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ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
13
Erster Beitrag:
vor 15 Jahren, 4 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 15 Jahren, 4 Monaten
Beteiligte Autoren:
OF-line, Solvi, Beate Mahr, JürgenR, Andrea Neij, Cat1964

Tom Hartmann

Startbeitrag von Solvi am 02.01.2003 21:45

Hallo;
ich habe mir einen Vortrag von Tom Hartmann (Eine andere Art die Welt zu sehen) auf Video angesehen und weiß nicht so recht, was ich davon halten soll. Seine Jäger und Bauern - Theorie finde ich zwar sehr spannend, auch seine Ausführungen überhaupt, aber es verunsichert auch im Hinblick auf die Gabe von Medikamenten. Er vertritt ja die Auffassung, dass man mit Ritalin das Gehirn eines ADHSler (Jäger) für einige Stunden zu dem Gehirn eines Bauern macht. Was haltet ihr von seiner Theorie?
Gruß Solvi

Antworten:

Hallo Solvi,

ich bin mir Hartmanns Gedanken nur durch ein paar Zitate der Boards vertraut, aber...

Seine Theorie von Bauern und Jäger, die ist mir näher und wahrscheinlicher als ADS als Krankheit oder Anomalie des Gehirns zu sehen. Dabei zweifle ich nicht an den wissenschaftlichen Ergebnissen der Hirnforschen, dass dabei die Transmitter beteiligt sind...

Nun zu Deiner Frage bezüglich der Medikamente.

Wir leben in einem "Bauernstaat" - er ist von Bauern gegründet, auf Bauern zugeschnitten (wobei das Wort Bauern synonym für Nicht-ADS`ler steht). Und nun haben die Jäger ein Problem.... entweder sie lassen sich ummodeln - das verträgt aber nicht jedes ICH, lebenslang anders zu leben als veranlagt und entwickelt möglicherweise "Folgeschäden" (Komorbiditäten); oder man setzt die "Mutation" ein - und wird für Stunden zum Bauern.... um sich besser anzupassen, besser die Regeln der Bauern zu verstehen, zu lernen - und dann zurück im Jägerdasein diese umzusetzen...; oder (und das wäre das optimale) der Jäger findet die Schlupflöcher im Bauernstaat, durch die er schlüpfen kann und nach seiner Art glücklich wird; d. h. er kann seine Talente und Veranlagungen an mindestens einer Stelle so einsetzen, dass ihm die restliche Anpassung ohne "zerstörende" Nachwirkung leichter fällt...

Aber ich glaub, ich muss erst mal Hartmann lesen.... Die Gedanken waren nämlich meine eigenen, schon lange bevor ich etwas von Hartmanns Bauern-Jäger-Theorie kannte...

MfG


Cat (und Katzen sind Jäger ;-) )

von Cat1964 - am 02.01.2003 23:54
Hi Solvi,

wieso kommen dir da Zweifel in Sachen Medizin? Tom Hartmann spricht sich - soweit ich mich erinnern kann - nicht gegen Ritalin und Co. aus, sondern sieht das lediglich etwas kritischer als viele andere Experten.

Die Zusammenfassung seiner Meinung in dem Satz:

"Er vertritt ja die Auffassung, dass man mit Ritalin das Gehirn eines ADHSler (Jäger) für einige Stunden zu dem Gehirn eines Bauern macht."

ist zwar zutreffend, zugleich aber auch etwas irreführend, da er es so negativ angehaucht nicht meint (zumindest habe ich das so verstanden).

Ausgehend vor der These, dass auch die Jägerkinder über außergewöhnliche Begabungen und Fähigkeiten verfügen (was wohl keiner von uns bestreiten würde) fordert er, dass nicht die Jägerkinder an die Bauernumwelt angepasst werden (egal ob über Medikamente oder Therapie), sondern dass in der Bauerwelt Platz für die Jäger geschaffen wird, die es nicht aus eigener Kraft schaffen, ihre besonderen Begabungen einzusetzen.

Also genau das, was wir Alle wollen, von dem wir aber auch wissen, dass es zumindest mittelfristig illusorisch ist. Und schon sind wir wieder bei den Medikamenten und Therapien als alternative zur Anpassung der Umwelt.

Die Katze hat sich in den Schwanz gebissen.

Ist lang her, dass ich was von Hartmann gelesen habe, hoffe aber dass ich jetzt keinen Blödsinn über seine Theorien erzählt habe. Leider habe ich die Links nicht wiedergefunden, meine aber, dass auf hypies.de was dazu steht.

Gruß
Jürgen

von JürgenR - am 03.01.2003 06:55
Hallo;
danke für Eure Antworten.
wenn man mal davon ausgeht, dass seine Theorie richtig ist, ist es bitter und traurig, dass mann Kinderhirne anpassen muss, damit sie in unserer Gesellschaft funktionieren. Auf der anderen Seite stehen ja die eindeutigen Studien bezüglich einer Hirnstoffwechselstörung, was ich auch nicht bestreite. Nur bleibt die vielleicht naive Frage, ob diese Hirnstoffwechselstörung so sein soll, das ADHSler Hirn ebenso gerade so funktionieren soll. Interessant fand ich auch seine Ausführungen zu seinen Besuchen bei verschiedenen Indianerstämmen auf der Welt, wo bei sogenannten Jägerstämmen 50 -70% aller Kinder als ADHSler diagnostiziert werden können.
Hartmanns Sohn hat selber Ritalin genommen, jedoch nur bis er auf eine alternative Schule gegangen ist. Dort waren Medikamente verboten. Heute studiert sein Sohn (vielleicht auch schon fertig studiert) Physik. Ich habe bisher nur den Vortrag auf Video gesehen. Zwei Bücher von ihm habe ich mir gerade bestellt.
Herzlichst Solvi

von Solvi - am 04.01.2003 12:31
Ist ja alles gut und schön. Aber ich finde, Leute wie Hartman übersehen, dass es Kinder/Leute gibt, die so schweres ADS haben, dass es ein echtes Problem ist.

Es ist ja schön, die positiven Seiten zu sehen. Aber das ist einfacher, wenn man nur leichte bis mittelschwere Schwierigkeiten hat. Ich bin auch auf viele Erwachsene gestossen, die das so ähnlich sehen, und das ist positiv, wenn man die positiven Seiten hervorhebt und betont, dass es Leute mit ADS gibt, die ein ziemlich normales Leben führen können, und dass man mit den positiven Seiten viel ausrichten kann, vielleicht mehr als andere, z.B. im Beruf.

Aber man darf nicht blind dafür sein, dass das nicht für alle gleich gut klappt.



von Andrea Neij - am 04.01.2003 16:16
hätt ich doch mal meinen lieblingsberuf indianer ernsthafter anstreben sollen....

tschüssi
renate



von OF-line - am 05.01.2003 02:17

Indianer

Hallo Renate,

Du auch? Indianer - das war immer mein Wunschtraum. Aussteigen, und bei einem traditionell-lebenden Indianerstamm neu anfangen.



von Andrea Neij - am 05.01.2003 10:33

oder eskimo

nachdem im stern letztens da ein artikel drüber war und ich die bilder gesehen habe ... die sammeln auch alles, "was man ja vielleicht irgendwann noch brauchen könnte", da würde ich gar nicht auffallen ;-)

wenn es in alaska nur nicht so kalt wäre ...

tschüssi
renate



von OF-line - am 05.01.2003 13:44

Auch diese Hoffnung stirbt

Hi Renate,

hab kürzlich in einen Fernsehbericht über den Baikalsee hineingeschaut. Da wurde ein Eskimo interwiet, der sagt, die Kultur gibt es faktisch nicht mehr. Hier erfolgte bereits eine volle Anpassung. Also bleib lieber in wärmeren Geflilden. Obwohl hier z.Zt. arktische Temperaturen herrschen.

Gruß
Jürgen

von JürgenR - am 06.01.2003 06:26

Re: Auch diese Hoffnung stirbt

Hallo

so irgend wie hab ich das hier überlesen :-(

Aber jetzt kann ich mir das lachen nicht verkneifen ...

Weiß ich doch jetzt WARUM ich ** Bäuerin ** bin ...
und das mit Leib und Seele

Gruß
Beate

von Beate Mahr - am 06.01.2003 08:18

Re: Auch diese Hoffnung stirbt

'llöle beate,

tjaaaa, wenn ich früher gefragt wurde: was willst du denn mal werden? war meine antwort jedesmal: bauer! (dass ich meinen 1. traum"beruf" indianer besser nicht nenne war mir halt schon klar).

hmmm, indianer oder bauer, wie passt das eigentlich zusammen?

tschüssi
renate



von OF-line - am 06.01.2003 12:37

Re: Auch diese Hoffnung stirbt

Hallo Renate

dazu kann ich nur sagen

es lebe die Freiheit

Wobei DIE uns Landwirten ganz schön abhanden kommt ;-)
bei dem vielen Bürokram !!!

Gruß
Beate

von Beate Mahr - am 06.01.2003 13:00

Re: Auch diese Hoffnung stirbt

Hallo;
wenn ich über die Siutationen in den Reservaten nachdenkt, wird man schon traurig, besonders die hohen Alkoholikerraten. Da fragt man sich schon, warum die Indianer in vielen Reservaten mit deutlich geringeren Bildungsabschlüssen und soviel Alkoholmissbrauch leben. Der Verlust der eigenen Kultur und angestammten Lebensgewohnheiten ist sicher ein Grund.
Solvi

von Solvi - am 06.01.2003 13:35
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