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Informationen zum Thema:
Forum:
ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
6
Erster Beitrag:
vor 15 Jahren, 1 Monat
Letzter Beitrag:
vor 15 Jahren, 1 Monat
Beteiligte Autoren:
FrankR, Angelika (TanteGela), Sonja Bellmann, DagmarE.

Wer hätte das gedacht ?

Startbeitrag von FrankR am 03.07.2003 17:41

Hallo Ihrs,

heute kann ich auch mal mit einer Erfolgsmeldung aufwarten:

Meine Tochter hat es doch tatsächlich geschafft, versetzt zu werden! Damit war eigentlich nicht mehr zu rechnen, nachdem noch das Halbjahreszeugnis von einem blauen Brief der Schule flankiert wurde, wonach eine Versetzung "ausgeschlossen" erschien. Und das hätte das zweite Sitzenbleiben in Folge bedeutet (eigentlich das dritte.... aber beim ersten Mal hatte sie es noch mit einer Nachprüfung geschafft). Und dann hätte sie das Gymnasium verlassen müssen. Wäre ja auch kein Weltuntergang gewesen, denn das Lebensglück hängt ja nicht allein von der Qualität des Schulabschlusses ab (eher schon die Berufschancen...), aber man hätte es doch grundsätzlich lieber so laufen, wie es nun mal angeleiert war und der Intelligenz entspricht (noch in den ersten drei Grundschuljahren hatte sie mit links nur 1en und 2en...).

Ihr Zeugnis ist für sich genommen nun zwar nicht das Gelbe vom Ei, aber sie hat (letztlich auch mit nur minimalem Aufwand) eine immense relative Steigerung hingelegt, denn von einer 6, fünf 5en und der Rest 4en im letzten Schuljahr ist sie jetzt auf null 6en, null 5en, drei 3en und der Rest 4en gekommen! Und das läßt doch hoffen ?...

Das ganze übrigens ohne Medis, die sie bis vor 3 Wochen einfach beharrlich verweigert hatte: "Ich lasse mir doch nicht den Verstand ausknipsen !!!" Damit keine Mißverständnisse aufkommen: von uns hat sie dieses "Argument" nun bestimmt nicht, aber sie hat es mit Sicherheit auch nicht anderswo aufgeschnappt, denn sie hat ebenso beharrlich die Aufnahme irgendwelcher näherer Informationen über ADS verweigert. Es war einfach ihre selbstgefundene Schlußfolgerung daraus, daß das Medikament eben auf ihr Verhalten einwirken sollte, sie sah darin die Aufgabe ihrer unantastbaren Selbstbestimmtheit....Und eine Diskussion darüber ließ sie einfach nicht zu, notfalls hielt sie sich einfach die Ohren zu .

Jetzt erst nimmt sie ohne täglichen (bis vor kurzem fast immer erfolglosen) Kampf ihre Concerta freiwillig (zZt 54 mg) , nachdem der behandelnde Arzt ihr das offenbar dadurch schmackhaft machen konnte, daß er ihr Vorteile bei der Ausübung ihres geliebten Pferdesports in Aussicht stellte. Nun ist sie seit der regelmäßigen Einnahme tatsächlich ungewohnt milde und - von Ausnahmen abgesehen - erheblich freundlicher und einsichtiger geworden.

Ob das nur an den Medis liegt, kann ich aber noch nicht sicher genug beurteilen, denn praktisch zur selben Zeit hat sie riesige Erfolgserlebnisse in einer Theatergruppe erlebt, was sie sichtlich euphorisert und ihr Selbstwertgefühl spürbar aufgemöbelt hat.

Eine positive Einschätzung der Medikation ist ihr allerdings nach wie vor nicht zu entlocken. Sie behauptet unverändert, daß die Einnahme "nichts bringt", sie spüre überhaupt keine Wirkung. Nun ja.

Hoffentlich ist das nun alles der Anfang zu einer Entspannung der Lage, denn der Arzt - morgen haben wir dort wieder einen Termin - hat unverhohlen angedeutet, daß nur eine räumliche Trennung noch Hilfe verspricht, wenn die Dinge nun nicht bald auf "normalem" therapeutischem Wege ins Lot kommen....Jaja, in einem guten Jahr wird sie volljährig........

Liebe Grüße an alle

Frank

Antworten:


Mensch Frank ,

ob du wohl doch noch ein Abendbrot bekommst ?

Die Geschichte mit dem Bonbon-Papier ist mir noch in Erinnerung ,.....

Gruß Sonscha

von Sonja Bellmann - am 03.07.2003 20:43
Hallo Frank,

das ist ja interessant- ich dachte schon, dass wir auch in Bezug
auf Medikation mal wieder aus dem Rahmen fallen, denn auch
mein Sohn (11J.) will Concerta nicht nehmen.
Auch er behauptet, dass er keinerlei Veränderung spürt, während ich sie deutlich sehen kann und er weigert sich ebenfalls, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.
Spürt er keine Veränderung, weil er sie nicht spüren will oder ist
ihm die veränderte Wahrnehmung irgendwie suspekt?
Mir kommt es so vor.
Da aber auch die Nebenwirkungen sehr stark sind (worauf er mich neuerdings gern hinweist), weiss ich im Moment nicht so recht, wie es weitergeht.
Dein Posting lässt mich zumindest hoffen, dass es auch ohne
Concerta gehen kann, wenn auch sicher nicht ohne Schwierigkeiten (für alle Beteiligten).
Euch beiden alles Gute

Dagmar

von DagmarE. - am 03.07.2003 21:40
Hallo Dagmar,

Zitat:
"Dein Posting lässt mich zumindest hoffen, dass es auch ohne
Concerta gehen kann, wenn auch sicher nicht ohne Schwierigkeiten (für alle Beteiligten)."

Vielleicht habe ich da etwas überbewertet und muß es ein bißchen geraderücken bzw. präzisieren:
Ehrlich gesagt ging es bei uns ohne Medis eigentlich NICHT. Ob es mit Medis künftig dauerhaft besser gehen wird, müssen wir erst mal abwarten. Wenigstens ist ein Silberstreif am Horizont zZt erkennbar.

Wie ich schon schrieb, steht leider die Frage einer räumlichen Trennung konkret zur Diskussion. Daraus magst Du ersehen, wie ernst die Lage eigentlich ist (war? *hoff*). Denn es gibt ja nicht nur das Schulproblem. Und die mehr schlechte als rechte Abwendung der akuten schulischen Bedrohung würde für sich allein genommen unsere familiäre Gesamtsituation nicht zu einer erträglichen machen.

Wahr bleibt schon, daß Töchti eine schulische Verbesserung nun auch ohne Medis geschafft hat, aber sie ist ja mit den genannten Noten im landläufigen Sinne immer noch eine "schlechte" Schülerin, obwohl sie sicher, wenn sie zu konzentrierter und kontinuierlicher Arbeit in der Lage wäre, auch eine wirklich gute Schülerin sein könnte. Und die Verbesserung ist leider nicht auf eine insgesamt verbesserte Arbeitshaltung (bzw. Arbeitsfähigkeit) zurückzuführen, sondern auf punktuelle kurzfristige Einzelvorbereitung vor entscheidenden Klassenarbeiten, ansonsten blieb es bei dem üblichen Ausklinken. Sie hat sich aus rein taktischen Gründen gezwungen, gezielt nur das Allernotwendigste zu tun, um gerade eben noch durchzurutschen. DAZU - und zu mehr nicht - hat es auch ohne Medis gereicht, ja. Immerhin. Denn zum ersten Mal war es ihr nicht völlig sch...egal, ob sie versetzt wird - die Fortsetzung der Theater-AG war ihr äußerst wichtig.

Ich hoffe, daß ich Dich mit diesen Ausführungen nicht zu sehr entmutige. Aber Schönreden hilft nicht weiter. Man muß den Realitäten ins Auge sehen. Und die Realität dürfte nun mal bei ADS sein, daß jedenfalls in schweren Fällen ohne MPH & Co. nicht auszukommen ist.

Ich wünsche Dir viel Glück!

LG Frank

von FrankR - am 04.07.2003 09:40
Hallo Frank!

Klasse, dass Deine Tochter aus eigenem Antrieb heraus die Kurve noch grade genommen hat.
Eigentlich sind es doch "nur" diese Erfolgserlebnisse, die die Kinder und uns weiterbringen, so klein sie auch sein mögen.
Als ich die Noten sah, musste ich grinsen.
Während meiner Schulzeit habe ich es in Klasse 8 auch mal geschafft, von einer dicken Handvoll 5en und einem blauen Brief in einem Halbjahrszeugnis bis auf die obligatorische 5 in Mathe alle anderen auf 2 bzw. 3 zu verbessern.

Gratulation!
Angelika (TanteGela)



von Angelika (TanteGela) - am 04.07.2003 10:27
Hallo Angelika,

danke!

wir haben uns über diesen Erfolg natürlich auch sehr gefreut, und natürlich gibt es für das Goldstück zur Belohnung auch die Erfüllung eines größeren Wunsches (in diesem Falle ist das sogar mal kein Kuhhandel, denn sie hatte ausnahmsweise keine Gegenleistung gefordert...)

LG Frank

von FrankR - am 04.07.2003 11:25
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