CHADD zu alternativen Therapien

Startbeitrag von Wilma am 04.01.2002 10:54

Moin, moin,
das habe ich neulich bei CHADD gefunden.

Quelle: CHADD (amerikanische Elternselbsthilfeorganisation)

Fragen, die man an die Vertreiber von sog. Alternativheilmitteln stellen sollte:

 Wurden klinische Studien mit Ihrem Mittel oder Ihrer Methode durchgeführt? Liegen Informationen über die Ergebnisse vor?
 Sind diese Ergebnisse der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden? Wenn ja, wo?
 Gibt es eine nationale Organisation der Verordner?
 Werden die Kosten von den Krankenkassen übernommen?

Checkliste zur Erkennung ungeprüfter Substanzen
Werde mißtrauisch, wenn der Hersteller behauptet,
 das Mittel wirke bei jedem Menschen mit ADHS und außerdem bei vielen anderen Gesundheitsproblemen,
 wenn der Hersteller die Wirksamkeit lediglich durch Fallgeschichten „belegt“,
 wenn er nur eine einzige Studie zum Wirksamkeitsnachweis zitiert,
 wenn er eine Studie anführt, die ohne Kontrollgruppe durchgeführt wurde,
 wenn die Wirkung der Substanz auf einem Geheimrezept beruhen soll,
 wenn sofortige und dauerhafte Wirksamkeit versprochen wird, und zwar bei ausnahmslos allen ADHS-Patienten,
 wenn es als „erstaunlich“ bzw. als „Wundermittel“ beschrieben wird bzw. von einem „überraschenden Durchbruch“ die Rede ist,
 wenn behauptet wird, es heile ein ADHS,
 wenn es nur von einem einzigen Hersteller bezogen werden kann,
 wenn es nur über die Medien, Bücher oder durch Mail-Bestellung zu haben ist,
 wenn behauptet wird, daß die Substanz oder Methode von der etablierten Medizin unterdrückt oder bekämpft wird.

Wer gewarnt ist, ist gewappnet
Sammeln Sie alle Informationen zu ADHS, jedes verordnete Medikament und jede angewandte Behandlungsmethode, die für Ihr Kind vorgeschlagen wird. Wenn Sie sog. Alternativpräparate einsetzen, vergessen Sie bitte nicht, daß es sich auch dabei um Medikamente handelt. Um schädliche Wechselwirkungen zu vermeiden, sollte der behandelnde Arzt grundsätzlich über die Einnahme des alternativen Präparats informiert werden.

Zweifelhafte Therapieverfahren

Hochdosierte Vitamin- und Mineralstoffgabe
Die Gabe von hochdosierten Vitaminen und Mineralien zur Behandlung des ADHS beruht auf der Theorie, daß manche Menschen einen genetisch bedingten Defekt haben, der die erhöhte Zufuhr dieser Substanzen erforderlich macht. Diese Theorie konnte nie wissenschaftlich bestätigt werden. Es gibt weder zu dem postulierten „genetischen Defekt“ noch zu den Mangelerscheinungen haltbare medizinische Erklärungen. Es gibt keine kontrollierten Studien, die den Einsatz dieser Maßnahme rechtfertigen würden. Die Amerikanische Gesellschaft für Psychiatrie und die Amerikanische Akademie für Kinderheilkunde raten daher von der hochdosierten Gabe von Vitaminen und Mineralstoffen zur Behandlung von Betragensstörungen oder Lernstörungen ab.

Medikamentöse Behandlung von Störungen des Innenohrs
Befürworter dieser Theorie glauben, daß eine Beziehung zwischen ADHS und Koordinations- bzw. Gleichgewichtsstörungen besteht, die auf einer Innenohrstörung beruht. Das Innenohr spielt eine bedeutende Rolle beim Gleichgewicht und der Bewegungskoordination. Diese Behauptung läßt sich mit dem derzeitigen Wissen über das ADHS nicht in Einklang bringen. Weder anatomische noch physiologische Befunde lassen den Schluß zu, daß das Innenohr eine Rolle bei ADHS und Impulskontrolle spielt.

Medikamentöse Behandlung von Pilzinfektionen
Die Verfechter dieser Vorgehensweise behaupten, das ADHS beruhe auf den Giftstoffen des Hefepilzes Candida albicans, die das Immunsystem schwächen. Angenommen wird, daß Candida sich massiv im Darm vermehre und nicht nur zu ADHS, sondern auch zu weiteren psychiatrischen Störungen führe.
Für diese Behauptung gibt es keinerlei wissenschaftliche Studien. Außerdem widerspricht der Gedanke allem, was man derzeit über ADHS weiß. Die Behandlung besteht interessanterweise nicht in der Gabe von pilztötenden Mitteln, sondern im Einsatz von Darmbakterien (Escherichia coli).

Optometrisches Sehtraining
Die Vertreter dieser Methode gehen davon aus, daß Sehstörungen die Ursache eines ADHS darstellen, daß z.B. gestörte Augenbewegungen, erhöhte Empfindlichkeit der Augen gegenüber bestimmten Lichtfrequenzen oder Fokussierungsprobleme Lesestörungen verursachen. Es gibt nur wenige Studien unter dieser Fragestellung, und die sind wissenschaftlich unzureichend durchgeführt worden. Die Amerikanischen Akademien für Kinderheilkunde, für Augen- sowie Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde haben sich äußerst kritisch diesem Verfahren gegenüber geäußert und empfehlen es nicht.

Gruß
Wilma

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