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ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
7
Erster Beitrag:
vor 15 Jahren, 7 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 15 Jahren, 7 Monaten
Beteiligte Autoren:
Susanne F., Angelika (TanteGela), Barbara Plitt, freddy

Nochmal zum Thema

Startbeitrag von Susanne F. am 12.04.2002 23:49

Hallo,

ich komme nochmal auf das Thema Hypoaktiv zurück. Habe ja schon mehrmals erzählt, dass meine Jüngste (6 Jahre, 1.Klasse) in der Schule auffällt.

Sie ist ein eher ruhiges und sehr anhängliches, verschmustes Mädchen. Sie hat schon immer gerne gemalt, gepuzzelt und alleine in ihrem Zimmer gespielt (im Gegensatz zum Bruder ADHS+LRS). Ihre ersten fünf Lebensjahre hat sie nur mit Jungen gespielt. Als ihr älterer Freund in die Vorschule kam, war sie im Kindergarten plötzlich alleine. In Absprache mit den Erzieherinnen brachten wir sie mit anderen Mädchen zusammen. Vom Alter her passte ein türkisches Mädchen, dass aber wegzog. Die anderen Mädchen waren jünger und nach vielen Spielenachmittagen bei uns, musste selbst ich einsehen, dass sie nicht passten. Meine Kleine durchschaute sehr schnell, wenn eine zickig oder überheblich war. Sie ist nicht nur äußerlich ein Ebenbild von mir. Sie machte einfach Schluss mit diesen Mädchen. Nach wie vor spielt sie lieber mit Jungs.

Die Kindergartenzeit wurde nur noch Krampf. Jedem abend Geheule, Kopf-, Bauch- und Halsschmerzen. Sie ging nur noch, weil ich meinte, wenn ich das durchgehen lasse, geht sie auch nie in die Schule. Ich fühlte mich dabei mies. Wenn ich sie abholte, saß sie einsam in der Ecke und malte oder puzzelte. Die Erzieherinnen lobten sie, weil pflegeleicht. Am schlimmsten waren die Kochtage im KiGa, wegen dem fremden Essen. Das machte ihr Panik. Ich setzte durch, dass sie probieren muss, aber bei Ablehnung auch verweigern darf. Die Erzieherinnen hatten damit Probleme. Auf Kindergeburtstagen reagiert sie immer noch so. Sie lehnt enge Kleidung ab und trägt nur Schlapperhosen mit Gummizug oder weite Kleider. Bei Schuhen werden nur Turnschuhe akzeptiert, weil leicht und bequem. Das geht von der Unterhose bis zu den Socken. Alles kratzt und kneift angeblich.

In der Schule fiel sie auf, weil sie Wörter durcheinander oder rückwärts schrieb. Sie ließ Buchstaben weg oder hörte die Laute nicht richtig. Die Lehrerin schreibt alle 2-3 Wochen eingeübte Diktate. Beim Laufdiktat versagt sie gänzlich. Sie sagt, dass die Geräusche der anderen sie verrückt machen. Deshalb könne sie sich nicht einen Buchstaben merken. Mittlerweile schreibt sie aber auch bei ungeübten Diktaten nur wenige Fehler. Auch das Lesen ist besser geworden. Rechnen ist kein Problem. Außer, dass sie plus und minus manchmal verwechselt. Ich hatte richtig Aufwind.

Heute kam sie nachhause und erzählte, dass ihre KL sie zum Sonderschulpädagogen geschickt habe. Der hätte tolle Spiele am PC mit ihr gemacht. Klasse. Budenbergprogramme, kenn ich von Max.

In den letzten Wochen schreibt sie in ihrem Zimmer ständig Texte aus ihren Büchern ab und liest laut vor sich hin. Ich fragte sie heute, warum sie plötzlich so viel für die Schule mache. Sie sagte: Ich will nicht auch zur Budenbergschule (Sonderschule in Haiger, Rektor schrieb die gleichnamigen Lernprogramme), so wie die Elisabeth (Klassenkameradin). Die kann auch nicht richtig lesen und schreiben. Sie ist immer traurig, weil ihre Mama gestorben ist und ihr Papa jetzt fünf Kinder (dabei ein Baby) hat und noch arbeiten gehen muss. Jetzt muss sie auf diese Schule und jeden Tag ganz weit Bus fahren. Ich habe fast geheult. Merken Lehrer denn gar nicht, was in den Kleinen so vor sich geht ? Beim Osterbasteltag sagte die KL noch zu mir, das Elisabeth vor lauter Frust zugemacht hätte und ich sah selbst, wie wütend sie wurde und Arbeitblätter zerknüllte. Sie wurde laut ausgeschimpft und ich kochte vor Wut.

Auch hat meine Kleine Gleichgewichtsprobleme. Zum Fahrradfahren braucht sie eine volle Straßenbreite um Balance zu halten. Sie wirkt steif, kann aber sehr schnell laufen. Ihre älteren Geschwister sind sehr wendig und sportlich.

Auch kann sie sehr schnell ausflippen, d.h. sie tobt regelrecht hysterisch bei Kleinigkeiten, ist sehr wehleidig (kippt bei der Blutabnahme um), jammert sehr schnell und lügt oft. Bei der Lügerei ist sie so durchschaubar. Manchmal fass ich es nicht, wie jemand so dämlich lügen kann. Sie kann unglaublich vulgär schimpfen. Die Wörter stammen wirklich nicht von mir. Zwischen ihrem Bruder und ihr gibt es ständig Streit und Schlägerei. Wobei sie meistens der Auslöser ist. Aber irgendwie leiden sie gegenseitig unter sich. In der letzten Zeit sagt sie oft, dass es immer nur so aussehe, als wenn sie lache. In Wirklichkeit wäre sie so traurig. Am meisten hat mich erschreckt, als sie sagte, sie wäre gerne bei Oma, die ja bei den Engeln ist.

Ich habe für sie erst mal einen Termin in der Pädaudiologie gemacht.

Kann man nun bei so einem Kind von hypoaktiv sprechen ? In der Schule geht man davon aus, dass sie, genau wie ihr Bruder ADS hat, nur ohne hyperaktiv.

Ist es dass, wovon ihr hier in den letzten Tagen gesprochen habt ?

Liebe Grüße
Susanne F.

Antworten:

Hallo Susanne, ihr seid ja gar nicht so weit von uns weg. Wir wohnen in Biedenkopf, kenne übrigens etliche der von dir geschilderten Symptome. Unsere Tochter kann auch keine engen Sachen tragen, das liegt aber daran, daß wir sie, als es uns ganz zu bunt wurde, in der Marburger Kinderklinik auf Helcobacter Pylorie testen lassen und der war positiv. Sie bekam hochdosiert Antibiotika. Jetzt ist es in Ordnung aber die Empfindlichkeit ist geblieben. auch gegen schwere Schuhe, da bekommt sie ganz schnell Schmerzen in den Beinen.
Meld dich doch noch mal. Vielleicht kann ich dir ja auch mal die Adressen unserer Therapeuten nenne. Bin selbst auch betroffene Mutter und kann, seitdem ich das weis, unsere Tochter viel besser verstehen, auch in vielen ihrer Reaktionen. Tschau bis zur nächsten Mail Barbara

von Barbara Plitt - am 13.04.2002 02:15

@Barbara Plitt

Hallo Barbara,

vielen Dank für Deine Antwort. Habe Dir eine p.m. geschickt. Bin allerdings selbst auf Suche nach Helicobacter Pylorie gegangen. Wenn ich richtig liege, handelt es sich hierbei um Bakterien, die Magen- u. Zwölffingerdarmentzündungen auslösen. Diese Bakterien stehen auch in Verdacht, Arteriosklerose, Herzinfarkt und sonstige Entzündungen, wie z.B. Sehnenscheidenentzündung auszulösen.

Dies ist bei meiner Tochter bestimmt nicht der Fall. Sie hat die Kopf-, Bauch-, und Halsschmerzen eindeutig vorgetäuscht um nicht in den KiGa zu müssen.

Ihre Überempfindlichkeit gegenüber einengende Kleidung schiebe ich auf taktile Wahrnehmungsstörungen, und zwar scheint sie über die Haut sehr überempfindlich wahrzunehmen. Ebenso reagiert sie bei Gerüchen und Geschmack. Sie kann sich sehr schnell ekeln und übergeben. Ich sehe auch Gleichgewichtsstörungen (geht oft einher mit taktiler Überempfindlichkeit). Außerdem scheinen Störungen in der Hörwahrnehmung vorhanden zu sein. Auch ihr weinerliches Verhalten, plötzliche Wutausbrüche und die sich entwickelnde Teilleistungsschwäche in Deutsch sprechen für diese Art der Wahrnehmungsstörungen.

Ich bin mir nur nicht sicher, ob sie auch ADS hat, worauf diese Störungen beruhen könnten. Es könnte auch beides für sich dastehen. Oder sie hat nur Wahrnehmungsstörungen? Sie hat eine kurze Merkspanne und lässt sich schnell ablenken, andererseits zeigt sie untypisches ADS-Verhalten, weil sie von sich aus aufräumt, im Haushalt hilft, alleine Hausaufgaben machen will und freiwillig für die Schule in ihrem Zimmer lernt. Sie läuft mit dem LÜK-Kasten hinter mir her und will üben.

Ihr Verhalten ist oft zwiespältig. Einerseits ist sie sehr lieb und ruhig, andererseits kann sie ausflippen, fluchen, hauen und lügen. Ich denke das erschwert alles eine ADS-Diagnose.

Da man sich in unserer Schule auch erst seit kurzem mit dem Thema ADS auseinandersetzt, gebe ich nicht so viel auf den Verdacht. Zudem könnte wegen unsers ADHS/LRS-Sohnes ein Vorurteil wegen familiärer Belastungen bestehen.

Ich hatte gehofft, mit meinem posting von heute nacht jemanden zu erreichen, der ähnliche Erfahrungen mit seinem Kind gemacht hat und wo ADS diagnostiziert wurde. Aber ich denke, ich werde es einfach angehen und sie testen lassen.

Viele Grüße
Susanne F.

von Susanne F. - am 13.04.2002 20:40

Re: @Barbara Plitt

gutten tag, amigos y amigas germanos, ojalá halla alguien que entienda mi idioma y quisiera hablar con cualquiera sobre lo que sea soy de lima - Peru y estoy para quien quiera no sentirse sola en este mundo. adiosSusanne F. schrieb:

Zitat

Hallo Barbara,

vielen Dank für Deine Antwort. Habe Dir eine p.m. geschickt.
Bin allerdings selbst auf Suche nach Helicobacter Pylorie
gegangen. Wenn ich richtig liege, handelt es sich hierbei um
Bakterien, die Magen- u. Zwölffingerdarmentzündungen
auslösen. Diese Bakterien stehen auch in Verdacht,
Arteriosklerose, Herzinfarkt und sonstige Entzündungen, wie
z.B. Sehnenscheidenentzündung auszulösen.

Dies ist bei meiner Tochter bestimmt nicht der Fall. Sie hat
die Kopf-, Bauch-, und Halsschmerzen eindeutig vorgetäuscht
um nicht in den KiGa zu müssen.

Ihre Überempfindlichkeit gegenüber einengende Kleidung
schiebe ich auf taktile Wahrnehmungsstörungen, und zwar
scheint sie über die Haut sehr überempfindlich wahrzunehmen.
Ebenso reagiert sie bei Gerüchen und Geschmack. Sie kann sich
sehr schnell ekeln und übergeben. Ich sehe auch
Gleichgewichtsstörungen (geht oft einher mit taktiler
Überempfindlichkeit). Außerdem scheinen Störungen in der
Hörwahrnehmung vorhanden zu sein. Auch ihr weinerliches
Verhalten, plötzliche Wutausbrüche und die sich entwickelnde
Teilleistungsschwäche in Deutsch sprechen für diese Art der
Wahrnehmungsstörungen.

Ich bin mir nur nicht sicher, ob sie auch ADS hat, worauf
diese Störungen beruhen könnten. Es könnte auch beides für
sich dastehen. Oder sie hat nur Wahrnehmungsstörungen? Sie
hat eine kurze Merkspanne und lässt sich schnell ablenken,
andererseits zeigt sie untypisches ADS-Verhalten, weil sie
von sich aus aufräumt, im Haushalt hilft, alleine
Hausaufgaben machen will und freiwillig für die Schule in
ihrem Zimmer lernt. Sie läuft mit dem LÜK-Kasten hinter mir
her und will üben.

Ihr Verhalten ist oft zwiespältig. Einerseits ist sie sehr
lieb und ruhig, andererseits kann sie ausflippen, fluchen,
hauen und lügen. Ich denke das erschwert alles eine
ADS-Diagnose.

Da man sich in unserer Schule auch erst seit kurzem mit dem
Thema ADS auseinandersetzt, gebe ich nicht so viel auf den
Verdacht. Zudem könnte wegen unsers ADHS/LRS-Sohnes ein
Vorurteil wegen familiärer Belastungen bestehen.

Ich hatte gehofft, mit meinem posting von heute nacht
jemanden zu erreichen, der ähnliche Erfahrungen mit seinem
Kind gemacht hat und wo ADS diagnostiziert wurde. Aber ich
denke, ich werde es einfach angehen und sie testen lassen.

Viele Grüße
Susanne F.


von freddy - am 14.04.2002 01:57

Danke fürs Lesen

Hi,

wenigstens zwei Antworten von Neulingen, wobei mir eine recht spanisch vorkommt.

Bin wirklich am zweifeln, ob bei meiner Tochter ADS vorliegt oder nicht. Sie ist nicht hyper, aber auch nicht verträumt. Sie ist ordentlich (organisiert) und kann selbstständig arbeiten, hat aber in der Schule Konzentrationsprobleme (schafft z.B. keine Laufdiktate) und braucht länger wie andere um neuen Stoff zu verstehen. Fällt aber nie durch schlechtes Verhalten auf, außer dass sie sich in der Schule zu sehr unter Druck setzt und schnell weint. Seit ich mich mit dem Thema AD(H)S beschäftige, sind mir eben auch ihre "Wahrnehmungsstörungen" bewußt geworden.

Deshalb meine Frage - so ganz helfen mir da meine, mittlerweile vielen, Bücher auch nicht weiter.

Grüße
Susanne

von Susanne F. - am 14.04.2002 21:01
Hallo Susanne!

Sind bei Deiner Tochter spezielle Hörtests gemacht worden?
(Ich meine nicht die üblichen, sondern räumliches Hören, akustisches Gedächtnis etc.)
Und ist die Hand-Auge-Koordination getestet worden?
Es könnte ja sein, dass die Probleme dadurch hervorgerufen werden und man ihr mit Ergo usw. helfen kann.

Angelika (TanteGela)

von Angelika (TanteGela) - am 15.04.2002 05:42
Hallo Angelika,

habe leider erst im Juli einen Termin in der Kinderklinik/Abtlg. Pädaudiologie.

Habe leider auch ziemlich verworren und emotional geschrieben. Ich war etwas durch den Wind, weil ich nichts von den Tests beim Sonderschulpädagogen wusste. Außerdem hat sich meine Tochter in der letzten Zeit in der Schule gebessert. Gerade deshalb fand ich es etwas unsensibel von der KL sie nun zu den Tests zu schicken. Schließlich ist die Kleine eine Mimose, die ständig ihr bestes geben will. Die Wahrnehmungstests werde ich ihr vorerst auch erst mal als Vorsorgeuntersuchung erklären. Sonst denkt sie wieder, sie würde alles falsch machen.

Ich bin mir jetzt auch ziemlich sicher, dass bei ihr kein ADS vorliegt. Eine Ergotherapie wird wohl hilfreich sein, wenn sich meine Vermutungen bestätigen. Die KL ist eigentlich eine ganz Liebe und beschäftigt sich nun auch mit dem Thema ADS. Wahrscheinlich sieht sie (sie ist sehr genau und vorsichtig) wirklich eine Verbindung zu unserem Sohn.

Aber mal realistisch gesehen, die Kids (1.Klasse) müssen jeden Tag zur ersten Stunde (Beginn: 7.40 Uhr) und mit dem Bus anreisen. Das ist recht früh. Dazu verlangt die KL sehr viel und gibt viele Hausies auf. Meine Tochter gehört zu den Jüngsten. Wenn da noch Probleme in der Wahrnehmung sind, sind Probleme natürlich vorprogrammiert.

Habe mich nun wieder eingekriegt. Danke dir fürs schreiben.

Ganz liebe Grüße
Susanne F.

von Susanne F. - am 15.04.2002 20:42
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