss wirklich *alles* gemacht werden, um die Entwicklung positiv zu beeinflussen, mit den üblichen Massnahmen wird man keinen Erfolg haben.

Es ist wichtig, dass Du an Dich denkst: Es ist Dein Leben, das derzeit versaut wird, schiebe dem einen Riegel vor. Dein Sohn kann daraus nur lernen. Wenn Du Dich für wichtig genug hältst, auf Dich zu achten, wirst Du Deinem Sohn ein Vorbild sein (wenn er es auch nie zugeben würde), dass er vielleicht auch mehr auf sich achtet.

Ich weiss, der Rat mit dem Heim ist einfach auszusprechen, aber als Elternteil extrem schwer zu akzeptieren. Es bleiben natürlich die blöde Gefühle, Schuldgefühle, vielleicht Niederlage-Gefühle ...

Aber: Wenn Du was für Deinen Sohn tun öchtest, dann mach was für Dich, achte auf Dich, sorge für eine stationäre (Heim) Therapie / Massnahme für Deinen Jungen; das ist wohl das Einzige, dass Deinem Sohn derzeit helfen *könnte*; wenn sich sonst nix ändert wirds nur schlimmer werden.



Bitte berichte weiter!!!


Bernhard
Was ist HKS-ADS?


von Bernhard - am 15.10.2001 07:44
Liebe Monika,

ich kann mich nur den bisher geäußerten Ratschlägen anschliessen.
Doch was sind schon Worte.

Ich habe persönlichen Kontakt zu einer Erzieherin für Schwererziehbare, die auch in bereits genannten Heimen gearbeitet hat.
Wenn du möchtest, kannst du mir gerne eine Email schicken, dann stelle ich den Kontakt zwischen euch her, zwecks direktem Austausch und Informationen für dich.



Gruss Wildcat

von Wildcat - am 15.10.2001 10:31
Hallo Monika

ich bin zutiefst erschüttert und fühle mich hilflos. Denn helfen kann ich Dir nicht. Dein Bericht macht mir selber Angst vor der Zukunft, wie sehr muß es Dich kaputt machen....

Ich schließe mich der Meinung der anderen an, gib ihn weg. Laß andere mal eine Zeitlang die Verantwortung für ihn übernehmen. Du hast erst mal genug eingesteckt, genug geleistet und genug hingenommen.
Es muß unbedingt was geschehen. sonst ist ihm nicht mehr zu helfen.

Ich kenne Dich nicht aber ich bin mir sicher, das Du alles versucht hast. Du Dir also keine Vorwürfe machen mußt. Versuche, endlich wieder ein bißchen an Dich zu denken.
Du hast ein Kind in die Welt gesetzt, um alles für es zu tun.
Das hast Du bis jetzt getan, Deine Reserven sind verbraucht. Jetzt ist es an der ´Zeit, Hilfe von außen an zu nehmen.

Ich wünsche Dir viel Kraft und schicke eine lieb gemeinte Umarmung mit,
Yvonne

von Yvonne König - am 15.10.2001 11:57
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