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ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
11
Erster Beitrag:
vor 14 Jahren, 9 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 14 Jahren, 9 Monaten
Beteiligte Autoren:
Petra F., ClaudiaW, Martin Winkler, Ina*, Dorothee, Traurige Mama, sueesse, Beate Mahr

Antwort von hr-online: service Gesundheit

Startbeitrag von ClaudiaW am 02.07.2003 10:40

Hallo

ich habe soeben eine Antwort vom HR auf mein Schreiben bekommen. Ich stelle es einfach mal rein.

Viele Grüße

Claudia

From: Ulrike Zimmermann
Date: Wednesday, July 02, 2003 12:25:40
To:
Subject: Antw: ADHS - das Aufmerksamkeitsdefizit Syndrom: die neueZivilisationskrankheit?

Sehr geehrte Frau Westphal,

Vielen Dank für Ihre email, in der Sie auf den Programmhinweis der Sendung service: gesundheit zum Thema AD(H)S Bezug nehmen.
Zunächst möchte ich Ihnen mitteilen, dass wir das Thema Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom sehr ernst nehmen. Service: Gesundheit bemüht sich stets um eine fundierte, ausgewogene Berichterstattung. Vorurteile zu bekräftigen ist nicht unser Arbeitsstil. Das ist uns auch bei dieser Sendung ein Anliegen gewesen. Wir haben für diese Sendung lange und umfassend recherchiert. Wir haben mit betroffenen Kindern, deren Eltern, betroffenen Erwachsenen, Medizinern und Therapeuten zusammengearbeitet, um uns ein weitreichendes Bild zu machen, und um auf keinen Fall journalistisch einseitig zu sein. Noch immer ist AD(H)S in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt bzw. nicht akzeptiert. Die Redaktion service: gesundheit möchte mit der morgigen Sendung dazu beitragen, dass sich das ändert. Um möglichst viele Zuschauer zu erreichen und für dieses Thema zu interessieren, auch wenn sie nicht selbst betroffen sind, haben wir den von Ihnen kritisierten Programmhinweis so provokant verfaßt. Wir können allerdings verstehen, dass Sie als Betroffene, und damit auch sehr gut Informierte, durch Programmhinweise wie diese nicht adäquat vertreten fühlen.

Wir sind uns aber sicher, dass Sie mit der Sendung Morgen inhaltlich einverstanden sein können. Wir haben uns bemüht, Ihre Interessen zu vertreten. In der Sendung zu Gast sind Herr Prof. Trott aus Aschaffenburg und Frau Dr. Hammer aus Wiesbaden. Beide haben der Redaktion eine kompetente und gleichzeitig sehr gefühlvolle Arbeit bescheinigt.

Mit freundlichen Grüßen,

Susanne Herbert
Service: Gesundheit


Ulrike L. Zimmermann
Redaktion Wissenschaft Technik und Medizin
Wilhelmshöher Allee 347
34113 Kassel

Telefon: 0561-3104-101

Antworten:

Hallo

also wenn ich Prof. Trott lese..... dann naja, ich habe von einer Mutti mit ADSH-Kind absolut nichts Gutes über den Mann gehört. Theorie ist bei ihm sicher das Eine aber die Praxis wohl ein ganz anderes Blatt......

lg
sueesse

von sueesse - am 02.07.2003 10:46
Hallo

ich hab die gleiche Mail bekommen ...

Fehlt nur noch Martin ... und die anderen ...

Frau Hammer ist SUPER ... zu Trott enthalte ich mich besser ...

Also warten wir ab was morgen kommt ...

Falls der Bericht einen schahlen Beigeschmack haben sollte ...
ist wieder eine Mail fällig ... da kenn ich nichts

Gruß
Beate

von Beate Mahr - am 02.07.2003 10:54
Ich habe wortwörtlich die gleiche Mail erhalten. Die Redaktion scheint zwar bemüht, aber wohl ziemlich gedankenlos zu sein.
Lassen wir uns überraschen, was sie denn jetzt senden bzw. wie sie die Internetinformationen überarbeiten.

von Martin Winkler - am 02.07.2003 11:20

Noch eine Antwort an service Gesundheit

Hallo nochmal,

ich musste einfach nochmal antworten. Ich weiß sowieso nicht, ob ich hier in nrw die Sendung morgen sehen kann. Mal sehen, ob ich noch eine reaktion bekomme.

Hier mein Text:

Sehr geehrte Frau Zimmermann,

vielen Dank für Ihre schnelle Antwort.

Auch wenn die Sendung erst morgen läuft, möchte ich schon heute etwas dazu sagen.

Was macht Sie so sicher, dass Sie mit derart provokanten Falschaussagen mehr Zuschauer erreichen werden?

Das Problem ist doch folgendes: Diejenigen, die wie wir tagtäglich mit der Thematik befasst sind, werden uns das ansehen, Bekanntes wiederfinden und uns nur noch Gedanken über die Art der Reportage machen. Gut? Schlecht? Naja?

Bei den übrigen gibt es dann diejenigen, die den Artikel lesen und etwa so reagieren:

Ach guck mal, da gibts wieder mal ne Sendung über die Kinder, die von ihren Eltern mit Drogen vollgestopft werden. Das ist ja jetzt so'n neumodischer Kram aus USA. Früher hätt's das ja nicht gegeben. Da gabs eben einfach was hinter die Ohren und der Fall war erledigt. Die Eltern heute erziehen ihre Kinder sowieso nicht richtig. Früher war das eben doch alles besser. Da gabs noch Ordnung. Komm, lass uns das gar nicht erst gucken, betrifft uns sowieso nicht. Was gibt's denn auf dem anderen Kanal?

Ein weiterer Teil möchte sich die Sendung vielleicht ansehen, hat aber keine Zeit dazu. Jetzt muss man nur mal einen geschulten Werbefachmann fragen, was denn von der message der Ankündigung bei der Fülle von sonstigen Informationen übrig bleibt. Dazu gibt es einschlägige Studien. Was bleibt hängen?

* Dreijährige werden mit Aufputschmitteln vollgestopft.
* Ursachen liegen im familiären Umfeld
* Pharmaindustrie boomt
* Eltern sind überfordert und greifen zur Pille
* Eine Generation von Neurotikern Hektikern und Nervensägen wächst heran.

Das bleibt haften! Keine Chance auf Richtigstellung, denn die Sendung wurde ja nicht gesehen. Und wenn wir Pech haben, dann sitzt uns beim nächsten Elternsprechtag vielleicht ein Lehrer gegenüber, der genau zu dieser Gruppe gehört und sich in seinen Vorurteilen voll bestätigt sieht. Oder wir haben es vielleicht mit einem Elternteil zu tun, dessen Kinder "immer lieb" sind und wo so etwas niemals passieren würde?

Was ist mit denjenigen, die die Provokation nicht verstehen und das für bare Münze nehmen, was im Text steht - und zwar trotz anschließender Aufklärung?

Kurzum, das sind nur 3 Möglichkeiten von vielen.

Als meinungsbildende Fernsehanstalt tragen Sie Verantwortung für das, was Sie veröffentlichen. Auch, wenn es nur ein "provozierender Vorankündigungstext" ist. Sie müssen sich darüber im Klaren sein, dass Sie mit solchen Artikeln einen riesigen Schaden anrichten. Leider lässt sich dieser nicht in Euro umrechnen, denn sonst könnte man ihn einklagen.

Wenn Ihnen wirklich an einer aufklärenden sachlichen Dokumentation gelegen ist, warum unterstreichen Sie das dann nicht mit einer entsprechend verfassten Vorankündigung? Warum dann diese Polemik und vor allem warum dann diese offensichtlichen Falschaussagen, die uns Eltern und unseren Kindern nur noch mehr Probleme bereiten?

Fragen über Fragen....

Und bei Beschwerden gibt's dann in einem schulterklopfenden "Ich-versteh-dich-doch-Ton" eine einheitliche Antwortmail für alle.

Komisch, dass wir das vorher schon wussten.

Mit freundlichen Grüßen

Claudia Westphal

von ClaudiaW - am 02.07.2003 12:48

Re: Noch eine Antwort an service Gesundheit

Suuuuper, Claudia. das wäre genau das gewesen, was ichauch geschrieben hätte (nur nicht so hübsch). Ich hab noch keine Antwort, aber meine Mail war wohl zu lang und zu zornig (habe tatsächlich geschrieben "Ihre Ankündigung macht mich zornig, weil-......"

Gruß
Petra

von Petra F. - am 02.07.2003 13:01

Re: Ich bin sehr unglücklich, denkt Ihr auch an die Eltern ?

Hallo liebe Forumsteilnehmer,

ich bin schon längere Zeit ein Mitglied dieses Forum und schreibe diesen Beitrag
(nur diesen) unter einem anderen User-Namen (da Redaktion des HR und Rechtsanwälte (die im Moment hier mitlesen) sonst meinen wahren Usernamen kennen würden).

Es stimmt mich sehr traurig wie sehr Ihr den morgigen Beitrag in der Luft zerreisst. Sicherlich war der Text auf der hr-Seite mehr wie unglücklich und hat auch mich erst einmal in Schrecken versetzt. Die Worte klingen so provokant und uninformiert, so dass auch ich glauben würde das es sich dort um einen schlecht recherchierten Beitrag handelt.

Dem ist hoffentlich nicht so. Ich habe einige der Recherchen live mitbekommen, um es anders zu sagen das hr-Team war bei uns zuhause und hat gefilmt. Meines Wissens sind auch nur wir, eine mir bekannte Familie aus dem Elterntraining und ein bek. Arzt aus der Uni Frankfurt gefilmt worden.

Wie ich schon oben gesagt habe, waren auch wir zutiefst geschockt über den Pressebericht. Wir haben noch in den gestrigen Abendstunden das Redaktionsteam und einen Fachanwalt für Medienrecht kontaktiert. Der heutige Tag lief nur noch per Telefon zwischen HR Rechtsabteilung, Fachanwalt für Medienrecht (wegen einer eventuellen einstweiligen Verfügung) und den Ärzten der Uni Ffm ab. Wir sind übereingekommen das wir den morgigen Beitrag abwarten und dann im Notfall eine Gegendarstellung einklagen.

Ich möchte Euch bitten, fahrt Eure Emotionen etwas runter. Ich habe es auch tun müssen und mir ist es mit Sicherheit schwerer gefallen wie Euch (da selbst betroffen).

Wenn Ihr Euch im Vorfeld so aufregt, könnt Ihr den Beitrag morgen überhaupt noch von der neutralen Seite betrachten ?

Denkt einfach an die Eltern und die Kinder die im Beitrag gezeigt werden und glaubt uns das es auf keinen Fall in unserem Interesse liegt falsche Infos zu übermitteln.

Ich hoffe Ihr versteht mich !

mit freundlichen Grüßen
eine traurige Mama

von Traurige Mama - am 02.07.2003 15:58
Hallo,
Auch ich hatte an den HR eine Mail geschickt und habe wortwörtlich die gleiche Antwort erhalten.
Übrigens, wer es morgen nicht sehen kann, das Ganze läuft am Freitagnachmittag 15.00 nochmal.
Liebe Grüße Dorothee

von Dorothee - am 02.07.2003 16:14
Schade , das wir hier im tiefsten Westfalen den HR nicht bekommen .Sch..... Kabel !!

Diese Sendung hätte mich doch sehr interessiert !!

Vielleicht hab ich ja glück , und sie wiederholen es mal auf einem Sender den wir hier auch bekommen .


LG von Ina

von Ina* - am 02.07.2003 16:27

Re: Ich bin sehr unglücklich, denkt Ihr auch an die Eltern ?

Liebe unbekannt,

tut mir leid, wenn du jetzt traurig bist, wenn du dir den Schuh anziehst, der nicht für dich gedacht war! Natürlich denken wir auch an die Eltern, und zwar an alle Betroffenen und deren Umfeld! Aber ich persönlich sehe nicht ein, warum ich meine Emotionen (wohlgemerkt nicht Dir, sondern dem Texter der Ankündigung gegenüber) herunterfahren soll, denn Aussagen wie diese


"Schon Dreijährige werden heute mit der Aufmerksamkeitspille vollgepumpt, weil sie zu aktiv und scheinbar unkonzentriert sind. Die Eltern sind genervt und mit den Sprösslingen überfordert, die Hilfe der Ärzte nehmen sie gerne in Anspruch, und die Pharmaindustrie boomt -Novartis, Lilly, Celltech Pharma und andere haben den Bedarf erkannt und produzieren wie die Weltmeister Methylphenidat. Ein Milliardenmarkt ist nach amerikanischem Vorbild entstanden. "

sind doch genau auf Emotionen abgezielt, oder nicht?
Auch ein gut recherchierter Bericht kann doch durch ein paar sprachliche Entgleisungen wie diese genau das Gegenteil dessen bewirken, was wohlmeinende Leute eigentlich erreichen wollten.
Da werden die "Argumente" aus unseriösen Ecken fröhlich via Redaktionen öffentlicher und privater Sender weiterverbreitet, so daß es beim Zuschauer wie gleichwertig zu einer Expertenmeinung ankommt, aber das ist ja die Ausgewogenheit des Journalisten! Ich bin sauer über so was, und ich finde, die Redaktion darf das gerne wissen!
Vielleicht sind sie ja wirklich versehentlich in diesen elenden Jargon über die Geschäftemacherei und das Vollpumpen der Kinder verfallen, mag sein, und wäre nicht das erste Mal, daß so was passiert-, vielleicht wissen sie ja wirklich nicht, was alles noch so hinter den engagiertesten der Ritalin-Kritiker steckt. Vielleicht glauben sie tatsächlich an die Falschinformationen, die über das Ritalin und über ADHS ausgestreut werden. Nun gut, in dem Fall können sie doch froh sein, wenn sie aus Betroffenenkreisen so hilfreiche Hinweise bekommen, oder nicht?

Nochmal, es tut mir wirklich leid, daß Dir unsere Aufregung nun persönlich wehtut. Aber ich habe einfach keine Geduld mehr mit immer demselben Quark, in jeder Zeitung, in jedem Fernsehsender. Immer, wenn eine Redaktion -durch mühseliges Briefeschreiben der engagierten Eltern- bemerkt, aus welcher Richtung der Anti-Ritalin- Wind weht, kriegen sie einen Schreck und schweigen das Thema tot. Der Schaden ist aber dann angerichtet, und die Betroffenen dürfen es ausbaden. Warum also soll der hr nicht schon vor der Ausstrahlung der Sendung wissen, was viele Betroffene tatsächlich von so einer Wortwahl denken?

Übrigens gibt es auch Leute, die über das Insulin so denken wie wir das übers Ritalin so hören. Das geht so weit, daß vorgeschlagen wird, den Diabetiker lieber sterben zu lassen, als ihm das böse Insulin der geschäftemachenden Pharmaindustrie zu verabreichen; zumal der Tod beim Diabetes "natürlich" ist und ausserdem auf diese Art vermieden wird, daß er seine schlechten Gene weitervererbt. Solche Meinungen werden in den Medien als das behandelt, was sie sind: obskure Außenseitermeinungen. Ich habe es bisher nirgends erlebt, daß ein Sender einen Vertreter solcher Theorien gleichwertig mit einem Diabetologen behandelt hätte, schon gar nicht einen Bericht darüber in der Weise angekündigt "Hunderttausende diabetischer Kinder werden mit Insulin vollgepumpt, Nordisk und Lilly produzieren wie die Weltmeister. Ein Millionengeschäft......".


Ich verstehe deine Unruhe. Hoffentlich verstehst du meine auch :)

und hoffentlich ist der Beitrag besser als die Ankündigung!!! ich glaub, ich krieg den Sender gar nicht rein. Bin gespannt auf Eure Berichte.

Und noch was: ich wär an deiner Stelle genau so traurig. Es kostet ja eine Menge Mut, Energie und Zeit, an so einer Sendung als Betroffener mitzuwirken. Und dann ist die Sendung nicht mal gelaufen, und dennoch ist das Gezeter groß.....da wär ich fertig, ganz sicher. Aber versuch es als das zu sehen, was es ist: so früh wie möglich so viel wie möglich deutlich zu machen, in der Hoffnung, vielleicht doch noch ein Abgleiten auf das "übliche Niveau" in den Medien zu verhindern.

Wenn die Sendung besser ist als befürchtet: wunderbar! Dann müssen sie sich nur noch Gedanken machen, wie sie beim nächsten Mal die Ankündigungen etwas sachlicher gestalten, und alles ist in Butter.....

Gruß
Petra F.

von Petra F. - am 02.07.2003 16:48
Natürlich habe ich grossen Respekt vor jedem, der sich mit dieser Journalisten-"Meute" einlässt.

Aber ehrlich gesagt, finde ich es eine Unverschämtheit von der Redaktion, dass sie bis jetzt noch nicht die Ankündigung im Internet korrigiert hat.

Das ist ja fast wie bei dem Eklat im Europarat von dem lieben EU-Ratsvorsitzenden, der mal eben einen Politiker als KZ-Aufseher bezeichnet. Sei nur Ironie.

Auch Fernseh- oder Internetredaktionen dürfen nicht eine Provokation in dieser Art machen, die die Gefühle von Betroffenen verletzen.

Es wäre nur richtig, wenn die verantwortliche Redakteurin, das beim Intendanten mal genauer erklären dürfte....

von Martin Winkler - am 02.07.2003 18:59
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