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Informationen zum Thema:
Forum:
ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
3
Erster Beitrag:
vor 15 Jahren, 5 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 15 Jahren, 4 Monaten
Beteiligte Autoren:
Cat1964, susanne niedersachsen, Ute H.

Weiterführende Schule

Startbeitrag von Ute H. am 28.12.2002 17:31

Wer hat Erfahrung mit seinem ADS-Kind am Gymnasium?
Die Klassenlehrerin unseres Sohnes ( vierte Schuljahr) rät uns, ihn zum fünten Schuljahr an einem Gymnasium anzumelden. Sie ist der Meinung, wir sollten vorher bei der Schulleitung vorstellig werden, um seine Verhaltensweisen zu erklären und um "Nachsicht" zu bitten.
Ist es nicht sinnvoller, nach der Einschulung direkt den Klassenlehrer anzusprechen?
Was für Erfahrungen habt Ihr gemacht, als Ihr Lehrer an weiterführenden Schulen über die Störung Eurer Kinder informiert habt?
Bisher war ich immer der Meinung eine "Teamarbeit" Eltern/Schule sei unumgänglich erstens um evtl Trainingseffekte zu festigen und zweitens um die Psyche des Kindes zu schützen.
In einer Diskussion mit befreundeten Lehrern stellte sich jedoch heraus, dass diese ganz anderer Meinung waren. Ihre Argumente waren, ich würde mein Kind dadurch stigmatisieren und ihm keine Chance lassen. Außerdem würde ich eine Sonderbehandlung für mein Kind verlangen, was nicht zu leisten wäre.
Schreibt doch bitte etwas über Eure Erfahrungen!
Danke
liebe Grüße
Ute

Antworten:

Hallo Ute.
Ich denke, es hängt auch ein bischen von deinem Kind ab, ob du vorher mit den Lehrern sprechen solltest.

In der SHG berichten die Eltern von sehr unterschiedlichen Erfahrungen, was die weiterführenden Schulen betrifft: da kannst du keine allgemein gültigen Tipps bekommen. Wie überall, gibt es auch an Gymnasien die unterschiedlichsten Lehrkräfte und dementsprechend unterschiedliche Einstellungen zu ads.

Also, wenn dein Kind extrem auffällig ist würde ich vorher mit dem KL reden.
Wenn dein Kind eher unauffällig ist, dann warte die ersten Wochen ab und bitte dann um einen Gesprächstermin.

Das Risiko vorher zu stigmatisieren hast du natürlich und da weiss man nicht, auf welche Lehrer du triffst. Eventuell ist es deshalb besser, dem Lehrer und deinem Kind etwas Zeit zu lassen, sich kennen zu lernen, so, dass der Lehrer bereits gemerkt hat, dass dein Kind kein reines "Problemkind" ist. Dann wird vielleicht das Gespräch schon positiver.

Soweit meine Meinung. Frag doch mal die Grundschulkräfte, wie sie das so einschätzen und frag mal dein Kind.

Alles Gute
Susanne

von susanne niedersachsen - am 29.12.2002 13:27
Hallo Ute,

mein Sohn hat im September aufs Gymnasium gewechselt.

Er wollte umbedingt dorthin (alle Freunde gingen dorthin) und seine Noten haben gepasst. Seit er Ritalin bekommt kann er einigermaßen gleichmäßige Ergebnisse im Unterricht erzielen, ist nicht mehr gar so unruhig und sein Verhalten ist besser (wenn auch nicht gut...).

Mit einem etwas mulmigem Gefühl nahm ich nach 2 Wochen Aufenthalt den Telefonhörer zur Hand um mit seinem Klasslehrer zu sprechen. Eigendlich wollte ich ja schon gleich ganz zu Beginn mit ihm über Max`s ADSH sprechen - aber... Nun gut - dadurch dass seine Klasse gleich zu Beginn ins Schullandheim gefahren ist musste das erste Gespräch telefonisch stattfinden, denn ich wollte ihm kein Ritalin mitgeben für die 3 Tage - und das wollte ich mit seinem Klasslehrer absprechen... Oh welche Erleichterung: nach 14 Tagen war fast noch nichts auffällig geworden, kaum Beschwerden .... puh! Auch die 3 Tage ohne Ritalin im Schullandheit gingen ohne Probleme vorüber.

Bei der ersten regulären Sprechstunde war sein Klasslehrer sehr interessiert, auf was er denn achten solle und wie er unterstützend eingreifen kann usw.

Dann kam ein Telefonanruf seiner Erdkundelehrerin, die mich um ein Gespräch bat.... oje....
Letztendlich war es aber mehr seine Heftführung und die daraus resultierenden schlechten Noten in Ex und Mitarbeit, die dieses Gespräch notwendig machten... Auch sie hat wegen ADS nachgefragt, wollte mehr wissen und hat Unterstützung und Rücksicht angekündigt.

Dann großer erster Elternsprechtag: Bis auf eine Lehrkraft konnte ich an diesem Abend alle Lehrer ansprechen. ALLE reagierten verständnissvoll und signalisierten ihre Bereitschaft zur unterstützenden Förderung u. ä.

Sicher wurden auch Probleme deutlich - aber generell möchte ich sagen, dass ein klärendes Gespräch bei uns bisher auf interessierte Ohren seitens der Lehrerschaft gestossen ist. Nach der Grundschulzeit wird eine gute Information aller Lehrer zwar schwieriger, da nicht mehr ein Klassenlehrer für den Großteil der Fächer zuständig ist. Aber die Zeit die man investiert rentierte sich, zumindest bei uns, durchgehend.

Nun liegt es sicher sehr an den Auffälligkeiten des Kindes, ob man mit ADS "hausieren" gehen sollte, oder erst bei auftretenden Problemen ein klärendes Gespräch führt.... Da bei meinem Sohn das Verhalten trotz Medikament noch auffällig bleibt, war es einfach notwendig diese Gespäche bald möglichst zu führen, um keine ablehnende Grundhaltung der Lehrkräfte entstehen zu lassen. Deshalb hab ich auch bei der Anmeldung bereits ein Attest vom Kinderpsychologen zu den Schulakten legen lassen.

Es sind zwar einige Eltern der Meinung, dass dieses "an die Glocke hängen" des ADS` eine Stigmatisierung und Vorurteilsbildung bewirkt - dies kann ich aber aus eigener Erfahrung bisher verneinen. Allerdings KANN es auch vorkommen, leider....

MfG


Cat

P. S.: Mein Sohn fühlt sich das erste Mal seit Beginn seiner Schulpflicht in der Schule wohl, ihm ist nicht mehr langweilig und er ist glücklich darüber am Gymnasium zu sein. Obwohl er die ersten Exen mit 5en und 6en nach Hause brachte ist er voller Motivation.... Da ihm bisher der Unterrichtsstoff zugeflogen ist muss er halt das Lernen erst lernen. Bei den angesagten Schulaufgaben war da auch schon ein Erfolg erkennbar....

von Cat1964 - am 31.12.2002 01:37
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