Ich kann nicht entkommen

Startbeitrag von Bernd am 16.01.2002 05:26

Sorry das ich irgend welche Leute damit nerv die das alles hier sowieso keinen Meter interessiert!

Fakt: Ich kann meine Krankheit nicht besiegen!

Ich konnte mein ADS und meine somit verbundenen Depressionen für gut 1 Jahr unterdrücken. Aber ich merke egal wie schnell man läuft, Probleme lassen sich nicht abhängen!
Immer wenn ich über meine Krankheit nachdenke könnte ich in Selbstmitleid zerfliessen. Aber was hab ich davon? Es geht mir nur immer noch schlechter! Ich hab mir echt mein ganzes Leben kaputt gemacht nur weil ich diese verdammte Krankheit nicht unter kontrolle hab! Und das Gefühl das man es nie unter Kontrolle bekommen kann nimmt mir ehrlich gesagt den Mut!

Wie soll man den positiv denken wenn man doch sowieso keine Chance hat!

Ich hab Angst vor meiner Zukunft, weil ich nicht weiß wie ich mein Leben jemals wieder in den Griff kriegen soll. Dank ADS hab ich auch kein Bock mehr drauf!

Ich weiß das es sicherlich Thematisch hier nicht reinpasst! Aber wen´s nicht interessiert der solls nicht lesen!

Antworten:

Hallo, Bernd!

Du schreibst leider nicht, WIE die Therapie aussah, bzw. ob Du eine gemacht hast.
Was für mich von den behandelten ADSlern hier im Forum immer deutlich rüberkommt, ist die Tatsache dass zur Therapie mit Medikamenten immer eine Verhaltenstherapie sinnvoll ist.

Es gibt gewiss bei einem Erwachsenen, der aufgrund seines ADS mit viel Unverständnis und Ablehnung zu kämpfen hatte, eine Menge aufzuarbeiten.

Auch die Kombination mit anderen psychischen Problemen (Depressionen, Angsterkrankungen) wird hier immer wieder genannt.

Vielleicht bist Du noch nicht an den richtigen Arzt geraten, der Dir längerfristig helfen kann. Wenn Du einen Postleitzahlenbereich nennst, bekommst Du sicher Rückmeldung aus dem Forum und einen Arzt genannt.

Gib jetzt nicht auf sondern denk daran, dass man Deine Situation sicher verbessern kann.

Angelika (TanteGela)

von Angelika (TanteGela) - am 16.01.2002 05:46
Hallo Bernd,
kann mich Angelika nur anschliessen.
Es kann durch aus sein,dass du falsch therapiert würdest.
Ich habe die negative Erfahrung gemacht,wenn ein Arzt unsicher ist,dass man Antidepressiva verschrieben bekommt,so ist es mir gegeangen.

Dieses ist mir leider auch nicht gut bekommen.

Suche einen fachkundigen Arzt ,du wirst ihn finden ,und stecke nicht den Kopf in den Sand.

Viele Grüße
Gaby

von Gaby - am 16.01.2002 06:17
Hallo Bernd,

ich kann natürlich nicht DEINE speziele Situation nachempfinden, aber es stimmt nicht das du keine Chance hast! DU musst sie dir nur geben!

aufmunternde Grüße
Petra

von Hexe - am 16.01.2002 08:59
Lieber Bernd,

du schreibst von besiegen und unterdrücken. Wenn du so an die Sache herangehst, ist mir klar, wie du dich fühlst.
Als ich über AD(H)S mehr und mehr erfuhr(durch die Diagnose meiner Tochter) und mir immer bewusster wurde, dass ich auch betroffen war, fühlte ich mich ähnlich.

Der richtige Hammer jedoch traf mich nach meiner Diagnose.
Warum hatte das nie jemand erkannt und mir geholfen?
Wieso konnte ich *DAS* nicht besiegen?
Was sollte ich jetzt tun?
Was hatte ich noch vom Leben zu erwarten, ausser noch mehr Versagen, Demütigungen und Schmerz?
So viele Dinge, die ich hätte machen können, wenn....
So viele Dinge, die ich hätte erreichen können, wenn....

Ich zog mich immer tiefer in diese schwarze Depressionsloch hinunter mit meinen Gedanken. ADHS hing über mir wie das berühmte Damoklesschwert.
Ich haderte täglich mit meinem Schicksal, doch es wurde nicht besser.

Meine Kinder (Gott sei gedankt, dass es sie gibt! :-), zeigten mir den Weg aus der Depression.
Mein Leben schien hoffnungslos und ohne Perspektiven, aber meinen Kindern sollte es anders ergehen!

Ich raffte mich auf, suchte einen Arzt, welcher mich behandelte und begann mich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen.

Vieles war ADHS bedingt, aber bei weitem nicht alles!
Erst als ich mit meiner Vergangenheit halbwegs im Reinen war (ich bin noch nicht fertig und habe noch einen weiten Weg vor mir) konnte ich wieder in die Zukunft blicken.

Nein, ich habe nicht die große Hoffnung, oder den Irrglauben, ich könnte nun mit Behandlung meinem Leben eine drastische Wende geben, dazu habe ich mir zu viele Chancen verbaut.
Aber ich blicke auch nicht mehr voller Angst in die Zukunft, denn ich habe aus meinen Fehlern gelernt und werde sie nicht wiederholen.
Eine drastische Wende nahm mein Leben von ganz alleine, auf dem sozialen Sektor. Ich bin nicht mehr alleine! Ich habe Freunde gefunden, die mich schätzen und achten, so wie ich bin (auch ohne Medis!).
Ich habe in der Behandlung Wege erlernt mit meinem ADHS umzugehen und es zum Teil sogar zu nutzen.

Das Wichtigste, was ich jedoch gelernt habe, ist es mein ADHS zu akzeptieren!
Es wird nicht *weggehen*, oder geheilt werden. Ich werde es bis an mein Lebensende behalten und ich muß lernen damit umzugehen und nicht *dagegen* zu arbeiten.
Mit Verdrängung und Unterdrückung bist du zum Scheitern verurteilt, doch wenn du umdenken kannst und dich akzeptierst wie du bist, mit deinem ADHS, dann hast du durchaus noch eine schöne Zukunft vor dir. (Ich sage bewußt schön, nicht leicht!)

Fast jeder Erwachsene, der von ADHS betroffen ist und erst im Erwachsenenalter davon erfährt, durchlebt diese Gefühle, die du jetzt hast. Du bist nicht alleine damit, wir verstehen dich besser als du denkst.

Wir (mittlerweile eine Stammgruppe von 12 Chattern) treffen uns jeden Abend im mADSunset-Chat bei , ab 20.00 Uhr, schau doch einfach mal vorbei, du bist herzlich willkommen.
(insgesamt sind es jetzt bereits über 100 Chatter, doch nicht alle schauen täglich rein!)


Gruss Wildcat


von wildcat - am 16.01.2002 10:36
Hast du es mit einem Anti-depressivum versucht?

von Andrea/Schweden - am 16.01.2002 22:55
Wenn der einzige Weg ist mit ADS fertig zu werden ist sich mit Medikamenten vollzupumpen dann verzichte ich! Ich soll vom Arzt Amphetamine kriegen aber das rauchen von Marijuana (was mir wesentlich mehr bringt) ist verboten!

von Bernd - am 17.01.2002 01:25
Es ist nicht der einzige Weg.
Aber du schienst so verzweifelt, dass man natürlich an eine Medikamentierung denkt.
Offensichtlich geht es dir noch nicht schlecht genug, denn sonst würdest du nicht so abfällig über eine für viele sehr wertvolle Hilfe, nämlich die Medis sprechen.
Lies doch mal genau durch, was die Leute schreiben!

Ach ja nur zu deiner Info, Marijuana rauchen ist auch Selbstmedikation und woher willst du wussen, ob dir nicht eine Behandlung mit Medikamenten mehr bringt, wenn du sie von vorneherein ablehnst?


Gruss Wildcat


von wildcat - am 17.01.2002 05:03
Ich nehme ja schon Ritalin! Ist für meine Konzentration schon ok aber mein kaputtes selbstwertgefühl kann ich meiner Meinung nach nicht mit Medikamenten behandeln! Vor allem würd ein Arzt meine ganzen Probleme auf die Drogen schieben auch wenn ich meine Probleme schon viel früher gehabt hab :(

von Bernd - am 17.01.2002 05:42
Hallo, Bernd!

Aus eigener Erfahrung kann ich Dir sagen, dass oftmals erst mit Medikamenten eine Therapiefähigkeit erreicht werden kann.

Den Begriff "mit Medikamenten vollpumpen" kann ich für mich nicht annehmen.

Es klingt für mich abwertend, denn auch oder grade bei psychischen Problemen sind Medikamente lebensrettend.
Ich sehe sie sozusagen als vorübergehende "Krücke". Wobei ich nicht das Ritalin meine, sondern z.B. Antidepressiva etc.

Natürlich reicht es nicht, Pillen einzuwerfen, sondern dazu gehört schon eine vernünftige Therapie.

Hast Du es schon mal in einer Tagesklinik versucht?

Dort findet von ca. 8-16 Uhr Therapie in unterschiedlichster Form statt, aber über Nacht ist man in der gewohnten Umgebung.

Ein Freund (Familienvater) hat auf diese Art seine Angst- und Panikattacken "bearbeitet" und ist seitdem frei von Ängsten und Depressionen.

Ich wünsche Dir sehr, dass Du für Dich einen Weg findest und ggf. einen lieben Menschen, der Dich begleitet.

Angelika (TanteGela)

von Angelika (TanteGela) - am 17.01.2002 05:52
Dann brauchst du eine adequate Zusazttherapie und Austausch mit anderen Betroffenen!
Nur das kann dein Selbstwertgefühl auf Dauer steigern!
Du bist herzlich eingeladen uns im mADSunset Chat zu besuchen, dort findest du jeden Abend ab 20:00Uhr regen Austausch mit anderen Betroffenen.

Gruss Wildcat


von wildcat - am 17.01.2002 09:38
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