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ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
6
Erster Beitrag:
vor 16 Jahren, 6 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 16 Jahren, 6 Monaten
Beteiligte Autoren:
Angelika (TanteGela), Nanett Beutke, Ralf Br, Gaby, Herbert, Anja T.

Ergotherapie und So geht es uns jetzt

Startbeitrag von Anja T. am 26.01.2002 18:24

Hallo!
Ich hatte hier im Nov. schon mal um Rat gefragt, weil bei unserem 8jährigen Sohn der dringende Verdacht auf ADS bestand. Nun, seit dem hat sich bei uns viel getan.

Adrian ist getestet worden und wir bekamen von 2 Ärzten die Bestätigung, daß Adrian ADS ohne Hyperaktivität hat. Seit Anfang Dezember bekommt er nun Ritalin und nach einigen Dosisanpassungen scheint es jetzt langsam zu werden (er bekommt jetzt morgens 1 Tbl. und nachmittags 1/2 Tbl. Ritalin).

Er ist wesentlich aufmerksamer als vorher, schafft es endlich, Hefteinträge komplett abzuschreiben (vorher hat grundsätzlich die Hälfte gefehlt, weil er es nicht mehr geschafft hat). Hausaufgaben schaffen wir nun in einer Stunde, statt früher 2 Std. aufwärts und größtenteils auch ohne Murren. Seine Schrift ist gleichmäßiger geworden. Beim Rechnen entwickelt er sich langsam zum Schnellrechner und ich komme kaum nach mit Nachrechnen.

In der letzten Matheprobe hat er eine 1- geschafft und in der Sachkundearbeit eine 2, einfach weil er die Aufgaben mal alle geschafft hat und auch weniger Schusselfehler hatte. Seine Wutanfälle werden auch weniger, wobei wir daran noch arbeiten müssen. Schulisch läuft es jetzt also merklich besser.

Weil bei Adrian auch massive Probleme in der gesamten Motorik (Grob-, Feinmotorik, Blickverfolgung) und Auge-Hand-Koordination festgestellt wurden, gehen wir zusätzlich 1x wöchentlich zur Ergotherapie. Und da habe ich so meine Probleme damit. Das er Ergotherapie braucht steht außer Frage. Nur komme ich irgendwie mit der Therapeutin nicht so richtig klar.

Sie wurde mir damals von der Dame vom Sonderpädagogischen Dienst empfohlen, die auch Adrians Motorik-Probleme festgestellt hat. Und sowohl die Dame vom Sonderpäd. Dienst als auch besonders die Ergotherapeutin sind gegen die Gabe von Ritalin, sie halten es bei Adrian nicht für erforderlich. Nun, ich habe letztlich entschieden, daß Adrian Ritalin bekommen soll, und habe es der Ergotherapeutin mitgeteilt, einfach weil ich denke, daß sie das wissen sollte, auch im Hinblick auf die Therapie.

Und seit dem werde ich das Gefühl nicht mehr los, daß jedes Wort der Ergotherapeutin ein versteckter Vorwurf ist, wie ich Adrian nur Ritalin "antun" kann. Sie sagt es nie direkt, sagt nur, daß sie ja dazu nichts sagen dürfte. Ihrer Meinung nach hätte man es bei Adrian aber erstmal mit anderen Therapien versuchen sollen.

Sie sagt immer, bei ihr wäre er nicht auffällig, wäre es nie gewesen (er war auch schon 3x vor Ritalin bei ihr). In einem Tonfall und mit einem Gesichtsausdruck, daß ich mir immer vorkomme, als ob ich mir alles nur einbilde. Ich habe das Gefühl, sie sieht es als Erziehungsfehler meinerseits und nicht als ADS, das Adrian so ist, wie er ist. Dabei zeigte er sich auch dort schon von seiner "besten" Seite, aber das will sie anscheinend nicht wahrhaben.

Das erste Mal war ein Gespräch mit mir und Adrian sollte so lange spielen, wobei sie ihn beobachten wollte. Er hat das ganze Zimmer "auseinandergenommen", mußte alles untersuchen, hat aber mit nichts wirklich gespielt. Beim 4. Besuch sollte er etwas am Computer machen zur Schulung der Auge-Hand-Koordination. Das Spiel, welches er machen sollte, gefiel ihm aber nicht und so hat er sämtliche Spiele kurz angefangen und ist nur zwischen allen Programmen hin und her gehüpft.

Sie behauptet, bei ihr wäre er nicht auffällig, aber ich darf seit dem 4. Besuch nicht mehr dabei sein, weil Adrian sonst zu unaufmerksam wäre (obwohl ich nur nebenan sitze und ihn beobachte). Das ist doch die klassische 1:1-Situation, klar daß er da nicht mehr auffällig ist. Wenn ich mich intensiv nur mit ihm befasse, ist er auch nicht auffällig.

Überhaupt finde ich die Methodik der Ergotherapeutin etwas seltsam. Ich habe selbst in einer Branche gearbeitet, wo viel Ergotherapie zur Anwendung kam (Neuro-Reha nach Schlaganfall) und da war die Ergotherapie ein knallhartes Training der Dinge, die die Patienten nicht mehr konnten. Bei ihr ist die erste Frage jedesmal: Was möchtest du heute machen? Klar, daß er sich da nicht die Dinge aussucht, die ihm schwer fallen oder die er nicht kann.

Ich sehe zwar ein, daß Ergotherapie bei Kindern spielerischer ablaufen muß, aber so gänzlich ohne Richtungsweisung? Oder habe ich einfach auch falsche Vorstellungen von Ergotherapie bei Kinder?

Da unser erstes Rezept bald ausläuft und ich am überlegen bin, ob wir die Therapeutin wechseln sollten, wüßte ich gerne von Euch: Was machen eure Kinder mit Motorikproblemen bei der Ergotherapie? Wie läuft so eine Sitzung bei Euch ab? Dürft Ihr als Eltern dabei bleiben oder müßt Ihr auch draußen warten? Wann habt Ihr erste deutliche Verbesserungen bemerkt (ich kann noch garkeine feststellen)?

LG Anja

Antworten:

Hi Anja !

Ich darf bei der Therapie meines Sohnes auch nicht dabei sein. Finde ich auch richtig so. Ich merke bei meinem Sohn schon Fortschritte, denn er macht "voll mit". Es gefällt ihm, er mag die Therapeutin. Ich habe mit ihr abgesprochen, dass er zur Therapie keine Ritalin bekommt. Wir haben beiderseitiges Vertrauen.

Vielleicht solltet ihr euch nach einer anderen Therapeutin umsehen.

Gruß Herbert

von Herbert - am 26.01.2002 19:08
So sehe ich das auch.


Gaby

von Gaby - am 26.01.2002 19:34
Hallo Anja,

Nich dabeisein dürfen ist ok, (durften wir auch nicht.
aber das mit der Abneigung gegen Ritalin ist eine maßlose selbstüberschätzung dieser Therapeutin.

Ich denke nicht, daß man einen Therapeuten weiterhin beschäftigen sollte, der so wenig Ahnung hat.

Wir haben vor der Ergo unseren Chris bei einer Motophädin behandeln lassen, was ihm sehr gut getan hat.
Leider übernehmen das die wenigsten Kassen.

Gruß
Ralf

von Ralf Br - am 27.01.2002 13:32
Hallo Anja!

Unser Sohn bekam über Jahre Motopädie und Psychomotorik, es lief über einen Behinderten-Sportverein der ein Abkommen mit den Krankenkassen hatte.
Wir mussten NICHTS dazubezahlen, außer dem Jahresbeitrag des Sportvereins.

Seit ca. 1 Jahr hat er stattdessen Ergotherapie, und er geht erstaunlicherweise (ist 14 J.) sehr gerne hin.

Ich musste zuvor einen Eltern-Termin wahrnehmen, in dem ich sehr genau zu den Schwierigkeiten des Kindes befragt wurde.

Ebenso zu Medikamenten und Vorerkrankungen. Dann musste ich noch einen langen Fragebogen ausfüllen und eigentlich der Lehrer auch. (Macht aber am Gymn. keinen Sinn, da die Lehrer das Kind max. 4 Std./Wo. sehen und die Fragen eher für Grundschullehrer gedacht waren).

Die persönliche Einstellung zu Ritalin hat m.E. nichts im Elterngespräch zu suchen.
Wenn es so wäre dass sie Ritalin ablehnt, müsste sie entsprechend am Telefon daraufhinweisen.
Ansonsten hat sie sich m.E. aus der medikamentösen Therapie des Arztes herauszuhalten.

Während der Ergo bin ich nicht dabei.

Angelika (TanteGela)

von Angelika (TanteGela) - am 27.01.2002 15:29
Hallo Anja,

unserem Sohn macht die Ergotherapie sehr viel Spaß. Er fiebert schon immer dem Tag (1 x pro Woche)entgegen. Er kommt mit der Therapeutin sehr gut zurecht.
Er darf sich manchmal raussuchen, was er gerne machen möchte, ansonsten gibt es die Therapeutin vor. Dabei sein dürfen wir auch nicht, finde ich auch o.k. Nach der Stunde besprechen wir kurz was gemacht wurde.

Fortschritte haben wir recht schnell feststellen können.

Ich denke das ein gewisses Vertrauen bestehen sollte. Unser Sohn hat z. B. die Ergo besucht, bevor er Ritalin bekam. Als er dann eingestellt war, haben wir es der Therapeutin mitgeteilt und sie hat es registriert und selbt feststellen könne, dass es ihm hilft, konzentrierter mitzumachen.

Ich denke, dass Ihr bevor das neue Rezept ausgestellt wird, über einen Wechsel nachdenken solltet.

Nanett

von Nanett Beutke - am 28.01.2002 11:19
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