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ADHS ADS Selbsthilfe
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16
Erster Beitrag:
vor 15 Jahren, 2 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 15 Jahren, 2 Monaten
Beteiligte Autoren:
Martin Winkler, Schiefi, Streber, Johannes Streif, Dagmar D., Meike Schwarz, Cornelia

Wer kennt sich mit Risperdal aus?

Startbeitrag von Meike Schwarz am 11.12.2002 14:57

Hallo,
ein Arzt hat mir bzw. meiner Tochter (10) jetzt zusätzlich zum Ritalin Risperdal empfohlen. Weiß jemand, wie es wirkt?
Mit Ritalin allein haben wir nur geringen Erfolg, trotz aller möglichen Dosierungen. Sie ist unglaublich impulsiv, hat extreme Wutausbrüche und ist emotional sehr labil.

Danke für eure Hilfe
Meike

Antworten:

Risperdal (Risperidon) ist ein sogenanntes atypisches Neuroleptikum. Atypisch, weil es nicht die klassischen Nebenwirkungen von Neuroleptika hat. Und eben eine ganz Reihe von positiven Effekten, u.a. auf die Reizabschirmung und Reduktion von aggressivem und impulsivem Verhalten, die man sich bei ADHS + zusätzlichen Störungen nutzbar machen kann. Risperdal wurde u.a. auch für aggressive Verhaltensstörungen bei Kindern untersucht und ist in aller Regel (bei niedrigen Dosierungen von 0.5 bis 1 mg Einzeldosis) sehr gut verträglich. Es hat keine wirklich relevanten Langzeitprobleme, allerdings muss man wissen, dass gerade ADHSler wohl besonders empfindlich auf derartige Medikation reagieren können (bes. in höheren Dosierungen). Eine Reihe von erfahreneren Kinderpsychiatern setzten Risperdal bereits gerne ein, derzeit eben auch zunehmend bei ADHS plus x. Es zeigt eigentlich, dass Du bzw. Dein Kind in guten Händen sein sollten und ich würde auf jeden Fall mich auf einen Therapieversuch einlassen. Da Stimulanzien wie Ritalin eben primär auf das Frontalhirn (bzw. Ncl caudatus wirken), Risperdal aber auch anderen Hirnzentren hinsichtlich der Reizüberflutung bzw. Filterschwäche beeinflusst, ergeben sich gerade in der Kombination positive Effekte.

von Martin Winkler - am 11.12.2002 15:59

Re: SEEEHR LANG

Auf Wunsch der Autorin gelöscht

Die Moderation


von Schiefi - am 11.12.2002 16:12

Re: @ Martin

Hi Martin!

In der Zeit, als Du hier geschrieben hast, habe ich gesucht.
Vielleicht hilft es Meike weiter.
Ich persönlich würde es meinem Sohn nicht geben.

Schiefi

von Schiefi - am 11.12.2002 16:14

Re: @ Martin

Das glaube ich wohl, Dein Sohn wird ja wohl auch eine ganz andere Problematik haben ! Wir machen doch hier keine Gruppenverodnung von Psychopharmaka :-)
Dein Ausschnitt aus dem Kompendium ist zwar nett, aber nicht wirklich relevant und aktuell. Er bezieht sich auf die Hauptanwendungsgebiete Schizophrenie und Demenz, nicht so sehr auf die Kinderpsychiatrie. Dort ist aber die Erfahrung mit dieser Substanz vorhanden und positiv. Dies könnte dann allerdings nur eine etwas umfangreichere Suche in Fachjournalen bzw. in Lehrbüchern zu ADHS ergeben.
Niemand wird seinem Kind so bedenkenlos und gerne Medikamente geben und es ist gut, wenn man sich informiert. Nur : Wenn schon ein Gesamtbehandlungsplan auch medikamentöse Massnahmen einschliesst, dann sollte man auch möglichst sachlich und informiert an die Sache rangehen. Da ist es gut, sich auf die Erfahrung eines Arztes auch einmal verlassen zu können. Eine zweite Meinung kann man sich ja immer noch holen oder eben wie hier Erfahrungen austauschen.

von Martin Winkler - am 11.12.2002 16:35
Vielen Dank für die prompte Hilfe, liebe(r) Schiefi, wenn dein Kind, so wie meins, vor dem Schulauschluss steht, aggressiv und kaum zu führen ist, wirst auch du dich vielleicht nach Alternativen umschauen.
Übrigens, wenn man den Beipackzettel vom Ritalin liest, kommt einem auch das kalte Grausen. Trotzdem sind wir uns wohl einig, dass dies das Mittel der Wahl ist, wenn Medikamente indiziert sind. Leider reicht dies nun bei uns nicht aus.
Ich wäre noch interessiert an persönlichen Erfahrungen. Soweit ich das bisher verfolgt habe, haben bisher nur Erwachsene Risperdal bekommen??!!
Lieber Martin, gibt es denn irgendwelche Studien zur Risperdal-Gabe bei Kindern? Bin selbst aus dem medizinischen Bereich und könnte wohl auch was damit anfangen.
Vielen Dank
Meik

von Meike Schwarz - am 11.12.2002 16:52
Nein, Risperdal ist eben auch bei Kindern schon recht lange in der Anwendung und wird umfangreich erforscht. Es hat sogar eine Spezielle Zulassung für Kinder. Ich kenne einige sehr erfahrene Kinderärzte, die sehr sehr gute Erfahrungen gemacht haben (ich selber behandele ja keine Kinder).

Zugegeben, dass ist hauptsächlich im Bereich Minderbegabung und Verhaltensstörungen sowie bei Tourette-Syndrom und ADHS bzw. Conduct Störung untersucht. Ich hab mal einen Link auf die kostenlosen Artikel in Englisch beigelegt...
[www.findarticles.com]
Mehr würde man z.B. bei Medline finden. Risperidone ist eben in die Therapiealgorythmen bei aggressiven Kindern ausdrücklich mit einbezogen (immer die richtige Diagnostik und Differentialdiagnostik z.B. zur bipolaren Störung vorausgesetzt).

von Martin Winkler - am 11.12.2002 17:33

Re: @ Martin

Wollte niemanden auf den Schlips treten, oder irgendjemanden etwas abraten.
Ich wollte blos helfen und unter Risperdal habe ich dies gefunden.
Eben die Anwendung bei Schizophrenie hat mich unsicher gemacht.
Dieses Medikament habe ich im zusammenhang mit ADSH noch nie gehört.
Du brauchst mich dewegen nicht gleich anzugreifen.
Ich weiß auch was es heißt zu kämpfen, Ärzte zu wechseln,
weil sie außer Medikamente zu geben uns keine anderen begleitenden Möglichkeiten zu geben.
Ab Januar haben wir es endlich geschafft, das unser Sohn
eine Verhaltenstherapie bekommt.

Schiefi

von Schiefi - am 11.12.2002 22:20
Hallo Meike,

unsere Klinik setzt Risperdal oft in Kombination zu einem Stimulanz ein, wenn das Kind sehr aggressiv ist oder auch (wenn auch seltener), wenn das Kind unter starken Einschlafstörungen (auch schon ohne Stimulanz) leidet.

Es gibt in unserer Elterngruppe also eine ganze Reihe Eltern, deren Kinder zwei Medikamente bekommen. Die Schilderungen sind durchweg positiv. Die Eltern berichten, dass die Impulsivität, insbesondere die Aggressivität stark nachlässt und das Kind oft erstmalig in der Lage ist, stabile soziale Kontakte zu knüpfen.



von Dagmar D. - am 11.12.2002 22:25

Weniger ist oft mehr

Hallo Meike,

Martin Winkler hat zu den medizinischen Aspekten eigentlich alles gesagt. Hier nur zwei Anmerkungen:

Ich würde tendenziell das Ritalin absetzen und statt dessen Risperidon versuchen. Unter der Diagnose ADHS werden heute zu viele Auffälligkeiten subsumiert, die symptomatisch ähnlich sind, jedoch abweichende Ursachen haben. Hilft weder Ritalin noch Amphetamin in unterschiedlichen Dosen deutlich, würde ich zunächst schlicht an eine andere Störung denken. Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität kommen u.a. als primäre Symptome einer Tourette-Erkrankung vor, in denen nicht die sekundäre Impulskontrolle, sondern die primäre impulsive Aktivität in bestimmten Gehirnregionen das Problem ist. Diese spricht auf Neuroleptika i.d.R. gut an - und es gibt einschlägige Erfahrungen auch mit Risperdal. Ein nicht unerheblicher Teil der Diagnose komorbider ADHS- und Tourette-Erkrankungen ist mutmaßlich fragwürdig, da weder Impulsivität noch Hyperaktivität und noch weniger eine Aufmerksamkeitsstörung ein eindeutiger Hinweis auf ADHS sind. Das heißt allerdings nicht, dass ADHS und Ticstörungen niemals gemeinsam auftreten; es kommt auf die richtige Differentialdiagnose an, bei welcher die Abfolge des erstmaligen Auftretens der einzelnen Symptome sehr wichtig ist.

Risperdal wird, wie die meisten modernen Psychopharmaka, überschätzt, da v.a. die Pharmafirmen in den USA nur Studien für neue patentgeschützte und sehr teure Medikamente finanzieren. Freunde von mir waren auf dem Kinder- und Jugendpychiatriekongress in San Francisco im Herbst diesen Jahres: Obwohl sie selbst reichlich Medikamente verschreiben, waren sie von den zahllosen Werbe- und letztlich Bestechungsveranstaltungen der Firmen mehr als entsetzt. Viele euphorische Würdigungen zur phänomenalen Wirkung von SSRIs bei Depression und Zwang oder den neuen atypischen Neuroleptika für nahezu jede (Verhaltens-)Störung sind schlicht gekauft. Das heißt nicht, dass Wirkstoffe wie Risperidon nicht neue Behandlungsaspekte und eingeschränkt auch -felder eröffnen, doch phänomenale Erfolge gerade in der konstruktiven Beeinflussung der hochkomplexen Verhaltenssteuerung sind nicht zu sehen und nicht zu erwarten. Auch sind insbesondere die atypischen Neuroleptika v.a. langfristig bei weitem nicht so nebenwirkungsfrei, wie man das zunächst vermutet und propagiert hat. Eine langfristige Behandlung mit Neuroleptika jeder Entwicklungsstufe ist jenseits der Schizophrenie-Therapie und Psychoseprophylaxe in jedem Fall kritischer zu sehen als beispielsweise die Medikation von Hyperkinetikern mit Methylphenidat.

Das nur als Anmerkung. Die Entscheidung solltest Du nach gründlicher Eigenrecherche natürlich mit dem Arzt Deines Kindes absprechen.

Grüße aus München
Johannes Streif
www.therapaed.de

von Johannes Streif - am 12.12.2002 11:36

Re: Wer kennt sich mit Risperdal aus? - Mein Gott!!! *kreisch*

Wenn ich den Namen Risperdal nur höre, bekomme ich gleich wieder die ärgsten Aggressionsanfälle, allerdings, weil ich mich zurückerinnert fühle in die paar Jährchen , die ich Risperdal schluckte. ;-(((

Unter anderem in niedriger Dosierung. Dann später in höherer Dosierung, weil mein Arzt sagte "Das Risperdal bewirkt sowas wie bessere Konzentrationsfähigkeit"

Wobei ich vor allem in der niedrigen bis mittleren Dosierung die ärgsten Nebenwirkungen hatte (Blickkrämpfe, Verschlechterung der Sehleistung, bekam dann eine Brille - 2,25 Dioptrien - und zwei Medikamente zusätzlich gegen die Nebenwirkung des Risperdals. Wobei die zwei zusätzlcihen Medikamente (Akineton und Kemadrin) nochmals die Nebenwirkungen hatten, dass ich mich noch weniger konzentrieren konnte als mit dem Risperdal alleine. Die Blickkrämpfe traten damit zwar nicht mehr auf - weiß nicht, woran´s lag, ob ich nun einfach nicht mehr das Haus verließ, weil ich Angst hatte, irgendwo sowas zu bekommen und mich somit weitgehend schonte (im Bett rumlag und Talk-Shows anschaute) oder ob das Akineton und Kemadrin wirkte.

Woran ich mich noch "lebhaft" erinnern (!) kann, ist, dass ich damals zwar äußerst ruhig wirkte, aber es mir gleichzeitig nicht gut ging. Dass ich ruhig wirkte, das freute meinen Arzt, sonst zählte eh nichts. Hauptsache ruhig. Und nichts mehr reden, mir fiel auch nichts mehr ein, was ich sagen sollte.

Wobei ich dann unter Risperdal, danach kamen noch Melleril und Truxal dazu (sollte meine Konzentrationsfähgikeit noch weiter bessern *gg*) eh nur noch am RAnd zum "Engültigen Aus" dahinvegetierte und praktisch nur noch überlegte, wie ich mich mit Selbstmord aus diesem Vegetieren-Zustand erlösen könnte, da fiel mir nichts mehr ein, weder "Das könnte an den Medikamenten liegen" noch sonstwas, außer "Ich muß mich irgendwie umbringen."

Wie ich den Zustand kurz beschreiben würde, in dem man im neuroleptisierten Zustand ist: Eingefroren in einem miesen Dauergefühl, aus dem es kein Entrinnen gibt.

Könnte natürlich bei jedem anderen ganz anders wirken, wobei ich aber absolut niemandem (!) raten würde, nur ein einziges Neuroleptikum zu schlucken, ..nichtmal eine Tablette, denn alleine eine Wirkungszeit lang ist der Zustand einfach unaushaltbar. ;-(

Gruß,
Streber

von Streber - am 12.12.2002 18:00
Hallo Streber,

>>Könnte natürlich bei jedem anderen ganz anders wirken>>

du beschreibst sehr negative Wirkungen eines Medikamentes bei dir. Deine Erfahrung ist dir unbenommen, deshalb stimmt dein oben zitierter Satz ganz besonders.

>>wobei ich aber absolut niemandem (!) raten würde>>

Das ist die Fortsetzung deines Satzes. Merkst du, dass du dir selbst widersprichst?

Ich denke, Medikamente ein- und auch abzusetzen ist ausschließlich Sache des Facharztes. Wir können nur unsere Erfahrungen beisteuern, positive, aber auch negative.



von Dagmar D. - am 12.12.2002 23:04

Re: Weniger ist oft mehr

Ich habe auch darauf hingewiesen, dass Risperdal bei ADHSlern mit Vorsicht einzusetzen ist. Einige Psychiater setzen dieses Medikament bei ADHS-ähnlichen Symptomen (aber eben nicht unter einem wirklichen Verständnis für ADHS) ein und "verkaufen" dies dann als Konzentrationsförderung. Eigentlich meinen Sie aber eine psychotische Reizfilterschwäche, die sie neuroleptisch therapieren wollen. Da ist der Therapieansatz ein völlig anderer, auch wenn es das gleiche Medikament ist.

Aber es ist eben durchaus ein gutes Medikament, wenn man es sachgemäss und bei der richtigen Indikation verwendet. Ich wäre allerdings sehr sehr vorsichtig, hier im Forum entweder zum Nicht-Einnehmen des Risperdal zu raten. Ebenso ist es natürlich überhaupt schwierig, aus einer solchen minimalen Schilderung auf Therapieempfehlungen (z.B. Absetzen von Ritalin, stattdessen Risperdal) zu kommen. Ich denke, dass kann man nur vor Ort mit den Ärzten klären. Was man vorher machen kann (oder im Verlauf der Therapie) ist eben sich fundiert über die Medikation und Erfahrungshorizonte (in diesem Forum, in der Literatur, andere Ärzte) informieren. Dazu gehört natürlich auch, sich zu überlegen, was ohne Medikation los wäre.

von Martin Winkler - am 13.12.2002 07:02

Re: Weniger ist oft mehr

Hallo Martin,

ich denke, unter der Voraussetzung der Schilderung des Nichtwirkens von MPH unter verschiedenen Dosen kann und sollte man durchaus raten, eine offenbar wirkungslose Medikation mit Stimulanzien abzusetzen. Hat man sich hinsichtlich der Wirkungslosigkeit getäuscht, kann man die Medikation problemlos wieder aufnehmen. Bei anderen Medikamenten (u.a. Neuroleptika) sehe ich das durchaus anders. Und natürlich sollte man das stets mit dem behandelnden Arzt absprechen.

Auch glaube ich, dass man grundsätzlich für bzw. gegen die Doppelmedikation der gleichen Symptomatik sensibilisieren sollte. Die große Mehrzahl v.a. der niedergelassenen Ärzte, aber auch in vielen Fachkliniken, hat wenig Ahnung von Interaktionen bei der Verstoffwechslung von Psychopharmaka (v.a. Cytochrom P450 System); da muss man als Patient selbst-kritisch sein, wenn man nicht falsch behandelt werden möchte. Kann der Arzt mir eine schlichte Tabelle zeigen, auf denen die gängigen Wirkstoffe und ihre Interaktionen aufgeführt sind und mir die Unbedenklichkeit der Kombination daran demonstrieren, so wäre ich beruhigt. Ansonsten würde ich zumindest in den ersten Wochen und Monaten engmaschige Blutbildkontrollen/Serumspiegel erstellen lassen. Auch viele routinierte Klinikärzte sind aufgrund der unterschiedlichen interindividuellen und komedikationsabhängigen Metabolisierungsgeschwindigkeiten gelegentlich ziemlich überrascht und erschrocken.

Nix für ungut zu diesen Hinweisen,
Grüße, Johannes Streif
www.therapaed.de

von Johannes Streif - am 13.12.2002 07:44

Re: Wer kennt sich mit Risperdal aus? Erweiterte Indikationen

Einen Versuch ist es eh Wert, falls sonst gar nichts anderes (!) zu helfen scheint.

Hier bei uns ist z.B. Risperdal (laut Arzneimittelwerbung in einer Zeitschrift) auch für Verhaltensstörungen bei geriatrischen Patienten zugelassen worden.

Wenn das auch bei alten Menschen seit kurzem eingesetzt wird, könnte es ja auch durchaus bei Verhaltensstörungen von sehr jungen Menschen wirken, oder?

Gruß,
Streber

von Streber - am 13.12.2002 11:09
Hallo Meike,

mein Sohn (fast 11 Jahre alt) bekommt zusätzlich zu Ritalin sowie einigen weiteren Medikamenten seit dem Frühjahr diesen Jahres auch Risperdal. Allerdings hat er zusätzlich zu ADHD auch ein Asperger Syndrom (=Form von Autismus), eine schwere Schlafstörung und einige weitere Handicaps die zum Teil eine Medikation erfordern.

Ich habe im September in einer mail geschrieben, warum er es bekommt und wie es ihm bekommt, ich kopiere mal Auszüge hier hinein:


> 1- Wie lange nimmt Euer Kind Risperdal?

Seit dem Frühling (März/April ca.)



> 2- Ob Risperdal eine deutliche Verbesserung zu Hause und in der Schule
> gebracht hat ?

Eine gewaltige!!!

Insgesamt wirkt er aufgeschlossener und weniger zwanghaft.

Ein völlig neues Kind ist er natürlich trotzdem nicht geworden. ;)

Er ist jedoch viel weniger depressiv, manchmal geradezu fröhlich, weint weniger und lacht mehr.

Er kann gelegentlich etwas weniger brüsk klarstellen, was ihm gerade nicht passt, die Schimpfwortkanonaden sind etwas seltener geworden und hin und wieder entschuldigt er sich sogar mal für etwas, was ihm "herausgerutscht" ist.

Er versucht etwas häufiger, sein Verhalten auch mal zu reflektieren und auch das Anderer und ist konstruktiver Kritik gegenüber etwas zugänglicher geworden.

Seine Wutanfälle haben in Quantität und Qualität abgenommen, sind aber durchaus noch vorhanden.
[...]

Sein Horror vor Berührungen hat abgenommen, statt dessen ist er seither geradezu kuschel- und schmusesüchtig, was durchaus auch nicht immer unanstrengend ist, da er darin genauso radikal vorgeht wie zuvor im Ausrasten bei jeder nicht von ihm verlangten auch versehentlichen Berührung. Jetzt will er dauernd auf den Schoß, egal was ich gerade mache, umklammert mich und küsst mich oft so energisch ab, dass ich fast ersticke ;) etc.

Tics, Stereotypien, Gekreische, Gebrüll, Gequassel etc. sind prinzipiell unverändert.

Weitere Einzelheiten siehe unten:



> 3- Ob die Verbesserung auf Dauer war ?

Ja, er nimmt das Medikament aber auch nach wie vor.



> 4- War es nur eine Verbesserung im Verhalten oder könnte das Kind sich auch
> besser konzentrieren und sich besser erinnern? (bessere Schulleistungen?)

Besser konzentrieren nicht, aber seither meldet er sich gelegentlich [...] und antwortet auch hin und wieder bereitwillig, wenn er etwas gefragt wird und er verweigert nicht mehr fast alle Aufgaben. (Die Hausaufgaben sind dennoch "ein Kapitel für sich"). Er [...] ist viel motivierter.
Er ist jetzt auf das Gymnasium gewechselt (natürlich mit Begleitung) und hat [...] gut verkraftet!
(Wer gelesen hat, wie es vor 2 Jahren war, [...] der höre und staune!) :-))))))))))))))))



> 5- Nebenwirkungen? Welche?

Er kann abends besser einschlafen (wird aber dennoch nachts regelmäßig wach)

Er hat ständig Hunger und hat auch zugenommen, was aber, da er vorher viel zu dünn war, durchaus positiv ist. Ich fürchtete schon, nun könne er übergewichtig werden, aber dann hat er endlich zu wachsen begonnen, so dass jetzt Gewicht und Größe gut zueinander passen.
In Zahlen: Von 128cm und 24 kg auf jetzt 133cm und 28kg. (Er wird ... 11) [jetzt sind es 135,5 cm und 34 kg]

Sehr positiv ist, dass er in der Speisenauswahl weniger rigide geworden ist, d.h. er probiert freiwillig gelegentlich auch mal etwas Neues und manches davon mag er dann sogar *freu*.

Seine Phobien haben allerdings weiter zugenommen, v.a. die Angst vor irgendwelchen Monstern, so dass er mir dauernd hinterherrennt, auf Toilette, ins Bad, in den Flur o. ä. geht er sowieso nicht alleine, abends wagt er sich nicht nicht mal in die Küche und auch die Angst vor Insekten ist weiter gestiegen.
Dafür haben aber soziale Ängste abgenommen.
Er lässt Kontakte besser zu, spricht auch mal kurz mit anderen Kindern, hat sich überwunden, am Kiosk selbst etwas zu "bestellen" usw.



> 6- für die Kinder, die zugenommen haben: Haben sie mit der Zeit weiter
> zugenommen oder nur am Anfang?

Momentan hält er das Gewicht. Ich habe viel mit ihm darüber geredet, dass die Gefahr besteht, dass er starkes Übergewicht bekommen kann und er bemüht sich, zumindest nicht ausschließlich Süßes und Fettreiches zu essen. ;)
Der anfängliche Heißhunger hat auch etwas nachgelassen.



> 7- Wer hat mit Risperdal aufgehört, wie lange danach und warum?

Er nimmt es noch.



> 8- Konnte Risperdal Ritalin ersetzen oder musste Ritalin weiter gegeben
> werden?

Nein, Ritalin braucht er weiterhin.



> 9- Hat das Kind selbst gemerkt, das sein Verhalten anders war, und hat es
> sich darüber gefreut?

Ja! (auch wenn er die Einnahme hasst)



> 10- Welche Menge Risperdal pro Tag (nach Alter/Gewicht des Kindes) und wie in
> dem Tag verteilt?

... bekommt morgens 0,5mg und abends 1 mg. Die höhere Dosis abends um die Nebenwirkung Müdigkeit zu nutzen.
[inzwischen erhöht auf 1-0-1]
[...]
[zudem bekommt er derzeit
Ritalin (wg. ADHD)
Tiapridex (wg. Tics)
Melatonin (wg. Schlafstörung)
Betablocker (wg. Tachykardien=Herzfrequenzerhöhung)
-
Cortison (wg. Epilepsie) versuchen wir gerade abzusetzen]



Ich hoffe, diese Informationen helfen dir weiter.
Niemand gibt gerne Medikamente. Doch sollte man
ihre Einnahme auch bei Kindern pragmatisch sehen: Wenn der Leidensdruck groß und der zu erwartende Nutzen höher ist als die zu befürchtenden Nebenwirkungen/das Risiko, dann sollte man sie dem Kind nicht vorenthalten. Nicht zuletzt weil auch Kinder ein Recht auf einigermaßen erträgliche Lebensqualität haben. Und bei Kindern wie meinem Sohn ist diese ohne Medikamente schlicht zum K...
Wenn der Arzt es rät, und du ihm vertraust, würde ich die Medikation also versuchen. Bei Problemen oder mangelnder Wirkung kann man die Medikamente jederzeit wieder absetzen.
Der behandelnde Arzt meines Sohnes ist sehr sorgsam und wir haben uns lange und gründlich beraten, bevor er zu Risperdal riet. Dies wählte er auch gerade deshalb, weil Risperdal sich mit Ritalin im Allgemeinen gut verträgt.


Alles Gute,
Cornelia

von Cornelia - am 16.12.2002 02:07
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