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Informationen zum Thema:
Forum:
ADHS ADS Selbsthilfe
Beiträge im Thema:
7
Erster Beitrag:
vor 14 Jahren, 11 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 14 Jahren, 11 Monaten
Beteiligte Autoren:
1971, Angelika (TanteGela), Tina S

Spielball der Gefühle

Startbeitrag von 1971 am 19.08.2003 07:14

Hallo!

Bisher hatte ich noch keine Gelegenheit, mich auf ADS untersuchen zu lassen, weil ich in der tiefsten Provinz lebe. Dennoch halte ich es für gut möglich, ADS zu haben.

In vielen oft beschriebenen Merkmalen erkenne ich sowohl mich als auch meinen Vater wieder.

Mein Problem ist sicher schwer in den Griff zu bekommen. Trotzdem hoffe ich auf einige gute Tips.

Ich bin so überemotional. Das äussert sich bei mir seltsamerweise selten in Aggression, manchmal in autoaggressivem Verhalten, häufig in schnellem Weinen, gewöhnlich jedoch in totaler Handlungsblockade. Das letztgenannte ist wahrscheinlich noch das sozial verträglichste Verhalten von allen und trotzdem hat es seine Tücke.

Es untergräbt regelmässig meine Arbeit und meinen Zeitplan. Ich neige eh schon zu Chaos und Ablenkbarkeit, was ich jetzt aber , wo ich mich mit ADS Beschäftige,ein wenig zu kompensieren schaffe. Meine Verletzlichkeit aber, lässt mich regelmäßig am Tagesziel scheitern.

Oft sind es Banalitäten, über die ich stolpere. Aber die Welt ist nun mal nicht ohne Probleme und Auseinandersetzungen und deshalb müsste ich eigentlich mit Verstand und kühlem Kopf die Sache angehen. Das Kuriose an der Sache ist, dass ich oft genug die Situation blitzschnell analysiere und haargenau weiss, wie am besten zu handeln sei. Nur sind meine Gefühle oft konträr dazu und dann passiert gar nichts. Dann bin ich einfach nur wie gelähmt. Wenn dann noch andere Faktoren hinzukommen - früher hatte ich viel Prüfungsstress - dann versagt sogar meine analytische Seite und ich ersaufe in einem Durcheinander von Gefühlen. Dann habe ich gar keine Chance mehr, dann kann ich mich innerlich nicht einmal mehr ein wenig in die richtige Richtung prügeln. Dann habe ich überhaupt gar keine Richtung mehr...

Hinzu kommt, dass dieses Blockieren oft missverständlich ist. Oft wirke ich bei Kritik beleidigt, weil ich in mich selbst versinke und "zu mache" und mich sogar in ein anderes Zimmer zurückziehe. Dabei bin ich so furchtbar selbstkritisch. Ich kann dann keine weitere Kritik von Aussen vertragen. Wenn man mich dann nicht in Frieden lässt, mir weiter (oft durchaus berechtigte) Vorwürfe macht, oder behauptet ich sei beleidigt dann fange ich an zu heulen, hau mit den Arm gegen das Bett oder in ganz seltenem Fällen brülle ich mein Gegenüber an. Aber zum Glück werde ich meistens in Frieden gelassen. Ein Nachgeschmack von Uneinsichtigkeit wird freilich bleiben. Dass die Kritik und Einsicht bei mir angekommen sind, dürfte meinem Gegenüber nämlich verborgen geblieben sein. Wer kann als "normaler" Mensch sich schon vorstellen, wie das ist, wenn der innere Seismograph so sensibel eingestellt ist, dass er das Graben eines Regenwurms als schweres Erdbeben deutet....

Ich hoffe ihr habt ein paar Tips für mich. Wenn sie nur ein ganz klein wenig helfen, wenn sie mich nur einmal in 100 Fällen normal reagieren lassen, bin ich schon zufrieden. Wunder erwarte ich nicht...

1971

Antworten:

Hallo 1971!

Mein einziger Tipp wäre, Dich in die Hände eines Fachmannes zu begeben.

Das, was Du schreibst, hört sich für mich jedenfalls danach an, dass Du Hilfe beim Be-und Verarbeiten von Deinen Gefühlen brauchst.

Ob das Ganze nun im Zusammenhang mit ADS zu sehen ist oder nicht, kann man unmöglich in einem Forum beantworten.

Deutlich wird für mich nur, dass Du momentan unter Deiner Situation leidest und sie schwer aushalten kannst.

Hast Du im Freundes- oder Familienkreis Menschen, mit denen Du über Deine Empfindungen reden könntest?

Versuch doch mal, unter der Angabe Deines Wohnbereiches/PLZ hier im Forum eine reale Selbsthilfegruppe zu finden.
Ein persönlicher Kontakt zu anderen Menschen bringt Dich zumindest insofern weiter, als Du Adressen von Ärzten in Deinem Umfeld bekommst.

Den wichtigsten Schritt aber hast Du schon getan, indem Du Deine Gedanken hier ins Forum geschrieben hast.

Alles Gute!

Angelika (TanteGela)



von Angelika (TanteGela) - am 19.08.2003 07:44
Hallo !
Ich kenne Ähnliches. Bei Streit z.B. kommt es oft vor, das ich abwesend erscheine- allerdings hellwach bin, nur " in mir gefangen". Das bringt meinen mann regelmäßig auf die Palme. Für ihn sieht es so aus, als ob ich nur aus dem Fenster...starre, und nicht zuhöre. Dabei arbeitet mein Hirn auf Volldampf-nur kann ich es nicht rüberbringen. Allein schon um nichts falsches zu sagen- nicht das ich verklemmt oder schüchtern wäre-eher das Gegenteil -smile--ich möchte mich blos erst beruhigen und " bedenken" um mein Gegenüber nicht zu verletzen indem ich nicht " bedachte" Dinge sage.
Klingt das verwirrend????Hach-ich brauche so ein Dings, das meine Gedanken ordnet und dann in den Computer eingibt...
Sonnige Grüße aus NRW
von Tina

von Tina S - am 19.08.2003 07:52
Hallo Angelika!

Naja, im Augenblick ist meine Situation schon noch ertragbar. Ich bin nur Hausfrau und noch nicht Mutter. Aber natürlich ist das kein Dauerzustand. Im Oktober kommt mein Kind und das verändert natürlich vieles. Da mache ich mir auch keine Illusionen.

Mit Fachleuten habe ich momentan so meine Probleme. Ich habe vor einem halben Jahr eine Psychotherapie beendet, bzw. sie ist von meiner Krankenkasse - zu Recht - nicht fortgesetzt worden. Mit der Psychologin hatte ich von Anfang an Probleme gehabt, war aber zu dem Zeitpunkt so kraftlos, dass ich zu einem Wechsel nicht fähig war. Eine vernünftige Anamnese hat sie nicht gemacht. Wir haben wohl einige Lebensdaten im Vorfeld besprochen und daraus hat sie recht schnell geschlossen, dass ich nicht erwachsen sei und es wohl auch nicht werden wolle.

Jedenfalls hatte ich das Gefühl, mir werde da ein Mäntelchen übergezogen, dass mir gar nicht passt. Ich habe mich auch anfangs versucht zu verteidigen aber die Frau ist eine starke Person, gegen die ich nicht ankam. Ich habe dann bestimmte Themen gar nicht mehr angesprochen. (Die haben dann mein Mann und ich später zusammen gelöst.) Ich spürte dann sehr schnell, dass sie auf andere Sachen, ganz anders reagierte, also habe ich zweitrangige Probleme vorgeschoben.

Mit der Zeit ist dann doch ein wenig Vertrauen gewachsen. Aber dann hat sie sich wieder so aufgespielt. Hat gesagt, ich solle endlich erwachsen werden. Dabei hatte ich ihr eine Sache erzählt, in der bestimmt 80% der sogenannten Erwachsenen wie ich gehandelt hätten. Ich habe es mein Leben lang immer und immer wieder erlebt und ich spürte nun, es geht sich in dem Gespräch nicht mehr um mich sondern darum, wer im Gespräch die Macht behält. Und da hatte ich es satt...

Ich war froh, dass in der darauffolgenden Sitzung die Nachricht von der Krankenkasse kam, einer Therapieverlängerung bei derselben Psychologin werde nicht zugestimmt . Ich könne aber bei einer Diplompsychologin weitermachen.

In Zeiten, wo ich noch studierte, hatte ich eine Diplompsychologin in Köln. Bei der fühlte ich mich besser aufgehoben. Sie hatte mir sehr geholfen, auch wenn sie mein Scheitern im Studium nicht verhindern konnte. Zu ihr wollte ich auch eigentlich wieder hin. Nur scheute ich die lange Fahrt und den Grossstadtlärm. (Klingt blöde, aber das ist tatsächlich ein Riesenproblem für mich. Der Lärm und das Durcheinander in der Stadt). Ich beschloss also überhaupt einen Monat Therapiepause zu machen und es geschah fast ein Wunder.

Bereits während der Therapiezeit, aber unabhängig von der Therapie selber, hatten mein Mann und ich uns über einige Dinge ausgesprochen, was vieles wieder ins Lot gebracht hatte. Und dann habe ich diese Wut auf die letzte Therapeutin gehabt, habe im Nachhinein vielmehr gesehen, als ich während der Therapie wahrnehmen konnte. Und in der (inneren)Auseinandersetzung mit ihr, habe ich mehr Selbstsicherheit gefunden und Wege für mein Leben, die vorher einfach zu waren.

Dann habe ich mich mit ADS beschäftigt, habe festgestellt, dass ich viele Mängel habe, die ADS-typisch sind und dass auch mein Vater viele dieser Probleme gehabt hatte. Und in diesem Lichte erscheinen auch ganz schlimme Dinge, die zwischen ihm und mir gewesen waren auch anders (wenn es denn auch wirklich ADS ist). Ich würde gerne wissen, ob ich ADS habe oder nicht. Ich bin jetzt seit einiger Zeit auf der Suche nach Fachleuten hier im Oberbergischen . Aber anscheinend ist dort niemand.

Wenn es nicht anders möglich ist, muss ich mich wirklich nach Köln zwingen. Oder zu einen Spezialisten nach Attendorn, der jedoch eine lange Warteliste hat. In der Zwischenzeit nehme ich ADS als eine Art Arbeitshypothese, suche nach Methoden, die störenden Merkmale so gering wie möglich zu halten und habe in den Bereichen Ordnung und Ablenkbarkeit bereits kleine Erfolge. Jedoch ist und bleibt meine Empfindlichkeit nach wie vor ein Problem.

Es tut mir leid, wenn das Geschilderte Besorgnis erregt. Im Augenblick geht es mir ja wirklich alles andere als schlecht. Aber ich suche halt nach dem Handwerkszeug um eventuelle Schäden so gering wie möglich zu halten.

Wenn jemand also Tips hat, wie das wilde Pferd namens Emotion im Zaum zu halten ist, freue ich mich.

Und ich verspreche, mich weiter nach Fachleuten im Bereich ADS umzusehen. Nur versteht bitte, dass ich vor ADS unkundigen Psychologen einen Bogen mache. Zumindest im Moment... Ich sage ja nicht, dass ich zwingend ADS habe und es keine anderen Probleme gibt. Aber mein Vertrauen ist da doch ziemlich am Boden.

Wenn es gar nicht anders geht, gehe ich doch zu meiner alten Kölner Psychologin. Nur ist das schon schwierig, wenn man sich eigentlich wohl fühlt, wie selten zuvor im Leben...

1971



von 1971 - am 19.08.2003 09:13
Hallo Tina!

Ja so ähnlich ist es bei mir auch. Jedenfalls was solche Situationen anbetrifft (Streit, Kritik). Da glaube ich, da haben Mutter Natur und vielleicht auch frühkindliche Erfahrungen mir eine Sicherung eingerichtet um mich und die Umwelt zu schützen. Aber leider ist das auch nur besser als Ausrasten und keineswegs das angemessene Verhalten.

Leider habe ich mit meiner Emotionalität auch noch andere Probleme. Manchmal bin ich verletzt und weiss, das ist eigentlich nicht des Kummers wert. Meistens - egal ob ich deswegen was sage oder es für mich behalte - hängt mir das ziemlich lange nach und es lähmt mich tatsächlich und frisst mir Stunden vom Tag weg und dann kann ich gar nichts dagegen tun.

Ähnlich ist es mit Angst. Manchmal machen mir idiotische Dinge Angst und ich werde handlungsunfähig.

Das klingt vielleicht nach Depression. Aber ich weiss, wie sich Depressionen anfühlen. Depressionen sind das nicht.

Ebenfalls sonnige Grüsse - und ebenfalls aus NRW ;-)



von 1971 - am 19.08.2003 09:33
Hallo 1971!

Ganz in Deiner Nähe findest Du einen richtig netten Menschen, der sich supergut mit ADS auskennt.
Vielen Forumsmitgliedern hier hat er schon geholfen, und auf seiner HP sind jede Menge Tipps.
Wann Du eine Diagnostik machen lässt, bleibt Dir völlig selbst überlassen, Priorität hat wohl erstmal der kleine Mensch in Deinem Bauch.

[www.hks-ads.de]

Angelika (TanteGela)



von Angelika (TanteGela) - am 19.08.2003 15:56
Vielen Dank für den Tip. :-)

Mit dem Mann hatte ich auch schon vor einiger Zeit kurzen e-mail Kontakt. Leider ist seine Wartezeit für die Diagnose 6 Monate, für eine eventuelle Therapie 2 Jahre. Und Attendorn ist doch auch noch eine ganze Strecke von hier weg.

Dennoch bin ich am überlegen, ob ich nicht dort wenigstens die Diagnostik mache. Er scheint mir ja sehr viel Ahnung zu haben.

1971



von 1971 - am 19.08.2003 16:29
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