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ADHS ADS Selbsthilfe
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22
Erster Beitrag:
vor 15 Jahren, 1 Monat
Letzter Beitrag:
vor 15 Jahren, 1 Monat
Beteiligte Autoren:
Petra F., Marisa, sherita, Angelika (TanteGela), Ina*, Tina S, Mondstein, Heike 63, Veronika, ulla_39

Usnere bayerische Hohlmeierin

Startbeitrag von Veronika am 18.07.2003 10:52

Tja, jetzt wissen wir die Lösung der Probleme unserer Kinder!:

Die bayerische Staatsministerin für Unterricht und Kultus Frau Hohlmeier hat so eben im BR-Radio anläßlich irgendeines Sprottages irgendwo gesagt: .. es ist auch wichtig für Kinder dass sie Spaß ander Bewegung haben, dass sie ihren Körper kennen lernen und dass sie wissen, dass man nicht unbedingt Tabletten nehmen muß um ruhiger zu werden, sondern dass es langt, wenn man draußen rumtobt...

Tja, jetzt habt ihr es: Schickt eure Kinder zum Toben und alle Probleme sind gelöst.
Sagt es den Lehrern, sie sollen draußen tobende Kinder unterrichten
Als ob ich irgendein hyperaktives Kind kenne, was sich, wie andere Kinder, beim Toben austoben kann - meiner überdreht dann immer völlig und kaputt zu kriegen ist er dadurch nicht und.

Wütende Grüße, Veronika

Antworten:

Ahja....hm....
also ich hab hier so einen Kandidaten den man wenns sein muß 10 Std. am Stück toben lassen kann und er hat immer noch keine Ruhe in sich, eher das Gegenteil ist der Fall....
wäre ja klasse wenns auf diesem Weg ginge.

Da sieht man mal wieder.....keine Ahnung, aber davon eine ganze Menge....und das wird dann als Allheilmittel "verkauft".

Kopfschüttelnde Grüße

Mondstein



von Mondstein - am 18.07.2003 10:56
Hallo,

jetzt muß ich einfach mal was dazu sagen (sorry wenn es zu streng klingt)

Ich ärgere mich immer wieder mal darüber, daß einige ADS-Eltern und Kinder solche Aussagen auf sich selber beziehen. Es gibt nämlich wirklich genügend Kinder, die unberechtigterweise Retalin zur Ruhigstellung bekommen!!!

Und bei denen ist es sicherlich hilfreich, daß sie statt des Retalins mehr Aufmerksamkeit, mehr Bewegung, mehr Förderung erhalten!!!!!! In so fern ist der Satz auch richtig.

Was ich aber ebenso wie Ihr kritisiere: daß es nur die halbe Wahrheit ist. Der Satz müßte lauten:
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
"( ... ) es ist auch wichtig für Kinder dass sie Spaß an der Bewegung haben, dass sie ihren Körper kennen lernen und dass sie wissen, dass man nicht unbedingt Tabletten nehmen muß um ruhiger zu werden, sondern dass es langt, wenn man draußen rumtobt... --->> Zu bedenken ist aber, daß es bei den ADS-Kindern leider nicht hilft"
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Mit diesem Satz würde sie aber Ärzte-Diagnosen anzweifeln und das kann sie sich ja wohl nicht erlauben. Dennoch müßte es möglich sein, die Wahrheit vollständig(!!!) zu formulieren. Ich erwarte das als ernstzunehmende Bürgerin dieses Staates.

Nachdenkliche
Marisa

von Marisa - am 18.07.2003 11:18
Hallo Marisahh
Klar, da hast du Recht, wobei ich mich nicht angegriffen gefühlt habe, sondern mich, ebenso wie du, darüber ärgere dass solche Halbwahrheiten verbreitet werden....
und dadurch in vielen Bereichen die Eltern die Ritalin berechtigt geben vorverurteilt werden....
von wegen unter Drogen setzten ect...
Ich durfte mir erst vor ein paar Tagen solche Sätzen von meinem Vater anhören, selbst Mediziener, aber nach wie vor der Meinung ADS ist nur eine Erscheinung der heutigen Generation.
Ich hatte mich vielleicht mal wieder...wie leider häufig...nicht klar genug, bzw. falsch ausgedrück :-)

Mondstein



von Mondstein - am 18.07.2003 11:29
Hallo

Zitat

Es gibt nämlich wirklich genügend Kinder, die unberechtigterweise Retalin zur Ruhigstellung bekommen!!!


Wie kommst Du zu so einer Behauptung. Hast du dafür irgendwelche Beweise.

Solche Behauptungen machen mich ärgerlich, denn es gibt sicher noch immer genug Kinder, denen noch nicht geholfen wird.

Viele Grüße
Heike 63

von Heike 63 - am 18.07.2003 11:30

@ Heike

Hallo Heike!
leider ist es aber genau so.
und solange jeder Zahnartzt Ritalin ohne Diagnose verschreiben darf, wird es auch genug Kinder geben, die zu unrecht Rita und co bekommen.
Um Mißverständnisse zu beseitigen: Meiner Meinung nach sollte nur ein Facharzt NACH ADS/ADHS Diagnose Rita und Co verschreiben dürfen. Und nie ohne Begleitterapie.
Dann wäre das ganze Thema auch nicht mehr Medienschlagzeile, denn ers regt sich auch keiner auf wenn Zuckerkranke Kinder Insulin bekommen.
Aber leider meinen einige kiÄrzte es zu gut- oder überschätzen sich- und verschreiben OHNE Diagnose bei Auffälligkeiten Ritalin...( Im Bekanntenkreis jetzt erst wieder geschehen!!!)
Nachdenkliche Grüße Tina

von Tina S - am 18.07.2003 13:03
Liebe Marisahh,

die Behauptung, viel zu viele Kinder bekämen Ritalin zur Ruhigstellung, hört man immer wieder, allerdings bekommt man in den meisten Fällen keinerlei Beweise dafür mitgeliefert. Vielmehr trägt so was nur dazu bei, daß die wenigen Ärzte, die ADHS therapieren, noch mehr in "schlechten Ruf" kommen.

Dazu einige wichtige Punkte:
der BVAH hat schon mehrfach versucht, diversen schwammigen Behauptungen über Ritalin nachzugehen, darunter:
- daß es oft fehlverordnet wird
- daß der Anstieg der Verordnungen zu groß sei
- daß es von unqualifizierten Fachärzten, z.B. Zahnärzten, verordnet würde,
- daß es auf Schulhöfen gehandelt würde.

Nichts davon läßt sich auch nur annähernd beweisen. Fehlverordnungen kommen wahrscheinlich vor, wie bei ALLEN Medikamenten, aber mit Sicherheit viel seltener, gerade WEIL Ritalin so schlechte Presse hat. (Und selbst wenn: man merkt schnell, wenns nicht hilft, kann es leicht absetzen, bis dahin hat es kaum geschadet, und wenn es nicht wirklich nötig wäre, würde sich auch keiner der Prozedur unterziehen, es zu bekommen- jedenfalls nicht auf längere Sicht!!!)
Viel öfter dagegen gibt es die umgekehrte Fehlverordnung, nämlich daß kein Ritalin gegeben wird, obwohl es eigentilch angezeigt wäre (oder dann eben andere, "schwerere " Medis eingesetzt werden wie z.B. Neuroleptika). Der Anstieg ist völlig normal, wenn man bedenkt, daß vor ein paar Jahren noch fast keine vernünftige ADHS-Therapie zu bekommen war, und statistisch gesehen haben wir immer noch in vielen Regionen eine ziemlich krasse Unter (nicht über!!!) - Versorgung (btw, die Statistiken über den bösen Anstieg, die so im Umlauf sind, sind schlicht Blödsinn- die berücksichtigen z.B. nicht mal Patienten, die MPH aus andern Gründen kriegen). Aber wenn Ritalin nicht gut vertragen wird, die Dosierung nicht stimmt (kann passieren, kenn ichauch von andern Medikamenten), keine Verhaltenstherapie dabei zu haben ist, oder Eltern nach 3 Wochen das Ritalin wieder verunsichert absetzen, weil die örtliche Heilpraktikerin Horrorstories absondert- dann wird das im Auge des Betrachters alles als Fehlverordnung betrachtet.
Das mit den Zahnärzten war übrigens so: es war ein einziger, der ein einziges Mal ein einziges Ritalinrezept für einen ihm bekannten Patienten ausgestellt hat- möglicherweise war ja der behandelnde Arzt plötzlich ausgefallen oder so? In dem Falle wäre das Zahnarztrezept immer noch die bessere Wahl im Vergleich zu Therapieunterbrechung....
Die Sache mit den Schulhöfen ist auch arg übertrieben, aber sie wird immer wieder aufgewärmt, und ich nehme an, wenns nur oft genug wiederholt wird, werden sich dann sicher auch endlcih genug Schüler finden, die das doch mal probieren, was da in der Zeitung steht....

Aus meiner eigenen Erfahrung hätt ich da auch noch was, was vielleicht erklärt, warum mich solche Behauptungen immer so verärgern.
Kinderarzt X. steht in der Bevölkerung bis hin zum Gesundheitsamt im Ruf, zu leichtfertig ADHS zu diagnostizieren und zu leichtfertig Ritalin zu verordnen. Ich habe diesen Ruf nicht angezweifelt bis zu folgenden 2 Episoden:
Familie A., mir persönlich gut bekannt, hat zwei Kinder, eine Tochter davon mit deutlichen ADHS - Symptomen. Nach langem hin und her, als der Leidensdruck groß genug ist, entschließen sie sich endlich, X aufzusuchen, haben auch Glück- X nimmt kaum neue Patienten. Diagnose, Video, Gespräche, bla bla bla, Ergebnis: das Mädchen hat ADHS, nicht besonders extrem, aber deutlich. Eltern werden über Ritalin aufgeklärt, Verhaltenstherapie ist zu dem Zeitpunkt in der Gegend noch nicht zu bekommen. Eltern überlegen hin, überlegen her, reden noch mal mit X, überlegen weiter, probieren Homöopathie (ohne Erfolg), denken noch länger nach, weil Ritalin ja so furchtbar sei (weder X noch die Elterngruppe des BVAH ist imstande, die große Angst vor dem Ritalin zu mildern). Zwei Jahre (!) gehen ins Land, das Mädchen kommt in die Pubertät und hat keinen Bock mehr, die ganze Sache mitzumachen. Resultate:
- das Mädchen ist untherapiert und hat die gleichen Probleme wie vorher
- X hat eine Menge Zeit investiert, aber nichts bewirkt
- im Bekanntenkreis der Familie A. die Bestätigung: X diagnostiziert zu schnell!!!
zweiter Fall: Familie B., mir ebenfalls persönlich bekannt, hat einen Sohn, bei dem auf ADHS untersucht werden soll. Auch B. haben Glück, X nimmt ja eigentlich kaum Patienten (aus gesundheitlichen Gründen), läßt sich aber aus Weichherzigkeit doch ab und an mal überreden....X findet bei dem Sohn von Familie B. ein ADHS (ach, Überraschung...).B´s haben aber gehört, daß X viel zu leichtfertig...blablabla.....also kann es eigentlich nicht angehen, anderer Arzt muß her. Warteliste bei Y. Y diagnostiziert- Überraschung!!!! - ADHS und rät zu Ritalin. Familie B. läßt sich überzeugen. Y hat im Prinzip das Gleiche getan und das Gleiche diagnostiziert wie X (übrigens halte ich sowohl X als auch Y für sehr empfehlenswert), Familie B. war mit der Diagnose und Therapie durch Y auch sehr einverstanden (auch auf mcih machte alles den Eindruck, daß es Hand und Fuß hätte). Aber Frau B. kann es nicht lassen, weiterhin zu erzählen, daß X. zu schnell diagnostiziere.

Also wirklich, bei allem Verständnis für die Verunsicherung von Eltern, wenn sie das erste Mal mit ADHS konfrontiert werden (ging uns ja auch so, wem nicht?)- bei solchen Geschichten frage ich mich dann doch, was man von Kinderärzten eigentlich erwartet.

Übrigens suche ich noch immer nach einem Beispiel, bei dem X eindeutig ein ADHS gefunden hätte, wo keines vorlag. Bisher noch keines gefunden. Schon gar keinen Fall, wo jemand Ritalin fehlverordnet bekommen hätte und dadurch einen Schaden erlitten....dafür kann ich aber haufenweise Beispiele anführen, bei dem Schaden angerichtet wurde, indem man die dringend nötige ADHS-Therapie auf Anraten diverser "Experten" verzögert hat, die nicht müde werden zu warnen, daß Ritalin total überverordnet sei.

Das Gesundheitsamt weinte übrigens auch geraume Zeit in sein Kopfkissen wegen der Verordnungen durch X, die deutlich mehr waren als die der Nachbar-Kinderarztpraxen. Dummerweise ist es aber so, daß X über Jahre hinweg der einzige war, der sich weit und breit mit ADHS auskannte, und irgendwie ist es da nur natürlich, daß dort mehr Ritalin verordnet wird als woanders, oder? (So ist es auch mit dem auf Diabetes spezialisierten Allgemeinmediziner, der mehr Insulin verordnet als seine Kollegen. Überverordnung????)


Gruß
Petra

von Petra F. - am 18.07.2003 13:11

Re: @ Heike

Hi Tina,

zu dem Zahnarzt-Gerücht lies doch mal mein Posting an Marisahh.

Und was die Begleittherapie betrifft:

ich finde es zynisch, den Leuten die Medikamente auch noch zu nehmen, die keine Verhaltenstherapie bekommen können. Bis es wirklich genug Therapieplätze gibt, wird es wohl noch Jahre (Jahrzehnte) dauern....

und übrigens macht die medikamentöse Therapie, wenn sie denn vernünftig durchgeführt ist, meistens auch alleine durchaus Sinn.

Ritalin ist keinen Fatz gefährlicher als andere Medikamente auch. Warum also soll man dafür andere Richtlinien haben? Noch mehr Vorschriften vor die Verordnung setzen bedeutet mehr Arbeit für ohnehin überlastete Fachleute, noch längere Wartelisten, und, ja, noch mehr schlechte Presse. Denn wenn es nicht gefährlich wäre, würde der Gesetzgeber ja keine weiteren Vorschriften erlassen....

Das, was sich mancher unter einer verantwortlichen Umgangsweise mit Ritalin vorstellt, ist m.E. in der Praxis total unrealistisch. Davon abgesehen, daß es unbezahlbar ist. Schon jetzt muß so mancher Kinderarzt für die Diagnose draufzahlen und seinen Feierabend drangeben. Oder denkst du, die vielen Stunden, die die Öffentlichkeit pro Patient verlangt, bevor sie bereit ist, dem Arzt das ADHS zu "glauben", würden von den Kassen bezahlt? Da sollen, um das häufigste kinderpsychiatrische Krankheitsbild überhaupt erst mal in Erwägung zu ziehen, erst mal alle nur irgendwie denkbaren seltenen Sachen abgeklopft werden, die Kinder zu dutzendweise einzelnen Stellen geschickt werden (für eine extrem geringe Wahrscheinlichkeit, daß man da was findet- und wenn, wäre die Therapie u.U. viel belastender als ein Versuch mit Stimulanzien), da sollen Kinder stationär diagnostiziert und eingestellt werden...das ist absolut unrealistisch. Und auch, nur noch Psychiater die Therapie machen zu lassen, ist unrealistisch, dann würde das für die aller-allermeisten Patienten das Therapie-Aus bedeuten.

Ich kenne so manche Praxis, die von der ADHS-Therapie schon jetzt mehr Nachteile als Vorteile hat. Sollte man das noch verschärfen, würde mich nicht wundern, wenn die Versorgung noch schlechter würde.

Und das Ganze nur, weil die Zeitungen so gerne über das böse Ritalin schreiben. Übrigens, was passiert, wenn einer versehentlich Ritalin nimmt, ohne ADHS zu haben? So gut wie nichts!

Ich verstehe diese Art der Aufregung wirklich nicht mehr.

Petra F.

von Petra F. - am 18.07.2003 13:20
Danke Petra!!!!!

Auch bei dem Psychiater der meinen Sohn behandelt ist es ebenso. Gesagt wird: vorschnelle Diagnose, zu schnell Medis.
Doch dann soll mir doch einer verraten, warum mein Sohn nicht GLEICH Medis bekommen hat, warum mein Sohn ERST VT bekommt?
Ich denke mal, alles ist Ansichtssache und wir fühlen uns dort gut aufgehoben. Das Gerede der Anderen geht mir inzwischen quasi am A.... vorbei (sorry). Bei uns gibt es halt sehr wenige Ärzte die sich mit ADHS auskennen.

lg Ulla

von ulla_39 - am 18.07.2003 13:24

Re: @ Petra

Hallo Petra.

Ich möchte noch einen draufsetzen:

Auch wenn dies nicht als repräsentativ zu sehen ist, so hat eine Erhebung von mir in einer bayerischen Kleinstadt im April 2002 folgendes ergeben:


Methylphenidat-Verordnungen in XY (Stand 22.04.02)

Gesamteinwohner: 16648 (Stand 22.04.02)
Nur Erwachsene: 13725
Kinder gesamt: 2961
davon unter 6 Jahre: 937
von 6-18: 2024

Methylphenidatverordnungen:
Gesamt: 25
davon Erwachsene: 6
Kinder von 6-18: 19
Kinder unter 6 Jahren: --

Ergibt Methylphenidat"konsum" in %:

ausgehend von der Gesamteinwohnerzahl: 0.15%
Erwachsene: 0.0437%
Kinder von 6-18: 0.93%
Kinder unter 6 J.: 0.0%
Gesamt Kinder: 0.64%

Diese Zahlen denken sich mit einer Erhebung, die zum gleichen Zeitpunkt diesbezüglich in Schleswig-Holstein gemacht wurde.

Wenn man dagegensetzt, daß 3-6% der Kinder betroffen sind, kann man von einer gravierenden Unterversorgung ausgehen.

Ansonsten kann ich mich Dir nur anschließen und dazu bemerken, daß es langsam an Lächerlichkeit nicht mehr zu überbieten ist, wenn ständig "der Zahnarzt" angeführt wird, der aus uns nicht bekannten Gründen ausnahmsweise einmal ein entsprechendes Rezept ausgestellt hat.

Viele Grüße
sherita



von sherita - am 18.07.2003 13:52

Re: @ Heike

Hallo Petra

Danke für den ausführlichen Text. Du trifft genau meine Meinung.

Keine Mutter gibt seinem Kind Medikamente (egal welche) die nicht eine positive Wirkung haben und hier im Forum kenne ich niemanden der mit ADHS Problemen zum Zahnarzt geht.

Viele Grüße
Heike 63

von Heike 63 - am 18.07.2003 13:52

und nochn Nachtrag @tina...

Hi, Tina,

mir fiel noch was ein, zu dem , was du schriebst, von wegen vorschneller Verordnung im Bekanntenkreis. Davon abgesehen, daß mich das natürlich exakt an die Sache mit Familie A. und B. (Name geändert *ggggg*) erinnert, kann es ja gut sein, daß es bei DEINEN Bekannten ganz anders ist als bei meinen.
Aber-

wenn du schreibst, in dem und dem Fall ist zu schnell usw...dann unterstellst du dem Arzt ja imPrinzip einen Mangel an Verantwortung und unter Umständen sogar einen Kunstfehler. Und so was ist viel leichter gesagt als bewiesen. Bist du dir sicher, daß es wirklich kein ADHS war? Hat ein anderer erfahrener Arzt das feststellen können? Und wenn ja: ist dann der Irrtum, der zur ADHS - Diagnose führte, auf Fahrlässigkeit zurückzuführen, oder ist das vielleicht ein Fehler, der jedem zweiten Arzt passiert wär in dieser Situation? Last not least: wie schlimm ist es denn, daß hier das Medikament verordnet wurde? Ich meine, eine Familie sucht eine solche Diagnose ja nicht aus heiterem Himmel, sondern meist doch, weil IRGEND WAS nicht gut läuft, irgendein Leidensdruck - vielleicht subjektiv, aber doch vorhanden ist. Und bedenkst du auch, wie groß der Schaden sein kann, wenn ein ADHS nicht behandelt wird? Die Folgeschäden können bis zum vorzeitigen Tod führen, das mache man sich bitte klar!

Ich will nicht abstreiten, daß es zu schnelle Diagnosen, falsche Diagnosen und auch falsche therapien gibt. Und sicher auch Ärzte, die schnell, schnell irgendein Rezept krickeln, um den Patienten durchzuschleusen. Nur gilt das für viele Krankheiten, mit bei einigen andern Krankheiten z.T. viel übleren Folgen durch die Fehlverordnungen. Nur: bei andern Krankheiten wechselt man halt den Arzt, und fertig. Gehts aber um ADHS, wird gleich laut weitererzählt, ohne Rücksicht darauf, daß das bis zum Rufmord gehen kann. Wird hier nicht mit zweierlei Maß gemessen? (dazu schreib ich gleich noch ein extra Posting über die Interpretation der Barkley Studie).

Auch in Norddeutschland soll es einen geben, der schneller mit Diagnose und Ritalin ist als andere (nein, ich rede nicht von Dr. X). Aber ehrlich gesagt finde ich das nicht schlimmer als die Tatsache, daß es in jeder größeren Stadt mehrere Ärzte gibt, die den Diabetes schlecht versorgen, weil ihre Kenntnisse vor 35 Jahren stehengeblieben sind (mit den bekannten Folgen Erblindung, Nierenversagen, Fußamputation - kommt auch bei gut versorgten Diabetikern vor, aber eben meist etwas "langsamer"). Kein Mensch würde deshalb verlangen, nur noch extra ausgebildete Ärzte dürften Insulin verordnen- die Todesfälle durch die zu langen Wartelisten wären dann kaum zu zählen.

Ich erzähle übrigens auch nicht in aller Öffentlichkeit von denjenigen Ärzten, die meines Wissens ein ADHS jahrelang übersehen haben, weil ich generell mit solchen negativen Erzählungen über andere Leute vorsichtig zu sein versuche - es sei denn, derjenige exponiert sich selbst zu dem Thema in der Öffentlichkeit (dann ist Rücksichtnahme nicht angesagt, finde ich).

Also, wie ist es: kannst du guten Gewissens bei der Behauptung bleiben, du kennst da einen Fall von Fehldiagnose und Überverordnung? Mit solchen Behauptungen spielst du wirklich nur den Ritalingegnern in die Hände, denen, die daraus eine ideologische Sache machen wollen, obwohl es doch hier um was Medizinisches geht. Hat der wirklich ohne Diagnose Ritalin verschrieben? Eventuell nur für einen kurzen Zeitraum ? Sicherlich nicht als Dauertherapie? Natürlihc ist Ritalin keine ADHS-Testpille, aber wenn der Leidensdruck sehr groß und die Kapazität in der Praxis klein ist, mag es mal passieren, daß einer "erst mal" Ritalin verordnet (als Notfallmaßnahme? Wäre doch möglich?).
Wenn der Doc tatsächlich mit dem Rezeptblock rumwedelt- dann sollten deine Bekannten einfach den Arzt wechseln; aber deshalb unrealistische und unbezahlbare Forderungen an ALLE Ärzte zu stellen, finde ich falsch- das wird auch nicht bei andern Krankheiten gemacht, wo Fehlverordnungen Schlimmeres bewirken als beim Ritalin!

Gruß
Petra

von Petra F. - am 18.07.2003 13:58

Re: @ Tina

Hallo Tina.
Tina S schrieb:

Zitat

Meiner Meinung nach sollte
nur ein Facharzt NACH ADS/ADHS Diagnose Rita und Co
verschreiben dürfen. Und nie ohne Begleitterapie.


Dem ersten Satz kann ich mich m.E. anschließen.
Dabei möchte ich aber anmerken, daß auch Kinderärzte/Allgemeinmediziner/Praktische Ärzte (so sie sich entsprechend weitergebildet haben) als in diesem Fach bewanderte Ärzte sein können.

Zum zweiten Satz: Das mußt Du mir weiter ausführen, wenn ich es nicht so verstehen soll, daß Ritalin dann nicht verschrieben werden darf, wenn eine Begleittherapie mangels zur Verfügung stehender Therapeuten nicht sofort bzw. erst später stattfinden kann.

Viele Grüße
sherita



von sherita - am 18.07.2003 14:22
Ups,
da habe ich aber was losgetreten .... *staun*

@Mondstein:
Du hast in Deinem Posting alles prima formuliert.*lächel* (und ich hatte Dich gar nicht persönlich gemeint.)

@alle
Fassen wir doch mal zusammen:
- Politikerin meint, daß Sport treibende Kinder keine Tabletten brauchen, um ruhiger zu werden.
- Veronika ist sauer, weil sie und die anderen ADS-Kinder sich angesprochen fühlen.
- Marisa (=ich) meint, daß es auch andere Kinder gibt, die zu schnell Ritalin verschrieben bekommen und an die wohl die Äußerung der Politikerin gerichtet war. Leider werden bei solchen Halbwahrheiten die "diagnostizierten ADS-Kinder" in Mitleidenschaft gezogen.
- Susie ist sauer, weil Marisa die Menge der "unberechtigten Retalin-Kinder" zu hoch angesetzt hat.
- Petra macht Marisa darauf aufmerksam. Danke, Petra, ich kenne wirklich einige Kinder, die tatsächlich vorschnell Retalin erhalten. Es gibt tatsächlich Mütter, die damit prahlen, wie einfach es ist, an Retalin dranzukommen und daß ihr "Kind auch tatsächlich viel ruhiger geworden sind!" Fand ich auch, als ich diese Kinder sah, nämlich zu ruhig, zu passiv, zu teilnahmslos.... Aber. liebe Petra, liebe Susie, ihr habt da recht, ich habe mit meiner ungenauen Formulierung eine höhere Zahl sugeriert, was ich nicht im geringsten beabsichgte. (Asche auf mein Haupt).

Darf ich denn sagen, daß es einigen Kinder auch recht gut tun würde, wenn man sich mehr um sie kümmern würde? Ich will keinesfalls etwas schlechtes über irgendeine Diagnose geschweige denn über ADS-Kinder oder ADS-Erwachsene sagen.

Dennoch sehe ich Kinder, bei den ich mir sehnlichst wünsche, daß sie eine innere Ruhe finden, eine Geborgenheit, aus der heraus sie entspannter und konzentirierter handeln können, ohne Angst abgelehnt zu werden oder "wieder einen drauf zu kriegen". Diese Gefühle treffen zwar auch auf unsere ADS-Kinder und -Erwachsenen zu, aber auch auf diejenigen, die manchmal eben einfach unglücklicherweise in ungünstigen Umständen aufwachsen.

Die Diskussion oben entstand möglicherweise durch folgendes Mißverständnis:
Veronika unterstellt der Politikerin fachliche Inkompetenz. Ich dagegen dachte mir (im Zweifel für die angeklagte Politikerin), dass sie sich ledig bescheuert ausgedrückt hat, und unter der Annahme der fachlichen Kompetenz dadurch leider auch die „diagnostizierten ADS-Kinder“ ins schlechte Licht rückt. Und dass man sichals ADS`ler dochnicht ärgern soll, denn es sind doch wohl die anderen Kinder gemeint.

O.k. Als Politikerin darf sie sich solche Fehl-Formulierungen, verwirrend oder inkompetent, nicht leisten!!!

Ich bin ja ebenso wütend und verzweifelt wie Ihr, wenn ADS mal wieder nicht ernst genommen wird (und ich mit meinen Fähigkeiten und Macken somit auch nicht). Aber ich habe als ADS-Neuling anscheinend noch(?) einen zu neuen und zu positiven Blick. Klar kenne auch ich diese andauernde Ignoranz der meisten Menschen um mich herum. Aber noch halte ich es aus. (bis zu meinem verzweifelten Posting im Forum. Dann werde ich mich an diese Diskussion erinnern

Liebe Petra, Deinen Ausführungen schließe ich mich an, und bewundere Deine Fähigkeiten der präzisen Formulierungen. Hut ab!!!

Ob ich die Aufregung durch meine Darstellung etwas glätten konnte?

Marisa

von Marisa - am 18.07.2003 14:37

Re: Unsere bayerische Hohlmeierin

Hallo Marisa!

Vielleicht sollte das Buch von Dagmar D. "Sitz doch endlich still" zur Pflichtlektüre all derer erklärt werden, die immer wieder meinen, es würde viel zu viel R*I*talin verordnet.

-Das soll jetzt keine böse Spitze sein!-

Wie Frau Dr. Hammer kürzlich in einem Interview im Fernsehen sagte:" Viele ADS-Kinder sehe ich leider erst nach dem 1. Selbstmordversuch".

Und nun stellt sich die Frage, WARUM?
Meine Antworten sehen so aus:

- Weil es zu wenig Ärzte gibt, die kompetent sind
- Weil immer noch zu zaghaft ein hochwirksames Medikament
verordnet wird
- Weil den Eltern immer wieder eingeredet wird, sie seien Schuld
- Weil den Eltern nicht zugehört wird
- Weil versucht wird, eine psychologische Erklärung zu finden
- Weil ADS laut der längst widerlegten Theorie einiger
Aussenseiter eine Modeerscheinung darstellt

Wobei ich nicht in Frage stelle, dass es unter all den auffälligen Kindern durchaus welche geben mag, die KEIN
ADS haben, und die nicht von einer Methylphenidat-Therapie profitieren.
Das aber merken aufmerksame Eltern/ Ärzte usw., und es sind verschwindend wenig Fälle.
Viel höher hingegen ist die Zahl der Kinder, die nicht behandelt werden, die nicht erkannt werden und die nicht mehr leben wollen.

Angelika (TanteGela)



von Angelika (TanteGela) - am 18.07.2003 15:00

Re: Unsere bayerische Hohlmeierin

Hallo ,

auch mein Kind hätte DRINGEND eine VT gebraucht !!Diese bekommt sie aber nicht , da es bei uns leider KEINEN VTherapeuten gibt .

Bis zur endgültigen Diagnose hat es gut 2 !! Jahre gedauert .

In dieser Zeit haben wir 1 Kinderärztin

2 Kinderpsychiater

4 Psychologen

1 Musiktherapeutin

und 1 Schulpsychologen

Verschlissen !!!!!

Bekommen haben wir Ritalin , das mein letzter Strohhalm war .

Soviel zu der Begleittherapie !!

Dank unseres Jungendamtes wurde mir dann eine Familienhelferin an die Seite gestellt , von der ich sehr viel gelernt habe . Ohne diese Frau wären wir NIE soweit gekommen , wie wir heute sind .

Auch das Elterntraining wurde mir von JA vermittelt .

Inzwischen läuft es ganz gut mit meiner Tochter und ich bin ganz gespannt auf ihr Zeugnis in 14 Tagen .

Liebe Grüße von

Ina

von Ina* - am 18.07.2003 20:12

Re: Unsere bayerische Hohlmeierin

Hallo Ina,

ein Hurra auf Euer Jugendamt!!! Nicht alle Jugendämter zeigen sich so gut über ADS informiert, da tut es mal gut, ein positives Beispiel zu hören.

Ich wünsch viel Erfolg, daß es mit der Tochter weiterhin aufwärts geht :-)))

Petra

von Petra F. - am 18.07.2003 20:21
Hi Marisahh,


okay, mit mir gehts manchmal durch. Wenn jemand davon erzählt, er kenne Kinder, die zu vorschnell Ritalin bekämen, dann sollte ich nicht gleich annehmen, daß er nicht recht hat. Nur habe ich bisher halt beobachtet, daß derlei Erzählungen in den allermeisten Fällen einfach nicht gestimmt haben, und bin insofern wohl darauf getrimmt, das Ganze zu hinterfragen...

Auch das mit den "zu ruhig wirkenden " Kindern höre ich oft. Ich SEHE es auch oft. Und fand das anfangs ziemlich bedenklich. Auch mein Sohn wirkt am Vormittag für einen Zeitraum- ca. eine Stunde- so. Um so erschreckender, als er sonst übersprudelt, leuchtende Augen hat und so. Die Lehrerin fragte mich sogar mal, ob er in dieser Phase depressiv sei....wenn man da aber nicht genau hinschaut, dann trägt man wiederum unfairerweise zum schlechten Ruf der Medikamente bei. Denn:

- wenn ein Kind sehr ruhig und in sich gekehrt wirkt, heißt das noch nicht, daß es sich auch so fühlt. Nachfragen ergeben dann oft, daß die Kinder gar nicht wissen, warum die Erwachsenen so komisch fragen.....
- manchmal bewertet man dieses Ruhigsein besonders stark, weil man eben diese Kinder ja anders kennt...wenn die zurückhaltende, phlegmatische Kleine von nebenan so wirkt, macht man sich diese Gedanken gar nicht erst.
- auch das mit den strahlenden Augen ist so: irgendwie wirken die Augen unter Ritalin weniger strahlend und funkelnd. Schade darum, aber ich ziehe doch die Therapie dem Funkeln vor, im Interesse meines Kindes....
- bei Kids, die gerade erst mit der Therapie anfangen, kann auch unter den Medikamenten eine gewisse Niedergeschlagenheit auftreten, weil sie zum ersten Mal die Umwelt realistisch wahrnehmen (woran sich das Gehirn erst mal gewöhnen muß), und weil sie zum ersten Mal realistisch wahrnehmen, wie ihre Situation (z.B. mit den Mitschülern) tatsächlich ist- und das ist schwer zu verdauen (so gings mir selbst übrigens auch).
- und dann gibt es noch die Überdosierung. Ein bißchen überdosiert kann schon zu so ruhigem Eindruck führen. Ich nehme z.B. an, daß das in der einen Stunde am Vormittag bei uns der Fall ist, aber ich weiß keine Lösung, denn für eine bessere Einstellung müßte ich genauere Rückmeldung von der Schule haben, und das schaffen die nicht! Bei manchen kann das in der Phase, in der man die richtige Dosis noch sucht, mal zu kurzfristigen Überdosierungen kommen, und manchmal ist es so wie bei uns: man gibt sich mit einer nur einigermaßen passenden Dosis zufrieden, weil anderes auf absehbare Zeit nicht zu erreichen ist.

Was alles nicht heißen soll, daß man in solchen Fällen nciht genau hinguckt und nach Verbesserung suchen soll, klar.

Was allerdings die Mütter betrifft, die damit prahlen, wie leicht man Ritalin bekäme: so was hab ich noch nie gehört, nur in dem Zusammenhang, daß jemand gerne mal einen Arzt schlecht machen wollte (weil das gerade Mode ist). Eigentlihc schießt man sich so selbst ins Knie. Ich verstehs nicht.

Gruß
Petra

von Petra F. - am 18.07.2003 20:32

Re: Unsere bayerische Hohlmeierin

Hallo Petra ,

eigentlich bin ich zum JA , weil unsere Situation zu hause nicht mehr tragbar war .

Ich war so fertig mit den Nerven , das ich meine Tochter in ein Heim einweisen lassen wollte .

Sie war überhaupt nicht Konfliktfähig , und ist 3 mal abgehauen ,hat die Schule geschwänzt usw.........

Ich konnte nicht mehr .

Allerdings traf ich dann auf eine Recht Junge und aufgeklärte Sachbearbeiterin , die aber wirklich ALLES für uns tat .

So setzte sie z.b. durch das meine Lisa Nachhilfe vom JA bezahlt bekam . Damals war sie noch auf der Realschule , und es gibt normalerweise KEINE Kostenübernahme für Realschüler .

Ich glaub die Frau hätte ihr letztes Hemd gegeben um uns zu helfen .

Dieses Vertrauen hat mir so unsagbar gut getan und auch mich langsam wieder aufgebaut .Denn auch ich war natürlcih der Meinung eine schlechte Mutter zu sein . Was wir ja alle schon hinter uns haben .

Es gibt , Gott sei Dank , auch ganz tolle , menschliche Beamten,die wirklich helfen wollen zum Wohl der Familie .

Ich denke , das wir auf dem besten Weg sind .


Liebe Grüße von

Ina

von Ina* - am 18.07.2003 20:34

Re: Unsere bayerische Hohlmeierin

Hallo Angelika (und die anderen Diskutierenden und Mitlesenden),


ich lese Eure postings aufmerksam , stimme Euch meistens zu frage mich, dennoch, warum ich m e i n e Erfahrungen gemacht habe. Üblicherweise bin ich vom Wesen her eher skeptisch-neugierig, und auch wohlwollend. Warum also habe ich dennoch den Eindruck, daß es einige Kinder gibt, die zu schnell Retalin bekommen. Mag das daran liegen, daß mein Sohn in seiner ersten Schule zusammen mit 19 Kindern fremder Länder (überwiegend Türkei und Jugoslavien) in die Klasse ging? Er und 2 andere Jungen waren die einzigen Deutschen. Da war die Klassenatmosphäre und das Selbstverständnis von Schule ein ganz anderes als das was wir hier besprechen!

Auch in seiner 2. Schule waren 8 von insgesamt 24 Kindern deutsch. An Elternabenden bestand kein Interesse, an Zusammenarbeit erst recht nicht. Die türkischen Kinder waren ebenso wie die jugoslavischen immer unter sich. Geburtstagseinladungen funktionierten ebenso wenig wie gemeinsames Spielen während der Pausen. Und zu den Eltern bekam man auch bei Klassenfesten keinen Kontakt. Sie zogen sich oft zurück, blieben unter sich und erzählten dann dochgene, wie gut dieser oder jener türkische Kinderarzt ist.

Unser Stadtteil ist harmonisch gewachsen, urig und preiswert. Da leben verschiedene Gesellschaftsschichten friedlich und gerne nebeneinander. N e b e n e i n a n d e r !! Mag sein, daß ich in genau diesem ... (mensch, wie schreibt man bloß Miljö richtig ??) meine Eindrücke gesammelt und wiedergegeben habe, die dann natürlich gefärbt sind.

.... ?...... ?......

Marisa
(die jetzt total müde ins Bett kippt)

von Marisa - am 18.07.2003 22:10

Re: @ Tina

Guten Morgen!
Mit begleitterapie meine ich , das die Patienten nicht ohne Infos etc. mit den Medis und dem ADS ADHS alleingelassen werden. Auch eine SHG in der Nähe sollte empfohlen werden. Alle anderen T. wie VT etc. sind natürlich schwer zu finden, Termine etc. So war es auch nicht gemeint.
Aber Fall Bekanntenkreis: Kind bekam vom KiArzt OHNE Diagnose nach Anschauen Ritalin verschrieben und die Mutter wüßte nicht was los ist. Da ich auch kein Fachmann bin, habe ich sie zum KiJuPhs. geschickt, der nun erstmal mit den Tests anfängt. Warscheinlich hat er ADS, aber bevor m.M. nach Medis genommen werden , würde ich immer alle anderen Sachen ausschließen. Das kann natürlich dauern. Aber dann hat man wenigstens gewissheit.
Ich kann mir vorstellen, das es noch ein menge anderer Krankheiten gibt die mit Zappeligkeit und Konzentrationsstörungen einhergehen.
Liebe Grüße Tina

von Tina S - am 19.07.2003 07:20

Re: @ Tina

Hallo Tina!

Ja, es gibt eine Menge anderer Ursachen für Unaufmerksamkeit, Rastlosigkeit usw.
Aber diese oftmals organischen Ursachen kannst nicht DU ausschließen, sondern das gehört schon in die Hände eines Arztes.
Deswegen sagt man ja auch, dass ADS eine Ausschluss-Diagnose ist, weil es halt keinen Blut-oder Pinkel-Test gibt mit dem man ADS definitiv diagnostizieren kann.
Und solange das so ist, gehört zu einer ADS-Diagnose das ganze Untersuchungs-Programm.

Angelika (TanteGela)



von Angelika (TanteGela) - am 19.07.2003 08:53
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